Ironman Kanada 2022: Laufstrecke, Finishline & Finisher Party

Die Laufstrecke des Ironman Kanada machte es der Radstrecke gleich. Landschaftlich lockten herrliche Aussichten zu Beginn, bevor die Stadt und die Straßen entlang des Strandes warteten. Schmale Wege mit harten Anstiegen führten auf den ersten Kilometern hinaus in die Weinberge. Es ging idyllisch den Kettle Valley Trail (KVR) entlang, gelegen an Klippen oberhalb des Okanagan Lake. Geradezu malerisch führten die schmalen Wege vorbei an Obstplantagen auf der einen Seite, während auf der anderen sich die heiße Nachmittagssonne im See spiegelte.

Nach dieser Strecke stadtauswärts führte uns der Weg zwei Runden durch Penticton, wo uns Triathleten unzählige Zuschauer bis in den späten Abend Richtung Ziel applaudierten und motivierten. Die Finishline, direkt an der doppelt zu absolvierenden Strecke am Lakeshore Drive gelegen, war das absolute Stimmungsnest. Auf mich musste es nur ziemlich lange warten.

Wie heißt es so schön – wer länger auf der Strecke ist, hat mehr von ihr?!? Für mich persönlich war diese letzte Disziplin etwas, das mich unglaublich viel Geduld lehrte! Denn mit wahnsinnig viel Lust auf die Laufstrecke und den Abschluss dieser Langdistanz wurde ich von meinem Körper zum Gehen verdonnert. Oder anders ausgedrückt, ich musste mich erst 37 Kilometer lang selbst aufpäppeln und anlaufen, um in Schwung zu kommen.

Wie hart kann bitte ein Ende für eine Disziplin bei einer Langdistanz sein? Ein großartiges Gefühl, das mich auf über 140 Kilometer in der zweiten Disziplin begleitet hat, war verpufft. Dabei lief alles so großartig. Das Schwimmen, der Wechsel, der Radabschnitt – alles schrie förmlich nach einem tollen Tag, der Spaß machen wird. 

Auf dem Rad hatte ich unglaubliche Lust auf die Laufstrecke. Ich hatte im Training die Monate und Tage vor dem Wettkampf ein super Laufgefühl entwickelt. Ich wusste, dass ich an diesem Tag einfach Spaß und einen guten Lauf haben würde, wenn das Schwimmen und das Radfahren einigermaßen verlief. Dass ich dazu aber fast gar nicht kommen würde, stand in keinem Rennverlauf, den ich mir vorher ausgemalt hatte! In keinem stand etwas davon, dass ich erst wenige Kilometer vor dem Ziel wirklich ins Laufen kommen würde. 

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Triathletin und Bloggerin Nadin auf der Laufstrecke Ironman Kanada laufend im Ale Tri Suit, mit HOKA Laufschuhe, Garmin Forerunner 955 Solar, CimAlp Sonnenbrille und schwarzem Visor; im Hintergrund andere Athleten und Supermärkte, Tankstellen, Fast Food Restaurants verschwommen

 

Was neben meinen Krämpfen in meinen Oberschenkeln und der wiederkehrenden Übelkeit los war, versuchte ich im Wechselbereich herauszufinden. Ich maulte mich erschöpft durch das Umziehen an meinem Fuji. Eigentlich war es nur der Schuhwechsel. Raus aus den Radschuhen, rein in die Hokas. Statt Helm musste ich mein Visor und meine Cimalp Sonnenbrille aufsetzen. Angefühlt hat es sich jedoch mit einigen Schluck Iso aus meinen eigenen Flaschen, als würde ich eine Ewigkeit brauchen. 

Ich schwankte zwischen hinlegen, in den Boden stampfen und übergeben. 

Also nahm ich alles andere erst einmal in die Hand, denn mein Weg musste dringend an einem Dixie entlang führen. Als ich dort heraus kam, fühlte ich mich nicht besser, aber wusste, dass ich dringend mehr Getränke und Mineralien brauchte. Nach einem kurzen Stopp am Helfertisch des Teams Sonnencreme konnte ich nach gut 7 Minuten endlich den Wechselbereich verlassen. 

 

IRONMAN KANADA LAUFSTRECKE

Viel hatte ich im vergangenen und diesem Jahr über die neue Laufstrecke gehört. Tatsächlich hätte ich die ältere Variante gar nicht so schlecht gefunden. Sie verlief durch ganz Penticton bis weit auf die Radstrecke nach Okanagan Falls. Geradlinig, fast endlos erscheinend mit einigen Anhöhen. Das hat sie mit der neuen Laufstrecke des Ironman Kanada nach der Rückkehr in diese Region gemein. Die Umgebung veränderte sich in den vergangenen Jahren, was eine neue Schwimm-, Rad- und Laufstrecke mit sich brachte. 

Der Start des Laufabschnitts bringt eine enorme Hürde mit sich, auf die ich hingefiebert hätte, wenn alles gut verlaufen wäre. Stattdessen tappste ich vorsichtig grummelnd Richtung Steigung. Genau darin lag die Hürde, damit begann der Marathon als auch der erste 10km Abschnitt, der den zwei Runden vorangestellt war. 

Diese Hin- und Zurückpassage enthielt die komplett zu absolvierenden Höhenmeter dieses Marathons und war vor allem durch die Landschaft der Weinberge und Obstgärten geprägt. Bis dort hin mussten wir Athleten uns aber erst einmal vorkämpfen. Also ging es an einer Vielzahl von Zuschauern vorbei den Vancouver Hill hinauf. 

Auf einer Seite las ich in der Vorbereitung, dass es der vielleicht härteste Start eines Marathons in einem Ironman Rennen ist. 

Hat man den geschafft, schafft man auch den Rest. Das sollte aber erst einmal bewiesen werden! Es ging 5km bergauf mit minimalen Downhill Abschnitten. Die ersten 2km waren definitiv die härtesten, die ich jemals in einem Wettkampf gegangen bin. 

Davon absehen, stellte sich gleich nach dem Verlassen des Wechselbereichs heraus, das es ein irre langer Tag werden würde! Nur wenige Meter konnte ich anfangs wirklich laufen. Mit wurde recht schnell klar, wie sehr mein Körper nicht mehr mitarbeiten wollte. Von den Oberschenkeln bis zum Becken plagten mich Krämpfe. Die Übelkeit vergaß ich über den Schmerz kurzzeitig. Rückblickend war das aber zumindest in den ersten Kilometern vollkommen egal. Denn als ich nach knapp 8 Stunden auf die Laufstrecke kam, wirkte alles wie eine Pilgerfahrt. Athleten liefen an, sahen den sich vor uns auftürmenden Vancouver Hill und begannen zu gehen. 

Das zumindest ging bei mir wirklich gut! Ich hätte nur im Leben nicht gedacht, dass sich zwei Kilometer so ewig lang anfühlen konnten. Zwei Kilometer mit Zuschauern gesäumt, die zumindest mich so sehr ablenkten, dass ich den viel zu hoch erscheinenden Hügel einfach immer weiter hinauf ging. Egal was mein Unterkörper dazu zu sagen hatte. Aus irgendeinem Grund hatte ich bei der Besichtigung der Strecke nicht wirklich bedacht, dass nach der asphaltierten Straße 2km hinauf noch weitere 3km mit stetigem Anstieg quer durch die Weinberge folgen sollten. Vancouver Hill endete zu meiner Freude mit einer Verpflegungsstation. 

Verpflegungsstation heißt immer langsam gehen, oder?!

Schon deshalb, weil ich die Hosenbeine meines Alé Cycling TriSuits mit Eiswürfeln vollstopfen musste, um die Oberschenkel etwas gnädig zu stimmen. Ich kann nicht sagen, dass ich außer Atem war, aber ich war eindeutig mit meinem Magen und den Beinen durch. Von meiner Kraft her, wäre ich so gern mehr gelaufen. So richtig. Ich hatte nach wie vor Lust auf genau diese Laufstrecke. Es ging nur einfach nicht. Mit viel Zureden und Verlagerung der Belastung, ließen meine Beine 500m zu, bevor ich in meine Schranken gewiesen wurde. 

Wieder und Wieder wurde ich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Als müsste ich einen Sportwagen mit angezogener Handbremse fahren!

Jedes Mal riss ich mich zusammen, um nicht laut zu fluchen. Um den Ärger über die Situation los zu werden. Wäre nicht diese wunderschöne Aussicht und der eigentlich angenehm zu laufende Sand-Schotterabschnitt gekommen. Auf dem schmalen Weg lief es sich wie in einer Parkanlage. Alles wirkte idyllisch gesäumt von ein Zuschauen, die standen, mitliefen, jubelten oder mit Gartenschlauch auf all die Athleten warteten, die gern eine Erfrischung in Anspruch nehmen wollten. Obwohl ich unter meiner dicken Schicht Sonnencreme zu zerfließen drohte, war mir nicht nach einem tropfend nassen TriSuit. Es ist schon etwas anderes, wenn man ständig zum Spazieren gezwungen wird. Ich kühlte mit Eis nur meinen Kopf und die Beine. 

Der Wendepunkt dort draußen nach 5km war der höchste der gesamten Strecke. Aber es wurde für mich persönlich nicht einfacher. Jede noch so kleine Passage abwärts ließ ich meine Beine vor sich hinrollen. Sobald der Weg eben wurde, ging ich weiter. Nach den drei Kilometern zurück bis Vancouver Hill hoffte ich, dass ich noch diese letzten zwei Kilometer hinab langsam in die Innenstadt von Penticton laufen kann. Allerdings war es so steil, dass gehen erneut die beste Option war. 

Unten angekommen machte ich drei Kreuze, weil diese Ironman Kanada Herausforderung auch endlich hinter mir lag! 10 Kilometer in 1:15h. Mit Blick auf die Uhr wurde mir das Ausmaß des Tages bewusst!

Aber nur noch 32km. Genau so, wie das letzte lange Lauftraining wenige Wochen zuvor. Das lief großartig. Auf meiner Lieblingslaufstrecke. Was ich da so locker schaffte, musste bei dieser Langdistanz auch gehen! So schwer war es nicht, mich selbst davon zu überzeugen, dass es zu schaffen ist. Ausreichend Zeit hatte ich. Selbst wenn ich langsam gegangen wäre, hätte ich das Ziel noch im Zeitlimit erreicht. Von da an war jede Rechnerei vorbei. 

Es dauert so lange, wie es dauern würde mit meinem weichgespülten Körper. 

Ich habe nicht resigniert, aber mich damit abgefunden, dass es das war, was noch möglich war. So schoss ich mich darauf ein, immer weiter 500 Meter zu gehen, um anschließend zu versuchen 500 Meter zu laufen. Kein schönes Ende für so viel Training und Spaß im Vorfeld und bis dahin auf dieser Langdistanz. Etwas ändern konnte ich nicht. Ich konnte nur dafür sorgen, dass ich auch mitten auf der Laufstrecke mit den verbleibenden zwei Runden meine Freude hatte. Es ging gute fünf Kilometer Richtung Süden, auf der Hauptstraße mitten durch die Innenstadt. Dort entlang, wo wir morgens bereits mit den Rädern Richtung Skaha Lake fuhren und am Nachmittag zurück kamen. Da, wo die Strecke neben der Finishline mit den meisten Zuschauern gesäumt war. 

Etwas Besseres, Schöneres hätte ich mir für dieses miserable Lauferlebnis nicht wünschen können. 

Bis zum Skaha See waren es fünf Kilometer. Die Hälfte davon mit einem zaghaften Anstieg von 1 oder 2%, den vermutlich irgendwann jeder gespürt hat. Vier Mal sollten wir das erleben dürfen – zwei Mal hin, zwei Mal zurück. Vermutlich kannst du dir vorstellen, wie erfreut ich darüber war. Je mehr wir Richtung Skaha Lake kamen, desto weniger jubelnde Menschen standen an den Seiten. Es gab aber immer wieder kleine Stimmungsnester, die über die kreischenden Oberschenkel und den weinenden Magen hinweg trösteten. In jedem Moment der Ungeduld war die nächste Wasserstation nicht weit. Mein Kopf schoss sich unfassbar auf diese Zwischenziele ein! Vielleicht weil ich einfach merkte, was ich für einen Energiebedarf hatte. Bis dahin hatte ich immer nur zu Wasser und Eis gegriffen und vernichtete dazu eine Mineraltablette nach der nächsten. Das machte aber so gar nichts besser. 

Zwei Wasserstation später war mir so dermaßen übel, dass ich erst einmal aufs Dixie musste. Es war unglaublich. In dieser versteckten Reihe an Toilettenhäuschen übergaben sich Athleten davor und darin. Ich war froh, als ich endlich weiter konnte! Ich verstand endlich, dass ich weder Gele, noch so viel Wasser brauchte, als vielmehr festes Essen und dazu Eis. Nach meiner Nasenblutenaktion mitten auf der Radstrecke war mir von all dem Blut so übel, dass jedes Gel und Getränk die reinste Qual waren. Von da lief ich nicht schneller, aber ich wusste zumindest, wie ich Ordnung in den Magen bekommen würde. Also griff ich wann immer es ging nach Müsliriegeln, während mir eigentlich nach Burger, Pizza, Obst, Gemüse, alles gleichzeitig war. 

Solch Gedanken an viel und würziges Essen waren nicht sonderlich hilfreich. Denn bereits nach 2,5km hatten wir die Innenstadt hinter uns gelassen. Es folgten Restaurants, Fast Food Läden, Cafés und Supermärkte. Jedes Mal, immerhin waren es vier Male auf den zwei Runden, sah ich das Schild von DQ. 

Frage mich nicht warum. Aber auch jedes Mal dachte ich mir bei DQ: Don’t Quit. Don’t Quit. Don’t Quit. Don’t Quit. 

Obwohl nach dem Radabschnitt des Ironman Kanada nichts mehr zu gehen schien, ging aber genau das. Gehen. Und ja immer wieder auch laufen. Ich wusste von Anfang an, wie lang es sich hinziehen würde. Den ersten Halbmarathon hatte ich nach ermüdenden 2:40h unten am Okanagan See hinter mich gebracht. Dort war auf der Hin- und Rückstrecke mit einigen Turn Arounds in Sackgassen am See Moderator Steve King und wie er meinen Namen im Vorbeilaufen sagte die einzige Aufmunterung.  Wobei das viele Grün mit Parks und Bäumen, die die Strecke säumten, auch etwas hatte!

Wahnsinn über was für Zeiten, über welche Abschnitte ich hier schreibe. Es war so anstrengend! Zwischenzeitlich gingen die Krämpfe bis weit übers Becken zum Bauchraum nach oben. Zum Glück hatte ich ausreichend Zucker von diesen Riegeln im Blut, dass ich drüber hinweg lächeln konnte. 

Ein Gutes hatte natürlich dieses Geschleiche. Ich sah alles mit ganz anderen Augen. Beobachtete Athleten, genoss die Zuschauer, konnte mit einigen über diese verflucht harte Strecke sprechen. Konnte den Helfern danken und auch mit ihnen einige Worte wechseln. Alle wollten sie motivieren, viele schafften es auch. Unterwegs tauchten dann an verschiedenen Stellen Zuschauer mit aufgeblasenen Kostümen auf. Neben Hai und Flamingo auch ein Nilpferd und T-Rex. Die beiden waren so unglaublich lustig, wenn sie mit den Athleten ein Stück weit mitgelaufen sind…

Selbst Polizisten, hielten zwar den Verkehr für uns auf, aber hielten sich nicht mit ihrer Begeisterung für den Sport, für das Event zurück. Alle, die an diesem Wettkampf beteiligt waren, sorgten für Stimmung. Ich war wieder einmal über die amerikanische Art begeistert. Da unterscheiden sich Kanadier nicht von den US Amerikanern. Das einzige das sich zu den Wettkämpfen in den USA unterschied, waren die Angaben der Kilometer. Denn die erfolgen in Kanada wie bei uns auch in Kilometern. 

Trotz dieser kleinen Freuden ging meine Geduld langsam in mir, meinem Körper und dieser Langdistanz gegenüber zuneige. Währenddessen wurden die Schatten länger und länger. Das änderte jedoch nichts an der Hitze. Zum Glück hatte ich immer Eiswasser zur Hand, das mir den Kopf kühl hielt, selbst wenn die Emotionen zwischendrin hochkochten. 

Die größte Herausforderung auf der Laufstrecke war, nicht komplett durchzudrehen, weil mir wirklich die Geduld für so einen Spaziergang fehlte. Und weil ich doch so sehr laufen wollte!

Unten am Okanagan Lake für die letzte 5 Kilometer Schleife am Ende jeder Runde, war die Luft deutlich angenehmer. Trotzdem blieb jedes erneute Anlaufen und Abstoppen eine einzige Qual. Ich musste mit meinem gesamten Körper Schwung holen, um mich in Bewegung zu setzen. Als ich auf die zweite Runde ging freute ich mich auf nichts als das Ziel. Schließlich hatte ich es genau an dieser Stelle gesehen. Statt einzukehren ging es weiter. All der Jubel nicht für mich, sondern für die Athleten, die den Marathon bereits hinter sich gelassen hatten.

Dennoch war es eine enorme Hilfe, dass auch zu fortgeschrittener Uhrzeit noch so viele Menschen auf den Beinen waren. Denn alles noch einmal so intensiv zu erleben mit diesem langsamen Tempo, war eine Tortur. Zum Glück mussten wir nicht erneut den Vancouver Hill und KVR Trail ablaufen! Es sollten nur wieder die 1-2% auf der Hauptstraße rüber zum Skaha Lake auf uns warten. Ich fokussierte mich auch in der zweiten Runde auf meine Verpflegung, das Kühlen meines Kopfes, der Oberschenkel und Verpflegung.

Die Gespräche mit Athleten im Vorbeigehen waren ein Segen. Es baute auf einfach mit der Qual nicht allein zu sein. Einige hatten den Ironman Kanada zig Male in Penticton gemacht. Manche waren mitgewandert, als er für einige Jahre in Whistler Station machte. Andere kamen aus den USA, die meisten aus Kanada und der Region. Also hieß es für uns gemeinsam solange den Anstieg weg jammern, bis uns die Fast Food Ketten bedufteten.

Die Sonne stand da schon so tief, dass ich ohne meine Cimalp Sonnenbrille nichts gesehen hätte! Dazwischen spendeten die flachen Häuser Schatten. Ansonsten war es deprimierend und angenehm zugleich. Als ich nach der Runde dort das letzte Mal vorbei kam, lag jeder einzelne Höhenmeter und -zentimeter hinter mir. 

Triathletin und Bloggerin Nadin auf der Laufstrecke Ironman Kanada laufend im Ale Tri Suit, Garmin Forerunner 955 Solar, CimAlp Sonnenbrille und schwarzem Visor

Bis zum Lake Shore Drive des Okanagan Lakes waren es nur noch zwei Wasserstation mit sanftem Gefälle. Es war kein Genuss. Jedoch wusste ich, dass das Ziel nah ist. Helfer auf Rädern waren zu diesem Zeitpunkt noch unterwegs. Zum Streckencheck, zur Motivation. Für was auch immer. Ich genoss die Präsenz von allen. Es lenkte einfach ab, wenn keine Verpflegungsstation in der Nähe war.

Als ich nach einem kurzen Zickzackkurs von der Main Street runter zum Lake Shore Drive kam, war die Sonne fast untergegangen. Gut 37km lagen hinter mir. Mit reichlich Salz- und Mineraltabletten, Müsliriegeln und Wasser fühlte ich mich einigermaßen in der Lage, wieder länger zu laufen. Eventuell habe ich mich einfach auch mit den gekühlten und halb angefrorenen Muskeln locker gelaufen.

In jedem Fall war es das definitiv längste Anlaufen aller Zeiten!

Ich erfreute mich daran, grinste vor mich hin, auch wenn es nur noch die restlichen fünf Kilometer waren.Um so schöner aber, dass diese Freude aufkam, als ich am vermutlich historischsten Abschnitt des Ironman Kanadas war! Über den Lake Short Drive mit einer kühlen Brise vom See schallte vom einen Ende eine Geräuschkulisse der Finishline durch die Straßen und vom anderen Steve King.

Steve ist die kanadische Voice of Ironman. Zwar begrüßte er nicht die Athleten im Ziel, hatte aber am Ende des Lake Shore Drives einen Stand. Dort verbrachte er die gesamte Zeit, in der Athleten auf der Laufstrecke waren. Er erzählte von alten Zeiten, Rekorden, Geschichten, die den Ironman Kanada in Penticton zu so einer Rennlegende machten, wie sie heute ist. Zwischendrin teilte er die Namen der Athleten, die ihn passierten und die Länder, aus denen sie kamen. Dazu die Zuschauer und bunt bemaltem Straßen mit motivierenden Sprüchen, mit Bildern und Namen von Athleten. Eine Szenerie, die besondere letzte Kilometer ausmacht.

Nachdem Steve King meinen Namen ein zweites Mal erwähnte, gab es nur noch diese eine lange Gerade durch das Abendlicht. Es war einfach nur Freude, die mich auf diesem letzten Kilometer begleitete. Immer wieder hörte ich von weitem den Jubel. Das Ziel war so nah. Es war in Sicht- und Hörweite. Aber auch der letzte Kilometer wollte noch gelaufen werden! Ich wusste in etwa, was mich erwarten würde, während die Zuschauerreihen immer dichter wurden.