Die Race Week hat begonnen. Und Cairns fühlt sich in dieser Woche anders an als noch vor wenigen Tagen. Mehr Triathleten, die ich auf der Laufstrecke und Radstrecke traf und in Palm Cove ihre Kilometer im Pazifik ziehen sah. Und schon bald sind sie an ihren Startnummernbändern am Handgelenk unverwechselbar auszumachen. Es gibt so viel mehr von dieser Energie, die entsteht, wenn mehrere Tausend Menschen gleichzeitig dasselbe nervöse Kribbeln im Bauch haben und trotzdem so tun, als wären sie entspannt.
Ich bin eine davon, die versucht, ihre Nerven in Schach zu halten und jeden Tag aufs Neue die Gegend und die Bedingungen zu genießen. All das während Palmen sich im fortwährenden Seewind wiegen, die Sonne vom genauso blauen Himmel scheint wie der Pazifik schimmert – wenn nicht überraschend sintflutartiger Regen das Training unterbricht.
Die Race Week zeigt sich anders als noch die sommerlich perfekte Woche zuvor unerwartet wechselhaft. Zumal wir uns in dem mildesten und trockensten Monat des Jahres befinden. Das Wetter zeigt in allen Belangen Extreme – egal ob glühender Sonnenschein, laues Ozeanwasser im Wechsel mit andauerndem Regen und intensiver Luftfeuchtigkeit, die wie Nebel um und über dem Regenwald hängt. Erst jetzt verstehe ich so richtig, warum diese Region Wet Tropics genannt wird. Neben Far North von Queensland, wo das Winterwetter Australiens immer noch an Hochsommer erinnert.
Dabei steht noch so viel an neben dem Ironman Cairns, wofür sich trockene Sommertage ausgezeichnet eignen würden! Wir werden während der Race Week diesen Beitrag Schritt für Schritt erweitern. Denn diese Woche wartet mit einigen Highlights auf, die wir nicht verpassen möchten. So wie das Green Island Reef Swim am Donnerstag und der Charity Fun Run am Freitag. Und wie immer bei so einem Langdistanz-Triathlon wird es den Athleten Check-In, die Ironman Expo und den Bike Check-In geben. Darüber hinaus müssen wir uns mit zwei Wechselbereichen vertraut machen, die 30 Kilometer voneinander getrennt liegen. Schaue also regelmäßig vorbei, refresh die Seite und vielleicht können wir die neben Reiselust auch etwas Paradiesgefühl nach Hause schicken. Oliver und ich freuen uns, dich diese Woche mitzunehmen.
Das schönste an einer Race Week ist nicht die Anspannung. Es ist das Gefühl, genau am richtigen Ort zu sein.
Daran muss ich mich manchmal selbst erinnern – vor allem, wenn ich nicht über irgendeinen Wettkampf schreibe und spreche, sondern über den, den ich mir so lang erträumt habe. Der in einem Paradies stattfindet, das mich auch nach Tagen immer wieder überrascht und mich zum Lächeln bringt. Wenn ich mich umschaue und über die Schönheit der Natur staune. Über die entspannten Menschen philosophiere und staune darüber, wie gut alles organisiert sein kann. Das, was mir zu Haus so oft fehlt. Was ich vermisse. Und ich spreche nicht nur vom Ozean, dem Seewind und der Natur.
In den vergangen Jahren ist für mich die Entspannung so oft zu kurz gekommen. Wenige Tage vor dem eigentlichen Ereignis so weit zu reisen, bringt einige Hürden mit sich, die ich immer sehr gern genommen habe. Die Entspannung, das alltägliche Glück einfach hier zu sein, ist unbezahlbar.
Die Dankbarkeit, dass ich das so erleben kann aufgrund unfassbar glücklicher Umstände, ist einfach riesig.
Um so mehr freue ich mich deshalb auch, in dieser Race Week angekommen zu sein und bereits so viel erlebt zu haben. Wenn du mehr dazu erfahren magst, schaue dir unseren ersten Beitrag an zum Ironman Cairns 2026 – Angekommen in Queensland, Training, Streckencheck & erste Eindrücke.
WILLKOMMEN ZUM IRONMAN CAIRNS
In Cairns begannen die ersten Aufbauten bereits am Wochenende vor der Race Week. Der Finisher-Bereich hat deutlich größere Ausmaße, als bei anderen Rennen. Hier prallen wieder, ähnlich wie in Portugal, zwei Welten aufeinander, die reichlich Platz, Ressourcen und natürlich Personal und Helfer benötigen. Denn der Ironman Cairns besteht aus einem 70.3 Rennen und einer Langdistanz plus Staffelstartern! Wie während des Ironman Portugal auch, bilden die 70.3 Teilnehmenden das erste Startfeld mit der größten Teilnehmerzahl von über 3100 Athleten, von denen die Hälfte Erststartende und 35% Frauen sind. Wir Langdistanzathleten werden im Anschluss aber auch erst nach den Pros und Para-Athleten den Pazifik einnehmen. Und das zunächst in dem 30 Kilometer entfernten Palm Cove.
In beiden Orten, dem beschaulichen Palm Cove und der Kleinstadt Cairns, befindet sich jeweils ein Wechselbereich für beide Startfelder. Nicht unüblich im Triathlon, aber immer etwas Besonderes. Für mich ist es nach dem Ironman Frankfurt erst das zweite Mal, dass Start und Ziel an verschiedenen Orten liegen. Der Start erfolgt in Palm Cove, das Ziel wartet 30 Kilometer entfernt in Cairns, wo ich aufgrund der australischen Winterzeit vermutlich erst am Abend einlaufen werde. Eine enorme logistische Herausforderung für den Veranstalter, aber auch für uns Athleten, die Wechselbeutel und Zubehör auf zwei Orte aufgeteilt im Griff haben müssen.
Und während überall die Aufbauten in vollem Gang sind, wird Cairns und Umgebung immer einladender für uns Athleten. An jeder Ecke gibt es ein kleines Willkommen – egal ob am Flughafen oder an der bekannten Touristen-Attraktion in Cairns der Lagune.
Die Stadt Cairns und der Ironman haben in diesem Jahr jeweils ein Jubiläum zu feiern. Cairns ist 150 Jahre alt geworden und zum 15. Mal Austragungsort des Ironman Cairns. Kleine Entdeckungen warteten dann auch auf meiner Laufrunde in dieser Woche.
Ich habe mir die Laufstrecke des IM Cairns angesehen, die von ihrer Streckenführung wenig spektakulär anmutet. Wie beim Ironman Frankfurt oder in Portugal auch, ist es nahezu eine lange Gerade, die am Wasser entlang führt und gegen den Uhrzeigersinn absolviert wird.
Das Ironman Village steht mittlerweile. Der Zielbogen ist zum Anziehungspunkt von uns Athleten geworden. Alle wollen einmal schauen, wo genau sie am Sonntag ankommen werden. Egal ob First Timer über die 70.3 oder Langdistanz.
IRONMAN CAIRNS ATHLETEN CHECK-IN
Mittlerweile war es Zeit für den Athleten Check-In, einen der Momente in der Race Week, der das Ganze plötzlich sehr real macht. Der Check-In findet im Ironman Village statt, direkt auf der Expo, auf der zahlreiche Aussteller mit allem rund um Triathlon und Ironman vertreten sind. Wie immer wurde ich von absolut hilfsbereiten und freundlichen Volunteers empfangen, die einen mit der Routine durch den Prozess führen, die nur entsteht, wenn man das schon hundertfach gemacht hat. Ich erhielt meinen Ironman Rucksack, meinen Timing Chip und meine Startnummer, alles fein aufeinander abgestimmt und mit meinem Namen versehen.
Dazu gab es die Badekappe, meine Morning Bag und die beiden Wechselbeutel für Transition 1 und 2, also für den Übergang vom Schwimmen aufs Rad und vom Rad aufs Laufen. In diese Beutel habe ich auch direkt alles gepackt, was ich für den jeweiligen Wechsel und die folgende Strecke benötige, vom Helm über die Radschuhe bis zu Laufschuhen und Verpflegung. Zusätzlich gab es eine ganze Reihe Aufkleber, für die Beutel, für den Helm und für das Fahrrad, jeder mit meiner Startnummer versehen. Ein absolutes Sticker-Origami und jeder einzelne von diesen Aufklebern hat seinen ganz eigenen Platz, wo er angebracht werden möchte.
Mittlerweile ist auch wirklich alles erledigt. Die Wechselbeutel für Rad- und Laufstrecke sind abgegeben. Mein Fahrrad steht bereit in der Wechselzone 1. Alles, was für den morgigen Tag vorbereitet werden musste, ist vorbereitet. Ein seltsam ruhiges Gefühl, wenn plötzlich nichts mehr zu tun ist außer schlafen und ankommen.
Worauf ich mich besonders freue: die Radstrecke entlang der Küste, mit einer Kulisse, die selbst erfahrene Ironman-Athleten ins Schwärmen bringt. Und die Laufstrecke, auf der die lokalen Triathlon-Vereine und die gesamte Community von Cairns für eine Unterstützung sorgen sollen, die man sich kaum besser vorstellen kann.
Morgen ist es soweit. Meine 11. Langdistanz, mein erstes Mal Australien, mein Start beim Ironman Cairns.
Guten Morgen, Triathlon.
Guten Morgen, Ironman Cairns.

































