Ostsee Triathlon Dierhagen 2023 – Saisoneinstieg mit 2. Platz

Der Ostsee Triathlon Dierhagen mit seiner Sprintdistanz fand zum 4. Mal in dem Seebad am Eingang zur Halbinsel Fischland-Darß-Zingst statt. Das Besondere an diesem Ostsee Triathlon ist der späte Start um 18 Uhr, der eigentlich den Zieleinlauf bei tief stehender Sonne garantiert. Stattdessen kämpften sich mehr als 100 Einzelstarter und 11 Triathlonstaffeln bei alles andere als optimalen Bedingungen zwischen ordentlich Wellengang, reichlich Regen und über den durchnässten Sandstrand hinweg ins Ziel.

Ich war eine von ihnen und erlebte bei dieser kleinen, sehr familiären Veranstaltung einen wunderbaren Saisoneinstieg, der nicht besser hätte verlaufen können. Alle meine Eindrücke dieser Abendveranstaltung habe ich im folgenden Beitrag mit zahlreichen Fotos von Oliver zusammengetragen.

Der Ostsee Triathlon Dierhagen lockte mit seiner Idylle. Wie in den vergangenen Jahren wollte ich wenigstens einen kurzen Triathlon vor meiner geplanten Langdistanz absolvieren. Es sind gerade die kleineren Veranstaltungen, die ich über die Jahre so lieb gewonnen habe. Meist aufgrund ihrer entspannten Atmosphäre und der guten Stimmung. Genau so sollte es auch bei dem 4. Ostsee Triathlon Dierhagen über die Sprintdistanz sein. Mein 6. Sprint und 34. Triathlon mittlerweile. Natürlich hatte ich bis zuletzt auf das genauso geliebte Sommerwetter gehofft. Aber bei einem Sprinttriathlon kann man auch schon einmal bei suboptimalen Bedingungen richtig Spaß haben! Immerhin hatten wir aber zweistellige Temperaturen und es war nicht so ein Drama wie bei der Challenge Walchsee vor einigen Jahren.

Was mich aber zudem an genau diesem Triathlon für den Saison-Einstieg reizte war, dass es ein Wettkampf in einem wunderbaren Ambiente ist. Dazu eine Abendveranstaltung und ein nettes Rahmenprogramm mit After Party in der dortigen Waldbühne am Küstenwäldchen. Snacks in unmittelbarer Umgebung. Die Möglichkeit, einen der langen Sommerabende direkt am Strand mit Sonnenuntergang zu verbringen. Wenn das Wetter stimmt!

Der Tag begann bereits mit dunklen Wolken, kühlem Wind und reichlich Regen, der sich allerdings bis zum späten Nachmittag legen sollte. An diesem Tag sollte aber einfach alles irgendwie anders als geplant laufen!

Der Regen hörte zunächst mittags auf, als ich zur Startnummernausgabe ging, den letzten Streckencheck machte und auf dem Weg zum Wechselbereich war. Und wie sich später herausstellte, sollte er im Verlauf des Abends ordentlich Fahrt aufnehmen. Ich ließ mich von dem ständigen Hin und Her der Wetter-App erst einmal nicht aus dem Konzept bringen. Die Erfahrung aus einigen Schlimmwetter-Triathlons war über die Jahre lehrreich. Ich war mit reichlich Mülltüten angereist, um im Zweifel mein komplettes Equipment im Wechselbereich einpacken zu können.

Meine Erwartungen an mich selbst waren wie die letzten Jahre für kurze Distanzen sehr klar zeitfokussiert. Ich wusste genau, wann und wie ich ins Ziel kommen wollte und war entsprechend bereit dafür zu arbeiten. Ich konnte nicht damit rechnen, dass dieser Plan direkt vor dem Start schon komplett gestrichen und neu berechnet werden musste. Aber von Anfang an!

Alle Fotos kannst du zur Vergrößerung anklicken.

Die Mittagszeit vertrieb ich mir entspannt am Strand. Zu dieser Zeit wirkte die Ostsee noch recht ruhig. Ansonsten erschien alles ziemlich. Aber meine Stimmung hätte für diesen Tag nicht besser sein können. So bekam ich auch den Großteil der Aufbauten vom finalen SetUp des Wechselbereichs über das Auslegen des blauen Teppichs vom Strand(!) bis zu den Radständern und das Ausbringen der Bojen bis hin zu den Absperrungen mit. Alles lief genauso entspannt, wie ich es mir vorgestellt hatte. Zuvor hatte ich etwas Sorge, dass ich nicht alle Informationen beisammen hatte. Aber die Organisatoren waren vor Ort am Werkeln und auch gleich bei allen Fragen zur Stelle.

Um 14 Uhr konnte ich mir im Dünenwald zwischen Strand und Wechselbereich am kleinen Anmeldehäuschen meine Startunterlagen abholen. Startnummer 44 sollte es für diese Sprintdistanz sein. Dort konnte ich mir auch noch einmal genau den Verlauf der Strecke erklären lassen. Die plötzlich für den Radabschnitt vier Kilometer länger war. Also justierte ich meine anvisierte Zeit nach für die etwas verlängerte Sprintdistanz mit 750m Schwimmen, 24km Radfahren und gut 5km Laufen.

Was mich aber mehr aus der Fassung brachte war die Laufstrecke, die über die letzten rund 500m über die Düne hinweg zum Strand hinab und dort entlang führte, bis sie hinter der Düne wieder endete. Ich wusste ganz genau, dass dieser Abschnitt zum Abschluss garantiert keine tobende Freude in meinen Beinen verursachen würde!

Pünktlich um 16 Uhr kam ich mit all meinem Triathlon Wettkampfequipment am Ostsee Triathlon Dierhagen Wechselbereich an. Zwei Kampfrichterinnen nahmen mich in Empfang und kontrollierten Startnummern, Helm sowie mein Fuji. Alles prima soweit. Entsprechend konnte mich mein ganz persönlicher Helfer übernehmen, um mich zu meinem Stellplatz zu führen und mir alle Details zur Strecke zu verraten. So hatte ich es bis jetzt nur bei den großen Ironman Rennen in Panama City Beach, Florida und Tempe, Arizona erlebt.

Dieser Helfer gab mir Tipps, wie ich das Rad bestenfalls einhänge, mein Equipment ausbreite und kam dann direkt mit Handzeichen zur Streckenerklärung. Was wirklich großartig war, weil ich so ganz exakt wusste, was mich wann, wo erwartete und welche Abweichungen es beispielsweise zu anderen Rennen gab. Wie die grünen Linien nach dem Wechselbereich, die deutlich später kamen als gewohnt, um aufs Rad zu steigen. Oder die scharfe Kurve zur Laufstrecke hinaus und den letzten fordernden Abschnitt am Strand, für den ich meine Kondition etwas schonen sollte. Vielen Dank an dieser Stelle dafür!

Kaum, dass ich alles zurechtlegen wollte, verdunkelte sich der Himmel mehr und mehr. Als ich meine Ausrüstung überprüfte und mich inmitten der aufgeregten Athleten befand, spürte ich bereits den Nieselregen auf meiner Haut. Doch selbst das widrige Wetter konnte meine Vorfreude nicht dämpfen. Der Ostseestrand von Dierhagen bot immer noch eine idyllische Kulisse. Auch wenn das Wasser unruhiger wurde und sich die Wellen deutlich mehr bewegten.

Also verpackte ich alle Wechselsachen. Die einzelnen Utensilien für die Rennabschnitte legte ich ordentlich in meinem Müllbeutelchen hintereinander. Damit war ich bereit für meinen Neoprenanzug. Arena Storm sollte Programm der ersten Disziplin werden! Mit etwas letzter Erwärmung ging es zu den finalen Worten von Rainer Wolff, dem Organisator des Ostsee Triathlons Dierhagen an die Bühne, wo später dann noch die After Party des Wettkampfs stattfinden sollte. Wir bekamen letzte Instruktionen und konnten dann zum kurzen Einschwimmen rüber an den Strand gehen.

Ganz ehrlich?

Ich war wirklich froh, dass ich vorab ins Wasser ging, um zumindest einige Meter zu schwimmen. Erstens gab es mir ein Gefühl für die Wassertemperatur. Sie war nicht eisig, aber deutlich frischer als am Tag zuvor, als ich der Sonne saß und bei deutlich besserem Wetter in die See ging. Und zweitens wusste ich genau, worauf ich mich mit der Strömung unter Wasser und den doch deutlich spürbaren Wellen einließ!

Die DLRG holte uns kurz darauf wieder aus dem Wasser. Wir konnten uns für den Start aufstellen. Der sollte rollend in kleinen Gruppen mit Abstand von 5 Sekunden durchgeführt werden. Durch den Wind und das kühle Wasser, das durch meinen Anzug geflossen war, jagte eine Gänsehaut die nächste. Bei Kühle kann ich sehr schnell sehr stark und ersichtlich leiden. Das ist einfach nichts für mich. Eine Zuschauerin bemitleidete mich offensichtlich und fragte, ob es denn wirklich so kalt sei. Nun ja, für mich ja!

 

DIE SCHWIMMSTRECKE DES OSTSEE TRIATHLONS DIERHAGEN

Die letzte Minute wurde durch Klatschen der Athleten und Zuschauer begleitet. Ich finde es immer wahnsinnig schön, weil es unter uns Einzelkämpfern ein kurzes aber wunderbares Gruppengefühl schafft.

Letztlich ging es dann zu wie bei kleinen Kindern!

Mit dem Startschuss zum 4. Ostsee Triathlon Dierhagen um Punkt 18 Uhr rannten alle vor mir plötzlich los. Um mich herum waren alle genauso irritiert wie ich. Was war mit dem rollenden Start passiert? Wo blieben die 5 Sekunden pro Gruppe?

Also liefen wir mit, um die 750m lange Schwimmstrecke zu absolvieren. Die erste Boje war nicht wahnsinnig weit weg. Vermutlich habe ich aber noch nie so lang gebraucht, bis ich ins wirkliche Schwimmen kam wie an diesem Tag. Selbst der Escape from Alcatraz Triathlon fühlte sich deutlich weniger schlimm mit der Strömung an, als dieser kurze Sprint. Wir konnten ewig weit rein laufen in die See. Immer frontal gegen die Wellen. Jeder Versuch zu schwimmen wurde mit einer hitzigen Welle beendet, die mich überrollte. Unter Wasser zog die Strömung an mir. Mein Herz schlug, als würde ich ein Intervall laufen. Ich verstehe bis heute nicht, wie da an den Folgetagen bei Schwimmverbot eine Mutter ihren kleinen Jungen allein ins Wasser lassen konnte zum Baden!

Einen kurzen Abschnitt war Brustschwimmen möglich. Ja, Brustschwimmen, wie der Großteil der Triathleten um mich herum. Bis zur Sandbank als wir wieder alle aufstanden und weiterliefen. Danach wurde es mit den Wellen zum Glück überschaubarer. Im Schwimmen war die Strömung nicht all zu arg zu spüren. Ich wechselte immer wieder zwischen langen Armzügen und Brustschwimmen hin und her.

Als wir die erste Boje erreichten, konnten wir nach schräg rechts abbiegen, um die zweite Boje anzuvisieren. Ich war unglaublich froh, diese Passage hinter mir gelassen zu haben! Endlich konnte man das, was ich da machte, auch Schwimmen nennen. Ich hatte das Gefühl, dass die anderen Athleten nach dem hektischen Gewühl an der Boje ebenfalls froh waren, dass das Schlimmste hinter uns lag. Denn plötzlich zog sich der Pulk auseinander und wurde deutlich schneller. Aber der Versuch einen Rhythmus zu finden war erst erfolgreich, als wir auch die zweite Boje hinter uns ließen.

Der Strand lag vor uns. Die Zuschauer waren in Sichtweite. Die Wellen schoben uns Richtung Land. Ich driftete etwas nach links ab und kämpfte mich zwischen den Wellen an eine Gruppe heran, an der ich mich bis zum Strand orientieren konnte. Diese letzten Meter von der dritten Boje zum Strand fühlten sich doppelt so schnell an wie alles andere zuvor. Es war ein großartiges Gefühl nach dem extrem hektischen und schwierigen Beginn so durch die See zu gleiten. Dass ich dann immer noch deutlich zu weit abseits der Zuschauer aus dem Wasser kam, gestehe ich mal der Strömung zu. Also lief ich erst einmal einige Meter am Strand entlang, um zum blauen Teppich gesäumt mit Zuschauern zu gelangen.

Die Anstrengung um bis nach oben über die Düne zu kommen merkte ich erst, als der Kommentator meine Startnummer und meinen Namen erwähnte. Mein Forerunner zeigte bis zur ersten Zeitmessmatte 13:40min an. Drittschnellste Schwimmzeit der Frauen gesamt und beste bei den Jedermann Starterinnen. Mit einem ziemlich guten Gefühl für diese Zeit und trotz Zickzack Abtreiben in die falsche Richtung tipptopp für die erste Disziplin.

Zum Glück war ich an dieser Stelle bereits auf festem Boden unterwegs. Noch mehr Sandstrand unter den Füßen und ich hätte wirklich langsamer werden müssen. So zog ich alles was ging im Laufschritt aus oder runter. Der Weg durch das Dünenwäldchen über den komplett mit Teppich ausgelegten Weg bis zum Wechselbereich war lang genug dafür.

Warum ich dann aber im Wechselbereich so unfassbar lang brauchte, um für den Radabschnitt fertig zu werden, lässt sich kaum erklären. Vermutlich bin ich doch noch nicht so ganz in der Saison angekommen! Als ich meinen Wechselbereich vor dem Start einräumte, fragte mich meine Familie, ob ich wirklich keine Weste, keine Jacke, kein Nichts anziehen wollte bei diesem Wetter?

Ja, ich war auch erschüttert über mich!

Aber bei dieser kurzen Strecke blieb weder die Zeit dafür, noch hatte ich Zweifel, dass ich trotz des Regens und der kühlen Temperaturen warm werden würde. Dennoch saßen die Handgriffe einfach nicht. Das obwohl ich alles so hingelegt hatte, dass ich einfach nur A nach B nach C folgen lassen könnte. Aber es fing schon damit an, dass ich das Startnummernband ummachen wollte, obwohl ich noch den Neoprenanzug halb anhatte. Den Helm bekam ich wieder einmal nicht mit dem winzigen Haken und den kalten Händen zu. Ich wusste nicht wohin mit dem Neoprenanzug. Wieso hatte ich keine Plastikkiste? Und und und. So summierte sich die Zeit. Irgendwann war ich soweit.

Triathletin Nadin mit dem schwarzen Fuji Zeitfahrrad in der Hand im Regen läuft durch den Wechselbereich des Ostsee Triathlons Dierhagen mit Casco Helm und Garmin Forerunner 955 Solar

 

DIE RADSTRECKE

Die Warnung der Familie bei diesem regnerischen Wetter nicht zu schnell durch den Wechselbereich zu laufen, hatten ich binnen Sekunden vergessen. Aber es war dafür ausreichend Platz, denn nur ganz wenige Athleten waren bis dahin mit mir auf dem Weg. Nach 2:33min war ich endlich bereit auf mein Fuji zu steigen, um den 8km langen Rundkurs zu absolvieren.

Drei Mal sollten wir uns zunächst aus Dierhagen raus nach Neuhaus und rüber Richtung Ribnitzer See, dem Ausläufer des Bodden, kämpfen. Hinaus ging es immer gegen den Wind, der etwas wechselte zwischen frontal und seitlich. Mein Visier war direkt vom Regen komplett benetzt. Die kühle Luft machte mir die ersten Kilometer ziemlich zu schaffen. Dazu kam der Wunsch noch schneller fahren zu wollen.

Und so im Tun überraschte mich in der ersten Runde ohne Streckenkenntnisse der plötzlich auf der Mitte der Fahrbahn stehende Feuerwehrmann etwas. Er zeigte mir den Wendepunkt an und schien meine Runden zu zählen. Er hatte jedes Mal einen Spruch auf den Lippen und scheinbar bei einigen Athleten im Blick, wie oft wir ihn passierten. Und genau das meine ich mit familiär und kleiner Veranstaltung.

Triathletin Nadin auf dem schwarzen Fuji Zeitfahrrad in Aero Position im Regen bei hoher Geschwindigkeit auf der Ostsee Triathlon Dierhagen Radstrecke mit Casco Helm und Garmin Forerunner 955 Solar

Von dort aus ging es mit dem Wind vier Kilometer gefühlt rasend schnell in die andere Richtung. Mit jeder Pedalumdrehung fühlte ich mich stärker und entschlossener, ignorierte das Wetter und achtete nur darauf, was genau vor mir geschah. Wen ich wann überholen kann und wann ich wieder abbremsen muss.

Der Wendepunkt in der Nähe des Wechselbereichs war gesäumt von Zuschauern. Dort stand bereits einige hundert Meter vorher ein Streckenposten, der die Wende ankündigte. Irgendwie schien an dieser Stelle die Straße schmaler. Vermutlich Einbildung, weil einige Athleten gleichzeitig um die Kurve wollten und es arg wuselig wurde. Also klickte ich mich (total surreal) links aus, damit ich das Umkehren mit meinem Fuß etwas abgestützt auf dem nassen Asphalt begleiten konnte. Jedes Antreten am Anfang und Ende der Radstrecke fühlte sich kräftezehrend an. Vor allem wenn es gegen den Wind wieder hinaus aus Dierhagen ging. Am Beginn jeder Runde sorgten aber die begeisterten Zuschauer für Stimmung und schenkten Kraft.

Ab der zweiten Runde wurde alles übersichtlicher. Nachdem wir die Zuschauer hinter uns ließen folgte eine Einfahrt mit einem Feuerwehrfahrzeug und applaudierenden Streckenposten. Immer wenn der Küstenwald endete drückte der Wind von rechts vorn gegen das Rad. Ich nahm kurz danach jedes Mal einen ordentlichen Schluck Iso aus meiner Flasche. Wieso hatte ich mein Trinksystem nicht angeklippst und musste zur Flasche nach unten greifen? Es folgte ein weiterer Streckenposten, bevor der Rest der Runde in Aerohaltung weiter ging.

Mir kam das Führungsmotorrad entgegen und ich passierte kurz vor der Wende das Schlussmotorrad. Von da an, waren vermutlich alle Athleten auf der Strecke und es wirkte tatsächlich recht voll. Aber selbst mit zwei Athleten im Überholvorgang lief alles sehr entspannt ab. Das Wetter wollte sich derweil nicht wirklich beruhigen. Stattdessen prasselte der Regen auf meinen Helm und meine Haut. Meine Radschuhe begannen mit den Sohlen zu schmatzen, weil das Spritzwasser und der Regen überall an mir herunterlief. Am Rücken spürte ich das kalte hochspritzende Wasser, während ich langsam das Gefühl bekam richtig warm zu werden.

Mit jedem Meter, den ich hinter mir ließ wurde die Stimmung besser und besser. Denn ich wusste, dass das Laufen nicht mehr fern war. Die letzte Runde, die schnellste der 3, fuhr ich an der Belastungsgrenze immer austarierend bis wo ich gehen konnte, bevor meine Oberschenkel kurz vor einem Krampf waren. Aber der Asphalt rollte, während das Wasser spritzte.

Triathletin Nadin auf dem schwarzen Fuji Zeitfahrrad in Aero Position lächelnd im Regen bei hoher Geschwindigkeit auf der Ostsee Triathlon Dierhagen Radstrecke mit Casco Helm und Garmin Forerunner 955 Solar

Der Abschnitt von der Wende draußen bis zur Drehung vor der Abfahrt zum Wechselbereich war komischerweise der ruhigste Streckenteil. Ich kämpfte mich an einige Männer heran und an ihnen vorbei. Die Mehrzahl der Athleten befand sich auf der anderen Seite. Draußen hatte sich der Feuerwehrmann verabschiedet. Am anderen Ende sagte mir der Streckenposten, dass ich rechts zurück zum Wechselbereich einbiegen kann.

Zwei letzte Rechtskurven nach dem Wenden bildeten den Abschluss der Ostsee Triathlon Dierhagen Radstrecke. Nach 41:32min erwarteten mich wieder die beiden Kampfrichterinnen. Kurz vor knapp vor der grünen Linie kam ich zum Stehen. Schnellste Radzeit der Jedermann Athletinnen. Davon wusste ich allerdings nichts, weil ich einige Athletinnen vor mir sah und schlecht einschätzen konnte, wer in einer Staffel oder als Startpassinhaberin unterwegs war und wer nicht. Ich war sehr zufrieden, wenngleich ich es vermasselt hatte, das gewünschte Tempo ab der ersten Runde zu fahren. Zumindest Runde 2 und 3 war ich genau so unterwegs gewesen, wie ich es geplant hatte.

 

DIE LAUFSTRECKE

Beim 2. Wechsel von der Rad- auf die Laufstrecke saß jeder Handgriff! Im Prinzip war es ja auch nicht viel. Lediglich ein kurzer Schuhwechsel von den Rad- in die Mizuno Laufschuhe, nachdem ich mein Fuji aufgehängt hatte, während mir die Zuschauer auf die Hände schauten. Das Visor und die Cimalp Laufbrille setzte ich im Laufschritt auf. Nach 1:03min nahm ich die scharfe Linkskurve auf den Waldweg und verließ ein letztes Mal den Wechselbereich.

Triathletin Nadin auf der Laufstrecke des Ostsee Triathlons Dierhagen im Küstenwald lächelnd im blauen Ale Cycling Trisuit mit Cimalp Laufbrille, Visor und Mizuno Laufschuhe

Der Regen hatte mittlerweile nachgelassen. In dem Moment eigentlich schade, denn mir wurde innerhalb weniger Minuten wirklich heiß. Ich hangelte mich von Athlet zu Athlet vor, aber irgendwie wollte ich nicht auf meine anvisierte Geschwindigkeit kommen. Beim ersten Kilometer habe ich genauso geschlafen wie auf den letzten paar hundert Metern. Vielleicht brauchte ich zu Beginn einfach etwas, um ins Laufen zu kommen.

In jedem Fall war es dieser Abschnitt durch das Küstenwäldchen, der mir am meisten Spaß machte.

Triathletin Nadin auf der Laufstrecke des Ostsee Triathlons Dierhagen im Küstenwald lächelnd im blauen Ale Cycling Trisuit mit Cimalp Laufbrille, Visor und Mizuno Laufschuhe

Ich liebe es so wie zu Haus, auf befestigten schmalen Waldwegen mit Tempo durchzulaufen. Irgendwann hörte dieser Abschnitt auf. Es ging im Zickzack durch eine Gartenkolonie. Irgendwo dort drin wurde mir und der Läuferin, die ich kurz vorher überholt hatte, zugerufen, wir sollten links abbiegen. Nur leider war mir nicht klar, dass das Links sofort gemein war und nicht weiter vorn, wo der nächste Streckenposten stand. Diese Person war für den Rückweg da und schickt mich zurück, als sie mitbekam, dass wir auf sie zuliefen. Also alles retour.

Es ging mit ein, zwei weiteren Kurven quer zwischen den dort stehenden Häuschen weiter entlang. Bis ich an der Landstraße ankam, auf der wir kurz zuvor noch mit den Rädern unterwegs waren. Dort begann der Rückweg mit einer Verpflegungsstation. Zumindest ein Wasser zum Abkühlen hätte ich annehmen können. Stattdessen lief ich vorbei zurück Richtung Küstenwald. Auf dem schmalen Weg kreuzten sich nun die Athleten. Aber es war alles machbar und zu keiner Zeit zu voll auf der Strecke. Der Spaß des Waldlaufs kam zurück. Auch weil ich endlich die Geschwindigkeit lief, die ich mir vorgestellt hatte.

Der plötzliche Wechsel vom Waldboden auf den Strandsand traf mich nach knapp 5 Kilometern etwas unvorbereitet. Obwohl mich der Helfer beim CheckIn gewarnt hatte und ich mich nur all zu gut an die Anstrengung erinnerte, die ich am Morgen und Tag zuvor beim Spazieren über die Dünen zum Strand empfand. Genau in diesem Moment überholte mich auch die spätere Siegerin. Ich dachte bis dahin, dass ich auf Platz vier oder fünf war. Also ließ ich es die Dünen hinabrollen und verschlief die letzten paar hundert Meter genauso wie den ersten Kilometer.

An der See unten war ich mehr damit beschäftigt, mich über den Anblick der Wellen und den Strand zu freuen, als die letzten Meter zügig weiter zu laufen.

Aber irgendwann muss man ja auch so ein Rennen genießen.

Dennoch war ich froh, als das Laufen an der Wasserkante ein Ende fand und die Zuschauer und der Kommentator zu hören waren. Dort, wo ich eigentlich aus dem Wasser hätte kommen sollen ging es nun wieder den Strand und die Düne hinauf. Gesäumt von Applaus erreichte ich nach fast 5,5km in 25:05min viel zu langsam das Ziel. Aber mit der Endzeit von 1:23:53 konnte ich für diese verlängerte Sprintdistanz als Saisoneinstieg sehr zufrieden sein!

 

DIE SIEGEREHRUNG

Die wievielte Athletin ich war, blieb unklar. Irgendetwas um Platz vier oder fünf vermutete ich. Dachte nur nicht daran, dass ja Staffel- und Startpass-Starterinnen unter einer extra Wertung liefen.

Kaum, dass ich das Gefühl des Ziels genoss, begann der erneute Regen. Es gibt ja wirklich nichts Schöneres, als nach so einem nassen Wettkampf in trockene Strümpfe zu steigen. Auch wenn ich bei einigen Details bei diesem Sprint nicht besonders glänzte, kam mir bei dem Regenwetter meine Erfahrung von fast drei Dutzend Triathlons zugute (Stichwort Mülltüte).

Wir warteten begleitet von Musik und Zuschauerjubel noch alle Athleten auf der Strecke ab, die bis kurz nach 20 Uhr noch weit vor Sonnenuntergang ins Ziel kamen.Und weil wirklich auch auf alle Einsteiger gewartet wurde und sie genauso gefeiert wurden, wie die ersten Athleten finde ich es auch gerade für den ersten Triathlon eine tolle Veranstaltung. Abgesehen von den Strecken. Denn auch die Radstrecke hätte mich bei meinem ersten Triathlon sicher sehr motiviert. Man kommt drei Mal an Zuschauern vorbei und ist gemeinsam mit allen Athleten auf den Runden unterwegs und fährt nicht einsam irgendwo ganz weit draußen umher.

Die Stimmung war ausgelassen. Helfer und Organisatoren versprühten gute Laune. Die wirklich große Überraschung ereilte mich dann bei der Siegerehrung, als aus dem Nichts mein Name für Platz 2 der Jedermann Athletinnen genannt wurde. Nach kurzer Verwirrung, wurde mir bereits die Hand von der 1. und 3. Platzierten geschüttelt, ein großartiger Glaspokal und riesiger Präsentkorb mit Sanddornprodukten überreicht!

So schnell, wie ich vor der versammelten Startgruppe stand, so schnell war der Moment des 2. Platzes wieder vorbei. Es wurden alle Siegerinnen und Sieger des Tages geehrt. Auch der älteste Athlet Wolfgang fand Erwähnung. So wie die Helfer und die DLRG. Die After Party an der Waldbühne am kleinen Küstenwäldchen fiel ins Wasser und aus. Sie endete damit, dass die Aufräumarbeiten im Regen musikalisch untermalt wurden und die Athleten alle auf dem Heimweg waren.

Und wer hat total aus dem Blick verloren, wie spät es ist? Sein Fuji einfach stehenlassen mit allem Schnickschnack? Wie am Flughafen wurde meine Startnummer ausgerufen. Nummer 44 möge bitte ihre Sachen aus dem nicht mehr vorhandenen Wechselbereich holen – so oder so schallte es über die Düne und den Strand. Natürlich flitzte ich sofort genau dort hin, wo der super nette Helfer, der mich vor dem Triathlon zu meinem Platz brachte, schon auf mich wartete. Er hielt scheinbar seit Ewigkeiten mein Fuji und alles andere fest… DANKE, für die Geduld. Ist mir so ja auch noch nicht passiert. Aber wenn ich an der See bin, habe ich wenig Kopf für andere Dinge als für das Wasser, die Wellen und Strand! Dass einige Surfer die Abendwellen, die ordentlich Fahrt aufgenommen hatten unsicher machten, sorgte bei mir auch gerade nicht für mehr Aufmerksamkeit.

Ich schnappte mir nach einer wärmenden Dusche meine Regensachen. Mit ihnen machte ich mich dennoch auf zu meinem ersehnten Strandabend bis zum Sonnenuntergang. Ich suchte nach dem gesunkenen Schiff Janne. Auf dem Weg zum gesunkenen Schiff kam ich noch an Reihenweise Strandkörben vorbei. Auch die #44 war mit dabei.

An das Wrack erinnert nicht mehr wirklich viel. Ein passendes Schild und kleine gelbe Bojen weisen darauf hin. Die Wellen hatten nach und nach etwas abgenommen. So lief es sich ganz wunderbar am Strand entlang unter dem dunkelblauen Wolkenschleier, der am Horizont hin und wieder etwas Abendröte preisgab.

Dierhagen hat sich zwar an diesem Tag nicht in Sonnenschein gezeigt, aber die malerische Ostseekulisse mit dem idyllischen Strand, dem Küstenwald und der lebendigen Triathlon-Atmosphäre sind eine wunderbare Umgebung für diesen Ostsee Triathlon Dierhagen. Von der wirklich durchweg gut organisierten Veranstaltung durch Dierhagen mit all der Unterstützung der DLRG und Freiwilligen Feuerwehr mal abgesehen.

Was nicht unerwähnt bleiben darf, ist das tolle Finisher Buffet von Edeka mit reichlich Obst und vielfältigen Getränken. Und dass es selbst für mich bei meiner super späten Buchung für 45€ noch ein Finisher Shirt gegeben hat, ist ein super Goodie! Es ist definitiv ein Triathlon der ganz oben auf meiner Liste für eine Wiederholung steht!

Alle hier gezeigten Fotos wurden wie immer von Oliver Eule aufgenommen. Die Rechte an diesen Fotos liegen bei ihm und mir. Eine weitere Nutzung der Fotos ist in Absprache mit uns gerne möglich. Bei Interesse schreibt uns bitte eine E-Mail, um Details der Nutzung auf Social Media, Webseiten oder Printmedien zu klären.

4 Gedanken zu „Ostsee Triathlon Dierhagen 2023 – Saisoneinstieg mit 2. Platz“