Jahresrückblick 2016: Training & Wettkämpfe

Traum? Wie es im Buche stand – oder besser im Trainingsplan? Abenteuer? Wie beschreibt man ein Jahr am besten, in dem man für einen riesigen Wunsch alles gegeben hat, was im Körper, aber noch wichtiger was im Kopf steckte? Wenn man etwas erreicht hat, das man sich so nicht zugetraut hatte, was fast unmöglich schien? Die erste Triathlon Langdistanz bewegt in jeder Hinsicht. Die Vorbereitung und der Wettkampf zehren am Körper. Ich lotete mentale Grenzen aus. Jonglierte mit dem Leben und dem nötigen Training. Es war verrückt. Es war spannend. Es war berührend. Ein Jahr wie es sportlich gesehen schöner wohl kaum hätte laufen können.

Ich muss noch einen Tick weiter zurückspringen als Januar 2016. Bereits mit Winterbeginn 2015 stand für mich fest, dass ich mich dem Projekt Ironman annehmen möchte. Ein fester Termin konnte dann letztlich aufgrund einiger steiniger Wege zwar erst final im Frühjahr angesetzt werden, aber das Bangen und Warten hatte sich gelohnt. Denn mit den Ironman Switzerland hätte ich es nicht besser treffen können! Es war für mich die perfekte erste Langdistanz!

Innerhalb der ersten sieben Monate gab es für mich eigentlich nur einen Gedanken, nur ein Motto, ein Mantra, das vermutlich jeden Triathleten begleitet. Ich wollte einfach hören, wie der Sprecher im Ziel sagt, dass ich ein Ironman bin. Dafür war ich bereit gefühlt unendlich viel Zeit zu investieren, konzentriert meinen Trainingsplan des MyGoal Teams abzuarbeiten und auch mentales Training konsequent zu berücksichtigen. Ich schwankte je nach Monat und Schwerpunkt zwischen etwa 40 und knapp 60 Trainingsstunden, was natürlich nicht so viel mehr ist, als ich es mit durchschnittlich 40 Stunden von den Vorbereitungen für Mitteldistanzen her kenne. Körperlich war alles sehr gut machbar. Nie habe ich eine Trainingseinheit oder eine Distanz in Frage gestellt. Zeitlich war letztlich auch alles verhandelbar, aber manchmal wirklich an der Grenze zum Machbaren.

Die Grundlagenphase begann dank des milden Wetters im November 2015 für den Ironman. So konnte ich bereits im Januar und Februar mit Tempoeinheiten und langen Läufen beginnen, was sich auch maßgeblich in der Kilometerleistung aller triathlonspezifischen Sportarten widerspiegelt. Die erste Januarwoche ist bei mir beruflich mit einem äußerst gemächlichen Start verbunden, was mir ermöglicht, eine Art kleines Trainingslager zu Hause zu absolvieren und einen ersten intensiven Schwerpunkt zu setzen. Das hilft mir jedes Ungemein in einen angenehmen Trott zu kommen. Dabei wurde auch sehr schnell klar, dass ich für noch mehr Ausgleich in Form von Yoga und Stabilisationstraining sorgen musste. Ein wichtiger Helfer für die Regeneration aber auch für Krafteinheiten war das gesamte Jahr über mein Slendertone Optimum, ein EMS Trainingsgerät, das ich auch hin und wieder beim Radtraining auf der Rolle einsetze.

Die langen Läufe sollten im März eigentlich eine große Rolle spielen, aber leider spielte das Leben nicht so mit, was zu erwarten war. Nicht gelassen, aber doch mit ruhigem Gewissen, bereits eine sehr gute Basis für den Hamburg Marathon im April gelegt zu haben, zog der März recht schnell an mir vorüber. Die Trainingsbilanz war trotz trüber Tage mit dem Januar und Februar vergleichbar. Das stärkte vor allem meinen Kopf, denn der war nie der Meinung, dass all das Training ausreichend war. Vielleicht war es dann auch genau diese Härte, die ich meinem Kopf antrainierte, die mich letztlich durch einen miserablen Hamburg Marathon schleifte. Mein Cooper-Test kurz vor dem Marathon war wirklich sehr vielversprechend. Der Lauf dann letztlich mit Asthma so innerlicher nervenzerfetzend, wie ein Lauf nur sein kann. Dennoch kann ich jedem Läufer diesen Marathon nur ans Herz legen. Kurz nach diesem Desaster ging es Anfang Mai erst einmal nach Lanzarote zum Radtrainingslager und ich war froh, dass ich in puncto Laufen eine kurze Pause einlegen konnte. Mein Körper war verärgert genug und es dauerte gut zwei Wochen bis ich mich von den Strapazen des Marathons hinsichtlich des Asthmas wieder einigermaßen erholte hatte. Das Klima mit der Ozeanluft auf dieser wunderschönen Kanareninsel tat spürbar von Tag eins gut. Dass ich täglich auf dem Surfbrett stehen konnte, war Glück pur. Wenngleich das Radtraining absolute Priorität auf Lanzarote hatte, ließ ich es mir nicht nehmen jeden Tag an den Strand zum Surfen zu fahren. Lanzarote ist ein Traum für Surfer. Ich bin immer noch ganz begeistert.

Das intensive Radtraining auf der Insel war ein großartiger Schritt in Richtung 180 Kilometer, die im Training nun auch bald folgen sollten. Eine verrückte Zahl, die ich mir nicht vorstellen konnte. Aber was soll ich sagen, ich machte es einfach und das Beste daran, es hat mir absolut nichts ausgemacht. Weder körperlich noch psychisch. Es war beeindruckend, mich so selbstverständlich damit umgehen zu sehen. Ich genoss die Zeit ganz allein für mich auf dem Rad. Eine unheimlich schöne Zeit. Zu diesen langen Kanten kam auch im Mai schon Freiwassertraining, das ich meist mit einer Tempo-Radeinheit verbunden hatte. Was vom Januar bis Frühjahr mein geliebtes RunSwimRun war, wurde durch BikeToSwim ergänzt. So verflog dann nicht nur der Rest des Monats Mai sondern auch der Juni, der mich mit der nahenden Langdistanz hin und wieder etwas nervös machte. Zerstreuung schaffte eine Radausfahrt mit Jens Voigt und mein zweiter und dritter Wettkampf in diesem Jahr. Die Lichtenrader Meile stand seit Jahren auf dem Plan und ich freue mich, dass es 2016 endlich klappte. Eine wirklich hitzige Angelegenheit über die 15km, die ich mir ausgesucht hatte. Der SwimRun in Bollmannsruh war keine Qual und Spaß pur, bei dem ich mir den 2. Platz in dem kleinen Starterfeld sichern konnte. Von da aus ging es direkt hinein in den Juli, die letzten langen Ausfahrten und Läufe lagen hinter mir. Ich schaute mir auch noch die Strecke des BerlinMan an. Das sollte noch einmal einige Höhenmeter in meine Flachland gewöhnten Beine und Vorfreude für den eigentlich schon letzten Wettkampf des Jahres bringen.

Der Ironman in Zürich krönte einfach all die Triathlonjahre, die bis jetzt hinter mir lagen. Was letztlich nicht viele sind, aber nach drei Jahren mit Strecken von Sprint bis Mitteldistanzen, war im vierten Jahr der Entschluss zum Ironman einfach ein absolut richtiger. Der Juli war der perfekte Triathlon-Monat!

Das hier gezeigte Bild könnt ihr zur Vergrößerung anklicken. 

Den August nutzte ich einerseits für die Regeneration, absolvierte als Staffelteilnehmer den Mauerweglauf, was die absolute Härte war und nahm mir immer wieder mein Fuji für lockere und letzte lange Sommerausfahrten. Die habe ich dann auch direkt nach dem BerlinMan ab Mitte September wirklich vermisst. Den BerlinMan konnte ich leider aufgrund eines aufgebrochenen Rückenleidens nicht so absolvieren, wie ich es mir vorgenommen hatte. Ich war froh, dass ich überhaupt laufen konnte und so wurde der BerlinMan einer der schönsten Triathlons, den ich bis jetzt absolviert hatte.

Beim Laufen und Schwimmen konnten mich aber keine langen Einheiten mehr locken. Stattdessen verspürte ich einen unnachgiebigen Drang für kurze Tempoeinheiten. Fragt mich nicht wieso nach all dem! Meine Muskulatur sehnte sich aber nach Schnelligkeit und gab mir immer wieder zu verstehen, dass langes Training absolut nicht erwünscht ist. Die letzten heißen Sommertage verflogen und die Triathlon Off-Season lockte mit Alternativsport. Eine ordentlich stabile Mitte benötigte ich beim House Running – eine unglaubliche Aktion!

Off-Season hin oder her, im Oktober hatte ich nichts geplant. Eine Herbstausfahrt, wenngleich frisch durfte es noch sein und dann war da noch meine Familie. Sie war beim Brandenburger Beetzseelauf unterwegs. Da wollte ich endlich mal dabei sein, also jagte ich mit letzten Kräften über die 10km und schnappte mir auch dort den 2. Platz. Super. Aber mit etwas Biss, den ich leider nur all zu oft an mir vermisse, hätte ich mir auch den ersten holen können. Aber schwamm drüber. Ich hoffe, diesen Biss finde ich irgendwann mal. Anschließend hieß es tatsächlich Beine hoch, juchhe! Zwei Wochen regenerierte ich mal wirklich extrem hart, genoss die viele Zeit. Klar, war ich auch etwas aktiv. So ganz aus dem Training gibt es ja irgendwie nie. Was für mich Off-Season heißt, habe ich in einem Beitrag mit einigen Tipps zusammengestellt.

Im November habe ich die neue Triathlon-Saison willkommen geheißen und war etwas weinerlich, weil ich nicht direkt mit dem Neo an der nächsten Triathlon-Startlinie stehen könne… Das Wetter war spürbar anders als das Jahr zuvor. Viel kälter und ungemütlicher. Trotz qualitativ guter triathlonspezifischer Einheiten war daneben ein riesiger Schwerpunkt Yoga. Das zog sich auch in den Dezember, dennoch vernachlässigte ich Laufen, Radfahren und Schwimmen nicht. Gut ich gebe zu, das Schwimmen und ich müssen seitdem und auch jetzt noch etwas mehr an unserem gemeinsamen Band arbeiten, aber das wird schon. Wie gefühlt schon einhundert Mal gesagt, ich liebe Schwimmen. Aber da das Bad nun einmal nicht vor der Haustür steht wie mein Rad oder meine Laufschuhe und das Leben irgendwie immer andere Pläne hat, gibt es Nachholbedarf. Die Pläne durchkreuzten dann auch meinen Wunsch traditionell an einem Wettkampf in Teltow, Diedersdorf und am Tropical Island teilzunehmen. Diese drei Veranstaltungen liegen mir aufgrund der tollen Organisation, der Strecke und familiären Atmosphäre sehr am Herzen. Deshalb hoffe ich auch, dass es bald mal wieder mit wenigstens einem davon klappt.

Dezember verlief ähnlich wie der November, nur dass dieser Monat eine Lösung für mein beklagtes Problem, im Winter keinen Triathlon absolvieren zu können, bot. Ha! Im Februar heißt es für mich spontan, knall auf Fall: Indoor Triathlon bei der Triathlon Expo / Triathlon Convention Europe in Frankfurt! Das sorgte für etwas Zappelei und direkt Rücksprache mit dem MyGoal Team. Grundlagen und etwas zügige Einheiten wurden kombiniert und das Jahr fand so ein wirklich vergnügliches Ende.

 

Habt ihr euer Jahr 2016 auch bereits Revue passieren lassen? Seid ihr zufrieden, wie alles lief und habt ihr schon Pläne für dieses Jahr?

HAT EUCH DER BEITRAG GEFALLEN? ICH WÜRDE MICH SEHR FREUEN, WENN IHR IHN AUF DEN SOZIALEN MEDIEN TEILT. HERZLICHEN DANK!

Das hier gezeigte Bild wurde von meinem Fotografen Olli erstellt. Die Rechte an diesem Bild liegt bei ihm und mir. Eine weitere Nutzung dieses Bildes ist nur in Absprache mit uns möglich.

 

..‚Din‘ ist Gründerin von Eiswuerfel Im Schuh

20121111-082354.jpgAls Triathletin & Autorin von Eiswuerfel Im Schuh bin ich zusammen mit meinem Sportfotografen immer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung und neuen Bildmotiven. Als Julimädchen liebe ich die Sonne, das Meer und den Sand zwischen den Zehen, genieße aber auch die Ruhe auf meiner Yogamatte oder auf einem Surfbrett. Ich freue mich, mit dir auf FacebookTwitterPinterestInstagram und Google+ in Kontakt zu bleiben.

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Als Triathletin & Autorin von Eiswuerfel Im Schuh bin ich zusammen mit meinem Sportfotografen immer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung und neuen Bildmotiven. Als Julimädchen liebe ich die Sonne, das Meer und den Sand zwischen den Zehen, genieße aber auch die Ruhe auf meiner Yogamatte oder auf einem Surfbrett.

9 Gedanken zu “Jahresrückblick 2016: Training & Wettkämpfe

  1. Ja, 2016 war definitiv dein Jahr . 🙂 🙂 🙂
    Mir war klar, dass die Langstrecke dein Ding sein wird und es hat mich gefreut, dass du so einen tollen Wettkampf hattest.
    Noch Gratulation Ironwoman 😉
    Vielen Dank, dass wir wieder daran teilhaben konnten. Ich habe die Post alle sehr gern gelesen.

    Ich freue mich darauf, in 2017 wieder jede Menge davon zu lesen und wünsche dir eine gute und verletztungsfreie Saison.

    • Hi Frank,

      das war schon echt verrückt, aber so unfassbar genial. Die Vorbereitung und der Wettkampf selbst waren wirklich ein Highlight. Danke, dass du zu unseren regelmäßigen Lesern gehörst. Es ist auch immer sehr spannend, deinen Weg mitzuverfolgen. Dein Jahr war ja auch prächtig und mit einer schönen Reise gekrönt. Ich bin auf die nächsten Wochen und Monate gespannt. Viele Grüße und ein ganz wunderbares und vor allem gesundes neues Jahr!

  2. Was für ein Jahr!
    Und super inspirierender Post! Steck ja auch in der Vorbereitung auf die erste Langdistanz!
    Frage: Würdest du den Marathon vorm IM wieder machen oder nächstes Mal weglassen?! Bin unschlüssig ob ich 3 MO vorher noch einen Marathon laufen soll…

    Alles Gute & Liebe für 2017!

    Lg Lydia

    • Hallo liebe Lydia,

      ich wünsche dir auch ein ganz herrlichen neues Triathlon-Jahr. Viel Erfolg und Gesundheit.

      Das mit dem Marathon war für mich mental super. Es lief aber auch nur so gut in der Vorbereitung, weil der Winter so mild war und ich schon ab Januar in das Training einsteigen konnte. Zudem hatte ich es auch so geplant, dass ich anschließend in den Radurlaub fahre und das Laufen zwei Wochen etwas ruhiger angehe. Ich glaube nicht, dass es nötig ist. Ich bin den Marathon aus dem normalen Triathlon-Training heraus gelaufen. Ich habe zwar ein leichtes Tapering beim Laufen eingelegt, aber nicht bei den anderen Sportarten. Ich würde den Marathon wieder dann machen, wenn mich ein Lauf aus den Socken haut und ich unbedingt dabei sein möchte. Aus Trainingssicht ist er sicher nicht notwendig und ich würde lieber einen schnelleren HM laufen und das Training bis zur Langdistanz langsam weiter von da aus ausbauen. Nach dem Marathon bis zum Ironman (knapp 3 Monate) bin ich auch nie mehr als knapp über 20km gelaufen. Das hat super geklappt. Wenn du sehr viel Spaß am Marathon hast oder es auch mental einfach brauchst, würde ich ihn mir nicht nehmen lassen. Ansonsten vielleicht lieber einen im Herbst nach der LD als Ausklang der Saison. Melde dich gern wieder, wenn du Fragen hast.

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