Ironman Lanzarote 2024 – Race Week, die Tage davor

Mit dem Ironman Lanzarote erwartet mich meine 8. Langdistanz. Eine Woche auf der Insel zum Ankommen, mit der Strecke vertraut machen und ein Gefühl für das zu bekommen, was einer der härtesten Langdistanz-Triathlons für uns Athleten bereithält. Ein Ironman, vor dem selbst gestandene Profi-Athleten wie Anne Haug und Kenneth Vandendriessche Respekt haben.

In diesem Beitrag nehme ich dich ein kleines Stück mit in die Race Week, in meine Woche vor diesem frühen Saisonauftakt und auf die Strecken des Ironman Lanzarote. Es gibt zudem einige Einblicke von dem Athleten Check-In, der kurzweiligen Pressekonferenz, der kleinen Parade der Nationen und dem kleinen Ironman Village. 

Blaue Sonnenschirme begrüßten mich bereits im Landeanflug auf die schwarze Insel aus der Ferne. Eine Woche, um mich auf Lanzarote zu akklimatisieren, die Streckenabschnitte des Ironman kennenzulernen und ein Gefühl für das zu bekommen, was einer der härtesten Langdistanz-Triathlons für uns Athleten bereithält.

Das Ankommen tut mir einfach jedes Mal wieder gut. Die Zeit verflog nicht nur an diesen letzten Tagen, sondern während der gesamten Vorbereitung. Diese war letztlich irgendwie wie eine Achterbahn der Herausforderungen. Sie hatte sich zum Glück hier vor Ort etwas beruhigt. Allerdings erst, nachdem mit etwas Verspätung alle meine Koffer landeten. Ab da stieg die Stimmung.

IRONMAN LANZAROTE STRECKEN-CHECK

Eine kleine Streckenbesichtigung half mir, mich mit den drei Abschnitten der unterschiedlichen Disziplinen vertraut zu machen. Ich wusste zum Glück durch meine Vorbereitung, was für Hürden dieser Ironman bereit hält. 

Der entspannteste Abschnitt ist vermutlich die erste Disziplin. Und die Schwimmstrecke zu erkunden war einfach großartig. Endlich wurde auch für mich die Freiwassersaison eröffnet. Der klare blaugrüne Atlantik war teilweise glasklar.

Wenn die Sonne hoch steht, strahlt das Wasser und man kann bis zum Grund schauen, Fische beobachten, die Ruhe dort draußen genießen. Steht sie tiefer am Morgen oder späten Nachmittag liebe ich das Funkeln des aufgewirbelten Sandes. Trotz der starken Winde die Tage hielt sich die Bewegung der Wellen in Grenzen dank des ablandigen Windes.

Eine Radstrecke wie keine andere! 

Etwas anderes fällt mir dazu nicht ein. Und wie ich mich im Vorfeld darauf gefreut habe. Diese Freude wird sicher am Samstag auch mal vergessen sein. Dennoch war ich unendlich froh, als ich den Koffer mit meinem Fuji endlich in den Händen hielt und es losgehen konnte!

Von Puerto del Carmen erkundete ich die kompletten 180km. Papageien fliegen in unserer Wohnanlage am Morgen und Abend munter erzählend umher und auch auf der Radstrecke habe ich sie immer wieder angetroffen. Den Großteil der Strecke fuhr ich mit dem Auto ab und kleine Bruchstücke mit dem Fuji. Es war eine Mischung aus Schwarz und Blau, dazwischen wenig Grün. Grün von all den Kakteen, die ich so liebe und die überall präsent sind. Dazu einige Palmen, Wein und natürlich Aloe Vera. Alles in allem aber die karge Landschaft, die mich wieder hierher gezogen hat mit spektakulären Aussichten, die man sich wirklich hart erobern muss. Dazu gibt es Lavagestein und Vulkane wohin das Auge schaut.

Die Tage präsentierte sich die Ironman Lanzarote Radstrecke mit Bergen, Abfahrten und stark böigen Winden aus allen Richtungen. Von den Höhenmetern und Abfahrten möchte ich gar nicht erst anfangen. Die Tage fuhr ich ab und an durch Regen. Teilweise sogar durch recht starke Schauer. Nichts desto trotz macht es mir aber das Sommerwetter ziemlich leicht, solch Turbulenzen zu verzeihen! Tatsächlich war ich ziemlich froh um die Kühle, die auch durch den The Wing Helm von Rudy Project zog! Denn sobald die Sonne raus kommt, versucht sie, einen auszulaugen. 

Aus Angst, den Wind nicht unter Kontrolle zu bekommen, habe ich mich für ein anderes Vorderrad entschieden. Die Erfahrungen, die ich in vergangenen Urlauben auf den Kanaren sammeln konnte, blieben nicht ohne Spuren. Bevor ich meinen Flitzer wegen des starken Windes und vor Wut ins Lavagestein werfe, möchte ich dieses Mal einen anderen Weg wählen. Um nicht noch mehr Kraft als nötig auf der Strecke zu lassen, habe ich mein Vorderrad kurzerhand gegen eins ohne Hochprofilfelge getauscht. In der Hoffnung, dass dann auf der Radstrecke alles irgendwie läuft.

In jedem Fall plane ich dafür ein zweites Frühstück, einen Snack, ein Mittagessen, einen weiteren Snack, Kaffee und noch mehr Snacks sowie ein frühes Abendessen ein. Die Hoffnung, dass der Wind nachlässt, ist groß. Aber da mein Körper nie so gerne so funktioniert, wie normale Körper, wird es mit Sicherheit ein Kampf, den ich ganz ruhig gestalten werde. Ob mein Körper nicht aber dennoch einfach unterwegs streikt, kann ich nicht vorhersagen. Es wird sich auf der Strecke zeigen, wie sich alles fügt.

Das Radtraining fühlte sich hier in jedem Fall recht sicher an. Die Frage trieb auch die Athleten und Journalisten während der Pressekonferenz um. Harte Einheiten absolviert Anne Haug beispielsweise auf dem Rollentrainer. Kenneth Vandendriessche zieht es mittlerweile vor, weniger auf befahrenen Straßen zu fahren und stattdessen auf einem ruhigeren Weg direkt an einem Fluss. Einfach zur Sicherheit. Und natürlich gibt es überall diese Autofahrer, denen man lieber nicht begegnet. Es war fast, dass auch ich zwei, drei Mal das Gefühl hatte, dass man mich unnötig dicht oder an nicht vorteilhaften Passagen überholte. Aber es ist dennoch ein anderes Gefühl hier auf dieser Insel als zu Hause auf den Landstraßen, auf denen es immer irgendwie Probleme gibt.

Die Laufstrecke präsentiert sich mit einem welligen Profil, auf das ich sehr gespannt bin. Ich habe einige Langdistanzen erlebt, bei denen es Anstiege gab, die aus dem Nichts zu kommen schienen. Aber hier werden wir direkt am Atlantik entlang laufen und uns mal direkt auf Höhe des Meeresspiegels oder auf hochgelagerten Klippen befinden. In jedem Fall ist es in Puerto del Carmen eine sehr angenehm zu laufende Promenade. 

Durch den Wind war es diese Woche schwer einzuschätzen, wie heiß und herausfordernd der abschließende Marathon werden wird. Ich bin froh, dass unzählige Verpflegungspunkte auf uns warteten und dass ich Zugang zu meinem Personal Needs Beutel in jeder der drei Runden habe. Ich glaube nur so kann es für mich funktionieren, dass ich unterwegs auf ausreichend Verpflegung zurückgreifen kann, die ich vertrage.

 

ATHLETEN CHECK-IN & IRONMAN VILLAGE

Groß, kommerziell und extrem wuselig. So erlebte ich all die Jahre das Ironman Village, also die Expo. Hier in Puerto del Carmen wirkt alles kleiner, idyllischer und entspannter. Ähnlich wie damals in Kanada bestimmt das Urlaubsgefühl die Atmosphäre. Hinzu kommen zahlreiche Triathleten und ihre Angehörigen, aber mit nur gut 1000 Athleten ist das Startfeld geradezu überschaubar. Darunter lediglich 120 Triathletinnen und wenige Profi-Athleten.

Während der gesamte Komplex des Wechselbereichs am Playa Grande in Puerto del Carmen gelegen ist, verteilt sich das Race Village direkt an der oberhalb gelegenen Promenade auf mehrere hundert Meter.

Der Athleten Check-In war sehr gut mit Zeitslots organisiert. Beim ersten am Mittwoch tobten sich die Athleten förmlich aus und stürmten anschließend das im Vergleich zu anderen Veranstaltungen geradezu kleine Merchandise Zelt. Ich war froh, dass ich die entspanntere Atmosphäre in der Mittagszeit gewählt hatte. So konnte ich mir in Ruhe alle Details zu meinen Startunterlagen erklären lassen, während nach mir nur wenige Athleten warteten. 

Es gab das Athletenbändchen, das mittlerweile aus Stoff ist. Zusammen mit dem obligatorischen Ironman Rucksack überreichten uns die unfassbar netten Helferinnen die Startbeutel, Startnummer und Startnummer-Aufkleber. Dieses Mal gab es sogar eine Goodie Bag, die ich selbst bei den Wettkämpfen in den USA so noch nie erhalten habe. In Europa habe ich nur die Challenge Roth mit noch üppigeren Rucksäcken erlebt. Neben einer Food-Box mit kulinarischen Highlights von Lanzarote gab es auch ein IM Lanzarote Cap und eine passende Trinkflasche. Das nenne ich mal praktisch und großzügig zusammengestellt!

Die Mini-Expo bestand aus einer Handvoll Ständen, an denen man alles fand, was man eventuell last-minute noch brauchen könnte. Auch ich wurde natürlich noch mit einigen Kleinigkeiten fündig. Ansonsten hatte ich ja zum Glück alles noch rechtzeitig mit meinem verspäteten Gepäck geliefert bekommen. 

Im Ironman Merchandise Zelt, das vom Club La Santa aufgestellt wurde, fand ich zudem das ein und andere Souvenir, das direkt in meinem Ironman Rucksack landete. Dass es aber keine Tassen vom Ironman Lanzarote gab, prangere ich als Matcha-Tassen-Sammlerin wirklich an! 

 

PRESSEKONFERENZ MIT ANNE HAUG

Einen kleinen Einblick in die Vorbereitungen und in die tatsächlich ebenfalls vorhandene Aufregung der Profi-Athleten gab es bei der obligatorischen Pressekonferenz des Ironman Lanzarote. Sie fand im Socco Einkaufzentrum aber unter freiem Himmel statt. 

Neben der britischen Triathletin Lydia Dant waren auch der Spanier Jordi Montraveta, der Belgier Kenneth Vandendriessche und Anne Haug dabei. Es war definitiv eine der lockersten, unterhaltsamsten Pressekonferenzen, mit wunderbarer Dynamik zwischen den Athleten, die ich bis jetzt erlebt habe. Auch Dank der Moderation des Kanadiers Kevin McKinnen. Der ehemalige Triathlet und Herausgeber des kanadischen triathlonmagazine.ca war erstmals 1998 beim Ironman Lanzarote dabei und wird ebenfalls den Renntag kommentieren.

Der Race Director Fabio Cabrera Cruz sprach zu Beginn über Veränderungen des Wechselbereichs mit komplett neuem Setup direkt am Strand. Die neue Schwimmstrecke wurde vor drei Jahren eingeführt, vor einem Jahr die Radstrecke verändert, und bis jetzt hat man wunderbares Feedback erhalten. Die recht neue Schwimmstrecke wurde im vergangenen Jahr als beste Schwimmstrecke der europäischen Ironman Veranstaltungen ausgezeichnet. Davon konnte ich mich bereits im Training selbst überzeugen und freue mich genau darauf. 

Die Wiederholungsstarter Lydia Dant und Kenneth Vandendriessche wirkten unglaublich entspannt und voller Vorfreude auf das harte Rennen. Für Kenneth ist es bereits der vierte Start beim Ironman Lanzarote. Mit der Erwartung, sich erneut den Titel zu sichern, geht er ins Rennen. Laut Wetterprognose sieht es nach einem entspannten Tag, auch wenn ihm bewusst ist, dass es nie einfache Renntage auf dieser rauen Insel gibt.

Anne Haug gab direkt am Anfang zu, dass sie sich noch nicht in bester körperlicher Verfassung befindet. Aber sie hat zumindest den Kampfgeist, der sie durch das Rennen tragen wird. Denn:

“Niemand kann mir meine Willenskraft wegnehmen, egal was kommt!”

Für Lydia ist es wie für Anne ein Heimrennen, nur mit dem Unterschied, dass sie bereits mehrmals am Start war. Ihr Wunsch für dieses Jahr ist neben einem großartigen Tag die Qualifikation für Nizza für die Ironman World Championship. Also meine Daumen sind für beide gedrückt!

Mit Anne Haug konnte ich im Anschluss auch kurz noch einen Schwatz halten. Es war unglaublich schön, sie nach ihrer krankheitsbedingten Auszeit so fröhlich, erwartungsfroh und aufgeschlossen zu erleben! Ich wollte von ihr wissen, welchen Abschnitt des Rennens sie am meisten erwartet. Aber tatsächlich bieten alle drei Abschnitte eine Herausforderung, die jeweils für sich steht und im Gesamtbild einen unglaublichen Wettkampf ausmachen. 

Wir sprachen darüber, dass weniger als 100 Frauen am Start sein werden. Und ganz ehrlich, ich frage mich seit Monaten auch, warum ich mir schon allein das Training antue. Was Anne Frauen sagen würde, warum sie hier starten sollten, wollte ich wissen. Ihrer Meinung nach sind wir hier zwar definitiv in der Minderheit, aber auch gerade bei solchen Rennen sind Frauen unglaublich willkommen. Ich bin definitiv gespannt darauf. Anne schloss noch an, dass es ja schlimmer kaum geht und das genau der große Pluspunkt ist. Denn sind andere Wettkämpfe nicht mehr die Hürde, selbst wenn jede Langdistanz für sich auch für sie immer wieder eine Herausforderung ist. Selbst Anne fragt sich davor, wie alles zusammengehen kann.

„Meist trauen wir uns viel weniger zu, als wir letztlich im Stande sind zu schaffen!“

Wenn man dieses Rennen, den Ironman Lanzarote geschafft hat, gibt es vermutlich kein Rennen, das einen noch schockieren würde. Das verleiht unglaublich viel Selbstbewusstsein!

Für Anne wird der Wecker gegen 3 Uhr klingeln, damit sie alles in Ruhe vorbereiten kann, für diesen herausfordernden Tag. Bei mir wird es nur wenig später sein. Rückblickend bin ich wirklich froh, dass ich mich für ein Appartement in Puerto del Carmen entschieden habe, um so wenig Wegzeit zum Start wie möglich zu haben, bevor es dann um kurz nach 7 schon heißt:

Guten Morgen, Triathlon. Guten Morgen, Ironman Lanzarote.

Dieser Tag wird ganz sicher auch für mich wie kein anderer, wie keine andere Herausforderung sein. Ich bin definitiv auf so einiges gespannt und mental vorbereitet. Doch was mich tatsächlich erwarten wird, werde ich erst auf den Strecken selbst erleben. Die Mischung aus Vorfreude, Nervosität und der ungewissen Natur eines solchen Langdistanzrennens erzeugt eine ganz eigene Spannung, die ich kaum in Worte fassen kann. 

Es ist dieser Moment des Innehaltens vor dem Start, wenn sich alles auf einen einzigen Augenblick konzentriert – ein Moment, der den Beginn eines außergewöhnlichen Abenteuers markiert.

Und egal, wie spät es an diesem Abend werden wird, bis ich ins Ziel komme, es ist einfach schön zu wissen, dass mein kleiner Glücksbringer, mein treuer Bär, vor der flimmernden Bildschirmfläche auf mich warten wird. 

Alle hier gezeigten Fotos wurden wie immer von Oliver Eule aufgenommen. Die Rechte an diesen Fotos liegen bei ihm und mir. Eine weitere Nutzung der Fotos ist in Absprache mit uns gerne möglich. Bei Interesse schreibt uns bitte eine E-Mail, um Details der Nutzung auf Social Media, Webseiten oder Printmedien zu klären.

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