Ironman Florida 2019 Teil IV: Der Marathon & das ersehnte Ziel

Dass ich mit dem Schwimmen und dem Radabschnitt beim Ironman Florida 2019 zwei Disziplinen einigermaßen gut überwinden konnte, war am Morgen nicht abzusehen. Ich hatte immer nur meine Familie und meine Trainerin im Kopf. Wenn es nicht laufen würde, machst du eben “nur” Urlaub in traumhafter Kulisse. Es wäre so oder so keine Schande, eine Langdistanz abzubrechen. Schon gar nicht mit Verletzung. Dann gab es da aber auch noch meine innere Stimme, die hartnäckig davon sprach, die Zähne zusammenzubeißen. Ich war unheimlich froh, so weit gekommen zu sein. Entsprechend war es genauso wenig eine Frage wie bei den anderen Abschnitten, ob ich es probieren würde. 

Mir war klar, dass der Marathon ein Spaziergang werden könnte – tatsächlich im Sinne von langsam durch den Abend gehen. Aber davon wollte ich mich nicht unterkriegen lassen! Einen Vorteil bot der abschließende Marathon über zwei Runden durch Panama City Beach und dem angrenzenden St. Andrews State Park. Er war flach und schnell wie die Radstrecke, was natürlich das Ende einer Langdistanz auch nicht wirklich einfach machte. Doch es gab nichts wirklich Beschwerliches wie plötzlich auftretende Höhenmeter, Treppenstufen, Unterführungen oder Brücken, die es zu bewältigen gab. Wie es tatsächlich lief, kannst du jetzt in meinem 4. Teil zu meiner 4. Langdistanz nachlesen.  

Die Damenumkleide hatte ich irgendwann nach dem Absteigen von meinem Fuji tatsächlich noch gefunden. Der Scherz mit den Helfern nach meinem kurzen Irrläufer zu den Herren munterte Olli und mich wirklich auf. Während er stundenlang mit seinem Leihrad und Auto durch das Hinterland von Panama City unterwegs war und ich gegen den Wind kämpfte, kamen wir beide reichlich erschöpft in der Wechselzone an. Ein Marathon wartete aber. Ich versuchte mich schnell umzuziehen. Helfende Hände nahm ich direkt im Doppelpack dankend an. Wieder lag mir ein wildes Durcheinander zu Füßen. Eine der Helferinnen empfahl mir, meine Windjacke mitzunehmen, wenn ich keine in meinem Special Needs Beutel für die zweite Runde habe. Es sollte wieder sehr frisch werden am Abend! Alles vom Rad und der Rest, der nicht notwendig war, wanderte in den Kleiderbeutel. Bis auf meinen super weichen BH und die Salming Windjacke wechselte ich einmal alles durch. Sogar an Sonnencreme hatte ich gedacht. Die musste sein. Die kühlen Temperaturen änderten schließlich nichts an dem strahlend blauen Himmel.

Gefühlt ging alles flott. Letztlich auch schon deshalb, weil ich drohte zu platzen! Sonnenbrille, Visor und etwas zu trinken für die ersten Kilometer nahm ich in die Hand. Ich war so unglaublich froh, in Laufschuhen zu stecken und die knallharten Radschuhe mit Carbonsohle los zu sein. Auf den ersten Metern richtete ich alles zurecht. Ich folgte in einem zaghaften Laufschritt einer Athletin und flitzte dann irgendwie doch schneller als erwartet zwischen den Räderreihen an ihr vorbei. Sie schrie mir hinterher: “Nice Pace”. Ich antwortete ihr nur ganz hektisch:

Ich laufe nur so schnell, weil ich echt dringend mal ganz schnell wohin muss!

…und verschwand halb platzend in einem der vielen leeren gelben Häuschen. Langsam schlappte ich anschließend über ein Stück Wiese, das uns durch den Run-Out Bogen brachte. Nach insgesamt 8:50 min war ich tatsächlich um 14:30 Uhr auf der Laufstrecke angekommen!

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Ironman Florida Run Triathlete Blog

 

IRONMAN FLORIDA 2019 LAUFSTRECKE

Immer am Wasser entlang! So meine idyllische Vorstellung. Vielleicht wie auf Mallorca auf der Strandpromenade ein paar Mal um den Block. Nicht ganz so lief es beim Ironman Florida 2019.

Ironman Florida 2019 Panama City Beach Laufstrecke Run Course

Besonderheit des Kurses war für mich, dass es meine erste Langdistanz war, bei der ich nicht zig Runden zubringen musste, um einen Marathon voll zu bekommen. Beim Florida Ironman Haines City 2018 waren es 3; Ironman Frankfurt 2017 bot und bietet nach wie vor 4 großartige Runden am Mainufer; genauso wie mich damals der Ironman Zürich auf 4 Runden am Zürichsee entlang und durch die Altstadt führte. In Panama City Beach sollten es 2 Halbmarathons werden. Etwas große Abschnitte für meinen Kopf in der Vorbereitung und am Wettkampftag selbst. Tatsächlich lief es sich jedoch letztlich wirklich richtig gut. Noch dazu machte es der Umstand der geraden und glatten Strecke zu einem geradezu angenehmen Lauf. Wenn man das so bei einer Langdistanz sagen kann. In meinem Zustand kam mir das wirklich mehr als gelegen.

Geprellter Rippenbogen. Verschobene Rippe. Angerissene Muskeln. Es hätte schlimmer kommen können so kurz vor einer Langdistanz.

Hier sollte ich vermutlich noch einmal darauf hinweisen, dass es genauso wenig gut ist, im verletzten Zustand an irgendeinem Start zu gehen, wie man es tunlichst lassen sollte, wenn man krank ist.

Letzteres wäre mir leichtgefallen. Die Verletzung war etwas, so schrecklich wie es sich anfühlte, das ich kontrollieren konnte. Anders als all das, was man bei einer Langdistanz nicht in den eigenen Händen hat – Wind und Wetter, technische Schäden, plötzlich auftretende körperliche Probleme,… Wirkliche Gedanken macht man sich sicher nicht über all die Variablen und Eventualitäten. Es wird schon irgendwie gutgehen. Schließlich kann man sich nicht mit allem verrückt machen. Das was ich aber in der Hand hatte, war mein Verhalten und die Art, wie ich mit der Verletzung umgehe. Jeden einzelnen Abschnitt wollte ich nicht einfach aufgeben, sondern mir erkämpfen. Wenn ich nicht mehr laufen könnte, dann müsste ich gehen. Wenn beides nicht mehr ginge, Abbruch. Eigentlich war es auf erfrischende Art und Weise einfach.

Würde man mich aus heutiger Sicht fragen, ob ich es erneut machen würde mit dem Wissen, wie lange sich das Leiden vermutlich auch aufgrund dieser sagenhaften Belastung dieser Langdistanz hinzieht, müsste ich absurderweise mit Ja antworten. Nicht, weil meine Vernunft mir nicht etwas anderes sagt. Sondern einfach, weil all die Vorbereitungen, die Reise dort rüber und der Ironman Florida selbst es einfach wert ist.

Also riss ich mich auch an diesem Tag weiter zusammen. Stocksteif im Oberkörper. Mit einem recht ruhigen Laufschritt, ging es irgendwie. Ich durfte mich nur nicht wild hin und her drehen oder zu sehr strecken. Schon deshalb war es klasse, das eigene Getränk bei mir zu haben. Ich musste die ersten Meter nach nichts greifen; konnte mir das Fläschchen gut in meinem Rhythmus einteilen. Nach ungefähr fünf Kilometern füllte ich in die Reste meines Getränks etwas Wasser nach, bevor ich die Flasche irgendwann hinter mir ließ.

Zu diesem Zeitpunkt brannte zwar die Sonne nach wie vor. Die Temperatur war in Wassernähe jedoch immer kühlend frisch. Noch nie hatte ich so selten das Bedürfnis bei einer Langdistanz ganz dringend etwas trinken zu müssen. Dennoch tat ich es natürlich. Insbesondere auf der 2. Runde hielt ich genauso konsequent dran fest, musste mich nur immer wieder energisch daran erinnern, nicht einfach an den Verpflegungsstellen vorbeizutrotten. Manchmal wäre es besser gewesen. Die vielen verschütteten, klebrigen Getränke sorgten dafür, dass einen der Untergrund förmlich festhielt.

Triathletin an Wasserstation

Ich wollte so gern schneller laufen. Sobald sich aber meine Atemfrequenz und -intensität erhöhte, der Brustkorb dazu noch aufblähte, ging es nicht mehr. Recht schnell schoss ich mich so auf eine angenehme 6er Pace ein. Ich war sehr fokussiert und konzentriert auf meine Bewegungen bedacht.

Ein Schritt nach dem anderen. All das Hätte, Könnte, Wollen durfte keinen Platz haben in meinen Gedanken.

An etwas anderes wollte ich nicht denken. Ich zwang mich dazu, nur das vor Augen zu haben. Ich wollte nicht enttäuscht und maulig über diesen Marathon hinweglaufen. Denn es ließ sich nichts daran ändern, dass es nun mal so war. Dass ich auf einer der schnellsten Ironman Strecken nicht auch schnell unterwegs sein konnte. Ich war unterwegs. Das war es, was zählte. Es war Plan Z oder so. Denn Plan A, B, C,… waren mit dem Sturz zur Seite gedrängt worden. Auf den ersten fünf Kilometern rief ich Olli zu, dass ich wenigsten 10 laufen würde wollen, dass es ganz klar war, dass ich das Ding ins Ziel bringen würde und er sich keine Sorgen mehr machen brauchte. Bereits dort war ich mächtig stolz. Meine Stimmung stieg und stieg.

Jeder einzelne Meter gelaufen, war ein Meter weniger zu gehen!

Anders als das Jahr zuvor, als ich den ersten Halbmarathon als Häufchen Elend unterwegs war, genoss ich 2019 die Stimmung und die Strecke. Zwar war ich nicht nur am Wasser unterwegs, dennoch war das Laufgefühl schön. Ich sah Wasser wenn nur aus der zweiten Reihe. Direkt am Anfang, nach etwa 2km, hatten wir nämlich den Golf von Mexiko zu unserer Rechten links liegen lassen. Selbst die heiß erwartete Grand Lagoon, die ich Tage zuvor mit einem Jetski erkundet hatte, war irgendwie außer Sichtweite. Wir liefen nur eine Straße davon entfernt. Wirklich wahrgenommen habe ich das Wasser auf dieser inneren Seite des Landes aber erst in der zweiten Runde. Das, obwohl fast der gesamte Marathon auf einer schmalen Halbinsel stattfand. Also links und rechts irgendwie immer See zu sehen sein sollte.

Ich erwartete sehnlichst den St. Andrews State Park. Ein herrliches Refugium unweit der Kleinstadt, in dem an normalen Tagen absolute Ruhe herrscht und nur Naturgeräusche wahrnehmbar sind.

Ironman Florida St Andrews State Park Triathletin laufend auf Straße

Eigentlich hätte uns der Weg direkt statt mit mehrfachen Schlenkern durch Einfamilienhaus Siedlungen und schräg über vielbefahrene Straße hinführen können. Der Autoverkehr wurde an mehreren Stellen für uns aufgehalten. Kurz hinter uns Athleten dröhnten bullige V8 Motoren. Im Kontrast dazu standen wenig später die ruhigen Wege im Park. Es ging an der Pförtnerin vorbei. Mit einem Lächeln und gehobener Hand begrüßte sie die Athleten Runde für Runde und schickte sie genauso wieder auf ihren Rückweg.

Das sind so die kleinen, aber so wunderbaren Momente abseits der Zuschauermassen an den Hotspots der Laufstrecke, die durch so einen langen Tag tragen.

So wie die kurzen Gespräche mit Athleten. Ich schnatterte weniger mit anderen als gewöhnlich. Immer wieder musste ich mich auf einen ruhigen Laufschritt mit möglichst wenig Bewegung besinnen. Dennoch traf ich hier und da auf einige Athleten, die mich irgendwie zum Reden brachten oder ich sie. Sei es ein SCC Berlin Tri Suit, ein cooler Spruch auf einem Shirt oder ein selbstgebastelter Sonnenschutz.

Was man so während eines Wettkampfs aufschnappt! „Innovationsgeist“ herrschte trotz Sonne den ganzen Tag unter den Athleten. So baute sich mancher mit seiner Startnummer einen Sonnenschutz, um die empfindliche Kopfhaut zu schützen. Andere liefen mit Ballerina Tutu. Mal von den zuweilen verrückten Fans abgesehen. Ich sah Einhörner, Dalmatiner, Pandas, Wonder Woman, Skelette,… Zum Glück fühlte ich mich, wenngleich zwar beschädigt, aber lange nicht so wie letztere.

Die wenigen Kilometer, die wir im State Park liefen, gehörten zu den schönsten. Wir sahen nicht viel davon, aber das Grün, die Dünen, der Golf, die immer tiefer sinkende Sonne – einfach die Natur – all das war so wunderbar, dass ich mich auf die zweite Runde mit diesem Abschnitt freute. Es war dort ein wenig wie Urlaub vom Ironman zu machen.

Mit etwas Glück konnte man zwischen den Wasserstopps einige Tiere erspähen, die über oder durch den Park ihre Kreise zogen. Dort waren die Sonne und der blaue Himmel besonders präsent. Absolut ebene, breite Straßen hatten sie für den Hin- und Rückabschnitt im Park ausgewählt. Zwei Verpflegungsstationen im Park versüßten uns den Nachmittag mit Skittles. Schon mal gegessen? Ich noch nie. Aber an diesem Tag meinte ich, dass ich so einen Becher voll doch mal probieren könnte.

Sorry, aber das war mit Abstand der ekligste Süßkram, den ich je in mich reingeschüttet hatte!

…und den ich direkt wieder in den Becher zurück spukte. Zum Glück konnte ich noch nach Wasser greifen.

Nach einer Stunde war ich an dem unspektakulären U-Turn angekommen, drehte mitten auf der Piste um und lief mit all den anderen Athleten den ganzen Weg wieder zurück. Wohl gestärkt war ich von der Radstrecke auf den Marathon gewechselt. Mit meinem eigenen Kohlenhydrate Getränk war ich zu Beginn gut vorangekommen. Würde ich jetzt immer so machen! Wieder etwas gelernt. Genauso wie ich mich, trotz wunderbarer Lauftemperaturen mit im Schnitt um die 20°, genau an meine selbst gesetzten Salz- und Energievorgaben hielt. Dafür hatte ich jetzt auch endlich mal meinen Camelbak Ultra Belt genutzt. Normalerweise würde ich bei längeren Läufen eine Quick Stow Flask in diesem Gürtel mitnehmen. Hier war der Gürtel aber ganz mit meinen Salzpillen und Gelen belegt. Die Skittles ließ ich für den Rest aber weg. Was soll ich sagen, es hätte echt nicht besser laufen können!

Triathletin beim Ironman Florida mit eigenem Getränk auf Laufstrecke

Der Rückweg der ersten Runde war beschwerlich, aber gefühlt nicht so lang, wie der erneute Weg Richtung Nationalpark. Nach 2:06h konnte ich den ersten Halbmarathon abhaken. Bereits von Weitem waren all die Zuschauer, die sich um Alvin’s Island, einem Mega Store für Strandzubehör, tummelten zu hören. Genauso wie die Ziellinie, die man von dort leider nicht sehen konnte. Die schnellen Athleten rauschten an mir vorbei und wurden auf den abschließenden Weg zu ihrer Medaille geführt. Ich suchte nach Helfern für mein Rundenbändchen. Die gab es leider nicht. Für zwei Runden übertrieben? Vielleicht, obwohl ich die Haargummis vermisste. Stattdessen wurde ich von gleich mehreren Helfern angesprochen, ob ich meinen Special Needs Beutel für die zweite Runde benötigte. Ich schüttelte den Kopf und zeigte auf meine Jacke, die ich bereits von der Wechselzone mitgenommen hatte. Damit ging es direkt in die zweite Runde, auf die auch Läufer von dem Wechselbereich dazu kamen, so dass die 2. Runde auch deutlich voller war. Die Cut-Off Zeit war noch lange nicht erreicht.

Meine Beine waren da bereits reichlich schwer, wussten aber genau, was nun noch kommen würde. Mein ruhiges Tempo war aber absolut ok, um so auch durch Runde 2 und einen weiteren Halbmarathon zu kommen. Bis Kilometer 23 ging es nah am Golf entlang. Ein schöner Anblick mit der tief stehenden Herbstsonne. Es war schon so spät im Jahr, dass in der Nacht nach dem Ironman die Uhren auf Winterzeit umgestellt wurden. Kurz danach schlugen wir wieder den Haken quer über die Halbinsel zur Lagune hinüber. Dort sah ich dann die kleinen Boote an den Häusern zum Wasser hin stehen, die mir in der ersten Runde so gar nicht aufgefallen waren.

Ich lief von da an konsequent jede Wasserstation an. Nahm aber nur das Tempo raus und trank im Laufschritt einen Schluck. Ich wollte keinesfalls anhalten. Das hätte vermutlich bedeutet, dass ich nicht mehr ins Laufen finde. Für meine Rippen war das deutlich schonender, als anlaufen zu müssen. Ich kann es auch heute kaum glauben, dass ich so den Marathon tatsächlich durchgelaufen bin. Die ganz langsamen Abschnitte rund um die Verpflegungsstationen wurden in der zweiten Runde zwar etwas länger, aber ich konnte noch von tatsächlichem Laufen sprechen.

Die tief über dem Wasser ausharrende Sonne war im St. Andrews State Park besonders eindrucksvoll. Die Luft war in Orange getaucht. Auf dem Rückweg vom Wendepunkt liefen wir genau auf sie zu.

Aber eigentlich war das ein Moment zum Anhalten!

Natürlich ging es für mich weiter. Über den leicht mit Grün bewachsenen Dünen konnte man den Golf erahnen. Die Tage nach dem Ironman wollte ich unbedingt dort verbringen… Ich zog mir anschließend langsam dahinschleppend mit doch zunehmenden Schmerzen die Jacke an.

Nach fast 11 Stunden war es Zeit, endlich anzukommen. Meine Rippen, mein gesamter Oberkörper schmerzte. Das Atmen fiel schwerer und schwerer. Selbst wenn die Beine und der Kopf schneller gewollt haben, so war ich schon allein beim Atmen ausgebremst. Ich blieb konsequent bei dem ruhigen Laufschritt. Dabei und durch den frühen Abend begleitete mich fast fünf Kilometer entlang der Lagune eine Athletin aus Panama City Beach. Olli hatte ich da schon eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr gesehen. Vermutlich hatte er schon lange im Ziel gewartet. Die Athletin war bereits seit Jahren bei diesem Ironman am Start. Nur im Jahr zuvor hatte sie ausgesetzt, als er aufgrund des Hurrikans Michael nach Haines City verlegt wurde. Ich erzählte ihr von den Strecken, von Lake Eva, von all meinen Eindrücken. Sie wiederum berichtete von ihrer Hawaii Quali, die sie sich vor Jahren in PCB geholt hatte. So gern würde sie es wieder schaffen wollen. Aber mittlerweile war die Konkurrenz in ihrer Altersklasse so unfassbar stark. Nach PCB hatten sich vor Jahren kaum Athletinnen verirrt. Nun ist das Feld auch dort größer, obwohl es natürlich immer noch gefühlt wenige Frauen waren.

 

MEIN ZIEL BEIM IRONMAN FLORIDA 2019

Irgendwann trennten sich unsere Wege, weil sie noch einen Zahn zulegen wollte. Für mich ging es langsam flüssig weiter. Ich lief einfach. Ohne wirklich darüber nachzudenken. Es dauerte nicht mehr lange, bis ich die Zuschauer und die Stimmung rund um Alvin’s Island hören konnte. Der Weg dorthin war leicht abschüssig. Die Zuschauer jubelten und vermutlich jeder zweite erwähnte schnell, dass wir es nun fast geschafft hatten. Nur noch zwei Kilometer. Ein Katzensprung im Vergleich zu all den Distanzen, die wir an diesem Tag zurückgelegt hatten.

Ironman Florida 2019 Zieleinlauf Finish line

Ich war unfassbar froh, auf der letzten Runde unterwegs zu sein. Es war dunkel. Die Sonne war längst hinter Palmen untergegangen. Die Kälte war überall deutlich zu spüren. Der Wind des Tages wurde frischer. Die Helfer des Special Needs Bereichs schoben mich mit ihren Gesten förmlich rüber in den letzten Abschnitt zum Abzweig auf die Zielgerade.

Um mich herum wurde es leerer und leerer. Der schwarze Asphalt war nun hell erleuchtet. Die Zuschauer reihten sich in der Dunkelheit noch viel mehr am Zaun der Zielgeraden aneinander, als es noch einige Zeit zuvor bei Sonnenuntergang der Fall war. Wie ich später von Olli erfuhr.

Das Ziel war im grellen Scheinwerferlicht kaum auszumachen. Durch den Jubel der Zuschauer schallte wie bereits im Jahr zuvor „The Voice of Ironman“ persönlich. Mike Reilly hieß in warmen Sachen mit Handschuhen am Mikro jeden Athleten willkommen. Er hatte uns morgens abklatschend auf die Strecke geschickt. Abends beendete er gemeinsam mit uns den langen Tag. Wie nach dem Drama im vergangenen Jahr, war ich so unfassbar glücklich, kurz vor dem Ziel zu sein. Das Ende so und nicht irgendwo auf der Strecke mit einem Abbruch erlebt zu haben! Wer hätte das gedacht? Eine Woche und sogar Stunden zuvor stand der Start in Frage. Jeder Abschnitt war begleitet von dem unguten Gefühl, irgendwann aufgeben zu müssen… Kurz bevor die magischen Worte mit meinem Namen durch die Lautsprecher zu hören waren, hielt ich an und ging.

Diesen Gänsehautmoment muss man doch einfach voll und ganz genießen!

Ein langer, ruhiger Weg, der sich, trotz der Härte, der Schmerzen und Ungeduld wieder einmal gelohnt hat. Es gab so viele Variablen, die nicht ein- und abzuschätzen sind. Wie immer bei so einer Langdistanz. Das extrem kalte Wetter an diesem Vormittag. Dazu die Verletzung. Die unfassbar vielen Kilometer. Aus gefühlt tausend Gründen gehört so ein Unterfangen, egal wie es ausgehen mag, in die Kategorie „Traum-Erfüllen“. Dann war Mike Reilly am Zuge:

Nadin, #886 from Germany, YOU ARE AN IRONMAN!

Um kurz nach 19 Uhr nach 12:03:59 war meine 4. Langdistanz mit einem 4:43h Marathon zu Ende gegangen!

Ironman Florida 2019 Triathletin Zieleinlauf Finishline

Das ruhige ins Ziel gehen und den Moment zu genießen, kann ich nur jedem wirklich ans Herz legen. Er ist so kostbar und jedes Mal so unfassbar kurz. Denn dann folgt eins nach dem anderen. Ehe man sich versieht, ist man aus dem Zielbereich raus. Kurz hinter dem schwarz roten Zielbogen erwartet jeden Athleten ein Helfer. Meiner klatschte mit mir ab, gab mir ein eiskaltes Wasser, das ich so gar nicht gebrauchen konnte und er freute sich gefühlt mindestens genauso wie ich über meine Ironman Florida Medaille.

Er brachte mich weiter von Station zu Station. Finisher T-Shirt, Finisher Cap mit Panama City Flagge. Zwischendurch redeten wir kurz über die Strecken, das Wetter, den langen Tag, … Er versicherte sich gefühlt einhundert Mal, ob es mir auch wirklich gut geht. Im Anschluss schickte er mich zum Ausgang. Bevor ich überhaupt etwas essen oder trinken konnte, brauchte ich ganz dringend meine Sachen zurück. Binnen Sekunden gefror ich im Abendwind zu einem Eisblock. Alles ging rasend schnell. Ich bekam meinen weißen Beutel am Strand unten, wo ich ihn morgens hinterlassen hatte. Halb im Gehen schnappte ich mir etwas Essen und Trinken, machte mich auf den Weg zum Lauf- und Radbeutel. Dort musste ich zwar in einer langen Reihe anstehen, aber es dauerte nur wenige Minuten, bis ich im Wettkampfhotel meine restlichen Sachen aufsammeln konnte.

Zum Abschluss nahm ich mir mein Fuji mit dem süßesten Erlebnis des Tages. Ein kleines Helfer-Mädchen sammelte mich ein. Sie stellte mir aufgeweckt zig Fragen. Wie mein Tag war, nach meiner Startnummer, nach der Reihe, wo mein Flitzer stand, nach welchem Rad sie Ausschau halten sollte, … Ich wurde richtig aus meiner Müdigkeit herausgerissen. Ihr war es derweil unbegreiflich, wie man so lange unterwegs sein konnte. So viele Kilometer. Kaum im Ziel war es für meinen Kopf auch abermals nicht so klar, wie man das schaffen konnte. Aber wie auf dem Band der Medaille steht:

Alles ist möglich.

In meinem Fall sogar mit einem geprellten Rippenbogen, verschobener Rippe, angerissener Muskulatur dieses fantastische und überwältigende Rennen zu finishen!!!

Ironman Florida 2019 Athleten Zieleinlauf Finishline Medaille

Als wir am Fuji angekommen waren, schaute sie mich groß an, verstummte seit Minuten das erste Mal und meinte, dass sie bei so einem Rad, doch mal lieber einen Erwachsenen ranlassen würde, um es auszuparken. Sie war schon fast am Wegrennen, als ich ihr sagte, dass ich das schon allein schaffe und ihr herzlich danke, dass sie mich hingebracht hatte.

Als ich alles beisammen hatte, war mein einziger Gedanke: heiße Dusche! Kein langes Genießen des Finisher Buffets, das wirklich reichlich gefüllt war. Pizza, Pasta, Burger, Salate, Obst, Knabbereien, Süßigkeiten, Kuchen. Ich hatte im Hotel vorgesorgt, dennoch war es etwas schade. Aber es war für mich nicht auszuhalten bei einstelligen Temperaturen, durchgeschwitzt… Zum Glück hatte ich noch einige Tage vor Ort Urlaub, um mich ein wenig zu erholen und vor allem, die State Parks und Strände zu genießen! Darüber dann aber hier mal mehr in ausführlichen Reiseberichten.

Falls du meine anderen Teile verpasst hast, kannst du sie hier nachlesen:

Ironman Florida 2019 – die Tage vor dem Start meiner 4. Langdistanz

Ironman Florida 2019 ins Ziel gebracht

Ironman Florida 2019 Teil I: Expo, Startunterlagen, Wettkampfbesprechung, Bike Check-In

Ironman Florida 2019 Teil II: Der Wettkampfmorgen & das Schwimmen

Ironman Florida 2019 Teil III: Der Radabschnitt

Ironman Florida Panama City Beach Strand Athletin mit Medaille

Weitere Abenteuer rund um Triathlons und Reisen, findest du unter meinem Tag EiswuerfelImSchuh auf Tour.

Für diesen an sich ruhigen Abschnitt des Ironman Florida 2019, hätte ich eigentlich meinen Garmin FR945 nicht gebraucht. Ich war aber froh zwischendrin den Überblick zu behalten, wie weit ich gekommen war. Die Meilenschilder helfen mir immer nur bedingt unterwegs weiter. Wirklich froh war ich über den Rat der Helferin im Wechselbereich, dass ich meine Windjacke mitnehmen und keinesfalls meine Gloryfy Sonnenbrille liegen lassen sollte. Die Salming Ultralite Jacke war der Retter auf den letzten Kilometern!

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit dem Tourismusverband Panama City Beach.

Alle hier gezeigten Fotos wurden von Oliver erstellt. Die Rechte an diesen Aufnahmen liegen bei ihm und mir. Eine weitere Nutzung ist nur in Absprache mit uns möglich.

Ironman Florida 2019 Teil IV: Der Marathon & das ersehnte Ziel
Oliver | Fotograf & Grafiker( Fotograf & Grafiker )

Als Fotograf & Grafiker von Eiswuerfel Im Schuh bin ich zusammen mit der Athletin ‘Din’ immer auf der Suche nach der nächsten sportlichen Herausforderung und den interessantesten Bildmotiven. Außerdem kümmere ich mich darum, die hier vorgestellten und getesteten Produkte und Sportbekleidung interessant abzulichten. Neben meiner Fotografie bin ich oft selbst sportlich unterwegs. Ich sitze sehr gern im Rennradsattel oder schnüre als Alternativtraining auch schon mal hin und wieder die Laufschuhe. Schaut gern auch auf meiner Facebook-Seite vorbei, auf der ich immer wieder neue Eindrücke mit euch teile.

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