HAWAII – BIG ISLAND: Gastbeitrag von Olli – Emotionen pur beim Zieleinlauf der Ironman World Championship 2015

Emotionen sind mit Sicherheit das, was Zuschauer beim Ironman neben der unglaublichen Leistung, die Athleten vollbringen, fesselt und begeistert. Die ganz besonderen Emotionen beim Zieleinlauf und danach während der Ironman World Championship stehen im Mittelpunkt von Ollis zweitem Gastbeitrag. Olli hat versucht ganz dicht dabei zu sein und die Momente mit seiner Kamera einzufangen, wenn Athleten ihren Gefühlen über Sieg oder auch Niederlage freien Lauf lassen. Selbst ein Jahr danach noch bewegend auf den Fotos anzuschauen! 

Gastbeitrag von Olli

Nachdem ich meine Wunschmotive von der Radstrecke im Kasten hatte, war ich glücklich. Es war nicht einfach gewesen und sehr schweißtreibend aber der Aufwand hatte sich wirklich für mich absolut gelohnt! Was jetzt aber noch fehlte war aber das ultimative Motiv vom Ironman das jeder kennt: das Finisher Foto von der Ziellinie.

Dieses Motiv landet bei den meisten Magazinen mindestens einmal auf dem Cover. Viele Fotografen aus aller Welt reisen nur aus diesem Grund an. Es gibt unter ihnen sogar einige, die wirklich keine anderen Aufnahmen vom Wettkampf machen. Ich wollte mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen und auch dabei sein, egal aus welcher Entfernung die Fotos entstehen würden.

Alle Bilder könnt ihr zur Vergrößerung anklicken, um auch wirklich alle Details besser erkennen zu können.

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Ich fuhr also wieder in das Zentrum der Stadt, um mich mit Din an der Laufstrecke zu treffen. Sie hatte vorgehabt unbedingt einige Athleten anzufeuern und den Laufstil der Profis zu studieren. Durch Zufall kam ich gerade richtig, denn die beiden Erstplatzierten der Männer und Frauen hatten ihre ersten Kilometer im Zentrum bereits hinter sich. Ich gab Din noch schnell eine Kamera und wir nahmen Andreas Raelert ins Kreuzfeuer. Dieser kurze Moment hatte gereicht mich wieder zu motivieren, weitere Aufnahmen zu machen, denn eigentlich war mir nur noch heiß und die Hände schmerzten vom stundenlangen einhändigen Radfahren mit der Kamera in der anderen Hand.

Wir beschlossen beide, das wir so langsam in Richtung Ziel gehen sollten, um uns dort etwas zum Trinken zu kaufen. Zu unserem Erstaunen war diese fast menschenleer. An der Leinwand lief die live Berichterstattung der TV-Station. Aber praktisch niemand war da, um sich das anzusehen. Damit hatten wir beide nicht gerechnet. Wir kauften einige Erfrischungen im ABC-Store und liefen etliche Male die Absperrungen entlang, um einen geeigneten Platz zum Fotografieren zu finden.

„Hier könnte das etwas werden“, dachte ich mir. Wenn wir uns in der Nähe der Laterne dicht an das Gitter stellen, könnten wir alles einfangen. Gesetzt den Fall dass natürlich keiner der vielen Helfer vor die Kamera laufen würde. Ich legte meinen Rucksack ab und wir warteten.

Um uns herum wurde es langsam aber sicher voller. Immer mehr Menschen kamen und auch die gegenüberliegenden Presse-Tribüne füllte sich. Die Fotografen und andere Medienvertreter nahmen ihre Plätze ein. Hinter uns gab es kein vor oder zurück. Es fühlte sich an, wie bei einem Rockkonzert in der ersten Reihe zu stehen. Über die Lautsprecher war zu hören, das Jan Frodeno in Führung lag. Nur noch einige Kilometer und er könnte als Sieger diesen legendären Zielbogen als erster Athlet erreichen.

So langsam nahm das Gerangel zu. Von links und rechts spürte man den Druck der Menschenmassen. Sie alle wollten sich den Zieleinlauf nicht entgehen lassen. Die allermeisten hielten trotzdem ihre Smartphones in der Hand. Ich hörte deutsche Stimmen und drehte mich um. „Wann kommt der Erste“, wurde ich gefragt. „Kann nicht mehr lange dauern“, antwortete ich. Die Dame mit der Frage streckte ihr Smartphone hoch in die Luft und schien Fotos zu machen. „Ist das ein hier Marathon?“ Mir fiel bald die Kinnlade herunter, aber ich antwortete trotzdem freundlich: „Nein, das ist ein Triathlon. Der wichtigste der Welt!“ Sie antwortete daraufhin: „Ach nein, das wusste ich nicht, wir machen hier Urlaub auf Maui und sind heute mal mit der Fähre rüber gefahren. Hier war es so voll, da wollten wir mal gucken.“ Innerlich rollte ich nur mit den Augen und dachte mir: „Hier stehe ich dicht gedrängt seit Stunden in der prallen Sonne, um die begehrtesten Finisher Fotos im Triathlonsport zu machen und muss mir den wenigen Platz mit einigen Schaulustigen Touristen teilen? BOAHHHHH!!!!!!“ Spätestens jetzt beneidete ich wieder alle Leute auf der Presse-Tribune.

Nun wurde es aber wirklich ernst! Der Moderator peitschte jetzt ein und es wurde unglaublich laut. Nur noch wenige Sekunden und er würde kommen, der Sieger der Ironman World Championship 2015. Ich bekam Gänsehaut und fuhr meine Ellenbogen noch etwas weiter aus um mir etwas mehr Platz zu schaffen. Ich beugte mich so weit es ging über die Absperrung. Din stand rechts von mir auf Zehenspitzen um über mich rüber zu fotografieren. Sie hatte den gesamten Zielbogen im Blick und ich konzentrierte mich dafür auf die Close-ups. Was folgte war einfach nur schön anzusehen.

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Als Jan Frodeno die Ziellinie überquerte und dann voller Freude den schwangeren Bauch seiner Ehefrau küsste, wurde mir bewusst: Auch diese Profi-Athleten mit ihren unglaublichen Leistungen in diesem Sport sind ganz normale Menschen. Die Emotionen, die sie an diesem Nachmittag freien lauf ließen, unterscheiden sich nicht im Geringsten von den Agegroup-Athleten. Es flossen Tränen der Freude und auch der Enttäuschung – bei den Athleten wie auch deren Angehörigen. Es waren für mich großartige Momente, die ich mit Din an diesem Tag erleben durfte!

Bei der Siegerehrung floss dann reichlich Champagner und ich konnte danach noch Jan Frodeno beobachten, wie er in einem unbeobachteten Moment ein Telefonat führte. Er schien etwas mit dem Telefon zu kämpfen. Ich vermute mal, das er mit seiner Familie im Ausland sprach. Genau weiß ich das natürlich nicht, aber könnte schwören, ich hätte gesehen wie er das Wort „Mama“ mit seinen Lippen formte.

Der Zieleinlauf von Daniela Ryf war nicht weniger emotional. Sie sprang über die Ziellinie und wurde nach einem kurzen Posieren vor den Fotografen von einem ihrer Liebsten in den Arm genommen und ordentlich abgeknutscht. Ihr Lächeln danach war einfach herzerwärmend.

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Diesen langen und ereignisreichen Tag ließen Din und ich dann etwas entspannter ausklingen. Während ich noch einige Aufnahmen von der Laufstrecke machte, vertrieb sie sich die Zeit am Zielbereich. Sie jubelte den Alterklassen-Athleten zu und war dabei in bester Gesellschaft.

HAT EUCH DER BEITRAG GEFALLEN? ICH WÜRDE MICH SEHR FREUEN, WENN IHR IHN AUF DEN SOZIALEN MEDIEN TEILT. HERZLICHEN DANK!

Ihr möchtet noch mehr über unser Abenteuer auf Big Island erfahren? Dann laden wir euch ein, unter dem Tag Hawaii etwas zu stöbern. Viel Spaß!

Alle hier gezeigten Bilder wurden natürlich von Olli erstellt. Die Rechte an diesen Bildern liegen bei ihm und mir. Eine weitere Nutzung dieser Bilder ist nur in Absprache mit uns möglich.

Als Triathletin & Autorin von Eiswuerfel Im Schuh bin ich zusammen mit meinem Sportfotografen immer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung und neuen Bildmotiven. Als Julimädchen liebe ich die Sonne, das Meer und den Sand zwischen den Zehen, genieße aber auch die Ruhe auf meiner Yogamatte oder auf einem Surfbrett.

Olli | Fotograf & Grafiker

Als Fotograf & Grafiker von Eiswuerfel Im Schuh bin ich zusammen mit der Athletin ‚Din‘ immer auf der Suche nach der nächsten sportlichen Herausforderung und den interessantesten Bildmotiven. Außerdem kümmere ich mich darum, die hier vorgestellten und getesteten Produkte und Sportbekleidung interessant abzulichten. Neben meiner Fotografie bin ich oft selbst sportlich unterwegs. Ich sitze sehr gern im Rennradsattel oder schnüre als Alternativtraining auch schon mal hin und wieder die Laufschuhe. Schaut gern auch auf meiner Facebook-Seite vorbei, auf der ich immer wieder neue Eindrücke mit euch teile.

4 Gedanken zu “HAWAII – BIG ISLAND: Gastbeitrag von Olli – Emotionen pur beim Zieleinlauf der Ironman World Championship 2015

    • Ganz vielen lieben Dank. Es war Ollis Wunsch, euch und alle Leser abzuholen und auf eine kleine Reise mitzunehmen. Die Emotionen waren auch für uns vor Ort und selbst jetzt noch auf den Bildern unglaublich berührend.

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