Made In: Schweiz – der Laufschuh- & Performance Wear Hersteller On 

Kooperation | Mit On Laufschuhen sollen Läufer wie auf Wolken ihr Training genießen können. Das Unternehmen, das ich bereits seit Jahren mit ihren einzigartig aussehenden Schuhen kenne, stelle ich dir heute in meinem neuen Beitrag in der “Made-In:…”-Serie vor. Ich habe wie immer mit dem Team ein Interview über ihre Entwicklungen führen können. Sie verrieten mir zudem, was es in diesem Jahr für spannende Neuheiten geben wird. Nebenbei habe ich mir den neuen Cloudswift und die Helion-Technologie näher angeschaut. 

Die Malzfabrik in Berlin war vor einiger Zeit Testgelände des neuen On Cloudswift, der insbesondere durch seine neue Helion Entwicklung von sich Reden macht. Reden ist hierbei auch aber nicht nur das Stichwort für das “Helion Your Run”-Event. Die urbane Location bot nicht nur spannenden Raum für eine Laufrunde, sondern auch die Möglichkeit, mich mit dem On Team auszutauschen.

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On Running Laufschuhe Cloudswift in der Malzfabrik Berlin

Wie gewohnt erfährst du auch in dieser “Made In:…”-Ausgabe in einem Interview mehr über das Unternehmen, das 2010 von den drei Schweizer Freunden Olivier Bernhard, David Allemann und Caspar Coppetti gegründet wurde. Alles begann mit einer schmerzenden Achillessehne. Damals noch als ein kleines Team entwickelten sie andersartig aussehende Laufschuhe. Vor einigen Jahren hatte ich den On Cloud gern an meinen Läuferfüßen. Mittlerweile haben sich die Schuhe und das Unternehmen weiterentwickelt. So sind sie nun mit ihren Laufschuhen und der 2016 lancierten Performance Wear in mehr als 50 Ländern präsent. In den USA, in Japan, Brasilien und Australien haben sie Niederlassungen, ein Team sitzt zudem in Berlin.

Berlin war nun auch Ort des Geschehens, um Läufern den Cloudswift und die Helion-Schaumstoffpolsterung näher vorzustellen. Ein neuer Laufschuh gemacht für die Straße, Asphalt und lange Läufe. Dabei dennoch leicht, agil und atmungsaktiv.

Die Malzfabrik war unser urbanes Versuchsgelände. Während des Events wurde mit der MotionMetrix-Technologie, einem markerlosen Trackingsystem, in einem kurzen Tunnel binnen weniger Sekunden der eigene Laufstil anhand der Bodenkontaktzeit, vertikalen Bewegung sowie Schrittzahl analysiert und jeder Läufer entsprechend kategorisiert. Dazu gab es dann passend für jede Laufgruppe eine Playlist. Kurz gesagt: je zappeliger, lebendiger, dynamischer dein Laufstil, desto lebendiger auch deine Playlist. Du findest alle Playlists übrigens auch noch auf iTunes.

Eine kurze Momentaufnahme an diesem Nachmittag. Wie sich der On Cloudswift im alltäglichen Training schlug, erfährst du weiter unten. Denn was auch sehr spannend an diesem Tag gewesen ist, war das Treffen mit dem On Team. Wir sprachen über die vergangenen Jahre, seit On den Markteintritt wagte. Über Prototypen, von denen für einen Laufschuh bis zu 20 parallel gelaufen werden; über die Schweizer Berge; neue Entwicklungen und viel mehr. Einige der Fragen und interessanten Antworten habe ich hier zusammengestellt:

Ich kenne On noch als kleine Marke, deren Schuhe interessiert, aber doch mit etwas gehobenen Augenbrauen, auf Laufmessen bestaunt wurden. Könnt ihr meinen Lesern und mir mehr über die Anfänge von On und die vielleicht anfänglichen Schwierigkeiten verraten? 

Ursprung waren die Achillessehnenprobleme des ehemaligen Profitriathleten Olivier Bernhard. Er lief während seiner Karriere in etlichen Schuhen, war aber mit keinem wirklich zufrieden. Immer wieder hatte er mit Problemen an der linken Sehne zu kämpfen und dachte sich, dass Laufschuhdämpfung doch auch cleverer funktionieren müsse. Gemeinsam mit einem ETH-Professor bastelte er an dem ersten Prototyp der On-Schuhe. An diesem allerersten Prototyp klebten Stücke eines zerschnittenen Gartenschlauchs an der Sohle. Die Konstruktion hielt natürlich nicht lange, doch ausreichend um zu spüren, dass dies ein richtiger Weg sein könne. Gemeinsam mit seinen Mitgründern David Allemann und Caspar Coppetti verwirklichte er später die Cloud-Technologie – eine völlig neuartige, konstruierte Dämpfungslösung: Primär Engineering, statt Materialwissenschaft. Im Jahr 2010 gründeten die drei Schweizer die Firma On. Die heutige CloudTec®-Technologie hat mit Gartenschläuchen natürlich nichts mehr zu tun, ihre Wurzeln liegen aber genau da.

Ihr könnt euch sicher noch an den Moment erinnern, als ihr nach den ersten Prototypen den ISPO Brand New Award gewonnen habt. Wie waren eure ersten Gedanken im Anschluss? Welche Auszeichnungen sind seither hinzugekommen?

Als Newcomer im Laufschuhmarkt waren die Gründer überwältigt vom großen Interesse. Die große Nachfrage konnten sie anfangs kaum bedienen. Die ersten Gedanken galten demnach der möglichst schnellen Produktion von möglichst vielen Schuhen. In den vergangenen neun Jahren haben sie natürlich nicht nur an Erfahrung dazu gewonnen, sondern haben mit On19 weitere internationale Preise im Bereich Performance und auch Design (z.B. Swiss Design Award) gewonnen.

Die Marke On und auch das Team sind in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Wie groß ist euer Team jetzt und wie können wir uns die Zusammenarbeit untereinander vorstellen? 

Global sind wir heute ein 400-köpfiges Team mit über 30 Nationalitäten, das fleißig weiterwächst. Trotzdem fühlt es sich immer noch fast familiär an. Wir sind sehr gut vernetzt, trainieren gemeinsam oder treffen uns auch mal nach der Arbeit. Einige Mitarbeiter geben beispielsweise Fitnesskurse über Mittag und es gibt regelmäßige Filmabende und monatliche Frühstücksbuffets. Beispielsweise stand auch der Zürich Marathon an. Auch hier haben wir uns getroffen und alle Läufer angefeuert (und natürlich starteten auch einige aus dem On-Team).

Ihr habt nun auch ein Team in meiner Heimatstadt Berlin. Welche Gründe haben euch bewogen, auch hier ein Büro zu eröffnen?

In Berlin ist unser «Tech Hub», wo ein Team aus Software-Entwicklern und Experten für Digital Design und Online-Benutzerfreundlichkeit arbeitet. Die Hauptstadt ist ein echter Knotenpunkt für technische Innovation aller Art, deshalb haben wir da auch so viele Experten gefunden.

Wie würdet ihr eure Präsenz auf dem dichten Laufschuhmarkt beschreiben? Welche Läufer gehören zu eurer Zielgruppe?

Unsere Produkte sind für Läufer, die auf der Suche nach einem neuen Laufgefühl in leichten Schuhen sind und ihren Sport in vollen Zügen auskosten möchten. Auch etliche Athleten haben sich für On entschieden und erbringen damit an internationalen Wettkämpfen immer wieder Höchstleistungen. Außerdem zählen Design-Liebhaber zu unseren Kunden, die wir durch das zeitlose, reduzierte Aussehen ansprechen.

Sechs Jahre nach Gründung eures Unternehmens habt ihr Sportbekleidung auf den Markt gebracht. Wie kam es dazu und wie unterscheidet sich die Bekleidungslinie zu Konkurrenzprodukten?

Läufer haben immer wieder nachgefragt, wann es endlich auch Kleidung von On geben würde. Und natürlich wollten wir selber auch am liebsten in On-Kleidern Sport machen. Unser Entwicklungsteam hat lange getüftelt und getestet, was gute Sportkleidung ausmacht und schließlich eine Kollektion kreiert, die nur auf die «Essentials», die absoluten Lieblingsstücke, beschränkt ist. Genau wie das Design soll auch die Auswahl reduziert und vor allem funktional sein. Obwohl in der Zwischenzeit einige Teile dazugekommen sind, bleiben wir diesem Kredo treu.

Könnt ihr den Lesern und mir einen kleinen Einblick in die Zukunft von On geben? An welchen Entwicklungen arbeitet ihr?

Dieses Jahr passiert bei uns einiges, denn wir bringen eine neuartige Technologie namens «Helion» auf den Markt. Diese ist perfekt auf unsere bestehende Cloud-Technologie abgestimmt und gibt – vor allem dem anspruchsvollen Läufer – noch mehr zurück. Außerdem stehen wir mit unserer ersten Outdoor-Linie in den Startlöchern. Als Schweizer Laufschuhfirma wissen wir das ein oder andere über das Laufen in den Bergen. Dies haben wir mit unserem Wissen und der Erfahrung aus dem klassischen Running/Straßenlauf kombiniert. Outdoor-Fans können sich vor allem auf einen extrem leichten Wanderschuh freuen und auch neue, wetterfeste Bekleidung lancieren wir im Sommer.

Wie du siehst, passiert bei On nach wie vor unglaublich viel. Der erste Schritt, Neuheiten zu lancieren geschah mit der Helion-Technologie. Helion ist übrigens abgeleitet von Helium und stellt die Leichtigkeit in den Vordergrund. Damit komme ich nun direkt zurück zum neuen Cloudswift.

On Laufschuh Cloudswift Test & Markenvorstellung

 

TECHNOLOGIE & LAUFSOHLE

Klassisches EVA-Material spielt damit beim On Cloudswift keine Rolle mehr. Stattdessen verwendet On eine Schaumstoffpolsterung namens Helion, die von einem Schweizer Chemiekonzern zunächst ausschließlich für Laufschuhe entwickelt wurde. Helion besteht aus Olefin-Block-Copolymere (kurz OBC). Das sind Verbindungen, die feste und weiche Segmente miteinander verbinden. Das kannst du dir wie eine Kette von kleinen Kügelchen vorstellen. Normalerweise sind immer gleiche Kettenglieder miteinander verbunden. Bei Helion wechseln sich dank eines besonderen Schäumungsprozesses Kügelchen ab, die jeweils eine hohe und niedrige Widerstandskraft haben. So kann das Material gleichzeitig gut energierückführend und dämpfend sowie stabil und langlebig sein.

Daraus entsteht ein neuartiges Sohlenmaterial, das sehr ausgewogen ist. Vor allem hinsichtlich der Flexibilität und Temperaturbeständigkeit. Die OBC-Verbindungen zeichnen sich durch Langlebigkeitgeringes Gewicht, hohe Rückstellkraft und Temperaturresistenz aus. Laufsohlen sollen damit den Läufer und seine Performance unterstützen. Denn Helion schützt beim Aufprall einerseits mit seinen guten Dämpfungseigenschaften und sorgt damit für weiche Landungen. Andererseits ist das Material energieeffizient und reaktionsschnell. On nutzt Helion für den schnellen, leichten Cloudswift, um uns Läufer bestens für Asphaltläufe auszurüsten.

Aber nicht nur an der neuen Helion-Technologie hat On gearbeitet. Die Flexkerbenstruktur wurde für ein besseres Abrollgefühl überarbeitet; die Laufsohle wirkt breiter, wodurch der Vorder- und Mittelfuß beim Aufkommen sofort einen sicheren Halt und Stand erhält. Jeder, der regelmäßig durch eine Innenstadt läuft, kennt es vielleicht. Wenn ich zur Arbeit unterwegs bin, sind spontane Richtungswechsel, Ausweichmanöver und Kurven an der Tagesordnung. All das ist mit dem passenden Abdruck und einem sicherem Laufgefühl kein Problem mit dem Cloudswift.

Es ist keine Frage für mich, dass der Cloudswift unglaublich angenehm zu tragen ist. Lange Tage gehend sind genauso problemlos zu bewältigen wie lange Laufeinheiten. Als sehr angenehm empfinde ich die etwas breitere Sohle, die mir egal in welchem Stadt- und Landterrain ein sicheres Laufgefühl vermittelt. Im Vergleich zum On Cloud von damals ist das Laufgefühl deutlich sicherer und weniger kippelig. Gerade wenn die Ermüdung in den Füßen und im Kopf einsetzt, “fängt einen der Cloudswift” ab.

Mit einer Sprengung von 7mm befindet sich der Cloudswift im mittleren Bereich, was ich aktuell laufe. Es fühlt sich angenehm an. Dennoch ist es für mich eher ein Schuh für die langen Einheiten. Grund dafür ist insbesondere die Kompaktheit, die recht stabile Sohle und Dämpfung.

Über die Langlebigkeit, die sich aufgrund des neuen Sohlenmaterials verbessert haben soll, kann ich leider noch nichts sagen. Ich haben den Cloudswift erst knapp 200km gelaufen. Was sich aber aufgrund der etwas veränderten Flexkerben verbessert hat (zumindest fühlte es sich für mich so an), ist das Problem mit den Steinen. Sie scheinen sich nicht mehr so schnell verhakeln, wenn ich doch mal querfeldein und über Schotter laufe.

 

PASSFORM & OBERMATERIAL

Aber auch der Rest des Schuhs, ist fürs Kilometermachen auf der Straße gemacht. Das Mesh-Material lässt den Fuß atmen und bettet ihn komfortabel auf der Schaumstoffpolsterung. In hitzigen Sommertagen auf glühendem Asphalt soll so der Fuß dennoch nicht überhitzen.

Mit 240g liegt der Cloudswiftin der Reihe meiner stabileren Laufschuhe im oberen Feld. Salming Speed und für lange Distanzen bis zum Marathon der Hoka One One Mach und New Balance FuelCore sind mit rund 200 bis 220g leichter. Aber dennoch wirkt der On Cloudswift leicht und schmal am Fuß. Wobei er dank seiner Form im Vorfußbereich ausreichend Raum im Zehenbereich bietet.

Das synthetische Obermaterial wirkt fest, aber umschließt den Fuß, wie man es von mittlerweile vielen Laufschuhmodellen kennt, nahtlos wie ein Strumpf. So fällt auch die Schuhzunge weg, die entsprechend nicht mehr verrutschen kann. Dennoch gibt es am gesamten Schuh Komponenten, die ihm Struktur und Festigkeit verleihen wie an der Zehenbox vorn, an der Fersenkappe hinten und im mittleren Bereich.

Um dem Sitz im Bereich des Mittelfußes zu verbessern, wurde eine seitliche Gitterstruktur angebracht. Diese fixiert den Mittelfuß angenehm im Schuh und gibt die Möglichkeit, die Schnürsenkel gut zu befestigen. An meinem schmalen Fuß sitzt der Cloudswift im Bereich des Mittelfußes stabil. So soll nicht nur der Seitenhalt des Fußes im Schuh verbessert werden, sondern auch an der Ferse. Das funktioniert bei mir nicht so gut im Fersenbereich. Es stört auf ebener Strecke nicht. Aber schon bei leichten Anstiegen, habe ich im Fersenbereich zu wenig Halt. Die angenehm feste und leicht formgebende Fersenkappe ist einen Tick zu weit für meine Ferse.

 

DESIGN

Von der Fußspitze bis zur Fersenkappe für mich persönlich absolut gelungen. Wie das Laufgefühl auch, ist das Design natürlich immer sehr subjektiv. Lichtreflektierende Logos, kleine Schriftdetails und Farben in Ton in Ton Kombinationen – ein reduziertes Design, das genau meinen Geschmack trifft.

 

LAUFGEFÜHL & FAZIT

So lange die Strecke eben ist, egal ob Wald oder Asphalt, empfinde ich das Laufgefühl als sehr angenehm komfortabel. Für meinen Geschmack hat der Cloudswift etwas viel Dämpfung auf kürzeren und mittleren Distanzen. Ich setze ihn bevorzugt ab 15 km und mehr auf ebener Strecke ein.

Was für mich nicht funktioniert ist profiliertes Gelände und Intervalle. Dafür bekomme ich den Schuh im Fersenbereich nicht ausreichend fest, ohne dass er am Mittelfuß einschneidet. Das macht sich aber wie erwähnt nur bei sehr viel Dynamik bemerkbar.

Insbesondere für lange Trainingseinheiten und Wettkämpfe auf Asphalt spielt der On Cloudswift für mich seine Stärken aus. Entsprechend würde ich ihn genau dafür empfehlen.

Hast du bereits On Laufschuhe an deinen Füßen gehabt? Wenn ja, welche Modelle setzt du in welchen Training und zum Wettkampf ein?

Vielen lieben Dank an das gesamte On-Team für die Einblicke in euer Unternehmen und für die Zeit des Interviews!

Wenn du neugierig auf die komplette “Made-In:…”-Serie geworden bist, kannst du dir alle Artikel anschauen unter: Sportunternehmen näher vorgestellt. Darunter finden sich unter anderem das Radsportunternehmen everve, der Laufradhersteller RON Wheels und die Brillenmanufaktur gloryfy.

Alle hier gezeigten Fotos wurden von meinem Fotografen Olli erstellt. Die Rechte an diesen Aufnahmen liegen bei ihm und mir. Eine weitere Nutzung ist nur in Absprache mit uns möglich.

Oliver | Fotograf & Grafiker( Fotograf & Grafiker )

Als Fotograf & Grafiker von Eiswuerfel Im Schuh bin ich zusammen mit der Athletin ‘Din’ immer auf der Suche nach der nächsten sportlichen Herausforderung und den interessantesten Bildmotiven. Außerdem kümmere ich mich darum, die hier vorgestellten und getesteten Produkte und Sportbekleidung interessant abzulichten. Neben meiner Fotografie bin ich oft selbst sportlich unterwegs. Ich sitze sehr gern im Rennradsattel oder schnüre als Alternativtraining auch schon mal hin und wieder die Laufschuhe. Schaut gern auch auf meiner Facebook-Seite vorbei, auf der ich immer wieder neue Eindrücke mit euch teile.

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