Triathlon Saison 2026 heißt, das die Zeit in doppelter Geschwindigkeit vergeht und dass der erste Wettkampf ganz nah ist. Und warum auf etwas Kurzes hinfiebern, wenn man direkt wieder eine Langdistanz ansteuern kann?
Zehn Jahre ist es her, dass ich meine erste Langdistanz ins Ziel brachte. Zehn Jahre voller Rennen, Rückschläge, Findlinge auf dem Weg und Momente, für die es sich gelohnt hat, sie alle zur Seite zu schieben. Nun wartet die 11. Langdistanz auf mich. Nicht irgendwo in Europa. Nicht auf einer Insel, die ich schon kenne. Sondern im Juni am anderen Ende der Welt, an einem Strand, den ich bisher nur aus einer Wettkampfübertragung kenne.
Parallel dazu wartet Berlin mit dem BerlinWoMan Triathlon, den ich zum siebten Mal in Angriff nehme, diesmal mit besonderem Rahmen: Berliner Landesmeisterschaft Mitteldistanz, neue Streckführung und eine Energie, die ich mir schon jetzt vorstellen kann.
Meine Triathlon Saison 2026 hat zwei starke Pole. Was dazwischen passiert, weiß ich noch nicht. Und genau das fühlt sich, ehrlich gesagt, ziemlich gut an.
Irgendwann im vergangenen Sommer saß ich vor dem Bildschirm und schaute die Übertragung des Ironman Cairns. Weiße Sandstrände. Blauer Himmel. Jede Menge Sonne. Dazu Korallenmeer. Palmen. Eine Radstrecke, die aussieht wie aus einem Film. „Ein Rennen im Paradies“, sagten die Kommentatoren nicht nur einmal.
Kein langer Entscheidungsprozess. Kein monatelanges Abwägen. Ein Rennen, das mich durch den Bildschirm hindurch eingeladen hat. Genau so, wie das bei den besten Entscheidungen meistens ist. So startete meine Triathlon Saison 2026, bevor sie offiziell überhaupt begonnen hatte.
Mittlerweile werden die Strecken gefühlt unendlich lang. Die Einheiten unglaublich intensiv. Und der Aufbau mit all dem Training war bis hier absolut keine Selbstverständlichkeit für mich. Nach einer OP im Herbst, die unerwartet kam und nach der für einen Moment die Zeit still zu stehen schien, war alles gefühlt mehr als doppelt so schwer. Mittlerweile vergeht jedoch wie oben erwähnt die Zeit in einer Geschwindigkeit, die mich daran erinnert, dass zwischen Anmeldung und Startschuss keine Ewigkeit liegt. Nur ein Winter und etwas Frühling. Beides ist fast vorbei.
DIE 11. LANGDISTANZ
Wer schon zehn Langdistanzen oder zahlreiche andere Wettkampf hinter sich hat, kennt das Gefühl: Das erste Mal ist vorbei. Das zweite, dritte … Mal auch. All die großen Rennen wie Penticton – der Ort, an dem der erste Ironman Nordamerikas auf dem Festland stattfand. Oder wie Lanzarote, Nizza, Texas … Die Liste ist lang. Was also treibt mich zur elften?
Und ehrlich gesagt: ich kann es dir einfach nicht sagen!
Außer:
Einerseits ist meine Bucket-List lang. Mhm. Andererseits soll alles immer noch Spaß machen. Mhm.
Vor allem das monatelange Training dafür!
Und dann gibt es da die Rennen, die einfach so auf einen, also auf mich, zukommen. Aus dem Nichts als Plan im Raum stehen. Ein Jahr vorher. Denn hier war es dieses eine Bild: Schwimmen im Pazifik. Radfahren durch tropisches Grün, aber immer entlang der Küste.
Laufen, wo der Ozean nicht weit und die Begeisterung für den Triathlon-Sport durch den Fernseher ansteckend war!
Der Ironman Cairns war 2025 Teil der Ironman Pro Series. Die Live-Übertragung war beeindruckend. Die Strecke noch mehr. Und als ich damals bemerkte, dass es mein erstes Mal Australien sein würde, war die Entscheidung im Herzen längst gefallen.
Dann gibt es Rennen, auf die man sich mit Trainingsplan vorbereitet. Und Rennen, auf die man sich mit Neugier vorbereitet. Der Ironman Cairns ist für mich beides.
Was mich sportlich erwartet, ist wie immer herausfordernd, keine Frage. Die Distanz allein ist jedes Mal etwas, das ich mental sowohl in der Vorbereitung als auch während des Wettkampfgeschehens verarbeiten muss. Das ändert sich auch nicht, zumindest nicht für mich, wenn man das bereits 10 Jahre lang macht. Im Juli 2016 habe ich meine erste Langdistanz absolviert. Jetzt wartet der 11. Ironman auf mich, auf den ich mich mit ordentlich Geschwindigkeit und großen Schritten zubewege. Immer wieder mit Pausen verbunden, um Kraft zu sammeln, aber auch um mich in all der Vorbereitung nicht selbst zu vergessen.
In Australien wird zu dieser Jahreszeit Winter sein. Queensland, wo Cairns recht weit im Norden liegt, erwartet uns startende Athleten dennoch mit feuchtwarmer Hitze. Aber das kenne ich ja bereits von so vielen Langdistanzen. Texas setzte diesem Zustand vergangenes Jahr wirklich die Krone auf. Damit du verstehst, wie intensiv das war: Meine sonst so absolut glatten langen Haare kräuselten sich zu Locken, sobald ich das Hotel verließ. Also wird sich mein Körper auch daran wieder anpassen müssen.
Mit einigen Schwimmeinheiten vor dem großen Tag werde ich hoffentlich auch dieses Mal die Schwere der Reise aus meinem Körper schütteln können. Ein passendes Schwimmbad habe ich vor Ort bereits ausgemacht. Ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr ich mich jetzt schon darauf freue, mal wieder ganz woanders ins Becken springen zu können! Und vor allem der Ozean: Es wartet endlich wieder der Ozean auf mich. Und der Ironman Cairns bietet zudem in der Race Week neben einigen kleinen Events ein Schwimmen um eine vorgelagerte Insel an, das ich keinesfalls verpassen möchte! Die sogenannte Green Island ist Teil des Great Barrier Reefs, was ein interessantes Schwimmen verspricht.
DER TRIATHLON WINTER – VERTRAUT & NÜCHTERN
Der Winter zeigte sich lang, dunkel und mit wichtigen Schritten Richtung nächster Langdistanz. Der Winter gehört nicht zu meinen Lieblingsjahreszeiten. Eigentlich ist es keine außer dem Sommer, wie du vermutlich – wenn du häufiger hier vorbeischaust – längst mitbekommen hast. Trotzdem beginnt genau in dieser ungeliebten Zeit jede Saison.
Grundlage auf allen Ebenen: Schwimmtraining, Radtraining und Lauftraining. Aber auch alles, was von vielen nur als Garnitur angesehen wird, ist bei mir fester Bestandteil. Manchmal nervig, manchmal eine willkommene Abwechslung von Easy Cardio Days.
Krafttraining, Yoga, Mobility, Foam Roller, Eisbad. Alles wie immer. Aber alles begleitet mich nicht als Pflichtprogramm, sondern als das, was den Körper nach langen Einheiten wieder zusammensetzt. Einige Tipps kannst du in meinen Beiträgen Yoga für Athleten und Mobility Training für Triathleten nachlesen.
Und natürlich meine ziemlich lieb gewonnenen Kinderkurse an einer Sportschule. Die fordern mich körperlich tatsächlich auch immer wieder heraus, weil die Kleinen so unendlich viel Energie haben, die wir gemeinsam auf den Judomatten lassen – bei Kinder-Yoga, -Parcours und -Rückenfit.
Aber klar: Der Fokus bei der Vorbereitung einer Langdistanz liegt natürlich auf den triathlonspezifischen Sportarten. Mein Schwimmtraining ist dabei wie so oft mein stabilster Anker. Also: unendlich viele Bahnen im Schwimmbad zählen. Dazu Rollentraining, wenn draußen niemand Rad fährt, der es nicht muss. Wie ich hin und wieder unter der Woche. Lange Läufe bei Temperaturen, die dich dafür bestrafen, zu langsam zu sein. Darf ich kurz sagen, dass ich unglaublich dankbar für mein Laufband bin und deshalb eigentlich nichts zu beschweren habe? Zum Glück ist mittlerweile die Zeit gekommen, dass Einheiten vor der Tür häufiger werden!
Und wie so oft in den vergangenen Jahren: Ich trainiere auf ein Rennen hin, das ich noch nicht aus der Perspektive einer Teilnehmerin kenne. Das gibt den Einheiten eine andere Qualität. Es ist kein Aufwärmen für etwas Bekanntes. Es ist echte Vorbereitung auf echtes Unbekanntes. Auch wenn ich hin und wieder ganz gern bei Zwift unterwegs bin, um die ein oder andere Challenge mitzufahren, weiß ich es sehr zu schätzen, dass es Rouvy gibt. Wenngleich ich die Strecken von Ironman-Veranstaltungen bei Fulgaz deutlich besser fand – zumal oftmals auch aktueller –, kommt man leider an Rouvy nicht vorbei.
Fulgaz hat die Ironman-Veranstaltungen rausgenommen und Rouvy hat eine Reihe älterer Routen online gebracht. So konnte ich zumindest teilweise die Ironman-Cairns-Strecke fahren. Es reicht vermutlich, um mir vorab einen Eindruck über das Profil und die Straßenverhältnisse zu verschaffen. Mittlerweile ist es aber Zeit, draußen die finalen Kilometer zu fahren. Endlich Frühlingsluft für längere Ausfahrten zu genießen.
Die letzten Wochen vor Cairns nutze ich auch, um mein Setup zu finalisieren. Nach Jahren bin ich endlich von 23 mm auf 28 mm Reifen gewechselt – die neuen Pirelli P ZERO Race TLR SL-R. Der Komfort ist tatsächlich spürbar, und bei der versprochenen Aerodynamik-Optimierung durch die PAAS-Technologie vertraue ich den Entwicklern mit ihrer Motorsport-Erfahrung.
Kombiniert mit meinem ersten weißen TriSuit von Alé Cycling (bei der Hitze in Queensland hoffentlich goldrichtig) und den neuen Typhoon Aero-Socken habe ich das Gefühl, so gut vorbereitet zu sein wie nie zuvor. Zumindest was das Material angeht. Der Rest liegt dann an mir. Schnauf.
DANN BERLIN-WO-MAN – ZUM 7. MAL
Anfang September, wenn Cairns Vergangenheit ist, kommt Berlin. Kleines Kontrastprogramm, wenn ich das jetzt so schreibe. Aber ich freue mich so sehr auf diese Mitteldistanz im Rahmen des BerlinWoMan, die ich in den vergangenen Jahren zugunsten anderer Langdistanzen an mir vorbeiziehengelassen habe. Nach einer Pause von zwei Ausgaben stehe ich in diesem Jahr wieder an der Startlinie dieser lokalen Veranstaltung. Und mittlerweile kenne ich manche Streckenabschnitte besser als meine Heimatrunden durch Brandenburg.
Nach einem Sprint und fünf Mitteldistanzen bei der alle zwei Jahre stattfindenden Veranstaltung wird es mein siebter Start.
Das macht mich, rein rechnerisch, quasi zum Inventar.
Was mich jedes Mal wieder dorthin zieht, ist schwer zu erklären. Vielleicht ist es der Wannsee im September, wenn das Wasser noch warm genug ist und die Luft schon ahnen lässt, dass der Sommer geht. Vielleicht ist es der Grunewald. Der Grunewaldturm, der auf der Radstrecke nicht fragt, wie müde deine Beine sind. Vielleicht ist es einfach: meine Stadt, meine Strecke und die Veranstaltung, bei der ich 2010 mit meinem ersten Triathlon diese Sportart in mein Herz geschlossen habe.
2026 gibt es einen besonderen Rahmen: Die Mitteldistanz findet jetzt am Samstag statt – statt wie bisher am Sonntag. Das Rennen ist zudem Austragungsort der Berliner Landesmeisterschaft Mitteldistanz. Was bedeutet: Es wird einiges los sein. Noch mehr Energie, noch mehr Fokus, noch mehr Menschen, die zuschauen, die unterstützen, die helfen und die selbst mitmachen.
Für mich ist es zudem eine neue Strecke, wenngleich ich mich gedanklich noch nicht so recht von der alten verabschieden mag nach all den Starts. Lediglich die Schwimmstrecke ist unverändert. Die Radstrecke vermisst jetzt einen meiner Lieblingsabschnitte entlang des Messgeländes und der Avus. Geschwindigkeit konnte da mit etwas Glück und Rückenwind immer recht groß geschrieben werden.
Jetzt dominiert noch mehr der Fokus auf das wellige Profil mit dem Willi und Postfenn, was sicher einiges an Spaß mit sich bringt. Die Laufstrecke führt rüber auf die kleine Insel Schwanenwerder, die sicher ein kleines Highlight wird.
WAS DAZWISCHEN LIEGT
Zwischen Cairns und Berlin liegt ein Sommer, dessen Inhalt ich noch nicht kenne. Vielleicht kürzere Wettkampf, um Geschwindigkeit zu tanken. Vielleicht auch nichts, weil viele Projekte warten und ich gern auch den Sommer zwischen viel Arbeit und Training genießen mag.
Nach Jahren, in denen der Körper mir immer wieder deutlich gemacht hat, dass Pläne nur Vorschläge sind, habe ich gelernt: Die offenen Stellen im Kalender sind keine Schwäche des Plans. Sie sind der Plan – und der kann gefüllt werden mit Triathlon oder Sommergenuss.
Was ich sicher weiß: Diese Saison hat zwei starke Pole. Australien und Berlin. Fernweh und Heimkehr. Paradies und Pflaster.
Es wird eine gute Saison. Da bin ich so zuversichtlich, wie ich mir gleichzeitig sicher bin, dass ich zwischendrin mindestens dreimal alles in Frage stellen werde.
Das gehört dazu. Immer.
Wie läuft deine Saison 2026 an? Was ist dein großes Ziel in diesem Jahr? Ich freue mich, davon zu lesen.
[Photo Credits: Oliver Eule / eiswuerfelimschuh.de] | Alle hier gezeigten Fotos wurden wie immer von Oliver Eule aufgenommen. Die Rechte an diesen Fotos liegen bei ihm und mir. Eine weitere Nutzung der Fotos ist in Absprache mit uns gerne möglich. Bei Interesse schreibt uns bitte eine E-Mail, um Details der Nutzung auf Social Media, Webseiten oder Printmedien zu klären.














