Ironman Switzerland: Meine erste Langdistanz – Teil I

Das Projekt erste Langdistanz begann wirklich in die heiße Phase einzutauchen, als ich beim Ironman Switzerland in Zürich zur Wettkampfbesprechung musste. Als die erste richtige Aufregung dank drohendem Neoprenverbot und nahenden Gewittern verdaut war, wartete der Bike Check-In am Mythenquai auf mich. Mehr darüber erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Die eigentliche Aufregung für das Vorhaben erste Langdistanz begann mit der Wettkampfbesprechung am Freitag vor dem Ironman. Zwar erwartete ich nach all den Mitteldistanzen keine große Überraschungen mehr, aber die Informationen über die Details der Strecke schürten den Wunsch ungemein, dass es nun endlich losgehen würde. Durch die gute Stunde führte der Rennorganisator persönlich. Die Frage, die vermutlich den Großteil der Athleten unter den Fingernägeln brannte, war das Neoprenverbot. Würde es tatsächlich eins geben?! Mit einem riesigen Spannungsbogen wurde sie am Ende mit einem ganz deutlichen „Jain“ beantwortet. Aber letztlich wolle man versuchen, beim Bike Check-In am Samstag eine definitive Aussage zu treffen. Mein Schwimmerlebnis am Nachmittag im Zürichsee war weniger erfrischend und ich hätte keine 3,8km mit Neoprenanzug schwimmen wollen. Mit Sicherheit hätte ich ihn auf halber Strecke ausgezogen. Irgendwie fand ich mich schon fast damit ab. Für eine erste Langdistanz wäre es für mich zwar wirklich nicht schön, aber auch nicht schlimm gewesen. Denn ich erwartete sowieso nichts von meiner Schwimmzeit. Alles war von mir locker und mit so viel Spielraum geplant, dass es auch absolut in Ordnung gegangen wäre, wenn ich jetzt noch länger als sowieso schon im Wasser gewesen wäre.

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Bei unglaublich schwüler Nachmittagsluft schmolz ich nach meiner kurzen Schwimmeinheit im Festzelt fast davon. Es war brütend heiß und es fiel doch merklich schwer, meine Augen offen zu halten. Viele Athleten verharrten in einer routinierten Langeweile, weil viele das schon alles kannten. Es war keine Überraschung, dass die Schwimmstrecke in einem ganz normalen Rechteck verlief. Als ich mich anmeldete, war in der Ausschreibung etwas von einer M-Form zu lesen, um das 20-jährige Jubiläum auch beim Schwimmen zu würdigen. Zwischenzeitlich gab es einige Änderungen, was mir sehr entgegen kam. Auch wenn die Grafik in der Auswertung sicher super ausgesehen hätte. Diese erste Disziplin sollte nun ohne Wasserausstieg absolviert werden, was ich nicht so schlecht fand. Ich hoffte darauf, dass ich so einen besseren Rhythmus finden würde. Besonders gespannt war ich auf den rollenden Start, den ich bis dahin noch bei keinem Rennen mitgemacht hatte. Viel zu beachten gab es dabei nicht. Außer dass es keine Startblöcke mehr gab, in die man bereits vor dem Rennen einsortiert wurde. Stattdessen sollte man sich seinem Leistungsvermögen entsprechend, selbst in die Gruppe von Athleten stellen, die einem angemessen schien.

Besonders interessant wurde es für mich bei der Radstrecke. Die Wahl auf den Ironman Switzerland fiel letztlich aufgrund der vielversprechenden Radstrecke. Einige Höhenmeter und eine schöne Landschaft garantierten fast schon gute Unterhaltung und genau das wollte ich in jedem Fall für meine erste Langdistanz. Ich hatte zwar schon von verschiedenen Triathleten mehr über diese Strecke erfahren, Tipps erhalten, wie ich mir das Rennen einteilen könnte, hoffte aber dennoch auf mehr Informationen von der Rennleitung. In der Tat gab es so einiges zu beachten. Es gab wenige, aber dafür markante Punkte, die man im Blick haben sollte. Sowohl was die Steigungen anging, als auch Kurven, Kanten und Bergabpassagen, bei denen es sogar Aufliegerverbot gab. Jetzt musste es nur noch regenfrei bleiben. Ein guter Hinweis der Rennleitung war, dass keine Folien mehr zum Abdecken der Räder zur Verfügung gestellt werden. Gut, dass ich meine immer dabei habe!

Die Laufstrecke würde ich schon irgendwie finden und mich von den Zuschauern motivieren lassen. Sie schien mit der Altstadt und den Passagen am See entlang sehr attraktiv zu sein. Ich war positiv überrascht über die zahlreichen Verpflegungspunkte. Sollte es also sehr schlecht laufen, könnte ich mich immer sehr gut an ihnen entlang hangeln. Es war zwar mit Regen und im ungünstigsten Fall sogar mit Gewitter zu rechnen, aber ausreichend Punkte zum Verschnaufen und Energie auftanken, standen für jeden Fall zur Verfügung.

Der Samstagmorgen, ein Tag vor meinem Triathlon Saisonhöhepunkt, hätte nicht besser beginnen können. In dem bezaubernden kleinen Teestübchen Les Gourmandises de Miyuko begann ich den Tag fast erst mittags mit einem Matcha Latte und veganem Streuselkuchen. Das nenne ich Carboloading vom Feinsten in unglaublich entzückender Atmosphäre. Meine Sachen waren anschließend auch recht schnell in den drei Wechselbeuteln verstaut. Am Tag zuvor hatte ich bereits die Startunterlagen abgeholt und mit viel Freude alles vorsortiert. Mein Fuji war ebenso startklar wie ich, nur der Weg von der Altstadt bis zum Race Village war für uns nicht so intuitiv zu finden. Ein anderer Athlet half uns zum Glück halb im Nirgendwo auf die Sprünge. Die Zeiten für die Abgabe des Rades und der Startbeutel war relativ starr. Außerdem wollte ich zeitig die Beine hoch legen.

Am Bike Check-In war einiges los und Favoritin Daniela Ryf lief forschen Schrittes geradewegs an mir vorbei als ich zur Abgabe einbiegen wollte. Ich warf noch einen kurzen Kontrollblick auf das Schildchen der freundlichen Helfer und ging dabei im Kopf noch einmal alles wie ein Blitz durch. Ich schien alles bei mir zu haben. Die Helfer waren alle so unglaublich freundlich. Jeder wünschte mir viel Erfolg und ich war mir nicht sicher, wer sich denn nun eigentlich mehr auf den Start freute. Sie oder ich?

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Meine Reihe war leicht gefunden. Ganz vorn, geradewegs vor den Profis, die ich natürlich am Wettkampf nie zu Gesicht bekommen sollte. Nicht nur bei mir herrschte große Sorge über das zu erwartende Gewitter. Die Tage zuvor hatte es immer unglaublich geschüttet. Einige Athleten hatten zum Glück wie ich ihre Radfolien mit. Ich kämpfte etwas mit dem Ungetüm bevor mein Fuji endlich sicher hing. Einige ließen ihr Rad so stehen. Andere arbeiteten mit allen Mitteln und Tricks, um ihr Hab und Gut zu sichern. Jeder hatte seinen eigenen Stil, sein Rad oder einzelne Teile wie Kettenblätter oder die Kassette zu verpacken. Es war wirklich interessant zu sehen, wie Profis und Altersklassenathleten damit umgegangen sind. Denn wie oben erwähnt, wurden keine Folien ausgegeben.

Ich habe auch direkt die Zeit genutzt, um mir auf den Weg durch den Radpark hin zu den Ständern für die Wechselbeutel die Räder der Profis anzuschauen. So auch das Rad von Daniela Ryf. Es ist immer wieder schön, wenn ich Räder mit Startnummernhalterung wie meiner sehe! Interessant wie jeder seine Verpflegung am Rad befestigt. Da hatte sich doch tatsächlich ein Athlet (ich meine, es war ein Profi) eine Plastikflasche so zurechtgeschnitten und am Oberrohr befestigt, dass sie eine Tasche ersetzt! Der Klassiker ist natürlich Gel über Gel mit Klebeband anzubringen. Es ist ja schon fast eine logistische Meisterleistung, um einen ganzen Picknickkorb mit Energie am eigenen Körper und am Rad zu verstauen. Das führte bei mir im Vorfeld auch zu Kopfzerbrechen. Bedenkt man auch, dass man noch Flickzeug bestehend aus zig Teilen irgendwo lassen muss.

Mit meiner Startnummer hatte ich quasi die Front Row der Veranstaltung gepachtet. Ich stellte mich aber wie gewohnt verwirrt an. Nicht so einfach immer diese wirklich einfachen Nummernschilder zu entziffern. Was wäre ich ohne Helfer. Irgendwann hing dann auch tatsächlich jeder Beutel genau dort, wo er hingehörte. Der letzte Blick fiel auf das Helferzelt, wo die erleichternde Nachricht hing: Wetsuit Allowed, zumindest für uns Altersklassenathleten. Es sollte sich auch über Nacht durch den Regen etwas abkühlen, so dass es auch nicht zu warm werden dürfte. Na man kann sich ja viel einreden,… Die letzte Mission war der Zeitmess-Chip, den es wie immer am Ende der Wechselzone beim Verlassen des Geländes gab. Der sorgt immer mal wieder für Alpträume. Dabei gibt es keinen Grund zur Panik. Sollte man ihn wirklich mal verschlampen, lässt sich ein Ersatz auftreiben. Anschließend ging es wie bereits am Tag zuvor mit der Straßenbahn zurück in die Innenstadt. Ich wusste die direkte Anbindung vom Hauptbahnhof, wo sich mein Hotel befand, zum Veranstaltungsgelände sowohl im Vorfeld als auch am Wettkampftag sehr zu schätzen.

Alle Berichte zum Ironman Switzerland, könnt ihr hier nachlesen: 

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..‚Din‘ ist Gründerin von Eiswuerfel Im Schuh

20121111-082354.jpgAls Triathletin & Autorin von Eiswuerfel Im Schuh bin ich zusammen mit meinem Sportfotografen immer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung und neuen Bildmotiven. Als Julimädchen liebe ich die Sonne, das Meer und den Sand zwischen den Zehen, genieße aber auch die Ruhe auf meiner Yogamatte oder auf einem Surfbrett. Ich freue mich, mit dir auf Facebook, Twitter, Pinterest, Instagram und Google+ in Kontakt zu bleiben.

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..‚Olli‘ ist Fotograf & Grafiker von Eiswuerfel Im Schuh

20121111-082354.jpgAls Fotograf & Grafiker von Eiswuerfel Im Schuh bin ich zusammen mit der Athletin ‚Din‘ immer auf der Suche nach der nächsten sportlichen Herausforderung und den interessantesten Bildmotiven. Außerdem kümmere ich mich darum, die hier vorgestellten und getesteten Produkte und Sportbekleidung interessant abzulichten. Neben meiner Fotografie bin ich oft selbst sportlich unterwegs. Ich sitze sehr gern im Rennradsattel oder schnüre als Alternativtraining auch schon mal hin und wieder die Laufschuhe. Schaut gern auch auf meiner Facebook-Seite vorbei, auf der ich immer wieder neue Eindrücke mit euch teile.

Als Triathletin & Autorin von Eiswuerfel Im Schuh bin ich zusammen mit meinem Sportfotografen immer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung und neuen Bildmotiven. Als Julimädchen liebe ich die Sonne, das Meer und den Sand zwischen den Zehen, genieße aber auch die Ruhe auf meiner Yogamatte oder auf einem Surfbrett.

23 Gedanken zu “Ironman Switzerland: Meine erste Langdistanz – Teil I

  1. Cooler Bericht und wieder tolle Bilder, das macht Lust auf mehrrrr!
    Die Räder sehen schon lustig aus, wie kleine Verpflegungsstände bzw. Reparaturwerkstätten. Ich persönlich habe eine kleine CO2 Pumpe, die ich mit einer Halterung an der unteren Schraube der Trinkflaschenhalterung befestigt habe. Im Inneren der Pumpe ist ein kleines Stück Schleifpapier und ein 3M Flicken. Unterm Sattel sind mit Gummibändern 2 Kunstreifenheber befestigt. Gels brauche ich für meine Distanzen noch nicht.

    LG

    • Hi Bodo, danke dir und freut uns sehr. Mehr dann die Tage!

      Du scheinst ja sehr gut ausgerüstet zu sein. Ich habe nun einen extra Flaschenhalter am Sattel. In eine der Flaschen wanderte mein ganzes Flickzeug. Das ist ziemlich praktisch und so kann nichts mehr verloren gehen. Außerdem brauche ich dann auch keine extra Tasche am Sattel. Die passende Geschichte zu diesem Flaschenhalter gibt es dann beim Rad-Abschnitt. Unglaublich eigentlich, aber ziemlich gut in der Situation gehandelt, wie ich finde…

  2. Hi Din,

    es ist herrlich, in Zürich ist das immer dasselbe mit den Gewittern und der Hitze um diese Jahreszeit. Ich hab da 1989 meine erste Langdistanz gemacht, es gab Neoverbot..allerdings haben wir uns dann ziemlich einen abgefroren beim Schwimmen, am Tag vor dem Rennen war es so heiss, das man vom Campingplatz kaum über die Strasse gehen konnte, ohne fast wegzuschmelzen, am Renntag kam dann Regen und es war kühl. Mein einziger Platten jemals in einem Wettkampf war bei km 30 auf nem Berg im strömenden Regen.. haha.
    Bin gespannt auf die Fortsetzung.

    Ciau

    Peter

    • Hi Peter, das ist ja der Hammer! Cool, dass auch du dort deine erste Langdistanz absolviert hast.

      Da habe ich ja mit dem Wetter noch Glück gehabt. Lieber so rum. Gewitter ankündigen und dann Sonne mit sehr warmen Temperaturen.

      Beim Schwimmen hätten wir sicher sich gefroren auf der Distanz. Das Wasser war zwar mild, aber am Ende war ich dann auch mit meinen Händen und Füßen froh, als ich raus war.

      Bis zum nächsten Teil dann.

    • Hallo liebe Margitta, ganz vielen lieben Dank! Was für ein Erlebnis. So muss es sich auch für dich bei deinen Ultras sein. Einfach herrlich. Hart, aber herrlich.

    • Hallo Robert, herzlichen Dank! Das freut uns sehr, denn man auch in den Fotos all das, was ich erlebe m, wieder findet oder sogar noch mehr Atmosphäre rüber gebracht werden kann.

  3. Schöner erster Teil, liebe Din! Die Plastikflasche ist der Hammer :)) ! Wie hast du denn deine Verpflegung auf deinem Rad unter bekommen? LG Miele

    • Hi Miele,

      habe ich auch erst auf dem Foto zu sehen bekommen. Erstaunlich, was es alles gibt. Ich habe drei Riegel in ihrer Verpackung ganz fest zusammengedrückt und so zusammen mit Salztabletten und zwei Gelen in meine kleine Tasche am Oberrohr bekommen. Dann wanderte ein Gel und ein Riegel in meine Taschen am Tri Suit und das letzte Gel direkt für den Anfang in den BH. Im Beitrag zum Radfahren sieht man auch gut, dass Daniela Ryf auch ihren BH als Stauraum nutzt.

    • Es ist wirklich immer sehr aufregend, seine sieben Sachen richtig zu packen. Marathon ist ja immer schon eine Nummer für sich. Aber das schlägt es doch um Längen. Selbst im Vergleich zur halben Strecke bei Mitteldistanzen. Wobei die Veranstalter Ironman und Challenge schon eine Sonderstellung haben mit ihren Kleiderbeuteln und das Drum Herum.

    • Hi Christian, in der Tat ist Logistik und das Managen nicht ohne. Vielleicht sollte ich auch darüber mal schreiben. Zum Glück habe ich immer etwas Hilfe durch Olli, auch wenn er mit seiner Fotoausrüstung auch sehr viel zu tun hat. Wenn ich die allein reisenden Athleten sehe, bewundere ich sie immer.

  4. Ist ja sehr witzig mit der Verpflegung am Rad. Habe ja schon bei einem normalen Lauf immer Angst, dass ich irgendetwas vergesse, aber bei so einem Triathlon muss man ja einen ganzen Schrank an Ausstattung mitnehmen …

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