BerlinMan 2018 Teil II – Die Rad- & Laufstrecke

Markant am BerlinMan sind nicht nur die zahlreichen Stufen vom Strandbad Wannsee hinauf zur Wechselzone sondern vor allem die Radstrecke. Der 90 Kilometer lange Rundkurs mit gut 600 Höhenmeter und zahlreichen Kurven ist ebenso kurzweilig wie die Laufstrecke. Die 20 Kilometer können mit dem leichten Crosslaufcharakter durchaus anspruchsvoll werden. Genau das liebe ich als abschließende Herausforderung beim BerlinMan.
Irgendwie deprimierend war für mich bei diesem Start die Radstrecke. Ich hätte währenddessen nicht erwartet, dass es dennoch für eine neue Bestzeit reichen würde! Genau darum geht es in diesem zweiten Teil zum Berlin 2018, aber auch um die Laufstrecke und wie ich diese erlebte.

Blicke ich auf den BerlinMan zurück, kann ich wirklich zufrieden sein. Mit Selbstkritik spare ich dennoch bei den meisten Wettkämpfen nicht. Auch wenn ich hier nicht jedes Mal darüber schreibe. Der BerlinMan ist immer eine Herausforderung. Mit jeder Teilnahme wieder, bereite ich mich darauf vor. Denn eine Mitteldistanz, die halbwegs gut läuft, schüttele ich natürlich auch nicht einfach so aus dem Ärmel!

Das Schwimmen war ein sehr unterhaltsamer erster Abschnitt des BerlinMan Triathlons, der wie in meinem Beitrag BerlinMan 2018 Teil I – Von den Startunterlagen bis zum Schwimmausstieg erwähnt, keine wirklichen Überraschungen parat hielt. Wie immer gab es selbstredend Momente, die alles andere als einfach waren. Jedoch bin ich rückblickend immer noch mit der Schwimmleistung zufrieden. Die Zeit war absolut im Rahmen von dem, was ich vermutete. Vielleicht war ich sogar einen Ticken schneller, obwohl es einige schwierige Situationen gab. Deshalb war ich ziemlich guter Dinge, dass der Tag sich mehr und mehr positiv entwickeln würde.

Jedoch hatte ich die Rechnung wieder einmal ohne die Radstrecke gemacht.

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BerlinMan Triathlon 2018 Zieleinlauf

 

DIE RADSTRECKE DES BERLINMAN

Die Radstrecke des BerlinMan Triathlons glaubte ich in absolut sicheren Tüchern. Nachdem ich zwei Wochen zuvor bei gut 30° wie ein Wirbelwind genau diese 90km im BerlinMan Strecken-Check in toller Form herunter riss, glaubte ich, dass es im Wettkampf genauso laufen würde! Nach einer ersten Wechselzeit von knapp 5 Minuten, konnte es endlich losgehen. Ich durfte raus aus meinem Radständer auf den grünen Teppich, der mich wie jedes Mal wieder zur Radstrecke führen sollte. Also nichts wie rauf aufs Fuji und los, los, los!

Ich war binnen Minuten froh, dass ich einen trockenen Tri Suit angezogen hatte und ich mich zudem für die Weste entschied. Das Grau, das morgens während des Schwimmens aufzog, sollte sich den gesamten Wettkampf nicht lichten. Mit durchschnittlich 16° blieb es die gesamte Zeit frisch und mein Körper wollte nicht aufheizen. Bereits auf den ersten 10 Kilometern muckerten seit zwei Jahren das erste Mal wieder meine Oberschenkel. Ich war entsprechend verunsichert, wie ich vorgehen sollte. Ich konnte es nur dem kühlen Wetter zuschreiben. Da es sich im Verlauf von knapp drei Stunden nicht änderte, brachen die Sorgen immer wieder durch, dass ich es vielleicht übertreiben könnte. Die Beine dann komplett nachgeben und es wieder zu Krämpfen kommt.

Meine Strategie war eigentlich ganz klar. Während ich mich beim Schwimmen einfach nur darauf konzentrierte, mich so zügig es ging von A nach B zu bewegen, wollte ich auf der Radstrecke schon eine neue Bestzeit. Vor zwei Jahren hatte ich dort all meine Körner gelassen, weil ich nicht wusste, ob ich noch zum Laufen antrete oder ein kalkuliertes DNF akzeptiere. Das musste ich zum Glück nicht und hatte entsprechend eine großartige Zeit. Dieses Mal war es ganz ähnlich beim BerlinMan. Ich hatte, wie im ersten Teil erwähnt, erneut bis zum Tag zuvor gebangt, ob ich an den Start gehen könne. Deshalb war ich wirklich glücklich, dass dem tatsächlich so war. Umso mehr frustrierte es mich, was da gerade auf dem Radabschnitt zu passieren drohte.

Ich war drauf und dran meine Strategie für die Berge über Bord zu werfen. Eigentlich hatte ich mir genau überlegt, wie ich die Runden fahren wollte. Die erste sollte entspannt, zum Warmwerden sein. Dass dieses Warmwerden aber kaum für mich möglich war, trübte dieses ständige Grau in der Luft noch mehr.

BerlinMan Triathlon 2018 Radstrecke Kronprinzessinnenweg

Wie bei einigen Wettkämpfen, wollte sich der Spaß nicht von allein einstellen. Den Spaß erwartete ich gerade beim BerlinMan von Anfang an! Als die erste Rampe hinauf zum Grunewaldturm vor mir lag, bangte ich mich mehr oder weniger hinauf. Dennoch versuchte ich mir immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, warum ich dort war.

Ich liebe Triathlon, ich liebe diesen Triathlon. Das wollte ich mir nicht nehmen lassen!

Wenn das Gefühl in den Oberschenkeln, vor allem im linken zurückkam, massierte ich die Beine leicht. Das half mir zumindest soweit, dass ich bei Abfahrten und auf den geraden Strecken wie geplant Gas geben konnte. Zwar nicht so wie im Training, aber ich brauchte auch nicht schleichen. Die Anstiege musste ich vorsichtiger fahren. Nicht so, wie angedacht. Den Kompromiss war ich gewillt einzugehen. Schließlich wollte ich beim Laufen ebenfalls wieder an meine erste Laufzeit anschließen. Denn genau dann könnte es trotz der miserablen Wechselzeit noch für eine Bestzeit reichen!

Das trieb mich alles so sehr an, dass ich Runde für Runde konzentrierter fuhr. Ich war etwas verwundert über die herbstliche Atmosphäre auf den Wegen. Überall lagen schon Eicheln und Kastanien herum. Hin und wieder knallte es laut auf meinem Helm oder die Früchte schossen kreuz und quer, wenn sie gegen die Felgen schlugen. Dieses herbstliche Gefühl verstärkte sich bei mir mit jeder Runde, weil irgendwann die Finger vor Kälte gräulich blau anliefen. Eine Gänsehaut jagte die nächste. Ich versuchte mit meinen geplanten Snacks gegenzuhaltend. Also aß ich brav alles auf, was meine Tasche auf dem Fuji hergab. Das mit dem Trinken klappte nicht ganz so gut. Das sollte sich auf der Laufstrecke rächen. Darum machte ich mir auf dem Rad zunächst keine Sorgen. Die galten nach dem wiederkehrenden Hin und Her bald nicht mehr meinen Beinen sondern meinem Forerunner. Der wollte nicht mit meinem Trittfrequenzsensor harmonieren und zeigte wahnsinnige Geschwindigkeiten an. Schön wäre es gewesen! Also eierte ich eine gefühlte Ewigkeit mit dem FR am Handgelenk umher, bis ich den Sensor ausschalten konnte.

Was man nicht alles so treibt während eines Triathlons!

Auf dem Kronprinzessinnenweg traf ich auch endlich auf Hannah und Carsten von den Ausdauer-Coaches. Sie waren von früh morgens als Helfer im Einsatz. Es ist jedes Mal wieder ganz wunderbar motivierend, Bekannte zu sehen. Mit ihnen hatte ich einen Fixpunkt in jeder Runde, bei dem ich immer mal wieder lachen und winken konnte. Kurz dahinter jagte mir „mein Fotograf“ Olli einen großen Schreck ein. Er rief mir hinterher, dass er einen Platten hatte! Wie konnte das nur passieren?! Wir waren im Vorfeld wie bei allen Wettkämpfen alle Eventualitäten durchgegangen. Ich bekam eine Mini-Schulung verpasst, was ich in welchem Fall zu tun hatte. Daran hatten wir aber wirklich noch niemals gedacht. Ich hatte ja alles mit, um auszuhelfen. Aber wie sinnvoll war das? Wenn es schnell gehen sollte, hätte ich mein Pannenspray hergeben müssen. Es tut mir ja sehr leid, aber das wollte ich keinesfalls teilen! Wer weiß was noch kommt. Drei Runden mit reichlich Kopfsteinpflaster warteten schließlich noch!

Die erste Rundenzeit war kurz danach verfügbar. Im Rahmen, was ich mir vorgenommen hatte, jedoch am ganz weit unteren Ende der Skala! Dennoch nicht ganz so schlecht, wie mein Gefühl zwischendrin war. Meine Bestzeit auf dem Rad war dennoch flöten gegangen…  Zum Glück hatte ich meinen ersten Riegel schon verspeist. Die zweite Runde ratterte ich einfach runter. Auf Runde drei wollte ich etwas mehr Gas geben, vor allem an den Anstiegen nicht nachlassen. Das funktionierte wie geplant.

Manchmal überrasche ich mich tatsächlich noch selbst.

Kurz nach etwas Freude, überholte mich Maudi von den Flitz-Piepen, womit ich so früh noch nicht gerechnet hatte. Er hatte einen tollen Tag erwischt und rauschte nur so über die Strecke! Das motivierte noch mehr, dran zu bleiben. Abschnittsweise kam es mir so vor, als gäbe es kaum Frauen auf der Strecke. Das Startfeld sah am Morgen ganz schön groß aus. Tatsächlich waren wir nicht einmal 100. Entsprechend verteilt waren sie auf dem Rundkurs fast zu übersehen. Hin und wieder überholte ich eine Athletin, ansonsten sausten nur nach und nach die später gestarteten Männer an mir vorbei. So wurde es aber nie langweilig. Auf den vier Runden war immer etwas los.

BerlinMan Triathlon 2018 Radstrecke

Hotspot war natürlich wieder die Kurve am Beginn jeder Runde. Jubel über Jubel in Zweierreihen tönte schon aus der Ferne den Kronprinzessinnenweg hinab. Kurz dahinter folgte die Verpflegungszone. So leid es mir tat. Aber ich konnte nichts von den wartenden Helfern entgegen nehmen. Wasser oder Iso brauchte ich wirklich nicht. Davon schleppte ich ausreichend mit mir und meinem Fuji rum. Ich erinnerte mich immer wieder daran zu trinken. Gern hätte ich mal ein blaues Häuschen aufgesucht. Die Kühle ging meiner Blase etwas nahe. Anhalten wollte ich dennoch keinesfalls. Etwas mehr bekam ich runter, als ich den zweiten Riegel kurz vor Ende der dritten Runde aß. So gestärkt war die vierte Runde nicht einfach, aber ich fühlte mich gut und fieberte dem Laufen unendlich entgegen.

Ein letztes Mal alle Anhöhen hinauf, wo mittlerweile zahlreiche Läufer sich den Sonntag vertrieben. Der wenige Regen, der uns zwei Mal in den vergangenen zwei Stunden überraschte, sorgte für keine Verzögerung. Ich konnte wie gewohnt einfach rollen lassen und musste nicht bremsen. Hin und wieder überholten mich natürlich auch Kampfrichter, die für Ordnung sorgten. Etwas überraschend waren die Ordner auf Motorrädern, die einige PKWs, die plötzlich von irgendwoher auf der Strecke fuhren, bis zum nächsten Parkplatz begleiteten.

Das Kopfsteinpflaster sorgte noch einmal so richtig für Erschütterung auf dem Rad. Mit ordentlichem Schwung ließ sich das wie immer gut überfahren. Dennoch war ich froh, es nicht noch ein weiteres Mal erleben zu müssen. Die wenigen Zuschauer an diesem Streckenabschnitt sammelten die einzelnen Flaschen auf, die Athleten bei den Erschütterungen verloren hatten. Ein Polizist machte Runde für Runde super Arbeit! Er lief auch mal ein paar Meter mehr, um diverse Utensilien wie Flickzeug oder weitere Flaschen von der Fahrbahn zu räumen.

Wann immer ich auf die Uhr schaute, blieb ich innerhalb meines gesteckten Rahmens. Konnte aber leider keine weiteren Kräfte auf dem Rad mobilisieren, um über mich hinauszuwachsen. Dennoch war ich ziemlich guter Laune, als ich das letzte Mal auf die Jafféstraße abbog, um am Messegelände vorbeizurauschen. Dort tobte seit der letzten Runde das Leben. Die IFA lockte zahlreiche Besucher, die wahlweise mit dem PKW oder zu Fuß eintrudelten. Sowohl die Helfer als auch die Polizei hatten alle Hände voll zu tun, um alles unter Kontrolle zu halten. Einige Meter vor mir, sprang plötzlich aus dem Nichts eine Polizistin auf die linke Spur und gab wilde Handzeichen. Ich fragte mich kurz, ob sie mich meinen würde. Da kam auch schon ein PKW an mir vorbei gebraust, der abrupt vor ihr zum Stehen kam. Scheinbar hatte er einfach umgedreht und war nun auf unseren beiden gesperrten Fahrbahnen unterwegs. Kurze Zeit später mussten sich Helfer von wütenden Fußgängern beschimpfen lassen, weil sie nicht über die für sie grüne Ampel durften. Diese war leider für uns nicht abgestellt. Die Fußgänger waren maßlos darüber verärgert, dass wir Athleten bei rot fuhren und die Helfer sie aufhielten. Mir taten sie so leid. Also die Helfer. Sie hatten mit Sicherheit an diesem Tag mehr zu tun als sonst.

Für mich ging es weiter zum Kronprinzessinnenweg. Ab da konnte ich es kaum abwarten, endlich in meine Laufschuhe zu schlüpfen. Es sollte nur noch wenige Minuten dauern, bis es soweit war. Statt rechts erneut in eine weitere Runde abzubiegen, fuhr ich weiter in Aeroposition Richtung Wechselzone. Dort verringert sich die Geschwindigkeit vieler Athleten immer dramatisch. Sie versuchen vermutlich wie ich ihre Beine locker zu bekommen. Das Absteigen ist jedes Mal ein kleines Abenteuer. Ich lasse mir da gern ein, zwei Sekunden mehr Zeit. Die Füße fühlten sich bei mir trotz Strümpfe eisig an. Ich manövrierte meine schwarze Maschine wieder den grünen Teppich entlang. Auch dieses Mal fand ich meinen Stellplatz sofort. Die Athleten rechts und links von mir waren noch nicht eingetroffen. Also sah ich meine blaue Tasche ganz schnell und konnte mein Fuji einrollen lassen. Für die volle Trinkflasche habe ich keine Entschuldigung auf Lager! Genauso wenig für meine Radzeit von 2 Stunden und 50 Minuten. Vier Minuten schlechter als vor zwei Jahren. Mit etwas Gemaule ließ ich den Ärger raus. Denn ich hatte trotz gut 600 Höhenmeter wirklich etwas anderes erwartet. Für Zögern oder weiteres Gejammere hatte ich keine Zeit. Ich musste einen blitzschnellen, sauberen Wechsel hinlegen, damit ich weiter auf Bestzeitenkurs bleiben konnte. Denn die stand immer noch im Raum!

 

DAS LAUFEN BEIM BERLINMAN

Von da an ging alles wahnsinnig zügig. In Sekunden hatte ich meinen Helm abgelegt, das Visor auf, die Schuhe gewechselt, die Weste aus, meine Snacks verstaut, die Brille auf und die Nummer abschließend im Laufschritt auch nach vorn gedreht. Danke an den Helfer, der nicht müde wurde, es jedem Athleten klatschend am Ende der Wechselzone mitzuteilen! Die verließ ich nach der Zappelei an meinem Platz nach 1:42min. Absoluter Standard bei diesem Triathlon für mich für den zweiten Wechsel. Also keine weiteren Dramen. Herrlich!

BerlinMan Triathlon 2018 Wechselzone

Ich war so aus dem Häuschen, endlich laufen zu dürfen, dass ich beschwingt um die Kurve in den Grunewald abbog. Nach wenigen hundert Metern gelangte ich auf den Rundkurs, der mit einer Verpflegungsstation ganz idyllisch im Wald gelegen begann. Auf der einen Seiten die Helfer mit Getränken und Snacks. Auf der anderen die Kinder und Jugendlichen, die den Athleten ihre vier Bändchen überreichten. Ein Sammelpunkt für zahlreiche Zuschauer. Entsprechend war die Stimmung grandios. Ich kann natürlich nur für mich sprechen. Jede Runde begann so voller Tatendrang.

BerlinMan Triathlon 2018 Laufstrecke im Grunewald

Nach einem guten Kilometer gelangte ich auf den asphaltierten Bereich der Laufstrecke des BerlinMan Triathlons. Ein Fußweg, auf dem gut zwei Athleten nebeneinander Platz fanden. Der Grünstreifen rechts daneben bot zahlreichen Zuschauern Platz. Es ist zudem der Abschnitt, auf dem man die hereinrollenden Athleten auf der Radstrecke beobachten kann. Ich hatte gehofft, dass ich genau dort vom Rad aus noch Nils Frommhold, der in einer Charity Staffel unterwegs war, zu sehen. Klappte leider nicht ganz.

Die zweite Verpflegungsstation hatte ich ziemlich zügig anlaufen können. Ich griff automatisch nach etwas zu Trinken, ohne im Blick zu haben, dass es Cola war. Wollte ich natürlich nicht und tauschte es wenig später gegen Wasser ein. Die Hälfte schlürfte ich blitzschnell weg. Mit der anderen reinigte ich meine Cola-Hände. Was ein klebriges Zeug! Die Mehrwegbecher ließen sich ganz gut trinken.

Der Umwelt zuliebe maulte ich auch dann nicht, wenn ich das Gefühl hatte, zu ertrinken, weil reichlich Wasser in die Nase statt den Mund schwappte.

Feinmotorik ist beim Laufen nicht meine Stärke. Dafür schlug ich mich wieder gut bei meiner Ernährung. Ganz brav nahm ich ab Runde zwei an der zweiten Verpflegungsstation ein Gel und trank mein Wasser. Meinen Oberschenkeln gefiel das Laufen bedeutend besser als das Radfahren. Ich war froh, dass ich einen soliden 5er-Schnitt auf die Asphalt- und Waldwege brachte. Das Tempo wechselte nicht dramatisch. Der Halbmarathon in Steglitz eine Woche zuvor war eine gute Vorbereitung für den Kopf. Ich wusste, dass ich gute Beine für den BerlinMan hatte. Meine Wespenstiche forcierten eine gute Tapering-Woche. Auch bei den kleinen Anhöhen, Wenden und schmalen Passagen versuchte ich nicht nachzulassen, egal wie sehr sich der Staub in die Luft erhob. In diesen Momenten wünschte ich mir, dass der leichte Nieselregen mal endlich etwas mehr werden würde.

Hin und wieder überholte mich ein bekanntes Gesicht oder am Streckenrand rief jemand meinen Namen. So blieb die Motivation immer ganz oben. Ich sah dann auch noch Chris von den Flitz-Piepen auf den letzten Metern seines Radabschnittes und rief ihm zu, dass wir uns gleich auf der Laufstrecke sehen würden. Hoffentlich nahm ich damit meinen Mund nicht zu voll. Denn da dürfte nichts dazwischen kommen, damit ich in meiner letzten Runden auf ihn auflaufe.

Meine Verwirrung kannte kurz danach auf dieser Runde drei plötzlich keine Grenzen. Egal wie oft ich meine beiden bereits eingesammelten Bändchen anstarrte, ich verstand partout nicht, dass ich gleich mein drittes bekam und die letzte Runde in Angriff nehmen würde! Meine Rechenkünste waren komplett verschwunden.

In meinem Kopf ergab 2+1 irgendwie immer sieben oder null oder so.

Ein Gel und Wasser später mitten im Wald an der Wendestrecke machte es dann endlich klick!

Wenige hundert Meter später nahm ich mein letztes Bändchen und vorletztes Wasser entgegen. Dann noch ein Mal mit den Armen um die Rechtskurve hinter der Verpflegungsstation rudern. Schon lag die letzte Runde vor mir. Auf dem Kronprinzessinnenweg sah ich dann plötzlich tatsächlich Chris. Er plagte sich ausgerechnet auf seiner ersten Mitteldistanz seit dem Anfang der Radstrecke mit Krämpfen. Leidend musste ich ihn leider genauso wie Eve, die ich wie im ersten Teil zum BerlinMan Triathlon erwähnt vor dem Start schon traf, hinter mir lassen. Den beiden stand noch ein langer Kampf bevor. Herzlichen Glückwunsch auch an dieser Stelle noch einmal. Ihr habt meinen absoluten Respekt, dass ihr trotz eurer immensen Qualen das Ziel erreicht habt!

Es muss an der zweiten Wasserstation gewesen sein, als ich Reiner traf. Wir liefen uns sowohl am Tag zuvor als auch am Wettkampftag über den Weg. Er hatte ein ganz wunderbares Rennen und ich freute mich mit ihm, dass er so entspannt unterwegs war. Wir liefen einige Meter zusammen und trafen uns wenig später im Ziel wieder. Es gab für uns nur noch wenig Asphalt, einen kleinen Hang und die Wendeschleife zu überbrücken. Ein letztes Mal einige Athleten überholen, Staub schlucken, an der Verpflegungsstation im Wald das vierte Rundenbändchen abgreifen.

Einige Sekunden später konnte man die Zuschauer auf der Zielgeraden hören. Applaus, Jubel und schon sagte der Sprecher Sven von den Weltraumjoggern, dem austragenden Verein des BerlinMan Triathlons, meinen Namen. Es folgte ein kleiner Jubel von mir, bevor ich erst einmal direkt die Hände auf die Knie stützen musste. Von da an hatten nämlich meine Oberschenkel jeglichen Willen an Sport verloren.

Zum Glück war ihnen das nicht während des Laufens eingefallen!

Ich grübelte einen Moment, trank Unmengen Wasser und realisierte, dass ich meine Bestzeit um sechs Minuten unterboten hatte. Kein riesiger Sprung nach vorn. Mittlerweile erwarte ich da eigentlich mehr von mir. Aber trotz der wenig überraschend gleichen Schwimmzeit, der absolut nicht glanzvollen Leistung auf dem Rad und der entsetzlichen ersten Wechselzeit, hat es gereicht. Irgendwo hatte ich einige Minuten im Vergleich zu den Vorjahren eingespart. Die 20 Kilometer lange Laufstrecke absolvierte ich in etwas mehr als 1:41h, was zu einer Gesamtzeit von 5:21:01 führte.

Ich frage mich ja, was diese eine Sekunde da am Ende macht!?

Das hieß für mich Platz 21 von 84 Athletinnen, die das Ziel erreichten und Platz 6 in meiner Altersklasse. Das breite Grinsen auf dem Pausenstuhl zauberte mir meine Gesamtzeit ins Gesicht. Damit konnte ich so oder so wirklich glücklich sein!

Die Vorbereitung auf den BerlinMan war etwas holprig, aber jede Minute war es wert. Mit meiner Medaille und einem Alkoholfreien nahm ich mein Finisher-Shirt stolz entgegen. Mit einigen Erinnerungsfotos ist dieser fünfte Start bei diesem Triathlon Geschichte.

Vier Mal Mitteldistanz. Ein Mal Jedermensch. Immer ein Erlebnis. Bei jedem einzelnen Start!

Jeder Abschnitt dieses Triathlons birgt etwas Besonderes. Neben dem Strandbad Wannsee, den Stufen zur Wechselzone, der hügeligen Radstrecke ist die gesamte Laufstrecke einfach mein absolutes Highlight. Wenn du auf der Suche nach einem unterhaltsamen, abwechslungsreichen Rennen bist, lege ich dir dieses liebend gern ans Herz. Mit etwas Glück sehen wir uns vielleicht 2020.

Eins möchte ich zum Abschluss nicht missen! Ein großes Dankeschön schicke ich wieder den Helfern! Ihr macht das Rennen jedes Mal wieder zu einem Erlebnis, bei dem man sich als Athlet sehr gut aufgehoben fühlt! 

BerlinMan Triathlon 2018 Ziel Medaille

Ging es dir schon einmal ähnlich? Hat dich ein Abschnitt im Triathlon so richtig gefrustet, obwohl es eigentlich ganz gut lief?

P.S. Werbung: Dieser Triathlon lief für mich mit dem Arena Tri Suit, CEPs und Salming Speed ganz wunderbar. Selbst wenn die Sonne nicht scheint, macht mir die Gloryfy Freude, während mein Forerunner 935 wieder fast alle Daten sammelte. Zur Sicherheit trage ich nach wie vor im Wettkampf mein Safesport ID Bändchen. Die neuen Felgen von RON Wheels an meinem Fuji befinden sich aktuell bei mir in einer Testphase, von der ich euch demnächst mehr berichten werde. 

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Alle hier gezeigten Fotos wurden von meinem Fotografen Olli erstellt. Die Rechte an diesen Aufnahmen liegen bei ihm und mir. Eine weitere Nutzung ist nur in Absprache mit uns möglich.

Eiswuerfelimschuh Nadin Triathletin Yogalehrin Autorin

Als Triathletin & Autorin von Eiswuerfel Im Schuh bin ich zusammen mit meinem Sportfotografen immer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung und neuen Bildmotiven. Als Julimädchen liebe ich die Sonne, das Meer und den Sand zwischen den Zehen, genieße aber auch die Ruhe auf meiner Yogamatte oder auf einem Surfbrett.

Olli | Fotograf & Grafiker

Als Fotograf & Grafiker von Eiswuerfel Im Schuh bin ich zusammen mit der Athletin ‘Din’ immer auf der Suche nach der nächsten sportlichen Herausforderung und den interessantesten Bildmotiven. Außerdem kümmere ich mich darum, die hier vorgestellten und getesteten Produkte und Sportbekleidung interessant abzulichten. Neben meiner Fotografie bin ich oft selbst sportlich unterwegs. Ich sitze sehr gern im Rennradsattel oder schnüre als Alternativtraining auch schon mal hin und wieder die Laufschuhe. Schaut gern auch auf meiner Facebook-Seite vorbei, auf der ich immer wieder neue Eindrücke mit euch teile.

10 Gedanken zu “BerlinMan 2018 Teil II – Die Rad- & Laufstrecke”

  1. Schön zu lesen, dass ich Dich motivieren konnte! Trotz teilweiser nasser Strecke, was ich ja überhaupt nicht leiden kann, lief alles sehr gut. Auch beim Laufen. Hab auf dem Rad ein bißchen an Kraft gespart, weil ich beim Laufen das Feuerwerk zünden wollte. So war meine Rennstrategie und die ist voll aufgegangen.Wußte vorher auch nicht ganz so wo ich stehe, da es der erste Triathlon seit zwei Jahren war. Aber schön das wir uns mal wieder gesehen haben.

    • Hi Maudi, ich fand es so wunderbar, dich dort zu erleben und zu sehen, was für einen tollen Wettkampf du hattest. Ganz starke Leistung. Herzlichen Glückwunsch noch einmal. Herrlich, wenn eine Strategie aufgeht. Weißt du schon, was nächstes Jahr ansteht, ob überhaupt etwas?

    • Toller Plan! Lissabon ist sicher auch eine Reise wert und die Poznan MD soll wirklich toll sein, nach dem, was ich gehört habe. Dann halte ich dir die Daumen für eine gute Vorbereitung.
      Ich weiß noch nicht so recht, wo es hingehen wird. Aber sicher gibt es einige Triathlons hier, die ich nun endlich mal mitmachen möchte.

  2. Vielen Dank für deinen tollen Bericht! ich hoffe nächstes jahr meinen ersten Triathlon bestreiten zu dürfen.
    ich hab eine Frage. du hattest deinen tri Anzug erst in der Wechselzone angezogen, über deine Unterwäsche. drückt da nix beim Radfahren?

    • Hallo Lydia,

      Wow, das wird dann sicher ein ganz spannendes Jahr. Ich drücke dir fest die Daumen, dass du alles so umsetzen kannst.

      Ja, das ist richtig mit dem Tri-Suit. Das mache ich aber nur bei Mittel- und Langdistanzen, wenn es kühler ist. Das ist spezielle Unterwüsche für den Sport. Da gibt es keine Nähte und entsprechend drückt auch nichts.

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