Berlin City Triathlon – Die Finals 2019 (Teil I)

Es war ein ereignisreiches Wochenende mit 10 Deutschen Meisterschaften olympischer Sportarten! Mit “Die Finals – Berlin 2019” lebte die Hauptstadt das Sportfieber. Der Berlin City Triathlon war Teil davon. Die Deutsche Triathlon Union war mit dieser Triathlonveranstaltung vertreten und sie hätte spannender für mich nicht sein können. So wurden die Deutschen Meister der Elite über die Sprintdistanz ermittelt. Aber auch Hobbytriathletinnen und -athleten wurde mit einem Jedermann-Triathlon und einer Sprintdistanz eine Plattform gegeben, um selbst aktiv zu werden. Um euch an meinen Eindrücken sowohl von den Eliterennen als auch von meiner eigenen Teilnahme an der Sprintdistanz zu geben, habe ich zwei Artikel vorbereitet. Den Anfang macht dieser Beitrag über meine Teilnahme an der Sprintdistanz des Berlin City Triathlons. 

In Hamburg kennt man so eine Großveranstaltung des Triathlonsports bereits seit Jahren. In Berlin hat sich die Deutsche Triathlon Union mit der Premiere des Berlin City Triathlons nun ganz langsam an ähnliches herangetastet. Mit dem Eliterennen und der Jedermensch- sowie Sprintdistanz gab es ein umfangreiches Programm, um selbst aktiv zu werden oder einfach nur mitzufiebern. Egal ob man passionierter Triathlet ist oder einfach nur sportbegeistert. Mit diesem Triathlon-Wochenende bot die Deutsche Triathlon Union zusammen mit der 1. Deutschen Bundesliga eine unglaublich spannende Plattform im Rahmen von “Die Finals – Berlin 2019”!

Der Berlin City Triathlon mit seinen Eliterennen und der Jedermensch- sowie Sprintdistanz bot begeisterten Triathleten zum Zuschauen und selber mitmachen eine spannende Plattform. Klick um zu Tweeten

Sofort nach der Ausschreibung der Triathlons war für mich klar, dass ich auf jeden Fall das Bundesligarennen live vor Ort mitverfolgen wollte! Dazu dann im zweiten Beitrag mehr. Aber ich wollte natürlich nicht nur zuschauen, wie andere Triathleten am Olympiastadion auf dem olympischen Platz ins Ziel laufen. Nein, ich wollte an einem der Tage selbst mit dabei sein, um nach langer Zeit wieder einmal über eine kurze Distanz zu starten! Entsprechend war die Saison geplant. Ich tat alles für mein Tempo.

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Berlin City Triathlon - Die Finals 2019 - Sprintdistanz Laufstrecke

Die Strecke kommt sicher jedem unglaublich bekannt vor, der am BerlinMan teilgenommen hat. Ein Klassiker der Hauptstadt! Schon deshalb war ich mir sicher, wieder auf die gesamte Berliner Triathlonfamilie zu treffen. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen! Letztlich sollte es auch genauso sein. Das Feld war nicht nur bei dem 1. Bundesligarennen stark besetzt. Auch bei der Sprintdistanz am Sonntag war unter den Hobbyathleten die Ambition außerordentlich hoch. Es reihten sich unzählige Vereinsmitglieder am Start am Strandbad Wannsee nebeneinander auf, die aus ganz Deutschland kamen. Zudem fand eine gemeinsame Landesmeisterschaft der Berliner Triathlon Union und des Brandenburgischen Triathlon Bundes statt.

Die 750m lange Schwimmstrecke mit Landstart war im Wannsee sehr übersichtlich. Die Radstrecke mit ihren 20km sollte ein Mal in eine Richtung vom Wannseebad durch den Grunewald bis zum olympischen Platz absolviert werden. Hügelig und dennoch schnell mit einigen verwinkelten Abschnitten und einer Kehrtwende an einer kleinen Schleife. Von der zweiten Wechselzone vor dem Olympiastadion aus sollte es auf den 2,5km langen Rundkurs der Laufstrecke gehen, der 2x absolviert werden sollte.

Begonnen hat natürlich alles einen Tag vorher mit der Wettkampfbesprechung und dem Abholen der Startunterlagen. Beide Triathlons am Samstag und Sonntag waren nicht ausgebucht. Am Vortag konnte man tatsächlich noch nachmelden. Wie während des BerlinMan war die Jugendherberge am Wannsee dafür Ort des Geschehens. Alles kam mir gewohnt vertraut und dadurch sehr entspannt vor. Binnen weniger Minuten hatte ich am späten Nachmittag meine Startnummer und konnte noch einige Momente am See genießen. Was ich außerordentlich gut fand waren die zwei angebotenen Zeiten für die Wettkampfbesprechung um 15 und 19 Uhr! Ich wählte die frühe Zeit. Sehr gern nutze ich den Abend vor einem Wettkampf für einige ruhige Momente.

Berlin City Triathlon - Die Finals 2019 - Sprintdistanz Startnummer

Bei der Wettkampfbesprechung gab es wenig Neues zu erfahren. Obwohl ich schon da etwas irritiert aufgrund der wenigen Sachen, die in jeden Beutel kommen, war. Dieser Zustand besserte sich auch zuhause nicht beim Zusammenstellen. Es war so ewig her, dass ich an einer kurzen Distanz teilnahm, dass ich ganz vergessen hatte, wie schnell dafür auch die Vorbereitung erledigt ist. Wir brauchten uns keinen Wechselbereich einrichten, sondern konnten uns mit unseren Kleiderbeuteln auf Bänken für die nächste Disziplin fertig machen. Das ist den Großveranstaltungen wie dem Ironman oder einem Challenge Triathlon ähnlich. Also nichts Ungewöhnliches, aber für so eine kurze Distanz für mich neu.

Für das Rad hatte ich nur meine Schuhe und Strümpfe im Tütchen. Helm und Startnummer kamen auf den Lenker. Zum Laufen hatte ich nur meine Gloryfy Brille, die Laufschuhe und ein Gel für die Wechselzone eingepackt. Das war es. Keine Handtücher, kein Krimskrams. Für all das sollte erwartungsgemäß absolut keine Zeit sein.

 

DER MORGEN & DIE SCHWIMMSTRECKE DES BERLIN CITY TRIATHLONS 

Ich gehöre zu denen, die super gern früh aus dem Bett steigen. Aber diese Triathlon-Wochenenden sind jedes Mal ein Graus, wenn mich der Wecker im Dunkeln aus dem Bett wirft. Alles verlief wie immer. Haferbrei und Matcha, um in die Welt zu finden. Ein Tee in die Hand für die kurze Autofahrt mit der Familie zum Strandbad. Alles in unter einer Stunde erledigt.

Als ich um kurz nach 6 Uhr überpünktlich am Strandbad ankam, stauten sich die Athleten wartend mit ihren Rädern und Wettkampfsachen vor dem Gelände. Das Rad konnte man nicht am Vortag abgeben. Das sollte aber wie bei einer Vielzahl von Triathlons absolut kein Problem darstellen. Es dauerte noch einige Minuten bis um halb 7 der Wechselgarten öffnete. Der Check-In verlief schnell. Die Kampfrichter schauten genauestens auf den Sitz meines Helms und auf das Rad. Dennoch ging es zügig für alle zu den nummerierten Plätzen, an denen die Räder dicht an dicht aufgehängt wurden.

Wie die Wettkampfordnung vorsah, es bei der Besprechung kommuniziert und morgens zig Male angesagt wurde, stand bei mir nichts herum. Lediglich der geöffnete(!) Helm und die Startnummer habe ich auf dem Aerolenker abgelegt. Dennoch hatten Kampfrichter und Helfer alle Hände voll zu tun, um einzelnen Athleten zu erklären, was zu tun ist. So wie immer wurden spontan Schwimmbrillen gesucht. Tatsächlich fanden sich zwei Athleten, die Ersatz abgeben konnten.

Die Schuhe hätten eingeklickt sein können. Aber ich springe ungern auf meinen Flitzer rennend auf, um dann herumzutrudeln. Stattdessen renne ich lieber mit den Schuhen durch die WZ und spare dadurch einige Sekunden und  bin sicher unterwegs. Wie dem auch sei, war binnen weniger Minuten alles fertig. Wieder absolut irritierend. Innerlich stand ich etwas unter Stress, weil ich seit dem Vortag wider jeglicher Vernunft und der doppelten oder sogar dreifachen Kontrolle von allem dachte, dass ich etwas vergessen hätte.

Berlin City Triathlon Wechselzone Rad Wannsee

So blieb aber ausreichend Zeit, um einige Details mehr zu erledigen. Oben im Wechselgarten gab es keine Toiletten, anders als beim BerlinMan. Etwas nervig war es schon, den Weg hinab zum Wannsee nehmen zu müssen. Also ging es hinab zum See, an dem eine stürmische Brise wehte. Dann wieder hinauf. Das war rasch vor der Cut-Off Zeit zur Abgabe der Wechselbeutel erledigt.

Ich sortierte noch einmal meine Sachen, um wirklich absolut und ganz sicher zu gehen, dass die Kleinteile genau in dem Beutel waren, wo sie hingehörten. Es gab drei Zeiten für die drei Beutel. Eine kleine Meisterleistung für Athleten und Helfer war es schon irgendwie, das zu so früher Stunde zu organisieren.

Gut war jeder dran, der zwei, drei Kaffee im Blut hatte und hellwach bei der Sache war!

Bis 7:20 Uhr hatte man für den Check-In Zeit. Bis 7:15 Uhr mussten die roten Beutel für das Laufen abgelegt sein. Der LKW fuhr wenige Minuten nach etwas Panik unter manchen Athleten ab, um diese Beutel zur zweiten Wechselzone auf dem olympischen Platz zu bringen. Bis 7:20 Uhr mussten die blauen Beutel, die man nach dem Schwimmen für das Laufen griff, abgegeben sein. Die Kleiderbeutel konnte man bis 7:45 Uhr zum zweiten LKW bringen. So viele Zeiten hatte ich mir noch nie gemerkt! Ging aber alles.

Dadurch, dass man alles abgeben musste und Neoprenverbot aufgrund der hohen Wassertemperaturen herrschte, stand man zeitig nur im Tri Suit oder Schwimmsachen in der Kühle des Morgens da und hatte auch nichts mehr zu trinken. Zum Glück blieb meine Familie bis zum Schwimmstart, bevor sie sich eilig zum Olympiastadion aufmachte. Ich konnte also meine dünne Jacke anbehalten, um sie kurz vor dem Start abzugeben. Ich verstehe die unglaublichen logistischen Herausforderungen. Schön wäre es aber dennoch gewesen, wenn es eine Möglichkeit geben hätte, die Sachen unten später vor den individuellen Starts abzulegen. Für viele hieß es nämlich, mehr als eine halbe Stunde so leicht bekleidet herumzustehen. Hinzu kommt, dass man für diese Zeit auch keine Getränke hat. Vielleicht habe ich es übersehen, aber Wasser wäre klasse gewesen. Ich nehme nämlich auch gern selbst vor so einer kurzen Distanz noch ein Gel vor dem Start, das ich einfach besser mit Wasser herunterbekomme.

Nach einem Warm-Up am Strand fühlte ich mich einigermaßen bereit für den schnellen, kurzen Wettkampftag. Ich hätte mich gern noch eingeschwommen, aber irgendwie ging das nicht mehr. Ich kam nicht zum Wasser, weil alles abgesperrt und ich um kurz nach 8 Uhr in den Startbereich manövriert wurde. Letztlich war das nicht schlimm, weil meine Erwärmung davor aufgrund der vielen Zeiten doch etwas ausführlicher als üblich ausfiel. Zudem war ich froh drum, doch nicht nass warten zu müssen. Das ließ auch noch etwas Zeit, um einige bekannte Athletinnen und Athleten zu begrüßen, Glück zu wünschen und vor allem eins: die beiden Startwellen vor dem Frauenblock mit ordentlich Applaus auf ihren Weg zu schicken!

Um 8:15 Uhr stellten wir uns genau vor dem Teppich auf, auf dem am Tag zuvor die Frauen der Elite gestartet waren. Irgendwie ein wirklich sehr cooles Setting. Der Countdown begann für die knapp 140 Frauen und einen Mann in unserem Startblock. Er wurde kurz bejubelt und dann ertönte bereits der Startschuss. Das weit in die Breite gezogene Feld raste förmlich ins Wasser. Ich mittendrin. Am Vortag hatten mir Athleten des Jedermensch-Triathlons schon gesagt, dass die Schwimmstrecke rasant ist. Sie fällt etwas kürzer aus. Dafür ist der Weg bis ins schwimmtiefe Wasser gefühlt unendlich lang. So war es auch. Während einige schon ab Kniehöhe versuchten zu schwimmen, lief ich deutlich weiter.

Als ich das erste Mal ins Wasser stürzte, war ich so außer Atem, dass mir der Sinn eigentlich nicht nach schwimmen stand!

Wannsee Triathlon DTU Sprintdistanz Wasserstart

Das musste ich aber, was tatsächlich dann nicht mal so schlecht lief. Wie immer platzierte ich mich an der linken Seite des Feldes. So hatte ich eine gute Orientierung im Feld. Auch geradeaus zur Boje schwimmen ging wirklich gut. Der anfängliche Kampf war genauso schnell vorbei, wie die erste Atemnot. Das Feld zog sich auseinander und ich hatte relativ freie Fahrt. Das Wasser war herrlich warm. Mich störte es nicht im Geringsten, dass wir keinen Neo tragen mussten. Ganz im Gegenteil. Das befreite mich von der Hektik, das Ding unterwegs zur Wechselzone auszubekommen. Aus der Ferne hörte ich immer wieder die Musik und den Sprecher vom Strand.

Eine ganz tolle Atmosphäre, die motivierte!

An der ersten Boje gab es etwas tumultartige Zustände. Das breite Feld fand dort dicht an dicht zusammen. Nach einem kurzen Kampf ging das souveräne Schwimmen weiter. Die zweite Boje war rasend schnell erreicht. Bei der dritten Boje brachte ich es fertig, sie erst wahrzunehmen, als ich mit der Hand gegen schlug. Das hatte ich so auch noch nie. Anschießend waren wir schon auf dem Rückweg. Der kam mir deutlich länger vor als gedacht. Meine Schwimmaufzeichnung mit meinem Forerunner 945 zeigt mir zwar, dass ich sehr konstant unterwegs war. Ich musste mich aber wirklich anstrengen, weiter dranzubleiben. Gegen die Sonne zu schwimmen ist bei so viel Aktion auch eine Leistung. Ich konnte mich zum Glück gut orientieren, weil ich die Strecke aus dem FF kannte und meine Arena Cobra so dermaßen dunkel ist, dass ich selbst unter den widrigsten Umständen meinen Weg finde.

Links vom Steg des Strandbades wühlte ich mich durch einige Algen, bevor ich zu laufen anfing. In meiner Übersicht ist super zu sehen, dass ich nach rund 100m anfing zu schwimmen und genauso eine Strecke wieder hinaus bis zu den Stufen lief. Dazwischen bin ich rund 600m geschwommen. An der besagten Treppe mit ihren knapp 90 Stufen kam ich nach 13:41min an, womit ich tatsächlich zufrieden bin. Nach den quasi nicht wirklich präsenten Schwimmtrainings bis dahin.

 

DER RADABSCHNITT DES BERLIN CITY TRIATHLONS 

Die Wechselzeiten sind mir etwas unklar. Denn dieser ganze Stress mit den kurzen, hitzigen Distanzen machte mich total verrückt. Da verschwendete ich keinen Gedanken an meinen Forerunner, der mir immer wieder viel zu spät in den Sinn kam. Die Wechselzeit vom Schwimmen auf die Radzeit lag bei knapp 4min, sagt Mika Timing. Das ist diesen verrückten Treppen geschuldet, nehme ich an. Der Weg bis zum Ausgang auf die Radstrecke ist zudem nicht zu unterschätzen. Da gibt es einiges an Strecke zu machen. Nach dem langen Wasser- und Strandgang fielen mir die Treppen noch schwerer als sonst. Die wenigen Zuschauer scheuchten uns hoch. Athletinnen und Athleten gingen, rannten, schlichen,… Ich irgendwie immer mit Tempowechseln keuchend dazwischen.

Berlin Triathlon Wannsee Olympiastadion Radstrecke

Die zweite Wechselzeit wurde aber auf das Laufen gerechnet, wenn ich das richtig sehe. Ich kann mich leider auch nicht an Zeitmessmatten erinnern. Dafür saß ich dann zu schnell außer Atem mit meinem im Laufschritt geschnappten Beutel auf der Bank, um meine Strümpfe und Radschuhe anzuziehen. Es war keine Zeit, um mich abzutrocken oder Sand von den Füßen abzunehmen. Ich warf meine Schwimmbrille und meine Badekappe in den Beutel. Schmiss ihn den Helfern zu, die so lieb waren, die Beutel entsprechend der Startnummern zu sortieren. Wieder eine Sorge, die sie uns abnahmen. Zum Glück hatte ich noch eine bekannte Helferin getroffen, die mich richtig motivierte, auf dem Weg zu meinem Fuji bloß nicht zu trödeln.

Weiter ging es zu meinem Stellplatz, den ich mir genauestens eingeprägt hatte! Zumindest konnte ich mich Dank das Baumstumpfes noch an die Reihe erinnern. Irgendwo mittig sollte der Flitzer stehen. Plötzlich waren aber alle Räder schwarz und noch so viele da. Mein Visier des Helms blitzte mich zum Glück an. Dann ging erneut alles rasend schnell. Helm auf. Startnummer ran. Ein Helfer rief sofort, dass die nach hinten gehört. Ja, ist klar! Dieser Stress!

Etwa fünf Reihen manövrierte ich mit dem Flitzer entlang, bis ich die Wechselzone verlassen und endlich auf mein Fuji konnte. Der richtige Gang war drin. Ich beschleunigte ordentlich bis zur ersten Kurve, an der tatsächlich Zuschauer standen. Das überraschte. Es war im Vergleich zum BerlinMan nämlich extrem leer am Schwimmausstieg. Ich ging davon aus, dass alle bereits auf dem Weg zum Olympiastadion waren. Auf der Havelchaussee angekommen gab es nur eins. Kette rechts bis zum Willi. Mein Trainingsrevier der vergangenen Wochen. Schnell ein Gel und etwas Wasser in der Eile. Verpflegung gab es unterwegs nicht. Mit meiner war ich aber auf den 20km mehr als ausreichend versorgt.

Mein Plan war, möglichst müde in den Wettkampf zu gehen, um zu sehen, wie es mit einer Vorbelastung läuft. Was soll ich sagen. Trainerin Anke des MyGoal Training* Teams hatte es geschafft. Ich hatte zwar unglaubliche Probleme mit den Waden, so dass ich im Vorfeld nicht wie geplant viel und intensiv laufen konnte. Das hinderte mich aber nicht an noch intensiveren Radeinheiten. Meine Beine glühten! Meine Oberschenkel wollte den Willi hinaufschieben. Das durfte alles nicht wahr sein. Die Athleten von einigen Metern vorher überholten mich wieder alle. Ich biss die Zähne zusammen, denn das Laufen könnte eventuell in die Hose gehen mit den Waden. Also musste ich auf dem Rad noch viel mehr geben.

Wirklich halb sabbernd kam ich oben an. Laura Lindemann hatte mir am Vortag gesagt, dass man den Willi nicht all zu forsch angehen sollte. Lieber im letzten Drittel reinhauen und den Schwung direkt für die Abfahrt nutzen. Meine Strategie sah ähnlich aus. Es hatte sich im Training bewährt. Nun auch im Wettkampf. Anschließend hatte ich freie Fahrt. Konnte ohne zu bremsen die Kurve und mit entsprechendem Schwung die nächste Anhöhe nehmen. Dort machte sich der Gegenwind bemerkbar, von dem Daniel Unger am Vortag im Interview morgens sprach, als es um die Rennstrategie der Elite ging. Nachlassen wollte ich dennoch nicht. Ich konnte aber nicht so ganz am intensiven Tritt festhalten.

Ich wollte an Athletinnen dranbleiben. Zumal ich sogar einige um mich herum kannte. Wir überholten uns immer wieder gegenseitig, bis es auf den kurzen Wendeabschnitt ging. Da kam mir dann auch noch Superheldin Connie, die ich seit Jahren von Twitter kenne, entgegen. Voll im Tunnel. Mein Winken ignorierte sie sicher nicht. Sie sah es einfach nur nicht. Nehme ich an.

Das unterscheidet uns. Ich winke, sie kämpft.

Nein, also ich habe sicher auch hart gekämpft. Jedoch waren meine Beine wenig amüsiert davon und ließen etwas Raum, kurz die Hand zu heben.

Nach einer Rechtskurve, meine Lieblingskurven – nicht(!), ging es zurück Richtung Olympiastadion. Als an einer erneuten Anhöhe meine Stimmung zu kippen drohte, stand eine Helferin. Sie versicherte, dass es bald vorbei wäre. Ja, das sagte mir zum Glück auch die Distanz auf meinem Forerunner. Die letzten Kilometer standen an. Ich sah den Glockenturm des Olympiastadions. Tolle Kulisse, die noch besser werden sollte. Kopfsteinpflaster und ein interessanter Streckenabschnitt folgten. Kurve, Kurve, wieder eine Kurve. Dann kamen schon begrenzende Zäune und noch einmal eine Wendestrecke. Anschließend fuhren wir im Olympiapark durch ein kleines Parkgelände in Form eines Omegas. Ich kam mir die wenigen hundert Meter vor, als würde ich mit etwas Gerüttelt über Steinplatten durch Nachbars Garten schrubben.

Abschließend wurden wir einen kleinen Bogen entlang zur Wechselzone geführt. Das ging bei uns wunderbar. Am Vortrag gab es bei der Jedermensch-Distanz etwas Verwirrung, weil bei den ersten Athleten der Startwelle 1 noch keine Helfer den Weg wiesen. Bei uns ging alles glatt.

Vor dem zweiten Wechselbereich hatte ich den einzigen Moment, in dem ich es trudeln ließ. Schuhe ausklicken, absteigen und losrennen. Das Rad konnten wir an den nächsten freien Stellplatz hängen. Helfer sagten uns frühzeitig ob an der linken oder rechten Seite. Links ran ging es für mich. Schnellen Schrittes eilte ich zu meinem Beutel, der mir gereicht wurde. Super Service. Keine Frage, eine tolle Leistung auch von der Organisation und all den Helfern an diesem Sportwochenende. Ich stellte mich vor eine Bank zum Umziehen. Schüttete den Beutel kurzerhand aus. Radschuhe und Helm rein. Laufschuhe an, Gel in die Hand, Startnummer nach vorn, Sonnenbrille auf, Beutel zu, an Helfer übergeben und los. Nach 34:46min war ich auf der Laufstrecke.

Der Stress nahm kein Ende, machte aber so wahnsinnig viel Spaß!

 

DIE LAUFSTRECKE DES BERLIN CITY TRIATHLONS 

Mit einer sehr schönen Rechtskurve direkt am Ziel vorbei ging es auf die 2 Runden des 2,5km langen oder eigentlich besser gesagt kurzen Rundkurses. Kurz heißt aber leider nicht weniger anstrengend. Ganz im Gegenteil! Dennoch ließ ich es erst einmal etwas verhalten angehen, um sie spüren, wie sich mein Wadendilemma entwickelt. Nach mehr als einer Woche ohne Laufen, fehlte mir ein wenig das Gefühl.

Das verhalf mir aber vermutlich zum allerersten Mal in meinem Wettkampfleben zu einem negativen Split!

Rückblickend blieb aber so leider der Eindruck, dass das nicht alles gewesen sein konnte. Dennoch genoss ich gerade die Laufstrecke des ersten Berlin City Triathlons. Sie war schnell trotz kleiner Anhöhe. Die Athleten reihten sich wie an einer Perlenschnur auf dem schmalen Weg aneinander. Ähnlich kurvenreich wie die Radstrecke gestaltete sich der Laufparcours entlang zuweilen dichter Zuschauerreihen. Ich schlabberte am Beginn der ersten Laufrunde mein Gel, griff an der Wasserstation den für mich einzigen Becher Wasser des Tages.

Berlin City Triathlon - Die Finals 2019 - Sprintdistanz Laufstrecke

Super schön war der Moment, ein zweites Mal an der Zieltribüne vorbeizukommen, um die letzte Runde in Angriff zu nehmen und über den blauen Teppich durch die Wechselzone der Elite zu laufen.

Unter den Zuschauern waren wieder motivierende Gesichter, zum Teil selbst Triathleten. Es ist so wunderbar, in seiner Heimat bei einer Veranstaltung wie dieser zu starten. Denn es gibt immer wieder Athleten, die selbst nicht dabei sind, es sich aber nicht nehmen lassen, auf der Strecke als Support unterwegs zu sein und sich das Geschehen anzuschauen.

Das Wetter war an diesem Tag mit uns. Morgens schien etwas die Sonne pünktlich zum Start. Eine Stunde später hielten Wolken die große Hitze von uns fern. Der perfekte Tag für einen spritzigen Triathlon. Die Zeit verflog mit einem ziemlich exakten 4:30er Schnitt. Anvisiert hatte ich etwas um 4:15 und das sollte tatsächlich möglich sein. Meine Vorsicht hielt mich aber davon ab, denn ich habe ja noch ein paar Wettkämpfe vor mir. Ich werde sehen. In jedem Fall war der winzige Anstieg hinter dem olympischen Platz eine kleine Herausforderung, wenn es darum geht, die Geschwindigkeit auch dann hochzuhalten, wenn man hinauf muss. Oben angekommen gab es nur noch die letzte Schleife vor dem Sportmuseum Berlins und dem Sitz des SCC zu nehmen. Dann ging es erneut hinab. Runter zu den Zuschauern durch das Labyrinth aus Zäunen. Schräg rüber bejubelten die Wartenden die Athleten, die gerade ins Ziel kamen.

Von der ersten bis zur letzten Minute wunderbarer Stress, der mich daran festhalten ließ, nur nicht nachzulassen.

Die lange Zielgerade war großartig. Ein kurzes Abklatschen mit dem Moderator. Es folgten die letzten Schritte. Dann war es da. Das Ziel.

Als 16. Frau und 2. meiner Altersklasse erhielt ich nach 1:17h meine Medaille. Eine persönliche Bestzeit, die meine letzte Zielzeit von 2015 bei meinem Sieg des Volkstriathlons an der Krummen Lanke zwar nicht in den Schatten stellt, aber immerhin mit knapp zwei Minuten aufhebt. Es bleibt der Gedanke, dass noch deutlich mehr möglich gewesen wäre, wenn ich beim Laufen sofort alles gegeben hätte. Dennoch bin ich außerordentlich zufrieden. Denn ich habe ganz klar gespürt, dass sich das intensive Tempotraining im Frühjahr und Sommer wirklich ausgezahlt hat.

Für mich ging es im Anschluss nur schnell zum Umziehen. Ich sammelte meinen ersten Kleiderbeutel ein, schnappte mir einige Getränke und etwas zu essen. Kurz danach wartete das Männerrennen der Elite. Darüber dann mehr im zweiten Beitrag zum Berlin City Triathlon und dem Bundesligarennen sowohl von den Frauen als auch den Herren im Rahmen von “Die Finals – Berlin 2019”. Nach dem Ende des Eliterennens, konnten wir unsere Sachen sowie Räder aus der Wechselzone abholen. Dort traf ich nicht nur auf langjährige Bekannte der Berliner Triathlonszene, sondern auch auf einen Athleten, der einen Escape from Alcatraz Rucksack trug. Ich konnte ihn natürlich nicht ohne etwas Schwärmerei und tausend Fragen zu seinem Wettkampf gehen lassen. Ich war dort ja im vergangenen Jahr am Start. Ein absoluter Traum von einem Wettkampf, wenn man etwas Außergewöhnliches erleben möchte!

Rückblickend ärgere ich mich etwas, dass ich beim Berlin City Triathlon nicht sowohl an der Jedermensch- und der Sprintdistanz teilgenommen habe. Es wäre eine wunderbare Doppel-Challenge gewesen!

Wer weiß, vielleicht findet dieser Triathlon so oder ähnlich bald wieder statt. Für mich definitiv eine Veranstaltung, die ich gern ein weiteres Mal mitmachen würde! Dann eventuell gern mit beiden Triathlons. 

Es sind nur minimale Kleinigkeiten, die ich mir wünschen würde, die eventuell beim nächsten Mal anders laufen könnten. Mit Tageslizenz, Miete des Chips zur Erfassung der Zeiten und natürlich dem Startgeld lag man bei rund 90€. Das ist ein ganz schöner Brocken, im Vergleich zu anderen Veranstaltungen, den auch ich erst einmal verdauen musste. Bedenkt man aber die Logistik und den Umfang mit zwei Veranstaltungen für Hobbyathleten hat dieser Berlin City Triathlon hat schon einiges geboten. Zumal es im Zusammenhang mit diesem unfassbaren Sportwochenende stattfand. Ein einzigartiger Rahmen der hier auch für den Breitensport geschaffen wurde. 

Warst du mit dabei? Hast du zugeschaut oder sogar an der Jedermensch- oder Sprintdistanz des Berlin City Triathlons teilgenommen? 

Berlin City Triathlon - Die Finals 2019 - Sprintdistanz Finish

P.S. Werbung: Bei diesem rasanten Triathlon, hat mich morgens ein Outfit von Salming begleitet, während mich mein Garmin Forerunner 945 von Anfang bis Ende mit Zwischenzeiten motivierend auf dem Laufenden gehalten. Bequem wie immer war mein Ale Cycling Tri Suit, die Salming Speed, die WrightSock Strümpfe und Gloryfy Sonnenbrille!

Alle hier gezeigten Fotos wurden von Oliver erstellt. Die Rechte an diesen Aufnahmen liegen bei ihm und mir. Eine weitere Nutzung ist nur in Absprache mit uns möglich.

Oliver | Fotograf & Grafiker( Fotograf & Grafiker )

Als Fotograf & Grafiker von Eiswuerfel Im Schuh bin ich zusammen mit der Athletin ‘Din’ immer auf der Suche nach der nächsten sportlichen Herausforderung und den interessantesten Bildmotiven. Außerdem kümmere ich mich darum, die hier vorgestellten und getesteten Produkte und Sportbekleidung interessant abzulichten. Neben meiner Fotografie bin ich oft selbst sportlich unterwegs. Ich sitze sehr gern im Rennradsattel oder schnüre als Alternativtraining auch schon mal hin und wieder die Laufschuhe. Schaut gern auch auf meiner Facebook-Seite vorbei, auf der ich immer wieder neue Eindrücke mit euch teile.

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