Sport & Hautpflege: Im Gespräch mit Green-Lifestyle-Bloggerin Nath von Beautycalypse

Kosmetik und Sport sind vielleicht zwei Themen, die für viele nicht unmittelbar zusammenpassen. Aber wenn selbst das Duschen aufgrund der Häufigkeit zum Sport wird, gilt es die Haut in besonderem Maße zu pflegen und zu schützen. Mit der Green-Lifestyle-Bloggerin Nath von Beautycalypse habe ich über Pflege-Rituale, Naturkosmetik, saure Shampoos, Samenöle und aluminiumfreie Deodorants gesprochen und mir zahlreiche Tipps für die richtige Pflege für anspruchsvolle Sportlerhaut für euch geben lassen. 

Ein Thema, das euch nicht wirklich interessiert? Ihr tragt sowieso kein Make-up beim Sport? Etwas Creme fürs Gesicht ist vollkommen ausreichend? Männer brauchen keine Pflege? Mit Sicherheit ist richtige Hautpflege und Sport kein Thema, das nur uns Frauen angeht! Ganz im Gegenteil – Sportlerhaut braucht durch die Vielzahl an Reize, die sie während und nach dem Training ausgesetzt ist, oft besondere Aufmerksamkeit. Nicht selten leidet sie aber noch viel mehr, wird einfach auf irgendwelche Kosmetikprodukte zurückgegriffen.

Nath spricht selbst aus Erfahrung! Sie sammelte schon früh beim Eiskunstlauf und Ballett, später bei Yoga und Studiosport sowie beim Motorradfahren Erfahrungen, wie ihre Haut durch den Sport strapaziert wird, welche Pflege ihr besonders gut tut und wie ein „grüner“ sowie gesunder Lebensstil auch die Haut positiv beeinflussen kann. Sie hat mir einige Tipps gegeben, worauf wir Athleten besonders achten sollten:

 

Sucht Euch Pflegerituale & –Produkte so aus, dass sie zu Eurer Haut passen

 

Hast du für alle Sportler zunächst einmal ein oder zwei grundlegende Tipps, wie wir unsere Haut behandeln sollten?

Da wir Menschen doch sehr unterschiedlich ticken, was unsere Hautgesundheit und Lebensgewohnheiten angeht, würde ich den ersten Tipp etwas allgemein halten. Ich bin nämlich der festen Überzeugung, dass man und frau sich und die eigene Haut einfach besser kennen sollte: Auf welche inneren (Lebensmittel, Schlafmangel, Stress) oder äußeren Reize reagiert sie, sei es mit Trockenheit, mit Rötung oder mit Entzündungen. Wenn ich empfindliche Haut habe, muss ich Ursachenforschung betreiben, was sie empfindlich macht, und Reize ausschließen, sowie vorbeugend entsprechend verfahren. Habe ich Glück, ist meine Haut eher robust, sollte ich ihr präventiv etwas Gutes gönnen. Mein wichtigster Rat an alle ist: Sucht Euch Pflegerituale und –Produkte so aus, dass sie zu Euch passen – glaubt nicht einfach nur der Werbung oder dem Urteil anderer: Sie stecken wortwörtlich nicht in Eurer Haut!

Die Haut ist ein Organ, diese Tatsache scheint vielen irgendwie zu entfallen. Aber genau darum ist auch unsere Hautgesundheit systemisch zu sehen: Die Ernährung, die Schlafgewohnheiten, der Umgang mit Stress, chronische und akute Erkrankungen, wirklich alles spielt eine Rolle. Um die Haargesundheit steht es ähnlich. Ausgewogene Ernährung, guter Schlaf, sich selbst zur Ruhe kommen lassen – das finden Haut und Haar gut.

Bei Triathleten setzen vor allem die Elemente der Haut und dem Haar zu: Das Chlorwasser im Schwimmbad oder die Kälte im See, das häufige Duschen, die mechanischen Reize, dazu kommen die Verletzungen.

Ich würde auf jeden Fall eine möglichst reizarme Wundsalbe aussuchen (ich verwende z.B. die allergikergeeignete und zudem petrochemiefreie babylove Ultra Sensitive Panthenolwundschutzcreme aus der Drogerie), ein möglichst natürliches Deo (es gibt sehr funktionale aluminiumfreie Produkte, die die Haut pflegen und bis zu 24 Stunden wirken, z.B. von Wolkenseifen, Ponyhütchen, Schmidt’s, um nur einige zu nennen) und auch möglichst pflegende Reinigungsprodukte verwenden – bei Shampoo auf einen sauren pH-Wert achten, da unsere Kopfhaut und die Haarwurzeln saurer sind als die restliche Haut; für die Dusche auf möglichst nicht austrocknende, eher rückfettende Texturen, die zusätzliches Eincremen unnötig machen, zurückgreifen. Die Körperpflege sollte nicht auf Alkohol oder Glyzerin basieren, da diese Substanzen der Haut Feuchtigkeit entziehen bzw. im Fall von Glyzerin entziehen können.

Reize eliminieren tut der Haut auch gut: Schweiß, Chlor, Sand usw. gehören immer umgehend von der Haut abgewaschen, das sollte aber eigentlich klar sein.

Was viele aber gern unterschätzen, ist die Peelingstärke ihrer Duschschwämme und Duschtücher! Wenn ich wegen Sport viel dusche, verwende ich am Liebsten einen Konjac-Schwamm, der ganz seidig über die Haut gleitet – so minimiert man die Reize nochmal. Auch aggressives Trockenreiben sollte tabu sein – trockentupfen bitte. Heiße Vollbäder „für die Muskeln“ sind übrigens überhaupt nicht gut für die Haut und trocknen sie ganz extrem aus. Wer also einen Pflegetag einplanen möchte, ist mit einer pflegenden Dusche und einer Runde Massage oder Selbstmassage mit feinen Ölen viel besser beraten. Momentan sind in der Beautywelt Samenöle angesagt; sie fühlen sich ziemlich leicht an und helfen intensiv, die Haut zu stärken und zu heilen. Zu meinen Favoriten gehören momentan etwa Schwarzkümmelöl, Gurkensamenöl und Inkanussöl (z.B. von Farfalla, Primavera).

 

Achtet auf den pH-Wert der Produkte

 

Das häufige Duschen bei all den Trainingseinheiten, das viele Schwimmen im Chlor-, Süß- und auch Salzwasser beansprucht die Haut sehr. Ihre Lipidschicht leidet natürlich auch durch das viele Schwitzen, selbst in kühlen Jahreszeiten. Meine zu allergischen Reaktionen neigende Haut, die sich zudem immer mal mit Neurodermitisschüben quält, ist sehr anspruchsvoll. Was sollten aber alle Athleten beachten, wenn es um die Pflege während und nach dem Duschen geht?

Ich würde nach dem Härtegrad des Wassers gehen. Wer einen Wasserfilter installieren kann, ist je nach Wasserqualität gut damit beraten. Auf den pH-Wert der Produkte sollte man achten, und auch darauf, dass die Reinigungsprodukte keine zu harschen Tenside enthalten, die der Haut noch mehr Feuchtigkeit entziehen.

Bei Allergien sollte man natürlich immer entsprechend spezielle allergisierende Inhaltsstoffe und parfümierte Produkte ganz grundsätzlich vermeiden.

Wie schon gesagt, zu heißes Wasser, egal ob beim Baden oder Duschen, trocknet die Haut stark aus. Lieber mittels Ölmassage aufwärmen. Überhaupt sind Massagen toll für Sportler(innen)haut. Nur lasst Euch lieber nicht mit paraffinhaltigem Babyöl einreiben – das kann die Poren verstopfen, und während sich die Forscher noch um langfristige Schäden für den Körper streiten, ist Paraffin/Mineralöl auf jeden Fall umweltschädlich.

 

Schützt und stärkt Eure Haare

 

Vor allem lange Haar leiden nicht nur beim Frisieren, sondern vor allem auch beim Sport. Welche Pflege kannst du uns empfehlen, die uns nicht Stunden im Bad verbringen lässt?

Ha, wenn ich die entdecke, lasse ich mir das patentieren! Im Ernst, das ist ein ewiger Kampf.

Grundsätzlich gibt es da wenig Neues: Schützen und Stärken ist die Devise. Stärken natürlich von Innen, schützen – von innen und von außen.

Im Schwimmbad z.B. lohnt es sich, die Haarlängen und -Spitzen mit einer Haarkur oder einem Haaröl zu behandeln, damit das Chlorwasser nicht so schnell rankommt. Ich nehme immer reine und biologische Öle, Arganöl zum Beispiel. Ein pures Öl ist einer petrochemischen oder gar silikonhaltigen Mischung vorzuziehen, und sei es nur, weil man da mehr Wirkstoff für sein Geld bekommt.

Kokosöl und Olivenöl werden auch gern mal in dem Zusammenhang vorgeschlagen, aber ich finde sie sehr schwer auswaschbar. Auch können schwere Öle wie das Kokosöl auf der Kopfhaut bei einigen Menschen zu Hautproblemen führen und somit Haarausfall begünstigen.

Beim Shampoo wird es, wie ich finde, interessant. Denn zwar gibt es die Erkenntnis, dass die Kopfhaut einen etwas saureren pH-Wert als die sonstige Körperhaut hat, aber der pH-Wert der Shampoos wird von den Herstellern nicht angegeben. Einen kleinen Trick gibt es dennoch: Üblicherweise sollten Produkte für gefärbte Haare etwas saurer sein als für normale.

Manchmal sieht man einen ganz ausgezehrten, matten, kaputten Schopf, so richtige Haarfetzen, und denkt sich, Mädel/ Junge, abschneiden ist wirklich keine Schande. Kaputte Spitzen sind kaputte Spitzen – da etwas drauf zu kleistern, um sie „gesund“ erscheinen zu lassen finde ich peinlich bis übertrieben eitel – und ganz schön albern bei einer „nachwachsenden Ressource“, wenn wir ehrlich sind.

 

Make-up & Sport

 

Für die Mädels unter meinen Lesern. Hin und wieder kommt man nicht drum herum, doch mit Make-up zu sporteln. Gibt es Produkte, die du besonders empfehlen kannst, die uns auch während des Sports strahlen lassen, aber nicht belasten?

Eigentlich nicht. Ich will jetzt auch gar nicht die Diskussion „die Haut atmet – Quatsch, wie soll die denn atmen“ starten (in Kürze: Beide haben auf ihre Weise Recht), aber beim Sport wird der ganze Körper belastet, auch die Haut. Schweiß und Make-Up sind eine unselige Kombi sowohl ästhetisch als auch funktional. Auch wasserfeste Wimperntusche gibt irgendwann auf – Stichwort Hautfett. Also ich bin da wirklich kein Fan von, wie Du merkst. Ich bin eher Fan von guten Abschminktüchern und einem kleinen Notfall-Nachschmink-Kit, die frau immer dabei haben kann und die ich z.B. in meiner Tasche trage:

  • Sanfte und feuchtigkeitsspendende Reingungstücher von natracare
  • Un-Cover Up, kokosölbasierter Concealer/ Creme-Make-Up von rms beauty
  • Blotting Paper von Tatcha
  • Cremelidschatten in Stiftform von Sante
  • Mascara von und Gretel

Ein Tipp: Eine kleine Gesichtsmassage vor dem Schminken oder nach dem Abschminken tut der Haut richtig gut, und die Haut sieht eine gute Zeitlang frisch, rosig und prall aus.

Und wer rund um die Uhr perfekt aussehen will, lebt in einer Wunderwelt… Oder sollte zu Permanent-Makeup greifen, zu Wimpern-Farbe oder -Verlängerung und solchen Sachen, vielleicht? Die Frage ist doch, warum möchte jemand mit Makeup sporteln? Aus Eitelkeit? Wenn man soviel zu verdecken hat, sollte man vielleicht erst in die Hautgesundheit investieren? Ich kenne das; auch ich musste jahrelang gucken, wie ich im Sportstudio die Akne verdecke, die kein Arzt kurieren konnte. Letzten Endes ist es immer schöner, kein Makeup zu benötigen.

Oder ist das etwa die peer pressure immer und überall „paparazzi ready“ auszuschauen?

Beim Letzteren hilft vielleicht dieser Tipp: Wer unbedingt tolle Blog- oder Instagram-Fotos beim Sport benötigt, sollte dies in einem Fotoshooting ausleben, um die eigene sporty Schönheit mal so richtig zu zelebrieren. Das kann sehr befriedigend sein, so eine kleine Flucht aus der Realität. Dann kann man oder frau beim Trainieren lässig über die Leute mit voller Gesichtsbemalung schmunzeln und insgeheim perfekte Selfies teilen, die einen von der schönsten Schokoladenseite zeigen.

 

Wer nun absolut nicht auf Mascara beim Schwimmen verzichten möchte, worauf sollte man achten?

Den Kopf immer überm Wasser halten und um die Augen herum das Schwitzen abstellen?

Wie gesagt, auch wenn ich kein Fan von bin, würde ich mir persönlich, wenn mir das so wichtig wäre, dann doch lieber die Wimpern von Fachleuten verlängern oder färben lassen, als abends extrem wasserfeste Mascara von den Wimpern rubbeln. In meinem Bereich der green beauty gibt es da leider auch nichts, da Pflanzenhaarfarben sich nicht zum Färben von Wimpern eignen.

 

Vielen lieben Dank Nath, für die vielen Details über die richtige Pflege für Sportlerhaut. Ich hoffe, dass meine Leser nun weniger mit strapazierter und empfindlicher Haut nach dem Sport zu tun haben! 

 

Nath und ich freuen uns auf eure Kommentare und natürlich auch Fragen, die wir sehr gern beantworten! Was sind eure Erfahrungen mit Kosmetik vor, während und nach dem Sport? Seid ihr noch auf der Suche nach den richtigen Produkten für Haut und Haar? 

 

ÜBER NATH

nath_summer_2016Nath bloggt bereits seit etwa 2000, hat 2013 mit Beautycalypse ihr eigenes Blog gestartet und schreibt seither sehr vielfältig über „grünen“ und ethisch-gesunden Lebensstil. Mitte der Neunziger hat sie peu a peu und mit arbeitsbedingten Rückfällen angefangen „grün“ und gesund zu leben, was sie in den letzten 10 Jahren sehr konsequent umsetzen konnte. Ihre geheime Superkraft ist es, Fragen zu stellen. Ihre Stärke im Thema liegt in ihren analytischen und Recherche-Fähigkeiten sowie im über die Jahre entstandenen Netzwerk begründet. Nath ist weder Ärztin noch bietet sie Beratung an. Ihr Ziel ist es zu informieren und zum selbst Nachdenken zu animieren. Ihren grünen Lebensstil empfindet sie nicht als einengend, sondern als befreiend: „Ich bin zum einen frei von Krankheitssymptomen, von denen ich nie geglaubt hatte, wegzukommen (z.B. Migräne, um nur eine Sache zu nennen) und zum anderen grenzen meine ethisch-gesunden Kriterien den Konsum ein, was mein Leben vereinfacht und spannend macht. Zugegeben, manchmal ist es nervig, nicht das 100%-ig tolle ethisch-nachhaltig-gesund-erschwingliche Etwas zu finden, aber das passiert eher nur bei ganz besonderen Dingen wie etwa einem Möbelstück, einem Auto, einem Schmuckstück oder bei medizinischen Themen. Manches geht noch gar nicht, wie etwa Technik. Es ist halt ein Prozess. Bewusster Konsum und auch „gesunder“ Konsum müssen nicht minimalistisch sein, aber Minimalismus – unabhängig von Ästhetik – ist ein sehr befreiender Lebensstil, der in der heutigen zu lauten, zu schnellen Gesellschaft beinahe wie ein Dauerurlaub wirkt.“  Nath findet ihr übrigens auch auf Instagram und Twitter. Verpasst auch nicht ihren letzten Beitrag über das „grüne“ Le Petit Spa in Berlin. Dort können wir Sportler herrlich regenerieren und uns verwöhnen lassen!

 

HAT EUCH DER BEITRAG GEFALLEN? ICH WÜRDE MICH SEHR FREUEN, WENN IHR IHN AUF DEN SOZIALEN MEDIEN TEILT. HERZLICHEN DANK!

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..‚Din‘ ist Gründerin von Eiswuerfel Im Schuh

20121111-082354.jpgAls Triathletin & Autorin von Eiswuerfel Im Schuh bin ich zusammen mit meinem Sportfotografen immer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung und neuen Bildmotiven. Als Julimädchen liebe ich die Sonne, das Meer und den Sand zwischen den Zehen, genieße aber auch die Ruhe auf meiner Yogamatte oder auf einem Surfbrett. Ich freue mich, mit dir auf FacebookTwitter, Pinterest, Instagram und Google+ in Kontakt zu bleiben.

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Als Triathletin & Autorin von Eiswuerfel Im Schuh bin ich zusammen mit meinem Sportfotografen immer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung und neuen Bildmotiven. Als Julimädchen liebe ich die Sonne, das Meer und den Sand zwischen den Zehen, genieße aber auch die Ruhe auf meiner Yogamatte oder auf einem Surfbrett.

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