Ironman Kanada 2022: Wettkampfmorgen & Schwimmstrecke

Sich selbst überraschen. Das kann bei einer Langdistanz viel bedeuten. Wenn ich so darüber nachdenke, dann habe ich das mehrmals bei diesen 226 Kilometern und meiner 6. Langdistanz geschafft. Aber die größte Überraschung geschah beim Schwimmen. Warum gerade die erste Disziplin des Ironman Kanada für Aufregung und Freude in mir sorgte, möchte ich dir in diesem Beitrag erzählen. Aber es wird auch darum gehen, wie ich meine Strümpfe an den Türknauf meines Hotelzimmers klemmte, eine Blitzzeit beim Wechseln zum Rad hinlegte und am Morgen so viel Zeit wie nie zuvor hatte. Ein grandioser Sonnenaufgang, glasklares Wasser und kein Neoprenverbot kommen ebenfalls vor.

Hier beginne ich mal direkt mit meiner Frage. Hast du dich bei einem Wettkampf schon einmal so sehr überrascht, dass du es kaum glauben konntest? Also bei mir staunte sogar meine Familie zu Haus und im Wechselbereich über mich! Klar, immer wenn Bestleistungen entstehen, überraschen wir uns irgendwie auch selbst. Natürlich. Aber es gibt diese unwahrscheinlichen Momente, die es einfach in sich haben. An die man zuvor nie gedacht oder gar geglaubt hätte.

Triathletin und Bloggerin Nadin lächelnd beim Ironman Canada in der Wechselzone mit Arena Neoprenanzug, geflochtenen Haaren, Badekappe in Hand und Garmin Forerunner 955 Solar

Als um kurz nach vier mein Wecker für den Ironman Kanada klingelte war da jedenfalls nicht daran zu denken. Ich hoffte erst einmal nur, dass ich einen Neoprenanzug tragen kann. Wobei ich auch ausreichend mit meinem Speed Suit trainiert hatte, um mich darin sehr sicher und wohl zu fühlen. In jedem Fall wollte ich erst einmal so gar nicht in Fahrt kommen. 

Wenn ich etwas gelernt habe über die Jahre, dann ist es, dass ich ohne reichlich Frühstück und Verpflegung unterwegs nur schwer über die Runden komme. Das macht alles vorher und währenddessen nicht einfacher, aber sorgt für ausreichend Energie, um auch auf der Laufstrecke durchzukommen. Für mich sind das Massen, die mir schwer fallen zu konsumieren und für die ich auch den entsprechenden Fokus aufbringen muss. Weil ich für die nächste Mahlzeit immer wieder den Blick für die Zeit haben muss. 

Manchmal stresst es mich regelrecht, weil ich morgens einfach nicht so viel und vor allem nicht so “dichte” Lebensmittel essen kann. An diesem Langdistanz-Morgen lagen drei Riegel und Bananen vor mir, die ich innerhalb von zwei Stunden essen sollte. Dazu ein riesiger Matcha und ein großes Iso-Getränk. Als die Hälfte von allem verputzt war, verließ ich mein Hotel. 

 

DER WETTKAMPFMORGEN 

Hier und da fielen Zimmertüren zu, als ich Richtung Straße lief. Viel war nicht los. Penticton schließ, während einige müde Triathleten langsam Richtung Wechselbereich schlichen. Für mich war es ein sonderbar neues Erlebnis, nicht erst mit dem Auto irgendwo hin zu müssen. Den Stress zu erleben, den es immer gibt, wenn ein Parkplatz gesucht werden muss. Stattdessen war ich innerhalb von wenigen Minuten bei meinem Fuji.

Um 5 Uhr hatte die Transition Area geöffnet. 15 Minuten später traf ich ein. Bis dahin hatten nur wenige Athleten ebenfalls den Bereich gefunden. Ich war davon ausgegangen, dass deutlich mehr so früh los sein würde, weil die Startzeit um 20 Minuten vorverlegt worden waren. Das Team um den Ironman Kanada hatte es die Tage zuvor angekündigt, weil das Wasser morgens sehr schnell sehr warm wurde. Sie wollten alle Athleten garantiert vor sieben auf der Strecke haben. Rückblickend eine super Entscheidung, weil es im Wasser tatsächlich sehr schnell kuschelig wurde. 

Anders als bei vielen anderen Wettkämpfen standen wir nicht in kompletter Nacht neben unseren Rädern und warteten verzweifelt auf den Morgengrauen. Jeder Winkel des Wechselbereichs wurde hell erleuchtet. Die Generatoren surrten im Hintergrund der Ansagen von Carissa Galloway, die auch bereits durch den Abend der Opening Ceremony führte. 

Ein Besuch bei den Dixies ging genauso fix, wie das Wasser holen. Ich füllte meine mit reichlich Getränkepulver gefüllten Flaschen mit Wasser auf. Die kleine Unsicherheit, was mit unseren Wechselbeuteln vom Morgen passieren sollte, verwirrte etwas. Ich schnappte mir kurzerhand einen Kampfrichter, weil drei Helfer jeweils etwas anderes sagten. Also doch! Alle, aber auch wirklich alle Beutel haben bei diesem Wettkampf an den Rädern zu liegen. Was für ein Gemurkse zu Beginn. Aber mit etwas Rücken und Ziehen ging es. Vor allem mit so richtig spießiger Ordnung am eigenen Wechselplatz passte irgendwann alles aus und in meinen drei Beuteln neben mein Fuji. 

Alle Athleten waren bis dahin mit hunderten Kleinigkeiten beschäftigt. Es gab die üblichen Dramen. Die aber immer Unterstützer in den wunderbaren Helfern fanden. Das Bike Zelt mit den Zweiradmechanikern war genauso am Wirbeln wie wir Athleten. Mitten im Gewühl kam auch die Nachricht, dass wir einen Neoprenanzug tragen durften. Der Speed Suit konnte endgültig verräumt werden. Im gleichen Zuge legte ich letzte Sachen so zurecht, dass ich damit gleichermaßen in größter Hektik wie mit wobbelnden Beinen gut zurecht kam. 

Nächster Schritt: den müden Körper in den engen Neoprenanzug schieben. Das Großartige daran ist jedes Mal, dass mein Körper anschließend genau weiß, was folgen wird. Egal ob Training oder Wettkampf. Die Stimmung steigt immer. An diesem Tag sollte sie auch recht lang ganz weit oben bleiben. 

Triathletin und Bloggerin Nadin lächelnd beim Ironman Canada in der Wechselzone mit Arena Neoprenanzug, geflochtenen Haaren, Badekappe in Hand und Garmin Forerunner 955 Solar

Damit ich nicht über kalte Füße jammern muss, behielt ich meine Strümpfe bis zum kurz vor dem Schwimmstart an. Auf dem Weg genau dort hin kam ich mir damit so schleichend vor, als hätte ich einen Schlafanzug mit Socken an… Die Lethargie verflog, als ich am Finisher Bogen stand und die wunderschöne Zielgerade entlang des Okanagan Sees bis vor mein Hotel sah. 

Weiter ging es mit einem kurzen Rundgang am Strand. Die letzte Boje wurde ins Wasser gebracht, während das Ogopogo Monster schon längst bereit war. Am Strand war es sehr beliebt für Fotoaufnahmen von Zuschauern und Athleten gleichermaßen.

Ich kann aber an dieser Stelle schon berichten, dass sich Ogopogo nicht hat blicken lassen im Wasser! 

Die Strecke sah mit den Bojen markiert und mit den Bergen und Klippen im Hintergrund nicht so wahnsinnig weit aus, wie beispielsweise die endlosen Geraden vergangenes Jahr beim Ironman Arizona, unter den zig Brücken hindurch. 

Hunderte Zuschauer hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereits die Plätze mit der besten Sicht auf die Athleten gesichert. Zuschauer, denen wie den Athleten ein sehr langer Tag bevorstand! So wie auch den Helfern, die unterstützten, wobei es nur ging. Dazu bauten sie die Athleten auf und motivierten, wenn sie nervös waren oder gar zweifelten. In diesem Meer an Emotionen suchte die Morgenröte am Horizont langsam nach Aufmerksamkeit. Wie schön sie an den Bergen hängend aussah, während im Hintergrund Dudelsackklänge die frische Luft erfüllte. 

Auch an diesen Orten erinnerte mich so viel an meinen Besuch an Kona. Diese Kleinstadt-Atmosphäre mit den tausenden Menschen, die für diese eine Sache da waren. Großartig. Das hätte ich um Nichts missen wollen. 

Schritt für Schritt, Moment für Moment war es alles, worauf ich die ganze Trainingszeit hingefiebert hatte. 

Es war noch Zeit, um den Oberkörper zu lockern. Am Morgen verbrachte ich schon einige Minuten mit der Blackroll und fühlte mich nach all den Snacks richtig gut für den Tag vorbereitet.

Kaum war die Nationalhymne verklungen, füllten sich die Abschnitte, in denen wir Athleten uns einsortierten. Für mich stand wieder die Dame mit den 70-80 Minuten bereit. Ich flitzte schnell die Tür zu meinem Zimmer hinauf, klemmte meine Socken fest und stellte mich an die Seite meines Zeitabschnitts. Innerhalb von Sekunden ertönte pünktlich um 6:30 Uhr der Startschuss des Ironman Kanada 2022. Kurzer Applaus durchbrach die spontane Stille.

Triathletin und Bloggerin Nadin lächelnd beim Ironman Canada am Schwimmstart mit Arena Neoprenanzug, Badekappe in Hand und Garmin Forerunner 955 Solar

 

 

DIE IRONMAN KANADA SCHWIMMSTRECKE

Mit kleinen Schritten ging es innerhalb von 15 Minuten soweit vorwärts, dass ich am Strand stand. Vor uns, den gut 1600 Triathleten lag eine große 3,8 Kilometer Schwimmrunde mit vier markanten 45° Wenden. Ich habe noch genau das Bild vor Augen, wie die Athleten in einer endlos lang gezogenen Reihe im See unterwegs waren. Wie ruhig es aussah, wie sie dort draußen nach Nordwesten unterwegs waren. An ihren Seiten links und rechts Boote, Kanus und SUPs der Helfer. Irgendwie versprach das schon, der ruhigste Abschnitt des Tages zu werden. Obwohl gerade das Schwimmen eigentlich mit dem meisten Chaos verbunden ist. 

Etwas Wirrwarr richtete mein Forerunner an, der aufgrund der langen Wartezeit aus ging. Also musste ich während des Hineingehens erst einmal die Triathloneinstellung herausfummeln. Ich war damit nicht allein. Die Athletin neben mir hatte noch ihre Schwimmbrille in der Hand. Meine saß zum Glück genau da, wo sie hingehörte. Als wir beide endlich im tieferen Wasser alles für den langen Wettkampftag vorbereitet hatten, lachten wir uns zu. 

Schließlich muss man sich nicht gerade bei der ersten Sportart stressen lassen. 

Triathletin und Bloggerin Nadin läuft in den Okanagan See beim Ironman Canada in der Wechselzone mit Arena Neoprenanzug, geflochtenen Haaren, Badekappe und Schwimmbrille und Garmin Forerunner 955 Solar

Der Rest lief wie am Schnürchen bei für mich auf dieser Schwimmstrecke! Über all die Jahre hatte ich auf unterschiedlichen Distanzen immer mal wieder das unglaubliche Glück, dass der Wettkampf einfach ruhig voranschritt. Fast wie im Training, nur mit deutlich mehr Intensität natürlich. So sollte bei diesem Ironman Kanada auch sein. Fast so, wie zu Haus bei meinen Großeltern beim Schwimmtraining. Die an diesem Tag mit vielen Gedanken vor allem im Wasser bei mir waren. Wir hatten im Sommer gemeinsam so viel Energie ins Training gebracht, die sich bei dieser Langdistanz bei jedem Armzug auszahlte. Ein unglaublich schönes Gefühl, so in einen Wettkampf einzusteigen. 

Klar, kam es an den Wendebojen jedes Mal zu etwas Tumult, weil so viele Athleten dicht an dicht einen 45° Winkel schwimmen wollten. Ich habe versucht etwas an der Seite durchzuschlüpfen, was einigermaßen funktionierte. Mehr konnte man auf dieser Strecke mit so vielen Athleten nicht erwarten. Dazwischen lagen zahlreiche kleinere Bojen. Als wir Richtung Osten schwammen schlugen uns nicht nur die Wellen ins Gesicht. Dort draußen lebte der See richtig schön auf. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt auch wirklich zu tun, die kleineren Bojen zwischen den Wellen und der höher steigenden Sonne wahrzunehmen. 

Ansonsten schwamm ich zwischen den Bojen wie an einer Leine geführt entlang. Mitten auf dem See passierte ich eine, die bei einem Atemzug nach rechts plötzlich groß neben mir auftauchte. Ich konnte mir zunächst nicht erklären, wie ich so schnell dort hin kam und vor allem, wie punktgenau ich unterwegs war. Von meiner verrückten Zeit wusste ich da noch nichts. Ich hatte nur das Gefühl, dass meine innere Uhr irgendwie defekt war, weil mein Forerunner für mein Gefühl jedes Mal als Anzeige der nächsten 500m viel zu schnell vibrierte. 

Die Orientierung lief auch aus irgendeinem Grund wie von selbst. Bereits am Anfang, als die Athleten noch ziemlich dicht aneinander schwammen, spürte ich, das ich mit nur wenigen Blicken nach vorn gut auf einer Bahn bleiben konnte. Ich halte mich immer aus dem größten Gewühl raus. Weil ich tendenziell häufiger nach rechts atme, wird man mich meist eher links im Feld sehen. Was auch sehr praktisch ist, wenn man im Uhrzeigersinn schwimmt. So bin ich immer an dem äußeren Ende, wo weniger los ist und verliere weder das Feld noch die Bojen aus dem Blick. 

Hin und wieder schwamm ich auf Brustschwimmer auf, die aus dem Nichts auftauchten. Unterwegs bekam ich mit, dass recht viele Athleten von Kraul auf Brust umschwenkten, wenn sie nach vorn schauten. Mittendrin bekam ich so auch ein Bein und eine Hand von Athleten ab, die ich gerade passierte. Weil genau solche Sachen einfach immer passieren, brauchte ich auch bei dieser Schwimmstrecke einige hundert Meter, um so richtig ins Tempo und mein eigenes Schwimmgefühl zu kommen. Kurz danach begleitete mich aber nur noch dieses großartige Gefühl, dass es einfach gut lief. Jeder Armzug, jeder Atemzug. 

Kennst du diese Momente, vor allem auf dem Rad, wenn du in Aerohaltung unterwegs bist und der Asphalt unter dir vorbeifliegt? 

Genau so war es bei mir dieses Mal im Wasser. Die aufgehende, tief stehende Sonne ließ die Sandkörner im klaren Wasser unter uns Triathleten funkeln. Diese Sandkörner waren es auch, die wie der Asphalt unter mir davonzogen. Zwischenzeitlich wollte ich einfach nur, dass sie schneller und schneller ziehen. Unbeschreiblich, wie gut es einfach lief.

Es war ein wenig so, wie das Schwimmtraining mit meinem Opa. Als wir eines Morgens auf der anderen Seite des Sees waren, weil wir eine große Runde geplant hatten. Plötzlich näherte sich ein Gewitter, das ich allerdings nicht auf uns zukommen sah. Mein Opa fuhr auf einmal ganz dicht neben mir. Das kann dann immer nur heißen, dass ein Boot mit wahnsinniger Geschwindigkeit kommt oder etwas anderes im Argen liegt. Er brauchte nur mit der Hand zeigen, damit ich kurz weit hoch schaute und ich pflügte los. Er spendete Wasserschatten und ich blieb dicht dran, bis wir dicht an der anderen Seeseite am Schilf entlang nach Haus fahren und schwimmen konnten. 

Das versuchte ich mit jeder kleinen Gruppe, auf die ich aufschwamm. Es war schade, dass ich am Startscheinbar wieder zu weit hinten stand, um in einem gleich starken Feld mitzuschwimmen. 

Aber die Motivation, die mir die Athleten schenkten, die ich für erreichbar hielt, war unbezahlbar. 

Ich nutzte jede Chance, um etwas Kraft an ihnen dran hängend zu sparen. Um dann aber wieder vorbeizuschwimmen und die Sandkörner unter mir davonziehen zu sehen. So richtig zäh lief es zwischen Kilometer 1,5 und 2,5. Die Wellen kamen erst von vorn und dann hart von der linken Seite. Nach diesem Stück ließ ich die letzte große rote Boje mitten auf dem Okanagan See hinter mir. Über den See hinweg schallte die Musik zusammen mit den Stimmen der Kommentatoren vom Strand herüber. Ich war wirklich heilfroh, dass es nicht mehr all zu weit war. Wobei ungefähr 1,3 Kilometer ja auch nicht gerade um die Ecke waren. In jedem Fall war das der Zeitpunkt, als ich auf jedes weitere Brummen meines Forerunners sehnlichst wartete!

Triathletin und Bloggerin Nadin läuft in den Okanagan See beim Ironman Canada im Wasser mit Schwimmbewegung mit Arena Neoprenanzug, Badekappe und Schwimmbrille

Die Berge lagen hinter mir und zu meiner linken und rechten Seite. Mit jedem Atemzug blickte ich in die Ferne. Trotz der Anstrengung waren es erinnerungswürdige Momente. Der Züricher See war damals bei meiner ersten Langdistanz eine ebenso schöne Kulisse. Die Berge bildeten auch dort einen malerischen Rahmen für die Schwimmstrecke. In Penticton schienen sie aber einfach so viel näher zu sein. In meinem Kopf wuchs die Lust auf die Radstrecke und vor allem das Schwimmen endlich hinter mir zu lassen. Zumal es mittlerweile so warm in meinem Neoprenanzug wurde, dass ich um jede Welle froh war, die Wasser am Hals in den Anzug drückte. 

Wie es dann immer so ist! Wenn man genervt mit anderen Dingen beschäftigt ist, eierte ich plötzlich im Wasser umher. Zum Glück gab mir die letzte große, rote Boje eine super Orientierung, wo ich eigentlich hin soll. Das ärgerte mich in dem Augenblick ziemlich, weil ich einfach gehofft hatte, dass es eine gute Schwimmzeit wird. Ich war gefühlt allein im See. Vor mir wurde das Wasser ziemlich ruhig, als hätte der Wind nachgelassen. Es schwamm sich wie von selbst und vor allem zum Abschluss noch einmal ruhig. Mit jedem Meter näherten sich die Häuser und die Stimmen. Nach und nach sah ich den Bogen am Schwimmausstieg klarer. Zwei riesige blaue Bojen markierten ihn.

Mit dem ersten Auftreten in den nachgebenden Sand bekam ich einen ordentlichen Schreck. Mein rechte Wade zuckt aus dem Nichts unglaublich stark zusammen. Es war wie ein Blitzschlag, der für einen Krampf sorgen wollte. Ich stoppte kurz und lief mit angezogenem Fuß langsam weiter. Zum Glück verflog das Gefühl am Strand und ich schnaufte beim nächsten Schock ordentlich durch! Als ich den Forerunner drückte und mir eine Zeit von 1:08:18 angezeigt wurde, konnte ich es wirklich nicht glauben. Sieben Minuten schneller als die Zeit, die ich mir erträumt hatte. Neun Minuten schneller als die Zeit, die ich für realistisch hielt. Einfach aufgrund meiner Trainingszeiten und Tests in dieser Saison.

Dass ich so eine Zeit irgendwann mal im Süßwasser schwimmen würde, hätte ich bei all meiner Zuversicht nie für möglich gehalten. Wüsste ich es nicht besser, würde ich sagen, dass einfach mal 500 Meter Schwimmstrecke fehlten. Zumal man bei dieser einen Runde auch keinen Landgang hat, bei dem man vielleicht etwas Zeit gut machen könnte. Mein solar Forerunner 955 zeigt 3,9 Kilometer an. Ich glaube es ihm einfach mal, auch wenn es fast schon unrealistisch scheint.

Triathletin und Bloggerin Nadin läuft aus Okanagan See beim Ironman Canada in der Wechselzone mit Arena Neoprenanzug, geflochtenen Haaren, Badekappe und Schwimmbrille und Garmin Forerunner 955 Solar

Natürlich gibt es immer Schwierigkeiten, mit denen man in so einem Wettkampf rechnen muss. Aber abgesehen davon, kann es zuweilen auch einfach mal funktionieren, wenn alles Gute zusammenkommt. Ich hatte viel in das Schwimmtraining investiert. Vielleicht mental mehr, als tatsächlich körperlich. Ich hatte mich etwas mehr mit der Technik auseinandergesetzt und war im Training noch kein Jahr zuvor so konstant zum Schwimmtraining erschienen. Ab April war ich zwei Mal pro Woche im Wasser. Im Juni und Juli hatte ich zusätzlich drei Schwimmblöcke eingebaut. Dazu der neue Neoprenanzug, der sich einfach richtig gut schwimmt. Ich hatte bis auf wenige hundert Meter immer kleinere Gruppen vor mir, an die ich mich hängen und vorbei schwimmen konnte. Die Strömung im See war gut verteilt, auch wenn der Rückweg spürbar mehr Energie verbrauchte. Die ich an diesem Morgen aber einfach hatte. 

Nicht zu unterschätzen ist auch, dass ich wirklich jeden Meter von dieser Schwimmstrecke liebte! Es machte einfach vom Hinein- bis zum Hinausgehen Spaß. Genau dort zu sein, war für diesen Moment absolut richtig. Das einzig Richtige!

Es gibt Tage, an denen stimmt einfach alles. 

Und glaube mir. Ich hätte mir nichts sehnlichster gewünscht, als dass es genau so weiter geht. Dass es nicht nur auf das Schwimmen zutrifft. Mit genau diesem Gedanken, lief ich die letzten Schritte an diesem kurzen Strand vor dem Wechselbereich entlang. Direkt dahin war der Eingang zu unseren Rädern. Die Stellplätze mussten wir ein Mal im Uhrzeigersinn umrunden. Das herrliche Grasfeld lief sich aber so wunderbar, wie schon seit Jahren kein Wechselbereich mehr. 

Nach der kleinen Runde fühlte ich mich in meinem Neoprenanzug, als würde ich schmoren. Ohne Umwege und absolut zielstrebig lief ich zu meinem Flitzer und allen Sachen. Das Ausziehen des Neoprenanzuges war dieses Mal das vermutlich Anstrengendste, in der mittlerweile ziemlich warm gewordenen Morgenluft. Der Anzug klebte förmlich an mir. Selbst mit der Idee im Kopf, die schnellste Wechselzeit von allen Wettkämpfen genau in diesem Moment hinlegen zu wollen, ging es nicht schneller oder einfacher. 

Irgendwann konnte ich dann aber doch noch meinen TriSuit, vol