Ironman Arizona 2021: Laufstrecke & Finishline

You are an Ironman. Welcher Langdistanz Athlet möchte diese Worte nicht wenigstens ein Mal hören?!? Damit enden Monate der Vorbereitung, Tage der Aufregung und Stunden der Anstrengung. Jedes Mal wieder bin ich überwältigt von dem Gefühl, von den Geschehnissen, von der Leistung, die der Körper und Kopf zusammen erbringen können. Egal wie langsam es unterwegs erscheinen mag, irgendwann wartet tatsächlich eine sagenhafte Finishline. So wie auch auf mich wieder. Der Weg bis zur Ziellinie des Ironman Arizona war langatmig, dazu staubig und ordentlich schweißtreibend. 

In diesem letzten Teil zum Ironman Arizona 2021 und meiner 5. Langdistanz erfährst du alles über die Laufstrecke und wie es für mich bis zum Ziel verlief. Aber wir haben auch einige Details mit vielen Eindrücken vom sogenannten Celebration Day am Tag nach dem Ironman zusammengestellt!

Auch als ich auf dem Rad saß und vor allem stadtauswärts für jeden einzelnen Meter kämpfen musste, stand es außer Frage! Ich wusste, ich würde diesen Ironman an diesem Tag ins Ziel bringen. Aber ich wusste auch, dass die Laufstrecke noch einmal etwas auf den Radabschnitt setzen würde. Wind, Staub, trockene Luft und die auf dem Rad verlorengegangene Energie, würden den abschließenden Marathon zu einer Tortur werden lassen! Ich machte mir keinen Illusionen, dass ich flotten Schrittes die gut 42km absolvieren kann, war aber bereit, einen sehr langen Abend mit Gehen in Kauf zu nehmen!

Alle Fotos kannst du zur Vergrößerung anklicken.

Ironman Arizona Nadin Bloggerin und Triathletin auf der Finishline

Als ich vom Rad stieg, fühlte ich mich ausgelaugt. Es war heiß. Die Sonne brannte. Ich hatte im Mund gefühlt jede Menge Sand. Und ich musste ganz dringend mal kurz wohin! Schon auf dem Rad spürte ich, dass all das eisgekühlte Wasser in Kombination mit meinen Energiegetränken einfach durch mich hindurch liefen. In der dritten und damit letzten Runde aus der Stadt heraus hatte ich mehrfach überlegt, ob ich absteige. Aber ich konnte einfach nicht! Es war zu windig. Ich dazu viel zu erschöpft und ja, zu faul! Absteigen würde heißen, dass ich mich ordentlich zusammenreißen müsste, um dann wieder in Schwung zu kommen.  

Dafür hatte ich echt nicht auch noch Energie!

Also hielt ich bis zum Äußersten. Ich war unfassbar froh, dass mir mein Fuji am Ende der Radstrecke abgenommen wurde. Viel besser waren aber die Momente der ersten Schritte. Mein Kreislauf fand es prima, laufen zu dürfen. Das hatte ich schon so oft ganz anders erlebt! Kein Brainfog, kein Schwindel, kein Gefühl, als wäre das alles nichts für mich. Wann ich genau meine Radschuh auszog, um damit in den Händen durch die Wechselzone zu rasen, kann ich rückblickend nicht sagen… Stattdessen hatte ich aber dieses unfassbare Gefühl gleich platzen zu müssen. Zum Glück bekam ich förmlich meinen Wechselbeutel entgegengeworfen. Die Helfer waren an allen Positionen an diesem Tag einfach Gold wert!

Nach dem Besuch eines der grünen Häuschen konnte ich mich endlich im Wechselzelt erfrischen. Mir wurden sogar Reinigungstücher gereicht. Es fühlte sich großartig, diesen ganzen Staub im Gesicht loszuwerden. Letztlich hätte ich mir das schenken können. Denn es sollte noch so viel Sand auf der Ironman Arizona Laufstrecke auf uns warten!

Ich zog gefühlt rasend schnell meine Laufschuhe an, cremte mich noch einmal mit Sonnencreme ein und setzte die Sonnenbrille auf. Als eine der Helferinnen meinen Beutel zuknotete, schnappte ich mir nur noch schnell mein herumliegendes Visor und den Laufgürtel mit Verpflegung und lief los. Um kurz vor drei Uhr, nach fünfeinhalb Minuten, die sich so viel länger anfühlten aufgrund der Laufwege, des Dixie Stopps und Aktionen im Wechselzelt, war ich mehr oder weniger bereit für den letzten Abschnitt dieser Langdistanz.

 

LAUFSTRECKE DES IRONMAN ARIZONA

Ich wollte erst einmal nur ein paar Meter laufen. Mein Körper fühlte sich an wie Stein. Die unfassbar lange Zeit auf meinem Zeitfahrrad hatte mich komplett leer gesaugt. Zum Glück hatte ich alles gegessen, was ich mir vorgenommen hatte und sogar noch Bananen zwischendrin angenommen. Das mit dem ausreichenden Trinken hatte ja offensichtlich auch gut funktioniert. Zumindest von diesem Standpunkt aus konnte ich mich entspannen und eigentlich erst einmal machen. 

Die erste Wasserstation war nur einen Kilometer entfernt. Kurz dahinter stand Profi Athletin Heather Jackson, die extra für die Stimmung angereist war. Sie klatschte mit allen Athleten ab und das motivierte mit Sicherheit nicht nur mich. 

Bis dahin wusste ich, dass das mit dem Trinken dann doch nicht so einfach werden würde. Ich war an dieser Stelle schon komplett ausgetrocknet. Die dürre Hitze fühlte sich für das Laufen großartig an. Aber sorgte zugleich dafür, dass man sich ständig wie so ein welkes Blatt fühlte. Ich nahm sofort zwei Becher Wasser und entschied, dass ich auch nach jedem fünften Kilometer eine von meinen Salztabletten nehmen muss. 

Kurz danach traf ich auf Oliver und erzählte kurz von den unfassbaren Radbedingungen. Er meinte nur, dass er sich mit dem Rad auch sehr lange hat abkämpfen müssen. Ich ließ ihn wissen, dass ich versuchen wollte, wenigsten die erste von drei Runden durchzulaufen. Wenn er also herumfährt, sollte er auf lange Wartezeiten vorbereitet sein. 

Der für mich jede Runde mental härteste Abschnitt der Laufstrecke lag zwischen Kilometer eins und vier. Wir mussten eine Schleife laufen, die leicht bergan ging. Es war so staubig, dass man stellenweise kaum vorwärtsschauen konnte. Da brannte die Sonne bis zum späten Nachmittag. Kein Schatten. Nur warmer Wüstenwind mit Sand vermischt. Dort am weitesten entfernten Punkt von vom Ziel, konnte ich auch zu Beginn der zweiten Runde noch Athleten mit ihren Rädern sehen. Nach dieser Schleife ging es über die erste Brücke, die uns Läufer Richtung Norden und auf der anderen Seite zwischen einigen Hochhäusern entlang führte. Jede Runde konnte ich dort mein Hotel sehen, was es nicht einfacher machte, weiterzulaufen. Es ging links, wieder links und rechts am Wasser entlang, wo die Hitze durch die gläsernen Gebäude auf die Wege reflektiert wurde. 

OK, nur diese Runde zu Ende bringen und dann gehe ich einfach!

Ironman Arizona Nadin Bloggerin und Triathletin auf der Laufstrecke bei Sonnenschein und blauem Himmel

Mit diesem Gedanken schleppte ich mich auf der anderen, ruhigeren Seite durch eine Parkanlage und anschließend DIE Anhöhe hinauf. Eine Überführung einer Straße von der ich zum Glück vorher nichts wusste. Fast alle der läppischen 200 Höhenmeter dieser gesamten Laufstrecke haben wir dort gesammelt. Meine Füße brannten, aber meine Beine machten es irgendwie mit. Ihnen wurde erst so richtig schlecht, als ich die Höhe wieder hinab sollte, um anschließend von einem monströsen Bordstein zu springen. Wie das in der dritten Runde aussah, kannst du dir vermutlich vorstellen. 

Aber daran war zumindest in diesem Moment noch lange nicht zu denken. Schließlich wollte ich ja erst einmal die 14km von Runde #1 laufend überstehen, um mir dann zu erlauben zu gehen. Wieder unten am Town Lake angekommen, konnte man direkt rüber zum Wechselbereich schauen und Stimmen mit Musik vermischt hören. Ich sah mich dort schon fast im Ziel, obwohl noch 35km vor mir lagen. Aber als wäre die Schleife am Anfang der Runden nicht schon ausreichend deprimierend gewesen, hatten die Veranstalter noch eine bei der Halbzeit jeder Runde eingebaut. Also liefern wir wieder weg vom Ziel immer entlang der schallenden Mauer der Schnellstraße. Der Autolärm sollte uns bis Kilometer 11 begleiten. In der letzten Runde war ich tatsächlich auch darüber froh, diesen Krach nicht mehr hören zu müssen!

Am Ende der zweiten Schleife motivierte mich Oliver, dass er kaum glauben konnte, dass ich ja noch laufe und es mir scheinbar gut geht. Ich war grummelig und gut gelaunt zugleich. Ja es lief, aber nein, gut war das definitiv nicht. 

Ich sollte mich darüber freuen genau dort zu sein. Dort beim Ironman. Dort in Arizona. 

Wir hatten das vorher abgemacht für die harten Momente. Ich bringe das mit einem Lächeln ins Ziel. Es wird hart. Keine Frage. Aber ich werde glücklich darüber sein, am Start gewesen zu sein. Vielleicht war es genau das, was mich weiterhin fokussiert auf die Wasserstationen blicken ließ. Ich machte alles so, wie ich schon an derer Stelle gute Erfahrungen gesammelt hatte. Ich trank an jeder Verpflegungsstation meine zwei Becher Wasser. 

Ironman Arizona Nadin Bloggerin und Triathletin auf der Laufstrecke an Verpflegungsstation bekommt von Helfer Wasserbecher gereicht

Alle fünf Kilometer nahm ich ein Gel und eine Salztablette. Dazwischen knabberte ich meine Energy Blocks. Zum Glück hatte ich mich kurz vor dem Wettkampf für die Camelbak Lauftasche entschieden, um meine eigene Verpflegung komplett mitnehmen zu können! In den Taschen meines Alé Cyling TriSuit hatte ich je zwei Gele links und rechts. Im Camelbak die Energy Blocks und Salztabletten. Nach meiner Challenge Roth Staffelerfahrung mit Magenproblemen lief an diesen Tag so alles einfach erstaunlich gut. Einen Becher Eis schleppte ich einen Kilometer mit mir herum. Nahm Eiswürfel in die Hand. Stopfte sie mir in meinen Anzug am Rücken oder in die Hosenbeine. Kippte mir das Schmelzwasser über die Knie und Schultern. Alles harmonierte miteinander. Es war so gut für den Kopf, denn der musste sich nur mit der Strecke abmühen. 

Denn seien wir mal ehrlich. Ganz anders als bei einem Solo Marathon durch eine wunderschöne Stadt mit allen Highlights, haben viele Marathons bei Langdistanzen meist nicht so viel zu bieten. Außer damals der in Zürich, der die wunderbare Innenstadt mit einschloss. Ich bin aber echt gut damit, einfach Meter im Kreis zu sammeln. Da lief in Frankfurt gut und genauso wie in Florida. Wobei da die Halbmarathonstrecke neue Maßstäbe setzte. 

Die erste Runde ist für mich bei allen Wettkämpfen, egal wie schnell oder langsam ich unterwegs bin, eine Erkundungstour. Fühlen, was der Körper und Kopf sagen. Schauen, was die Strecke so hergibt. Es war ein strahlender Tag mit herrlicher Sonne, die uns quälte. Aber wer wollte schon mosern, wenn in Deutschland ganz anderes Wetter war. Die Helfer und Athleten waren eine wahre Freude. Es hat einfach Spaß gemacht, mit ihnen dort draußen zu sein. 

Es gab Wind. Immer wieder. Schade, dass er nicht kühl wurde. Ich hatte extra eine Jacke in meinen Special Needs Beutel gepackt, den ich erstmalig genutzt habe. Nur leider brauchte ich sie bis zum Schluss nicht. Es war einfach ein perfekter Sommertag mit einer lauen Sommernacht. Mein Gesicht brannte. Meine Wangen fühlten sich knallrot an. Ich zog immer wieder mein Visor tiefer, um Schatten auf die Augen zu bekommen. Es half aber reichlich wenig. 

Ironman Arizona Nadin Bloggerin und Triathletin auf der Laufstrecke bei Sonnenschein und blauem Himmel

Nach elf Kilometern war das Ende der ersten Runde zum Greifen nah! Wir liefen über die Brücke, die uns zur letzten Geraden entlang des Stausees führte. Von dort aus hatte man einen fantastischen Blick auf Tempe und die gläsernen Hochhäuser. Die Sonne kam endlich von hinten. Ich schubste die Eiswürfel auf die Rückseite meines Oberteils, wie es auch zahlreiche andere Athleten machten. Als ich am Ziel des Ironman Arizona vorbei lief, war dort schon richtig Stimmung. Es war aber so weit weg von der Laufstrecke, dass es dort ein Leichtes war, vorbei zu laufen und auf die nächste Runde zu gehen.

Dann wollte ich ja eigentlich gehen. Aber mit der Sonne im Rücken und einigen nun schattenspendenden Häusern und Brückenunterführungen ging es den Kilometer bis zur ersten Schleife ganz gut. Erstaunlicherweise sollte das so auch bis zum Ende bleiben. Ich habe so oft darüber nachgedacht, einfach zu gehen und jedes Mal kam ich zu dem gleichen Schluss.

Solange ich laufen kann, laufe ich! Ansonsten dauert das Ding ja noch Ewigkeiten. Und für genau diese Ewigkeiten fehlte mir wirklich die Geduld.

Aber schon in der ersten Runde fühlten sich meine Oberschenkel ausgehend vom Knie wie schon so oft bei Wettkämpfen an, als würde die Muskulatur jede Minute am Ende sein und krampfen. Ich lief also langsam, trottete förmlich vor mich hin. Fluchte. Wünschte mir meinen Osteopathen umgehend auf die Laufstrecke. Tobte innerlich weiter. Beruhigte mich wieder. Und lief. Meter für Meter. Kilometer für Kilometer.

Meine Verletzungen vom Radsturz waren fast vergessen. Mein geprellter Rippenbogen hatte zeitig auf der Laufstrecke die Nase voll und melde sich erst wieder im Ziel. Es lief nicht reibungslos, aber dafür lief ich. Das stellte auch irgendwann Oliver fest, als wir uns nach einer Stunde wieder trafen. 

Auf der anderen Uferseite, in der Nähe meines Hotels sah ich im Schatten mitten auf der Laufstrecke einen Cent liegen. Nur weil ich so faul war,  ließ ich ihn liegen. So faul, dass ich ja Momente davor bereits entschied, nicht zu gehen. Ja, tatsächlich. Ich hebe sonst jeden Cent auf. In diesem Moment aber, war ich viel zu faul, um mich zu bücken. Ich bin auch heute noch fassungslos darüber! Denn in Runde 3 wollte ich ihn zum Finale aufheben, sah ihn jedoch nicht mehr… Kurz darauf war die nächste Schleife mit der Rampe dran. 

Ich fühlte mich elend, aber Jammern half ja genauso wenig wie Gehen. 

Also stieg ich erneut die Bordsteinkante und lief zum Wasser hinab. Runde für Runde gab dort ein Helfer wirklich alles neben den Dixies und versuchte lautstark Tampons und Reinigungstücher zu verteilen. Er zauberte mir jedes Mal ein Lächeln ins Gesicht. Toller Typ, toller Service! 

Kurze Zeit später hätte ich so einiges dafür gegeben, mich abzuputzen. Stattdessen nahm ich wieder nur Wasser zum Trinken und Eiswürfel zum Erfrischen. Als ich die hintere Brücke überquerte lief ich ein Stück mit einem Athleten zusammen. Er war im Oktober in Sacramento gewesen. Dort wurde der Ironman wegen Unwetter kurz vor dem Start abgesagt. Entsprechend glücklich war er, dass er nun den Ironman Arizona fast absolviert hatte. Wir schwärmten gemeinsam über die fantastisch strahlenden Gebäude, die in der untergehenden Sonne in Orange, Violett und Rot leuchteten. Für ihn hieß es Ziel, für mich Runde #3. 

Ironman Arizona Nadin Bloggerin und Triathletin auf der Laufstrecke in Abenddämmerung

Der Wind hatte abgenommen, der Staub in der Luft hatte sich überall gelegt. Dafür kam die Dunkelheit rasend schnell. Die Brücken waren zum Teil in bunte Lichter gehüllt. Die Stimme von Mike Reilly tönte von der Zielgeraden rüber auf die Laufstrecke. Noch eine Runde, noch 14km. Es würde noch einige Zeit dauern, aber ich wollte laufen, definitiv nicht gehen. Selbst wenn dieses Laufen von außen betrachtet vielleicht hier und da wie Gehen aussah.

Das dritte Mal an der Schleife angekommen, war alles anders. Die Strecke war voller Läufer. Es war stockdunkel. An wichtigen Punkten waren Scheinwerfer aufgestellt, die erst einmal wie die Sonne nachmittags jegliche Sicht nahmen und nur blendeten. Ich war wirklich froh, als ich auf der gut beleuchteten Gegenseite ankam. Dort lief es sich selbst das letzte Mal die Überführung hinaus deutlich besser. Von da an war alles nur noch: das letzte Mal! Ich blieb bei meiner Versorgungsstrategie, konnte aber großzügig die Eiswürfel weglassen. 

Keine Frage, jeder Meter schmerzte auf seine ganz eigene grausame Weise. Aber wenn ich ehrlich war, war es nicht so viel schlimmer als in der ersten Runde dieses Marathons. 

Ich musste mich zusammenreißen durchzuhalten. Mich rüttelte eine Athletin auf, die plötzlich neben mir lief. Sie käme aus Mexiko und lebe seit Jahren in Texas, hat nun noch eine Runde und war da schon voller Freude. Das war so mit das einzige, was ich in ihrer Euphorie und Mischung aus wilden Akzenten verstand. 

 

ZIELEINLAUF DES IRONMAN ARIZONA

Klar, war es kein Spaziergang. Nach all den wahnsinnigen eineinhalb Jahren, die erneuten Stürze vor einem Wettkampf, dem Irrsinn mit der wirklichen Vorbereitung zu dieser Reise, fühlte es sich so unglaublich an, mir diesen Zieleinlauf dieses Ironman Arizona zu verwirklichen.

Ironman Arizona Nadin Bloggerin und Triathletin auf der Finishline

Eigentlich standen schon alle Zeichen gegen meine Idee, tatsächlich fahren zu wollen. Aber alles hat geklappt und das sogar ziemlich gut unter diesen Bedingungen! Nicht einmal dieser Wüstenwind konnte mich in Momenten der Erschöpfung vom Rad fegen oder zum Aufgeben bewegen. Alles dauerte so viel länger als geplant. Mindestens eine Stunde Zeitverzug hatte ich im Vergleich zu meiner Vorstellung.

Natürlich hatte ich mir den Tag anders gedacht. Schneller. Viel schneller auf dem Rad. Dort auch weniger kräftezehrend, um letztlich auch schneller zu laufen.

Aber es gibt nichts, was ich hätte anders machen können, um schneller als 4:30h den Marathon zu absolvieren. Nicht in der Vorbereitung mit all den Ups & Downs, nicht am Wettkampfmorgen, nicht in den einzelnen Disziplinen an diesem Tag und auch nicht in der letzten Runde.

Dennoch war ich mental etwas mitgenommen, als ich die letzte lange Gerade nach der zweiten Brücke Richtung Ziel lief. Ich konnte das alles einfach nicht glauben. So wie schon im Training fragte ich mich immer und immer wieder, wie ich mir das antun konnte. Wie ich nur so hart zu mir sein konnte. Aber irgendwie lohnt es. Es ist schwer zu erklären!

 

In wenigen Augenblicken sollte ich nun diese riesige Medaille erhalten, die ich mir seit Donnerstag täglich angeschaut hatte. Ich sollte in wenigen Metern meinen fünften Ironman mit 12:27h ins Ziel bringen. Als Krönung von all dem, lief ich über den Zielteppich, an dem unfassbar viele Zuschauer standen, und Mike Reilly – the Voice of Ironman persönlich – sagte wie schon die beiden Male in Florida:

Nadin, YOU ARE AN IRONMAN!

Kann es etwas Besseres geben nach all dem Wahnsinn davor und währenddessen als das?!? Diese Medaille, diese riesige Ironman Arizona Medaille war eine unfassbare Belohnung! Genauso wie der endlich wartende Urlaub. Es ist verrückt. Sicher für die meisten. Aber selbst für mich. Immer und immer wieder. Wie kann man das aber nicht wieder erleben wollen? 226km hat man ja eigentlich Zeit, sich mit dem Wettkampf, mit sich und dem Ziel auseinanderzusetzen. Fassen kann man es niemals – also ich zumindest nicht!

Dazu fühlte es sich für mich an, als wäre einfach ein klein wenig Normalität eingetreten. Meine kleine Welt fühlte sich plötzlich wieder so viel größer an. 

Dazu fühlte ich mich gesund. Es war ein Wettkampf, bei dem ich mich endlich wieder fast normal fühlte. Verrückt, wenn ich mir überlege, dass ich drei Wochen vorher einen Fahrradunfall mit einem Auto hatte. Unglaublich auch, dass ich mich in meiner Altersklasse bis auf Platz 14. vorgearbeitet habe und mit meinem traurigen Bike-Split als 89 Athletin ins Ziel kam von 629 Finisherinnen. 

Ich wurde von einem super lieben Helfer in Empfang genommen und erst da drückte ich die Stoptaste meines Garmin Forerunners. Der Helfer, ich glaube, er hieß David, ließ sich mindestens eindutzend Mal versichern, dass es mir gut geht. Anschließend brachte er mich zu den Medaillen, die wir überreicht und nicht umgehängt bekamen. Dann gab er mir ein Wasser, überreichte mir mein Finisher Shirt und Cap. Noch schnell zwei, drei Fotos, um die Erschöpfung und den Dreck an mir festzuhalten. Schon war ich raus aus dem Zielbereich. 

Ironman Arizona Nadin Bloggerin und Triathletin mit Medaille lachend

Ab da begann der Schmerz wie immer sehr real zu werden. All das, was ich bin dahin mit meinem Machen im Kopf beiseite schieben konnte, prasselt unablässig auf mich ein. 

Ich war froh, dass alles so dicht an dicht gelegen war. So war mein Fuji mit meinen Wechselbeuteln nicht all zur weit entfernt. Die Wiese mit der Zielverpflegung befand sich direkt neben dran. Ich blieb noch eine Weile dort sitzen, sah die unzähligen Athleten auf der Strecke. Irgendwann musste ich dann aber leider ins Hotel. Die Kälte und Erschöpfung traf mich wie ein Schlag. 

 

IRONMAN ARIZONA CELEBRATION DAY

Nach einer überraschend guten Nacht mit nur hin und wieder zappeligen Beinen, ging es am Montag am Vormittag zum sommerlichen Celebration Day. Eine Vielzahl der Athleten kam zum gemeinsamen Frühstück zusammen. Es war ein windstiller Tag wie er im Buche stand. Ich war froh, dass ich einfach sitzen und ganz in Ruhe meinen Tee genießen konnte.