Schwimmgeschichten: Winter, brüllende Kopfhörer & Revierkämpfe

Es ist wieder so weit. Der Trainingsplan schreibt nicht nur ein ausführliches Grundlagen- und Stabilisationstraining vor. Im Dezember geht es langsam aber sicher mit einigen wichtigen Schritten in die neue Saison. Egal was das Wetter sagt, auch das Schwimmtraining wird wie gewohnt durchgezogen und der Weg zur Halle zu Fuß zurückgelegt. Wobei natürlich die Theorie auf dem Papier und die Absprache mit der Trainerin deutlich einfacher ist, als es letztlich so auch durchzuziehen.

Als vor einigen Tagen das erste Mal der Wecker um kurz vor sechs ansprang, glaubte ich noch an einen Scherz. Ich hatte so gut geschlafen und war noch komplett in einer anderen Welt. Während der vergangenen Hallenbadsaison sprang ich um kurz nach fünf aus dem Bett. Tee trinken. Frühstücken. Jetzt hielt ich es für wesentlich vernünftiger eine halbe Stunde länger zu schlafen und eine Hand voll mit Mandeln parallel zu einem Matcha Shot als erste Mahlzeit anzuerkennen. Wie hypnotisiert sprang ich in meine Sachen und schon stand ich mit dem Rucksack auf der düsteren, eisigen Straße.

Nicht vergessen sind die Zeiten, als ich im geliebten See schwamm. Der Gummigeruch schwebt noch immer im Bad. Ich kann mich einfach nicht von meinem Neo trennen und ihn im Keller verstecken. Wir schauen uns täglich traurig an. Wie konnte der Spätsommer nur so schnell vergehen und zu Winter werden? Es ist Winter. Da kann der Kalender sagen was er möchte. Es ist Winter. Schließlich habe ich schon Schneeflocken sehen dürfen! Neulich hätte ich auch Schlittschuh tragen können, so glatt war es. Die Stadt verschlief das Streuen. Nur die Fast Food Ketten lockten mit gemachten Gehwegen. Wie gut, dass ich nie Zeit habe und das sowieso nicht mag. Aber es läuft sich dort super. Auf dem Rückweg jammere ich mich dennoch meist an den Schnellimbissen entlang, wo die LKW Fahrer ihre Brötchen wahlweise mit Eiersalat und Gehacktem verspeisen.

Wer hatte jetzt noch einmal die Idee zum Schwimmen um halb sieben? Wer wollte da mit Biegen und Brechen hinlaufen? Das muss MyGoal Training Anke gewesen sein. Kann ja nur. Ach nein, sie schreibt ja den Plan nach meinen Vorgaben. In diesem Gemütszustand bin ich mit Schuldzuweisungen ganz groß. Aber wieder zurück ins Warme wäre jetzt auch irgendwie doof. Bevor mein Körper versteht, was passiert, laufe und laufe ich. Kreuz die quer über die Straßen. Ist ja sowieso niemand unterwegs. Meine Kopfhörer brüllen mich an. Irgendwie wach und konzentriert bleiben. Das verhindert schließlich später auch das Einschlafen mitten auf der fünften Bahn und das plötzliche Untergehen. So versuche ich mich an mein Programm zu erinnern.

Eine Bahn folgt der nächsten – ich beobachte die Rettungsschwimmer, die fröhlich auf ihren Gartenstühlen sitzen. Hier und da flackert eine dieser Neonröhren hoch oben an der Hallendecke. Wie im Horrorfilm. Da wird man mit einer Trage den halb dunklen Flur entlang geschoben… Um diese Uhrzeit kommen einen Gedanken!?!

EISWUERFELIMSCHUH - Schwimmen Triathlon ZOGGS

Hier und da einige Wellen, weil die Rückenschwimmer auf unserer Bahn wie wild planschen. Technikübungen folgen dem Einschwimmen und ich bin um jede Bahn froh, die ich nicht schnell sondern korrekt schwimmen soll. Irgendwann muss ich aber doch mit leichten Intervallen beginnen. Gefühlt sind meine Wangen so rot wie meine Badekappe. Halte ich kurz an, starre auf meine Uhr und lasse die Sekunden der Pause verstreichen, spüre ich, wie das Blut im Kopf puckert. Schwimme ich weiter, könnte man sicher ein Zischen hören, wenn das Wasser das erste Mal die Wangen berührt. Aber auch die wenigen Intervalle sind schneller geschafft, als ich zunächst meinen wollte.

Ich krabbele aus dem Becken, tapse etwas taumelnd den Gang zu meinem Platz hinunter und ziehe mich am Schrank zwei um. Im ersten lagern meine nassen Sachen. Eiernd versuche ich wieder in meine Laufschuhe zu kommen, als mich von hinten eine Dame antippt. Ob ich wohl mal die nassen Sachen aus ihrem Schrank nehmen kann. Zitat: „Das ist doch meiner“. Ich ignoriere sie kurz. Gebückt schaue ich in Zeitlupe nach links, wo etwa einhundert Schränke frei sind. Ich atme müde tief durch, nehme meine Sachen aus dem Schrank und feuere sie ohne Ton auf die Erde. Ich gelobe Besserung und nehme nächsten Mal Schrank zehn und nicht den zweiten. Schon gar nicht den ersten, um meine Sachen zu lagern. Meine Kopfhörer brüllen wieder. Ich ziehe meine Karte am Drehkreuz durch, zerre meine Mütze und die Kapuzen tief ins Gesicht, spüre einen leichten Wind um die Nase und sehe die Sonne aufgehen. Das wird mein Tag!

Aktuell begleitet mich mein Zoggs Badeanzug mit fröhlichen grünen und blauen Punkten. Dazu die Fusion Air Brille, die mit ihrer speziellen Gummipolsterung nur ganz geringe Abdrücke hinterlässt.

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..‚Din‘ ist Gründerin von Eiswuerfel Im Schuh

20121111-082354.jpgAls Triathletin & Autorin von Eiswuerfel Im Schuh bin ich zusammen mit meinem Sportfotografen immer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung und neuen Bildmotiven. Als Julimädchen liebe ich die Sonne, das Meer und den Sand zwischen den Zehen, genieße aber auch die Ruhe auf meiner Yogamatte oder auf einem Surfbrett. Ich freue mich, mit dir auf Facebook, Twitter, Pinterest, Instagram und Google+ in Kontakt zu bleiben.

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..‚Olli‘ ist Fotograf & Grafiker von Eiswuerfel Im Schuh

20121111-082354.jpgAls Fotograf & Grafiker von Eiswuerfel Im Schuh bin ich zusammen mit der Athletin ‚Din‘ immer auf der Suche nach der nächsten sportlichen Herausforderung und den interessantesten Bildmotiven. Außerdem kümmere ich mich darum, die hier vorgestellten und getesteten Produkte und Sportbekleidung interessant abzulichten. Neben meiner Fotografie bin ich oft selbst sportlich unterwegs. Ich sitze sehr gern im Rennradsattel oder schnüre als Alternativtraining auch schon mal hin und wieder die Laufschuhe. Schaut gern auch auf meiner Facebook-Seite vorbei, auf der ich immer wieder neue Eindrücke mit euch teile.

Als Triathletin & Autorin von Eiswuerfel Im Schuh bin ich zusammen mit meinem Sportfotografen immer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung und neuen Bildmotiven. Als Julimädchen liebe ich die Sonne, das Meer und den Sand zwischen den Zehen, genieße aber auch die Ruhe auf meiner Yogamatte oder auf einem Surfbrett. Ich freue mich, mit dir auf FacebookTwitterPinterestInstagram und Google+ in Kontakt zu bleiben.

24 Gedanken zu “Schwimmgeschichten: Winter, brüllende Kopfhörer & Revierkämpfe

  1. Lieben Dank, Gerd. Das Laufen fällt mir auch deutlich leichter, aber es wird mit der Zeit schon werden. Der Anfang ist nun wieder gemacht und einige wenige Kilometer liegen hinter mir. Die nächsten werden folgen. Auch über die Feiertage. Dir eine wunderbare Adventszeit mit zahlreichen, schönen Laufkilometern.

  2. im vergangenen winter hab ich´s auch geschafft morgens um 6uhr im wasser zu sein – der gute vorsatz für diesen winter ist irgendwie verdrängt worden… danke für die erinnerung (jetzt weiß ich auch wieder warum) 😉

    ach, und der tipp mit der schwimmbrille ist super – ich seh sonst immer den halben tag aus, als hätt ich das letzte halbe jahr nicht geschlafen… kommt super bei terminen auf der arbeit 😀

    • Ich habe auch einen Monat gebraucht und einige Kommentare in der Öffentlichkeit, bis ich mich soweit hatte. Da konnte ich schließlich jetzt nicht mehr kneifen. Dann wünsche ich dir auch, dass es bald wieder schaffst. Sechs Uhr ist aber auch eine harte Zeit. Zum Glück haben da die beiden Bäder in der Nähe noch nicht auf. So kann ich noch eine halbe Stunde später da sein als du.

      Bei mir ist dicker Concealer für die Augen auch ganz groß im Rennen. Im Sommer ist die Sonnenbrille mein bester Freund.

  3. So früh zum Rennen aus dem Haus. Schwimmen würd ich glaub ich nicht schaffen.
    Mal ganz abgesehen von der Spintgeschichte 😮
    Da wäre meine Geduld wieder auf eine harte Probe gestellt.
    Respekt liebe Din, ich bewundere dich unter anderem für deine Disziplin.

    • Ganz vielen lieben Dank, Kati! Zum Glück gibt es keine Alternative zu dieser Uhrzeit. Das muss alles am Morgen vor der Arbeit geschehen, aber ich kann dich beruhigen. Ich musste einen Monat gedanklich hart darauf hinarbeiten. Dann musste ich die letzten drei Wochen einfach raus und los. Quasi programmiert.

  4. Da bekomme ich direkt Lust, mir einmal die Schwimmbäder in der Nähe anzusehen, war vor einer knappen Stunde erst Thema bei uns.
    Mit den netten alten Damen hast du aber ein besonderes Glück. War da nicht letztes Jahr auch was, als du das Schwimmbad gewechselt hast?

    Liebe Grüße – und noch größeren Respekt,
    Markus

    • Hallo Markus,

      ja! Genau. Da ist auch irgendwie gefühlt immer etwas. Einmal wurde ich ja „verwiesen“,… Auf jeden Fall, musst du mal schauen. Manche Bäder bieten Frühschwimmen an. Ansonsten muss es ja auch nicht direkt so früh sein und man kann ja auch mit dem Rad hin. Zumindest ein super Ausgleich zum Laufen.

      Viele Grüße und auch dir einen schönen Abend.

  5. Hat irgendwie was von Zombie – Sport morgens, oder? Respekt, dass Du das so durchziehst… ich wünsche Dir, dass es besser und einfacher wird mit der Zeit und vor allem, dass Du dranbleiben kannst. Ich finde es immer toll, wenn man morgens schon gesportelt hat, so dass der Rest vom Tag bringen kann was will. Man hat halt einfach schon mal was geschafft.
    Weiter so! Viele Grüße

    • Auja. Genau, Claudi. Irgendwie ging ja Laufen noch, aber Schwimmen oder auch Fitness um diese Zeit ist wirklich hart für mich. Das hoffe ich auch und ein kleines Ziel habe ich heute zufällig auch noch gefunden. Da lohnt sich das Dranbleiben und genau. Was weg ist weg bzw. man hat schon etwas Schönes für sich geschafft.

  6. Der kosmische Horror von Lovecraft ist nichts gegen die lurker in the Schwimmbad, die einem Schränke und den letzten Nerv rauben!

    Respekt fürs Training. Alter Schalter. Eigentlich brauchst Du ein Haus mit Swimmingpool, dann wären die Schreckschrauben kein Thema mehr. Und auch das Laufziel wäre dann um einiges angenehmer, hehe 🙂

    • Wem sagst du das. In Sachen Horror ist ein leerer Schwimmbadflur unschlagbar. Hinter jeder Schranktür kann etwas lauern. Aber ein Pool im Haus und ein Sportplatz davor. Was für ein Traum.

      • Sowas gibt es in Chicago ja oft auf dem Dach, ne? *hint-hint*

        Zumindest residiert so meine Freundin J. Mit einem Pool auf dem Dach. Da kommt schon ein leises Gefühl von Habenwollen auf, oder? 😉

          • 😀
            Oder wir müssen ein Wohnprojekt hier in B. starten. Für moderne und gesundsheitsbewusste Menschen jeden Alters. Mit Bahnen auffem Dach und Joggingplänen im Flur 😀

          • Ich bekomme mich nicht mehr. Eine sehr schöne Umschreibung für etwas, was in einem Merkblatt gern als ‚Freude im Alter‘ umschrieben wird.

          • Heeeeey… Wir kommen da alle mal hin. Und ich hätte ja mal null Böcke auf ne verstaubte Seniorenresidenz mit Pillenabo 🙁 Das ist ohnehin so ein Thema. Müsste man sich viel mehr für als junger Mensch engagieren. Kaum ist man alt, steht man auf dem Abschiebegleis, hat keine Chance nützlich zu sein und was zu schaffen und wartet quasi auf den Tod (äh, wie weihnachtlich von mir…) 🙂 Ich schweig ja schon 🙂

          • Auf jeden fall. Ich fürchte Schlimmes. Aber die WGs werden ja auch immer spaßiger und interessanter.

            Vielen Dank für’s Ausschweigen. Engagieren, ja, ich wollte ja immer mal vorlesen… Habe ich mal zu Schulzeiten gemacht. War auch wirklich interessant…

            Jetzt aber: ganz schöne Feiertage und viele Grüße aus der Müsliwerkstatt.

  7. Mal ganz unabhängig von der nötigen Motivation solch ein Programm durchzuziehen ist es einfach immer wieder herrlich deine Beiträge zu lesen. Motivierend und inspirierend in höchstem Maße! Weiter so 🙂

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