Ironman Arizona 2021: Startunterlagen, Wettkampfbesprechung & Bike Check-In

Es ist einfach eine andere Welt. Dieser ganze Langdistanzzirkus hat viel mit all den Triathlons dort draußen gemein. Aber ist gleichzeitig so ganz anders. In der aktuellen Situation noch einmal so viel mehr besonders. Bei so einer Veranstaltung dabei zu sein, ist bei mir mit unglaublich viel Dankbarkeit und so viel Freude verbunden. Rückblickend kann ich einiges an dem Ironman Arizona in Tempe bei Phoenix und der gesamten Situation nicht fassen. So bereitet es auch noch einmal so viel mehr Freude, genau darüber zu schreiben.

Denn erst 4 Wochen vor dieser 5. Langdistanz stand fest, dass ich hinfliegen werde. Fast auf den Tag genau wie schon vor der vierten Langdistanz hatte ich einen Unfall. Nach ganzen zwei Jahren Wartezeit und ohne Ironman in den Beinen sollte es aber dennoch im November 2021 endlich wieder soweit sein. Die Tage davor in Phoenix und Tempe verflogen unglaublich schnell. Ehe ich mich versah, stand ich an der Ausgabe der Startunterlagen des Ironman Arizona, verfolgte die Eröffnung mit Vorfreude, nahm an der Wettkampfbesprechung teil und musste dann schon mein Rad beim Bike Check-in abgeben. Und genau damit beginnt die Reise zurück in den Herbst zum Ironman Arizona!

Wenn Dich diese Langdistanz interessiert, kannst du gespannt sein auf eine wie immer ausführliche Reihe von Oliver und mir mit zahlreichen Eindrücken in Bildern und Worten!

Mitten in Downtown Tempe, so richtig beschaulich gelegen, befand sich das Eventgelände des Ironman Arizona. Der gesamte Beach Park direkt am Tempe Town Lake wurde zum Messe- und Wechselbereich dieser Großveranstaltung. Obwohl die Wege zeitraubend lang waren, wirkte dieses Ironman Village mitten in der Stadt zwischen den schimmernden Glasfassaden unfassbar entspannt. Vermutlich war es für die meisten Athleten genau das Gegenteil von ihrem Gemütszustand. Ich für meinen Teil war zeitweilig zappelig. Konnte aber durch das Training auf den Wettkampfstrecken die Tage zuvor mit jedem Tag ruhiger werden. Die freudige Aufregung trugen auch die freundlichen Helfer mit sich durch den Wechselbereich. Für sie ging es ja nun endlich auch wieder los nach zwei Jahren Wartezeit.

Der unaufhörliche Fluglärm, der nichts gegen den Autolärm auf der Laufstrecke auf der anderen Stauseeseite war, holte mich immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Es war zutiefst irritierend, die riesigen Maschinen so tief über der Stadt fliegen und sich immer wieder in den Häusern spiegeln zu sehen. Tempe gehört zum Großraum Phoenix. Der Flughafen ist nur wenige Fahrminuten entfernt. Die Autobahnkreuze rings herum ließen erahnen, wie viele Menschen dort täglich unterwegs sind. Im Gegensatz dazu konnte man Ende November in Flip Flops ganz entspannt durch Tempe Downtown mit Kleinstadtflair schlendern. Obwohl so viele Details in der Stadt immer wieder an den nahenden Ironman erinnerten, war es ein Leichtes, den Trubel in wenigen Schritten hinter sich zu lassen und in Urlaubsstimmung zu kommen.

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IRONMAN ARIZONA MESSE & STARTNUMMERNAUSGABE

Das Eventgelände war genau das, was man vom Ironman erwartet und eigentlich überall ähnlich ist. Von der Startnummernausgabe über einige Helferzelte bis zum Messe- und Wechselbereich ließ sich alles finden. Wenn schon aber alles direkt auf einem Beach Park aufgebaut war, könnte man auch einen Strand und entsprechende Schwimmmöglichkeiten erwarten. Zu schade, dass es weder das eine noch das andere gibt. Der Tempe Town Lake ist nur zum Anschauen da. Zu schade, vor allem an diesen heißen Sommertagen, die es dort bis lang in den Herbst hinein noch gibt. Es gab lediglich das eine ganz offizielle Schwimmtraining, das ich zur Vorbereitung auch wahrnahm und natürlich den Wettkampfmorgen.

Der Beach Park sieht aus wie ein großer Park, der alle Annehmlichkeiten wie schattenspendende Sitzmöglichkeiten, Toiletten und Wasserspender bietet. Ein Denkmal erinnert an all die Helden, die so selten ein Gesicht bekommen und sich dennoch tagtäglich für die öffentliche Sicherheit der Tempe Einwohner einsetzen.

Direkt am Donnerstag holte ich meine Startunterlagen ab. Auch wenn von Corona zu diesem Zeitpunkt in Arizona eine untergeordnete Rolle spielte, musste ich einige Tage zuvor den Tag und eine Uhrzeit zum Abholen online auswählen. Entsprechend wenige Athleten waren dann im Pick-Up Zelt vor Ort. Alles war noch organisierter, als ich es von den letzten Veranstaltungen her kannte. Die Helfer wie immer unfassbar redselig und freundlich.

Nadin Bloggerin und Triathletin mit Startnummern vor Ironman Arizona mit Helferin

Wie so typisch in den USA, und das nicht nur bei Ironman Veranstaltungen, wurde ich von Punkt A nach B nach C gelotst. Alle sagten ihren vorbereiteten Text auf. Nach zwei Prüfungen, ob ich auch wirklich die war, für die ich mich ausgab, stand ich bei der netten Lady, die mir alle Unterlagen und meine Badekappe aushändigte. Sie markierte mich mit meinem Athletenbändchen und weiter ging es zu den Wechselbeuteln. Anschließend nahm ich noch den Wettkampfrucksack in Empfang und suchte mir eine Bike Check-In Zeit aus. Von dort wurde ich zur Personalisierung meiner Startnummer geschickt.

Nadin Bloggerin und Triathletin mit Startnummern vor Ironman Arizona Banner

Selbst in den USA war es möglich, dass man meinen Namen falsch schrieb und einfach ein e ans Ende hing! Ohne dass ich es erwähnte. Kein Kommentar dazu… Nun, wenigstens auf den Merchandise Sachen war er richtig geschrieben! In jedem Fall war damit die Nummer 970 startbereit!

Natürlich gab es im Ironman Zelt wie auch sonst auf der Messe einiges anzuschauen und was soll ich sagen. Kurz vor dem Wettkampf war alles wie leergefegt. Für mich durfte es endlich wieder eine der raren Tassen für meine Home Office Zeiten sein, die mich auch heil nach Deutschland zurück begleitete. Vor allem aber gab es direkt noch vom Local Bike Shop einen Teil der nötigen Wettkampfverpflegung!

Die ausgestellten Fahrräder hatten es mir mit ihrer hochglänzenden Metallic-Lackierung direkt angetan. Obwohl ich ja eigentlich eher matt schwarze und klassische Lackierungen bevorzuge. Vielleicht war es auch einfach das Design an sich inmitten dieser Sommeratmosphäre, das mich faszinierte!

Die Wechselzone entlang der Uferpromenade war eingerahmt von den umliegenden Brücken. Trotz ihrer Größe war sie übersichtlich und fast vollständig zu überblicken mit ihren Stellplätzen für über 2000 Räder.

Weil am Vormittag alles so schnell erledigt war, die entspannte Atmosphäre kaum Energie kostete und das letzte Radtraining am Vortag erledigt war, wartete ein Lauf auf mich. Das hatte als letzte Vorbereitung noch gefehlt. Außerdem war ich neugierig auf den Running Course durch Parkanlagen und entlang des Tempe Town Lakes. Ich stoppte auch noch einmal am Ironman Village, um endlich einen Blick auf die Medaille zu werfen, die am Vormittag noch nicht ausgestellt war. Der Donnerstag war auch der ideale Zeitpunkt, um in Ruhe das Gelände zu erkunden, den Wechselbereich zu inspizieren und entspannt mit den Helfern über all die Wege zu reden, die am Wettkampftag genau dort zu absolvieren waren. Ich schaute mir auch den Schwimmein- und -ausstieg an und realisierte erst, als ich einige Minuten am Ufer entlang lief, was für ein Ende das doch alles war!

 

WETTKAMPFBESPRECHUNG & ERÖFFNUNGSFEIER

Bei mir kam erst so richtig Wettkampfstimmung auf, als ich am Freitag an der Wettkampfbesprechung im Beach Park teilnahm. Optional gab es die auch online für alle, die dabei sein konnten oder wollten. Für mich war es aber ein wirklich schöner Einstieg in das Rennwochenende.

Nadin Bloggerin und Triathletin bei der Wettkampfbesprechung auf der Wiese sitzend beim Ironman Arizona

Die Rennleiterin Judy Stowers hatte eine wunderbare Einführung und Videobotschaft vorbereitet. Man kann von Wettkampfbesprechungen ja halten was man möchte. Ich hatte damals bei meiner ersten Langdistanz, dem Ironman Switzerland, das beste Race Briefing überhaupt. Dort wurden wirklich informative und detaillierte Informationen geteilt, die vor allem auch für die Sicherheit der Athleten wichtig waren. Auch beim Ironman Arizona Race Briefing gab es wirklich Wissenswertes. Judy punktete mit schnellen Infos und Details. Als Erststarterin wäre mir das zu schnell gegangen, aber mit dem Athletenhandbuch und dem Video zu Haus wäre ich sicher auch bestens gewappnet gewesen. So war es eine prägnante Zusammenfassung und zum Teil auch Erweiterung von dem, was ich bereits wusste.

Kurze Zeit später folgte die Eröffnungsfeier mit Live Musik und einigen Überraschungen. Der Beach Park füllte sich dann auch erstmalig so richtig. Ich bekam das Gefühl, dass doch ein paar mehr Athleten starteten als ein paar Hände voll, die ich bis dahin gesehen hatte. Judy Stowers begrüßte Athleten und Gäste zum Ironman Arizona auf unglaublich herzliche Weise. Sie erzählte von ihrem Weg zur Rennleiterin, der als Helferin begann und wie hart die vergangenen Monate waren. Nicht nur für ihr Team sondern vor allem auch für die Stadt und die Native American Community. Nach zwei Jahren durfte nun endlich auch der Ironman Arizona wieder stattfinden.

Die Bürgermeisterin bedankte sich mehrfach bei der Native American Community Salt River, durch deren Land seit 2006 der Ironman Arizona führt und wie eng die Zusammenarbeit ist. Besonders emotional wurde der Sprecher der Tourismusbehörde, die gerade einmal einen Monat zuvor die erste Veranstaltung nach Lockerung der Covid Richtlinien durchführte. Alle waren auf der Suche nach etwas Normalität und dankbar für jede Veranstaltung, die nun wieder stattfinden konnte.

Als die Sonne langsam unterging, betrat plötzlich aus dem Nichts The Voice of Ironman, Mike Reilly, die Bühne. Mit seinem Hawaiihemd versprühte er in der kühler werdenden Abendluft noch Kona Flair. Die Organisatoren hatten eine besondere Überraschung für Mike, der am Sonntag seinen 200. Ironman miterleben und all die Finisher im Ziel ansagen sollte. Ein Video mit zahlreichen Rückblicken und Glückwünschen von vielen bekannten Gesichtern der amerikanischen aber auch internationalen Triathlonszene rührte ihn sichtlich! Mike erzählte noch etwas von all den Jahren. Von den Athleten und seiner Geschichte, die es ja auch in seinem Buch zum Nachlesen gibt. Er ließ sich gern feiern, aber noch lieber rühmte er die Athleten, die er über all die Jahre auf ihren Weg schicken und im Ziel mit den berühmten 4 Worten feiern konnte.

Mit seinem bekannten Charme und vielen warmen Worten für den Ironman Arizona fasste Mike Reilly die wichtigsten Fakten um diese Langdistanz zusammen. Zwischen all den mehr als 2355 Startern gab es 219 Erststarter. 629 Frauen sollten an den Start gehen, während 1725 männliche Athleten deutlich in der Überzahl waren. Ingesamt 30 Länder waren vertreten. Aus Deutschland kamen drei Athleten. Davon war ich eine.

Währenddessen färbte die untergehende Sonne alles in einen violett-orangenen Schein, der sich auch in den umliegenden Bürogebäuden spiegelte. Ernste und sehr mitreißende Geschichten von Athleten wurden gezeigt. Die Ironman Organisatoren hatten im Vorfeld einige Athletenstimmen eingefangen, die präsentiert wurden. Nach jedem Video gab es für einen Augenblick einen ganz ruhigen Moment, bevor der Beifall begann. Als ich die Aufnahmen vom Ironman Arizona aus den vergangenen Jahren sah, wurde mir so richtig klar, dass es nur noch zwei Nächte waren, die mich von der Startlinie trennten!

 

IRONMAN ARIZONA BIKE CHECK-IN

Einen Tag später, am Samstag, verbrachte ich den Vormittag entspannt damit, meine Sachen für den Wettkampf zu packen, bevor ich zum Bike Check-In aufbrach. Das Hotel war einige Minuten mit dem Auto entfernt. Ich konnte es sogar direkt am Beach Park in einem Parkhaus abstellen, das das gesamte Wochenende für Athleten und Zuschauer kostenfrei geöffnet war! Ich brauchte nur einen Block bis zum Veranstaltungsgelände laufen. Dort war es extrem leer. Durch die auseinander gezogenen Check-In Zeiten mit den Slots, lief wie die Tage zuvor alles reibungslos. Überall waren so viele Helfer positioniert, dass keine Wartezeit entstand.

Nadin Bloggerin und Triathletin mit Zeitfahrrad beim Bike Check-In vor Ironman Arizona Banner

Mein Athletenbändchen am Handgelenk und die Startnummer an meinem Fuji reichten für den Bike Check-In aus. Der Helfer, der sich um mich kümmerte, beschrieb mir den schnellsten Weg, um zu meinem Stellplatz zu gelangen. Ich rollte in den bereits gut gefüllten Wechselbereich ein und erreichte einige hundert Meter nach einem kurzen Umweg meinen Platz. Es wirkte überwältigend, wie all die Räder dicht an dicht standen. Ich hatte bereits am Vortag schon genau meinen Platz inspiziert und hoffte, dass ich ihn auch im Getümmel am Sonntag schnell finden würde. Es gab nichts weiter in diesem Moment zu tun, als meinen Flitzer an den Radständer zu hängen.

Schon konnte es weiter gehen. Von dort aus führte mich mein Weg zu den aufgereihten Wechselbeuteln der anderen Athleten. Ich war schon die Tage zuvor wirklich enttäuscht, dass alles auf dem Boden lag. Wie schon vor drei und vier Jahren beim Ironman Florida. Letztlich ging während des Wettkampfs der Pick-up reibungslos. Ich suchte erst meine beiden Reihen und dann meinen entsprechenden Platz. Klar, obwohl ich wusste, was ich am Vormittag alles zurecht gelegt und in jeden Beutel gepackt hatte, musste ich noch einmal einen Blick hinein werfen. Sicher ist sicher!

Sowohl der Bereich der Startbeutel als auch der Räder war doppelt abgesperrt. In einigen Umwegen fand ich den Ausgang und sah mir den noch nicht fertigen Zielbereich an. Das stille Wasser im Stausee in der Abendsonne war die beunruhigend schöne Stille vor dem erwarteten Sturm. Für mich war alles getan. Mein Frühstück wartete genauso im Hotelzimmer wie mein Abendessen und etwas Ruhe.