Laufgeschichten: Von Marathonanmeldungen, Sonnenschein & Mädchenbands

Was hab ich es mir nicht während der gesamten Winterlaufserie gewünscht – einfach nur mal zu laufen, locker, langsam. Heute war es soweit: Wohlfühltempo. Aus dem Bett gefallen, da möchte man mit dem Matcha Latte direkt vor dem Laufplan am Kühlschrank im Stehen einschlafen. Den nötigen Antrieb verlieh mir die Suche nach dem 3.000 Teilnehmer am Oberelbe Marathon. Da muss man sich doch einfach angesprochen fühlen; in Sekundenschnelle alle Daten eingegeben. Hatte ich die Anmeldung doch lange genug vor mich hingeschoben; einfach aus Unsicherheit – könnte ja was auch immer dazwischen kommen. Das ganze Prozedere ist ja nahezu genauso aufregend wie der Marathon selbst; vor lauer Adrenalin gönnte ich mir direkt noch einen Matcha. Dann kam sie auch schon rein, die Bestätigung, die dem Training nun noch mehr Ernsthaftigkeit verleiht:

„Ihre Anmeldung zum 15. RENTA Oberelbe-Marathon (29.04.2012) hat uns erreicht. „

Etwas verunsichert hat mich dann allerdings der Vermerk unter dem Jahrgang – ich starte bei den Seniorinnen W30. Dabei dachte ich doch, die heutigen 30er wären wie damals die 20er…

Entsprechend motiviert bereitete ich mein Training vor, wach war ich ja nun! Die Sonnenbrille, die den ganzen Winter in der hintersten Ecke auf den ersten Einsatz wartete, quetschte ich unter das Stirnband, es war schließlich eisig, trotz strahlendem Sonnenschein. Meine neuen Kopfhörer, das gefühlt hundertste Paar – da läuft ein Duracell Häschen länger – verlegte ich quer durch und über alle Lagen, um dann als absoluter Lauf-Musik-Freund die erste halbe Technikstunde mit überfröhlicher Mädchenmusik zu begehen. Ja, so etwas höre ich tatsächlich ab und zu.

Einlaufen, Lauf-ABC mit extra viel Gehopse. Das liebe ich so sehr! Ich bin als kleines Kind mit meinem Opa immer viel über die Straßen gehopst, weil Gehen ja so langweilig war. Er hat solch Holzschuhe getragen, die dann immer so wunderbar auf dem Kopfsteinpflaster geklappert haben.

Steigerungsläufe über zehn Minuten hinweg sollen meine Lauftechnik verbessern, also lag die Konzentration auf jede Bewegung. Da melden sich Bauch und Rücken – Muskelkater! Pilates und Schwimmen haben gestern Kräfte gefordert, aber es zeigt auch, dass ich die nötige Körperspannung halten kann. Und dann endlich, das lang erwartete Wohlfühltempo, das heute einfach so bei einer 4:55er Pace liegt. Vor einem Jahr musste ich mich dafür während eines Tempolaufs noch in einen meditativen Zustand versetzen, um nicht ohnmächtig auf dem Asphalt aufzuschlagen. Heute laufe ich es einfach so und das, obwohl es im Kreis über unsere kleinen Hügel ging. Meine Geduld soll natürlich auch bei jeder Einheit mit trainiert werden und da ist eine 2km Runde genau richtig, um meine niedrige Grenze etwas hochzuschrauben. Unglaublich, dass ich vor vielen Jahren mal puzzeln konnte. Außerdem wollte ich heute einfach nur Sonnenschein tanken und auf dem spärlich bewachsenen Freizeitpark gab es davon wirklich mehr als genug.

Ich gönnte mir am Ende noch ein paar Minuten Auslaufen und schwebte mit meinen Marathonbequemschuhen zurück.

Als Triathletin & Autorin von Eiswuerfel Im Schuh bin ich zusammen mit meinem Sportfotografen immer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung und neuen Bildmotiven. Als Julimädchen liebe ich die Sonne, das Meer und den Sand zwischen den Zehen, genieße aber auch die Ruhe auf meiner Yogamatte oder auf einem Surfbrett. Ich freue mich, mit dir auf FacebookTwitterPinterestInstagram und Google+ in Kontakt zu bleiben.

0 Gedanken zu “Laufgeschichten: Von Marathonanmeldungen, Sonnenschein & Mädchenbands

  1. Das klingt doch alles super. Den Marathon wirste fliegen!
    Ich kauf mir meine Ohrhörer auch schon im 10er Pack aus China. Beim Training verschleiss ich die Dinger wie nix…

  2. Und wie findest Du die Schuhe?
    Hatte ja heute zum ersten mal seit meinem Sturz den ganzen Tag keine Bandage an und nur den Cadence an den Füßen- nix tut weh-absolut Wahnsinn- morgen wage ich mich damit nach draußen. Aber nur kurz- denke ich 🙂

    • Erinnert mich etwas an den Glycerin 9, aber ist flexibler. Sehr bequem, sehr weich. Gut gedämpft, aber deshalb auch für mich eher für längere Läufe, aber dafür habe ich ihn mir auch ausgesucht.

  3. Meinen Glückwunsch zur Marathon-Anmeldung. Habe mit meiner auch sehr lange gezögert, aber irgendwann werden halt Nägel mit Köpfen gemacht! So lange ist es nicht mehr hin, aber bei deiner Vorbereitung kann da schlecht etwas schiefgehen. 04:55 Wohlfühltempo. Na ich will ja gar nicht wissen, was denn dann dein Marathon-Tempo wird 🙂 Viel Erfolg bei der weiteren Vorbereitung. Läufst du eigentlich den HM am 1. April?

    • Danke, Marek!
      Ja, lang ist nicht mehr, aber gut, dass es noch mehr Zögere gibt. Manchmal fällt die Entscheidung für den Ort einfach auch zu schwer, das Timing etc. Man will ja auch fit sein und sicher antreten können.
      Den HM würde ich gern laufen, aber „leider“ habe ich da Urlaub und werde das Surfbrett schwingen.
      Ich denke aber an alle Starter, denn irgendwie scheint jeder Läufer, den ich kenne, dort zu starten.

  4. Na dann, gute Vorbereitung – der Oberelbe-Marathon hat lange Geraden an der Elbe entlang bis nach Dresden hinein (für mich manchmal zu lang !), wo du ordentlich auf die Tube drücken kannst, alles in allem ein Marathon in gemütlichem Rahmen – gut gewählt !

    Wir dürfen gespannt sein !!

  5. Tolles Event! 🙂 Ein richtig schöner Landschaftsmarathon mit sehr netter Organisation. Das er „schnell“ ist würde ich nicht unbedingt sagen, man muß auch schon mal durch einen Bahnhof, Trepp runter, Trepp hoch, aber das macht es gerade aus. Viel Spaß!

  6. Der Oberelbemarathon ist ein (sehr schöner) Landschaftsmarathon, allerdings ganz sicher nicht bestzeitenfähig im Sinne einer schnellen Strecke. Gerade am Anfang gibt es auch einige kleine Anstiege und auch die Treppen (wenn es auch nicht viele sind) sorgen doch für ein paar Brüche im Rhythmus. Alles nicht dramatisch aber es gibt schnellere Strecken.

    Wenigstens auf den ersten 20 km gibt es auch nicht so wahnsinnig viele Zuschauer. Was aber seinerzeit ganz toll war (ich weiß nicht, ob das heute noch angeboten wird) ist die Elbefahrt für die Begleitung.. Und wenn man keine Lust mehr hat (für mich immer ganz wichtig 🙂 steigt man einfach in die S-Bahn, die fährt die ganze Zeit neben der Strecke.

    Viel Spaß!

    • Danke schön! Ich freue mich sehr, und da brauche ich auch nicht unbedingt viele Zuschauer. Ich liebe kleine Marathons, so wie Rostock. Da ist es auch immer ganz fein.
      Ich bereite mich auch schon für kleine Steigungen vor, wir haben da ja so ein paar kleine Hügel vor der Tür. Möchte dieses Mal für alles gewadmet sein…

      Ich glaube, diese Elbfahrt wird noch angeboten. Habe da neulich erst etwas gelesen und ja super, wenn man zur Not wieder zurück kann ohne Problem, aber das nehme ich mir erst einmal nicht vor.

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