Ironman Switzerland: Meine erste Langdistanz – Teil III

Nach dem Schwimmen folgt bekanntlich beim Triathlon das Radfahren – so natürlich auch beim Ironman Switzerland. Allerdings bei diesem Stadt-Tri mit wunderbarem Panoramablick über den Zürichsee, herrlichen Steigungen und interessanten Abfahrten. 

Ich war wirklich erleichtert, nach gut 4 Kilometern im Wasser festen Boden unter meinen Beinen zu spüren. Zwar habe ich entgegen meiner Erwartung nicht den gesamten Zürichsee umkreist und drohende „Ver“-Schwimmer noch rechtzeitig korrigieren können, aber dennoch war ich sowohl im Kopf als auch natürlich in den Armen etwas ermüdet. Das mag zum Teil auch an der Tageszeit gelegen haben. Mein Kreislauf beschwerte sich allerdings nicht, wieder in gewohnter Form in Schwung zu kommen und mich nicht mehr in der Waagerechten „am Laufen“ zu halten.

Die gute Schwimmzeit gab mir einen unglaublichen Rückhalt mir tatsächlich alle Zeit der Welt in der Wechselzone  zu nehmen. Genau die Zeit, die ich für nötig hielt, um mich, mein Outfit und meine Sachen zu sortieren, die ich während der 180 Radkilometer brauchen würde. Nur ein Fehler ist mir rückblickend unterlaufen. Es gab kurz hinter dem Wechselzelt eine gut organisierte Station mit Sonnencreme. Obwohl ich Zeit hatte, ausreichend Helfer auf die Athleten warteten und niemand außer eben diesen Helfern an den Tischen standen, lief ich einfach dran vorbei. Das nicht nur ein Mal, sondern gleich zwei Mal! Später beim Laufen bildete ich mir nämlich immer noch ein, dass schon irgendwann die Wolken überwiegen würden, dass meine längst verblasste Lanzarote-Bräune ein ausreichender Schutz wäre, und und und. Als ich zu meinem Fuji lief, gab es absolut noch keinen Grund anzunehmen, dass ich meinen ersten Ironman bei herrlichem Sommerwetter absolvieren würde. Dicke, graue Wolken wohin das Auge sah. Von dem herrlichen Sonnenaufgang knapp zwei Stunden zuvor war keine Spur mehr zu sehen. Alles schien genau so einzutreffen, wie der Wetterbericht es vorhergesagt hatte. Das Gewitter war nur eine Frage der Zeit – meinte ich.

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In gewohnt gemächlicher Art lief ich mit meinem Fuji durch die Wechselzone, die leer, aber noch nicht ganz so leer war, wie ich vermutete, als ich mein Rad da so ganz verlassen hingen sah. Am Ausgang wie so oft ein kleiner Stau. Irgendjemand muss auch immer noch seine Uhr starten oder die Anzeige an seinem Radcomputer richten. Mit letzterem gab ich mich dieses Mal erst gar nicht ab. Die Strecke würde ich ganz sicher dank der Helfer finden und ich war zuversichtlich, dass mein Forerunner bis zum Schluss durchhalten würde. Also konnte ich direkt aufsteigen, um irgendwann auch meine Uhr auf dem Rad umzuschalten.

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Da war ich nun also auf den 180 Kilometern unterwegs. Allein mit meinen Gedanken. Wie das noch werden sollte?! Zum Glück war auf den zwei Runden für sehr viel Unterhaltung und Abwechslung gesorgt. Ich hatte Zürich kaum verlassen, begann der Sprühregen. Ich hatte damit gerechnet und während ich mich noch über meine fehlenden Armwärmer ärgerte, verzogen sich die Wolken nach und nach. Für uns ging es die ersten 30km immer entlang des Zürichsee. Schnell waren wir auf der anderen Seite. Die Straßen waren nicht für den Verkehr gesperrt, aber auf der ersten Runde traf ich kaum auf ein Fahrzeug, das nicht zum Ironman gehörte.

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Alles war sehr entspannt und ich fing schnell an, den Radabschnitt einfach zu genießen. Die ersten Badegäste machten es sich gegen neun Uhr auf ihren Sonnenliegen entlang der Uferpromenade bequem. Sowohl in den kleinen Ortschaften als auch dazwischen gab es immer wieder Zugänge zum See. Was mich sehr überraschte war die Vielzahl der Taucher, die immer wieder entlang des Ufers zu sehen waren. Entweder sie machten sich gerade mit ihrer schweren Ausrüstung bereit für das Wasser oder kamen aus dem See heraus. Die Strecke war sehr übersichtlich. Die Athleten hatten sich sehr verteilt. Mal war jemand weit vor mir. Hin und wieder raste ein Mann an mir vorbei. Alles war entspannt und mir gefiel es sehr, dass ich mich langsam einfahren konnte und die erste Müdigkeit aus dem Körper schüttelte.

Kurz vor Rapperswil verließen wir die Straße, die uns ganz flach am Zürichsee entlang führte. Von dort an ging es stetig bergauf. Zunächst nicht dramatisch, aber immerhin so viel, dass ich meine Aeroposition verlassen musste. Dort warteten an der Natascha Badmann Verpflegungsstation zahlreiche Helfer, von denen ich mir auch direkt eine Wasserflasche geben ließ.

Das ist echt immer ein kleines Erlebnis für mich. Übt man ja sonst nicht wirklich im Training, will aber etwas gelernt sein. Zum Glück ging es bis jetzt immer gut. Man muss nur beherzt und nicht zimperlich zupacken. Nach den ersten beiden Stationen konnte ich mit ordentlich Geschwindigkeit an den Helfern vorbeifahren, um Flasche für Flasche zu greifen. Die Verpflegungsstationen waren an sehr guten Streckenpunkten aufgestellt. Wir Athleten hatten ausreichend Platz, um uns einzusortieren und etwas aufzunehmen, anzuhalten oder auch einfach daran vorbeizufahren. Die Flaschen wurden auf der zweiten Runde auch mit einem Gartenschlauch gekühlt oder gesäubert. Auf jeden Fall eine nette Geste.

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Den ersten Riegel hatte ich bis dahin auch verdrückt und alles lag beim Essen und Trinken im Soll. Meine Verpflegungsstrategie ging während des gesamten Ironman auf. Aber ich muss zugeben, schon auf der zweiten Radrunde hatte ich schon keine Lust mehr auf: Wassergreifen, Riegel kauen, Gel schlucken, noch mehr Wasser/Iso trinken, Riegel, Gel, Wasser, und und und. Selbstredend sorgte meine Vernunft dafür, dass ich mich genau daran hielt, was ich mir vorher überlegt hatte. Dabei musste ich ziemlich die Zeit im Auge behalten. An so einem Tag kann man wohl kaum auf seinen Körper hören. Also spielt der Kopf eine unglaublich große Rolle. Wenn man dann von der Idylle so beeindruckt ist, sich an dem Wettkampf erfreut, alles aufsaugen möchte, ist ziemliche Konzentration angesagt.

Die traumhafte Landschaft begann wenig später. Grüne Hügel. Ein leichtes Auf und Ab. Verschlafene Dörfer mit Kirchen, deren Glocken immer wieder läuteten. Da jagte eine Gänsehaut die nächste. Kühe, die weit verstreut mal hier und da am Wegesrand standen. Die Sonne, die die nassen Gräser zum Glitzern brachte. Schäfchenwolken und blauer Himmel, der längst das Regengrau vertrieben hatte. Katzen kreuzten hier und da meinen Weg. Es war einfach nur reine Postkartenidylle. Zum Glück durfte ich es zwei Mal erleben. Es wäre zu schade gewesen, wenn ich das nicht noch ein weiteres Mal hätte sehen können. So verflog aber nicht nur Kilometer um Kilometer, Minute um Minute, sondern auch das Gefühl, was für ein langer Tag es werden würde und wie anstrengend es dann doch bereits mit den nächsten zwei richtigen Berganpassagen ab Kilometer 50 war. Von Weitem sah ich schon die Serpentinen.

Jetzt fehlte mir doch etwas mein Edge, um besser abzuschätzen, wie lang diese Anstiege sind. Mich überholte ein älterer Herr, der die Strecke kannte. Er rief mir kurz zu, dass ich locker machen solle, denn es wären doch einige Kilometer. Wenn ich glauben würde, ich hätte es geschafft – an so einem Punkt mit großartiger Aussicht – wäre es nicht mehr weit, aber doch noch ein Stückchen. Na gut, dann wusste ich ja nun Bescheid. Von da an wurde das Fahrerfeld eng und der Radsportler entschwand ziemlich schnell aus meinem Blickfeld. Dort draußen im Nirgendwo standen sogar zahlreiche Zuschauer, die uns ordentlich auf die Sprünge halfen. Kuhglocken, Rasseln, Geklatsche und Jubel für uns Athleten, die dicht an dicht den Berg hinauf fuhren.

Oben angelangt gab es eine kurze Abfahrt, bevor ein erneuter Anstieg bevorstand. Letzter war aber moderater und durchweg gut zu fahren. Ich genoss es immer mal wieder aus dem Sattel zu gehen. Auf die Abfahrten freute ich mich besonders, ließ es während der ersten Runde dennoch langsam angehen. Ich wusste nicht genau, was kommen würde. In der Wettkampfbesprechung wurde zwar auf die wirklich markanten Punkte hingewiesen, aber man kann nie wissen. Letztlich stellten sie sich als gut fahrbare Abschnitte heraus, bei denen es zum größten Teil rollen lassen konnte. Der Organisator hatte für eine gute Beschilderung gesorgt. Selbst Bahnschienen waren zum Teil außerhalb der Ortschaften abgeklebt. Es gab nur einen Kreisverkehr, an dem ich mir gewünscht hätte, dass die Kante, die fast mit der Fahrbahn verschwamm, markiert gewesen wäre. Da bin ich bei jeder Runde ziemlich dicht dran entlang gefahren. Passt man da nicht auf, kann man schnell wegrutschen. Wenn ich mich recht erinnere, gab es drei Abfahrten, in denen es verboten war, in Aeroposition hinabzufahren. Da ich nun schon den 70.3 Ironman auf Mallorca mitgemacht hatte, waren die Abfahrten in und um Zürich sehr gut zu meistern. Im Vergleich zur Half Challenge auf Fuerteventura und manchen Abfahrten auf Lanzarote ein Klacks. Um so mehr Spaß machte es in der zweiten Runde, als ich alles kannte und vor allem nicht bei der längsten, schönsten, rauschendsten Abfahrt, die dann auch noch in einem Tunnel ihr Ende findet, anhalten zu müssen!

Das muss man sich mal überlegen. Kurz vor dem Ironman habe ich mich mit einem Radsportfreund hingesetzt und tatsächlich einen Schlauchwechsel geübt. Mit einigen kleinen Tricks, die ich jetzt sicher schon wieder halb vergessen habe, eigentlich nicht schwer. Wenn man Ruhe bewahrt, sich Zeit nimmt, vielleicht einfach an den Straßenrand setzt und das ganze locker nimmt. In der Theorie konnte ich das ja schon immer. Ich habe bereits als Kind immer neugierig zugeschaut, wie Räder fit gemacht wurden. Zum Glück brauchte ich dieses Halbwissen nie und ich hoffe, dass es auch nicht dazu kommt. Während des Ironman rechnete ich nun nicht damit, dass ich einen Schlauch hätte wechseln müssen. Schließlich hatte ich nagelneue Reifen einige Zeit davor aufgezogen. Aber wie immer ist es besser, wenn man auf alles vorbereitet ist. Nur damit, hätte sicher niemand gerechnet. Als ich nun besagte schöne Abfahrt hinab rase, fängt plötzlich etwas an meinem Fuji an zu quietschen. Ich dachte sofort daran, dass es die Bremsen wären. Carbonfelge, Bremse, irgendetwas klemmt, aber ich rollte. Irgendwie ein ungutes Gefühl bei über 50km/h. Ich versuchte zu erkennen, was da unter meinem Hintern genau passierte, aber keine Chance. Ich bremste langsam herunter, während andere Athleten an mir vorbei schossen. Ich hielt an einer Stelle, wo es einen schmalen Seitenstreifen gab. Ich stellte mein Rad an einen Gartenzaun und grübelte, was los war. Mein Helm und Visier machten es mir nicht gerade einfach. Also musste ich ihn kurz absetzen. Wie ich da so innerlich herumfluchte und es echt nicht fassen kann, sehe ich ganz per Zufall, dass tatsächlich mein nagelneuer Flaschenhalter am Sattel an einer Seite komplett abgerissen war. Die Schrauben hatten sich gelöst bzw. waren abgefallen. So wie die komplette Halterung. Es gab also zwei Möglichkeiten. Entweder das ganze Ding abreißen. Leichter gesagt, als letztlich getan. Denn die linke Seite saß natürlich irre fest. Alternativ hieß es nun mit dem klar zu kommen, was ich hatte. Was hätte MacGyver getan? Sicher nicht lange gejammert, sondern so wie ich das Sicherheitsband des Flaschenkorbes genommen, mit dem ich mein Reparaturset extra gesichert hatte. Ich füllte also meine Wasserflaschen um, denn unter diesen Bedingungen konnte ich hinten keine schweren Sachen mehr transportieren. Anschließend friemelte ich mir tobend eine Schlaufe und befestigte den Korb damit wieder unter meinem Sattel. Zum Glück hatte ich in den Minuten ausreichend Wut angestaut, um mit richtig Kraft das ganze Ding festzuziehen. Schließlich musste alles noch weitere 110km halten. Ich ging nicht davon aus, dass man mir an einer Service Station hätte helfen können. Es war recht unwahrscheinlich, dass sie eine Mini-Schelle, passende Schrauben und Unterlegscheiben auf Vorrat hatten. Außerdem wollte ich keinesfalls ein weiteres Mal absteigen und mir nicht Kilometer um Kilometer Gedanken machen müssen.

Als alles endlich gut saß, wartete ich noch ein paar Athleten ab, bis die Bahn frei war. Bis zum Tunnel hatte ich noch etwas Schwung von der restlichen Abfahrt mitnehmen können, bevor es wieder am See entlang zurück rein nach Zürich ging. Ich muss zugeben, dass mich diese Aktion die nächsten zehn Kilometer durch die Stadt bis zum Beginn des Heartbreak Hill begleitet hatte. Aber von da an, griff ich nur kurz bei schlechteren Straßenbedingungen nach hinten und vergewisserte mich, ob wirklich noch alles an Ort und Stelle saß. Die Begeisterung, die am Heartbreak Hill herrschte, konnte man bereits vor dem Anstieg wahrnehmen. Zumindest auf der ersten Runde.

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Wirklich unglaublich zu erleben, wie viele Menschen dort unterwegs waren. Ein Lärm – diese riesigen Kuhglocken, dazu dann auch noch die Rufe der Zuschauer, der Moderator, der uns Athleten mit Namen empfing, die Helfer, die an der Verpflegungsstation ebenfalls schrien,…

An besonders engen Passagen standen Gitter, damit wir Athleten in Ruhe hinauf fahren konnten. Dennoch mussten wir uns einreihen und Überholen war fast unmöglich an diesem kurzen und so heftigen Stück. Was da wohl los war, als der erste Mann und die erste Frau entlang kamen?

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Als ich die erste Kurve hinauf nahm und die zweite kommen sah, strampelte ich zum Glück schon im kleinsten Gang. Das brachte den Kreislauf in Schwung und ich bin ganz sicher, dass jeder einzelne Triathlet dort oben so viel Euphorie tankte, dass er nicht erschöpft sondern erfrischt auf den zweiten Streckenabschnitt ging. Dennoch war ich froh, als endlich die Abfahrt folgte. Ich war gleichzeitig begeistert, dass das auch der Abschluss der zweiten Runde sein würde.

Anschließend ging es erneut durch das Zentrum von Zürich und die lange Gerade immer am See entlang. Vor dem Ironman hatte ich den Tipp bekommen, bei allen Anstiegen Ruhe zu bewahren, auch wenn es nicht so hohe Berge waren, wie ich sie von anderen Wettkämpfen kannte. Ich sollte auf den flachen Passagen versuchen, Zeit herauszuholen. Dabei blieb ich auch. Kopf runter und treten, was die Beine hergaben.

Immer wieder sah ich Kampfrichter auf ihren Motorrädern. In der ersten Runde hatte ich sie gar nicht so wahrgenommen. Da waren so viele Fotografen auf der Strecke, dass sie vermutlich unter gingen. Außerhalb von Zürich traf ich auf einige Athleten, die mich vor meiner kleinen Panne umgaben. Es war zuweilen etwas unruhig, vielleicht weil die Kräfte langsam nachließen. Ich überholte und wurde überholt. Alles verlief aber super sportlich. Da hatte ich schon andere Situation erlebt. Niemand scherte kurz vor dem Vorderrad ein und alle schienen etwas mehr Zeit und Gelassenheit gehabt zu haben. Nur selten, aber das gab es auch, traf ich auf Grüppchen, die sich mit Windschattenfahren vorantrieben. Sobald ein Motorrad zu hören war, ließen sie abreißen. Kaum passierte es, fuhren sie wieder gemeinsam. Nicht, was ich nicht schon woanders gesehen hatte, aber so offensichtlich war das schon ein Ding. Was mich gleichermaßen überraschte, waren die Kampfrichter, die wirklich bis zum letzten Meter auf der Strecke waren. Selbst kurz vor Ende meiner Zeit auf dem Rad kamen sie mir entgegen und überholten mich. Wie es sein sollte, nur hatte ich es so auch noch bei keiner Mitteldistanz erlebt. Irgendwann waren sie immer verschwunden. Vermisst hatte ich zwischendrin tatsächlich Frauen. Es waren so wenige auf der Strecke. Ich glaube, es ist mir noch nie so sehr aufgefallen. Ich kenne nicht die genauen Zahlen, aber wir waren definitiv so etwas von in der Unterzahl, dass man uns fast suchen musste. So wunderte es auch nicht, dass Kinder auf der Strecke überrascht riefen: „eine Frau!“.

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Als es das zweite Mal hinauf in die Berge ging, spürte ich mehr und mehr die Wärme. Die Anstiege waren gar nicht so schlimm, aber oben auf den Hügeln zwischen den Feldern von Mais wehte manchmal gar kein Lüftchen. Da brannte die Sonne auf meinen Schultern und ich merkte wie von meinen Füßen her die Wärme an mir hinauf stieg. Ich hatte nur in ganz seltenen Fällen brennende Füße. Hier spürte ich sie plötzlich. Es war nicht unfassbar heiß, aber für diese Distanz doch ausreichend warm. Zum Glück rollte es aber wirklich gut auf den Straßen. Die Abfahrten nahm ich in Runde zwei noch gelassener. Ich ließ es einfach rollen. Vor allem an dem Abschnitt, der sich anfühlte, als würde man in einem Panorama Fahrstuhl stehen und bis zum Horizont schauen können. Hinter den Hügeln tauchte in der Ferne plötzlich der Zürichsee auf. Man fuhr fast genau auf ihn zu, während es immer weiter hinab geht. Natürlich merkte ich neben all der Euphorie, dass mir einige hundert Höhenmeter, am Ende laut meinem Forerunner gut 1700, und die Distanz in den Knochen steckte. Aber an Müdigkeit und Erschöpfung wollte ich gar nicht denken. Zu aufgeregt war ich noch über den ganzen Tag.

Das zweite Mal konnte ich den Tunnel am Ende der letzten langen Abfahrt rasant durchfahren. Kurz vor Zürich nahm ich das letzte Wasser an einer Verpflegungsstation auf. Wenn ich das nächste Mal die Straßenbahnschienen in der Stadt passieren würde, sollte es zu Fuß sein. Der größte Batzen des Tages lag hinter mir. Nur noch hoch zum Heartbreak Hill, wo deutlich weniger Zuschauer warteten. Die verbliebenen sorgten dennoch für ordentlich Stimmung. Nicht mehr so laut, nicht mehr so eng, aber immer noch beeindruckend. Kurz vor dem Ziel der Radstrecke musste man wirklich aufpassen, dass man sich nicht zu sehr verausgabt, wenn man nicht mit dicken Beinen in die Wechselzone und anschließend zum Laufen aufbrechen wollte. Bis dahin hatte ich mich gut an meine Verpflegung gehalten. Dennoch wäre ich gern abgestiegen und hätte mich am liebsten in einen der Gärten gesetzt, wo Sonnenschirme warteten und Grill-Wolken aufstiegen. Stattdessen gab es kurz hinter der Abfahrt noch ein Gel. Total lecker… Augenrollen inbegriffen. Es folgten die letzten gut fünf Kilometer, bevor auch mein Hinterteil nur noch laufen wollte.