Ironman Kanada 2022: Startunterlagen, Wettkampfbesprechung & Bike Check-In

Familiär ging es bei allen Veranstaltungen auf dem kompakten Eventgelände rund um den Ironman Kanada in Penticton zu. Es war definitiv keine Mega-Veranstaltung trotz der 1600 Startern und ihren Familien vor Ort. Stattdessen zeigten die Organisatoren aus Penticton, wie charmant ein Ironman sein kann. Vielleicht liegt es auch an den Wurzeln dieser ältesten Langdistanz Nordamerikas, dass alles etwas idyllischer wirkte als in manch anderen Ironman Städten.

Bei der beschaulichen Messe und während des Athleten Check-Ins mit Strandzugang, geduldig wartendem Ogopogo Monster und Blick auf den Okanagan See verflog die Zeit. Besonders unterhaltsam war die Wettkampfbesprechung, während die Eröffnungszeremonie einige motivierende Momente präsentierte. Mit dem obligatorischen Bike Check-In endeten alle Vorbereitungen, die wieder so wunderbar durch all die freiwilligen Helfer unterstützt wurden.

Die passenden Einblicke zu all diesen Vorveranstaltungen des Ironman Kanada möchten wir Dir hier in diesem Beitrag näher bringen. Inklusive eines kleinen Rückblicks über die Geschichte dieser Langdistanz. Um auch die Lust bei dir zu schüren, bei so einem Event, dabei zu sein – vielleicht sogar bei genau diesem.

Was war für dich denn mal ein Highlight bei solchen Vorbereitungen zu einem deiner Triathlons?

Dort, wo vor fast 40 Jahren die erste Langdistanz Nordamerikas nach Hawaii ausgetragen wurde, kehrte in diesem Jahr der Ironman Kanada hin zurück. Das war Grund genug für mich nach der Corona bedingten Absage über zwei Jahre hinweg auch meinen Weg dorthin zu finden. Selbst Teil von dieser Rückkehr und legendären Veranstaltung zu werden. Die tief verwurzelte Begeisterung für den Triathlonsport mitzuerleben, die es in Penticton geben soll. 

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Triathletin Ironman und Sportbloggerin Nadin lächelnd vor einem Ironman Canada Kanada Penticton Banner mit dem Schriftzug The Legend Returns

Die Triathlon-Geschichte in Penticton begann 1983 mit einem Sprint Triathlon – der Peach Classics, der von einer Gruppe Frauen organisiert wurde. Der Peach Classics gehört bis dato zu den ältesten, durchgehend organisierten Triathlons der Welt! Nur wenige Wochen später fand im August mit dem Ironperson Triathlon die erste Langdistanz ebenfalls dort statt. Bei Ironperson klingelt es auch bei dir in den Ohren? Zurecht, denn die Organisatoren standen rechtlichen Problemen gegenüber, als sie diese Veranstaltung wie auf Hawaii Iron Man nennen wollten. Zu dieser Zeit tatsächlich noch als zwei Worte geschrieben.  

Schon damals, bei dieser ersten Langdistanz Nordamerikas, war Steve King der Race Announcer. Er ist in Kanada als The Voice of Ironman selbst heute noch bekannt. In diesem Jahr ließ er es sich bei der Rückkehr dieser Legende nicht nehmen, ebenfalls Teil davon zu werden. Allerdings kletterte Steve nicht wie damals auf einen Baum, um die sich dem Ziel nähernden Athleten besser sehen zu können. 

Wenige Jahre später, 1986, wurde das Rennen zu einem offiziell lizensierten Ironman. So lebte man Jahrzehnte mit dem Ironman Kanada die Faszination Triathlon weiter, bevor die Challenge Organisation zwischen 2013 und 2017 übernahm. Drei Jahre später sollte der Ironman zurückkehren, was Corona bis zu diesem Jahr hinauszögerte. Bei den Geschichten rund um diesen Triathlon bekommt man einen ganz guten Eindruck davon, wie es sein muss, wenn man auf der Wettkampfstrecke unterwegs ist. So viel sei vorweg genommen. Ich wurde definitiv nicht enttäuscht.

 

IRONMAN KANADA STARTUNTERLAGENAUSGABE & EXPO  

Es passierte nichts Spektakuläres, nichts, was man nicht auch von anderen Ironman Veranstaltungen her kennt. Aber die Atmosphäre vor, während und nach dieser Langdistanz hatte schon etwas Besonderes. Etwas, das auch sehr an Kona erinnerte. Vielleicht ist es einfach nur die kleine Community, die es so familiär wirken lässt. Oder die zahlreichen Helfer und Athleten, die sich über Jahrzehnte mit dieser Veranstaltung verbunden fühlen. Egal welche Organisation dahinter steckte.

Nicht nur die kurzen Wege sondern auch der Ort, an dem so viel an vier Jahrzehnte Triathlonsport erinnert, ließ für mich die Begeisterung so präsent erscheinen. Schon allein die Murals und Triathlon Fähnchen und Anzeigen ließen keinen Zweifel aufkommen, weshalb so viele Sportler in der Stadt waren. Schau Dir dazu mal unseren Penticton Reisebericht an.

Mein erster Weg am Donnerstag, der erste Tag für alle Aktivitäten rund um den Ironman, führte direkt zur Startunterlagenausgabe. Wie im vergangenen Jahr im Rahmen des Ironman Arizona auch, wurden Termine vorab vergeben. Dadurch entzerrt sich alles unglaublich. Es herrschte wieder sehr entspannte Atmosphäre. Die Helfer hatten Zeit für jeden einzelnen Schritt und waren für jeden Plausch zu haben. Es war für mich sehr beruhigend, zumal es aufregend genug war, das sich mein Hotel direkt an der Start-/Ziellinie befand. Besser noch als das offizielle Rennhotel um die Ecke. 

Auf der Messe rund um die Startunterlagenausgabe gab es reichlich Möglichkeiten, sich über den Wettkampf zu informieren. Aber auch für Fotos und eine Portion Motivation gab es ausreichend Spots von den Organisatoren zur Verfügung gestellt. Besonders schön war, dass das Eventgelände in der Parkanalage angelegt wurde, in der die Siegerinnen und Sieger dieser Langdistanz von 1983 an mit wunderschönen Tafeln auf dem Boden verewigt wurden. 

Triathletin Ironman und Sportbloggerin Nadin lächelnd sitzend an Ironman Canada Kanada Penticton Sieger Inlays im Boden

Wonach man mehr suchen musste, waren externe Aussteller. Aber wen verschlägt es auch schon so weit ins Landesinnere beziehungsweise hoch in den Norden? Vielleicht auch deshalb hielt ich mich länger als gewöhnlich im Ironman Shop auf. Wenn auch letztlich nur das obligatorische Cap und Visor mit durften und natürlich meine Tassensammlung Zuwachs erhielt. In jedem Fall gab es zumindest für den Last Minute Notfall einen gut ausgestatteten Bike Service Stand. Das obligatorische Athletic Brewing Beer war bei der dortigen Hitze eine genauso große Hilfe wie der Shaved Ice Stand! Wann immer es um das Thema Hitze ging, wurde mir versichert, was wir Athleten für Glück hatten. Denn mit gut 30° war es gerade eine kühle Phase. 

Alles lief wie immer beim Abholen der Startunterlagen des Ironman Kanada. QR Code einscannen. Kontaktdaten, Weitergabe von Daten und Unterschrift des Race Waivers checken. Anschließend Race Bändchen mit Startunterlagen geben lassen und die Badekappe einsammeln. Kurz mit den Helfern grummeln, warum sie für uns Frauen in Pink und nicht in Grün kam. Zwischendrin habe ich nach meiner Startnummer geschaut und rasch die Quersumme gebildet – 14.

Dann musste noch die Vereinbarung zur Weitergabe von Daten geändert werden. Da ging irgendetwas schief. Weiter ging es zum Rucksack und den Startbeuteln. Abschließend blieb die Frage nach den Bike Check-In Zeiten offen. Aber auch darauf hatten die Helfer der Orga direkt die passende Antwort. Anders als vergangenes Jahr und zuvor ausgeschrieben, gab es keine Slots. Man sollte einfach irgendwann rum kommen.

Ich schaute mir den Gyro Park und die Bandshall noch kurz an, bevor es mich für einen Rundgang in die Innenstadt von Penticton zog. Im Gyro Park fand am Freitag die Eröffnungsfeier statt. Bis dahin vertrieb ich mir die Zeit mit Snacks, Strandbesuchen und dem obligatorischen letzten Schwimmtraining vor dem Wettkampf. Es lief am Freitagmorgen ganz ok. Holte mich dennoch recht schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Ich war an Langsamkeit nicht zu übertreffen an diesem Vormittag. Aber wenigsten saß der neue Neoprenanzug super. Obwohl wir Athleten davon ausgehen mussten, dass wir mit hoher Wahrscheinlichkeit am Wettkampftag keinen tragen durften.  Aber all das lag morgens noch in gefühlt ferner Zukunft, als ich von meinem Zimmer einfach direkt über die Straße weiter bis ins Wasser ging und einige Bojen schleichend umkreiste. 

 

DIE WETTKAMPFBESPRECHUNG 

Mit etwas zurückhaltendem Enthusiasmus über den Schwimmabschnitt lief ich zur Wettkampfbesprechung. Zum Glück sollte ich am Wettkampftag eines Besseren belehrt werden. Komme ich im nächsten Beitrag zu. In jedem Fall heiterte die Atmosphäre auf dem Eventgelände, die Aussicht auf den Okanagan Lake und die Berge sofort auf. Tom Ziebart führte uns mit Witz und einigen herzlichen Willkommensworten durch den Wettkampftag. Ihn hatte ich bereits während der Ironman Arizona Pre-Race Veranstaltungen ein Jahr zuvor mit viel Charme erleben können. Derweil hielten sich am Horizont über den Bergen Gewitterwolken hartnäckig fest und drückten wie die Tage zuvor die Nachmittagshitze noch mehr ins Tal. 

Sämtliche Punkte rund um die Organisation inklusive potentieller Gewitter, das erwartete Neoprenverbot, Bike Check-In und Check-Out Zeiten und und und fanden Berücksichtigung. Wer aus welchen Gründen auch immer das Race Briefing verpasste, konnte sich die Aufzeichnung anschauen. Wir hörten einige Tipps für die Radstrecke. Ich war froh, dass ich die Tage zuvor zumindest einen Teileindruck über die steilsten Passagen sammeln konnte. Das hätte mich sonst sehr nervös gemacht. Zu Haus war ich zwar mit Fulgaz die komplette als Training auf der Rolle abgefahren, aber irgendwie beruhigte in diesem Moment das echte Erlebnis unglaublich. 

 

DIE OPENING CEREMONY

Wenige Stunden später begrüßte uns das Penticton Team mit dem diesjährigen Ironman Video. Für Gänsehaut sorgen sie aber nicht nur damit jedes Jahr. Auch die Geschichten von einzelnen Athleten, die es zu diesem Wettkampf hingezogen hat, waren beeindruckend. Vor allem von den immer wiederkehrenden Teilnehmern, die seit Jahren in dieser Stadt Rennen bestreiten. 

Es war ein recht unterhaltsamer Abend, durch den Carissa Galloway führte. Besonders schön fand ich es, dass zahlreiche Stimmen sowohl von den Region als auch von der Veranstaltung selbst zu Wort kamen. Besonders bleibt mir das berührende Willkommen der Renndirektorin Susie Ernsting und des Bürgermeisters John Vassilaki nach dem jahrelangen Hin und Her mit Covid in Erinnerung. Aber auch Greg Gabriel, Vorsitzender des First Nation Stammes aus der Region Penticton, beeindruckte mich ganz persönlich mit seiner Verbundenheit zu diesem Ort, den Einwohnern und der Veranstaltung. 

Absolute Triathlon Motivation gab es von der kanadischen Ironman Stimme Steve King, der über Jahrzehnte Athleten im Ziel mit den so besonderen Worten “You are an Ironman” begrüßte. Nur die ehemalige Profi Triathletin Lisa Benthley, die vergangenes Jahr Captain des amerikanischen Teams beim Collins Cup war, konnte dem noch etwas drauf setzen. Satz für Satz der mehrmaligen Ironman Kanada Teilnehmerin schien wohl überlegt. Jeder wirkte wie ein Zitat aus ihrem Buch “An Unlikely Champion: Finding a Path to Fulfillment and Winning in Life”, das vor zwei Jahren erschien. Immer wieder spürte ich durch ihre Worte, wie sehr sie den Sport liebt und wie sehr sie dieses Gefühl weitergeben möchte. Wer bis dahin keine Lust auf Sonntag oder Zweifel an sich und seinen Fähigkeiten hatte, war vermutlich nach ihrer Willkommensrede bereit für diese Langdistanz. Und ich war sicher nicht die einzige Athletin, die Lisa bei diesem Satz zustimmte: 

„Es ist nicht die Zeit, die du erreichst. Sondern die Zeit, die du hast, um diese Zeit zu erreichen.“

Denn auch wenn ich eine Zeit im Kopf hatte und genau wusste, wofür ich trainiert habe, war ich vor allem in Penticton, um Urlaub zu machen. Die Natur zu erleben. All die Eindrücke zu sammeln, die ich mir vor der Reise nur vorstellen konnte. 

   

BIKE CHECK-IN DES IRONMAN KANADA

Den Tag vor dem Wettkampf versuche ich immer sehr ruhig verlaufen zu lassen. Lange ausschlafen, noch länger einfach herumliegen, bevor das lange Frühstück wartet. Vielleicht auch deshalb verfliegt die Zeit jedes Mal so unglaublich schnell, dass ich vor dem Bike Check-In mit den letzten Vorbereitungen doch noch fast in Hektik gerade. Schließlich sollte nichts vergessen werden, damit es am Wettkampfmorgen alles entspannt verlaufen kann. 

In Penticton lief aber alles ein wenig anders. Bereits während des Race Briefings fiel es mir auf, dass es keine Ablageplätze und Helfer für unsere Morgen-, Rad- und Laufsachen gibt. Angeblich sollte alles am eigenen Platz am Fahrrad Platz finden. Was spannend werden sollte, wenn die Räder wie bei jeder dieser Massenveranstaltungen dicht an dicht standen. 

Triathletin Ironman und Sportbloggerin Nadin lächelnd vor einem Ironman Canada Kanada Penticton Bike CheckIn Bogen

Kurz nach drei Uhr am Nachmittag hatte ich endlich alle meine Sachen so zusammengepackt, dass ich mir recht sicher war, nichts vergessen zu haben. Während sich der Start und das Ziel direkt vor meiner Haustür befanden, waren es fünf langsame Gehminuten bis zum Wechselbereich und Schwimmausstieg. Bis dahin hatte ich das Gefühl, dass nur ein paar hundert Athleten an den Start gingen. Keine Schlangen, nirgends musste ich warten. Ich rollte auch sofort bei der ersten Helferin zum Nummern Check heran. Sie versicherte mir, dass ich einfach alles an meinem Platz lassen könnte. Also machte ich einen großen Schlenker entlang aller Ein- und Ausgänge und nahm den längsten Weg zu meinem Stellplatz. Erst dabei wurde mir das Ausmaß der Veranstaltung so richtig bewusst. Definitiv nicht einer der größten Ironman Wettkämpfe, aber die Fülle an Rädern ist immer wieder ein schöner Anblick.