Schwimmgeschichten: Rentnerin weist mich aus Schwimmbad

Dienstagmorgen. Kein Wecker. Ich habe genau zehn Minuten, um auf dem Rad zum Schwimmbad zu sitzen! Schließlich habe ich es mir vorgenommen, aber irgendwie scheinbar noch nicht verinnerlicht. Meine innere Uhr lässt mich eigentlich nie im Stich. Mein Trainingsplan hatte die ein oder andere Schwimmeinheit schon häufiger angedacht, aber… Nun sollte die Woche des Nachholens beginnen. 

Umnachtet nur noch schnell den Matcha zum Mitnehmen zubereitet, die Banane in der Hand und den Gyokuro bis zur Tür getragen. Zum Glück fällt mir gerade noch rechtzeitig ein, dass das Schwimmbad um die Ecke Frühjahrspause hat, also heißt es ein Stückchen weiter fahren. Skandal in meinen Augen; für ihre so nötigen Instandsetzungsarbeiten, haben sie ja auch nicht den ganzen Sommer Zeit, wenn das Freibad offen hat?

Wie auch immer, alle Frühschwimmer des geschlossenen Bades treffen nun auf die Warmbader des anderen. Ich starre ungläubig durch die große Scheibe am Eingang in die Halle. Zwei Minuten nach Badöffnung ist die Sportbahn schon mit zwanzig Schwimmern randvoll. Wie schnell kann man sich bitte umziehen?!?

Ich kämpfe mit meiner Badekappe, anschließend mit meiner Schwimmbrille während die Damen und Herren das Wasser durchpflügen. Meine Beine baumeln im lauwarmen Nass und ich versuche irgendwie eine Lücke zu ergattern.

Hopla, was ist das, es läuft richtig gut. Die ganze Paddelei auf dem Surfbrett letzten Monat hat sich doch ausgezahlt. Ich versuche mich zu Beginn noch an meinen Trainingsplan zu halten, aber nach wenigen Bahnen ist es vorbei. Mich packt die Hektik, links und ja rechts überhole ich immer wieder. Die Herrschaften, die sich Sportschwimmer nennen, bewegen sich wahlweise vor- und rückwärts auf der Bahn hin und her. Sie vergessen dabei aber, dass man außen schwimmen kann und vielleicht auch sollte. Kennen sie aber bestimmt nur so, denn auf den Autobahnen, benutzen sie sicher auch nur die Mittelspur. Leider ist mein Können beim Luftanhalten eher so mittel. Sonst könnte ich wie der andere ambitionierte Schwimmer einfach unter allen hinweg tauchen.

Na jedenfalls bin ich bei all dem Heckmeck so schnell geschwommen, wie schon lange nicht mehr und ehe ich mich versah, lagen 50 Bahnen hinter mir. Genauso zügig vergeht die verbleibende Zeit. Prima Tempowechseltraining, denke ich mir noch, als ich versuche die Treppe am Beckenrand hochzukrabbeln. Mein Mühen wird jäh durch eine plötzliche Ansprache einer älteren Dame unterbrochen. Ob ich hier nicht vielleicht falsch wäre, ob ich nicht vielleicht ein Sportschwimmbad aufsuchen sollte, entgegnet sie mir. Ich fummle irritiert an meiner Brille und Badekappe herum und murmle irgendetwas Unverständliches, während ich mein Gleichgewicht halb hockend halb stehend versuche zu finden. Hat sie mich gerade rausgeworfen? Hat sie in der Halle, am Eingang, an der Kasse, im Barfußbereich denn nicht das Triathlon Werbeposter gesehen?

Sie wiederholt sich und hängt an, dass es ja hier ganz schön sei. Deshalb wäre sie ja auch da. Alles klar, ich störe also! Dabei habe ich versucht mich so dünn wie möglich zu machen, nur nicht aufzufallen, nicht mit dem Wasser zu spritzen. Niemanden, der am Ende der Bahn steht und ein Schwätzchen hält, zu stören. Ich bin kurz vorher einen Bogen geschwommen, habe mich nicht wie wild abgestoßen…

Ich muss etwas irritiert ausgesehen haben, als sie wie zur Wiedergutmachung meint, dass ich ja mal die anderen Tage vorbeikommen kann – um mir ein Bild zu machen. Vielleicht ist es ja dann und wann etwas leerer. Das könne sie aber nicht versprechen.

Eiswuerfelimschuh Nadin Triathletin Yogalehrin Autorin

Als Triathletin & Autorin von Eiswuerfel Im Schuh bin ich zusammen mit meinem Sportfotografen immer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung und neuen Bildmotiven. Als Julimädchen liebe ich die Sonne, das Meer und den Sand zwischen den Zehen, genieße aber auch die Ruhe auf meiner Yogamatte oder auf einem Surfbrett. Ich freue mich, mit dir auf FacebookTwitterPinterestInstagram und Google+ in Kontakt zu bleiben.

24 Gedanken zu “Schwimmgeschichten: Rentnerin weist mich aus Schwimmbad

  1. Ich meide ja prinzipiell das kostentechnisch günstigere Frühschwimmen, weil dort das Wasser eigentlich immer schäumt. Ab 08.00 Uhr wird es zumindest im Stadtbad Wilmersdorf spürbar leerer und dann muss man sich die Bahn nur noch mit 4-8 Schwimmern teilen. Da sind zwar hin und wieder auch “ältere Schwimmer”, die sich altdeutsch rückenschwimmend fortbewegen drunter, aber die meiste Zeit kann man ungestört seine Bahnen ziehen.

    Dort gibt es auf der abgetrennten Sportbahn auch Zeiten für “sportliches Schwimmen”. Wenn Du Dich an diese Zeiten hältst, sprich auch nix dagegen die Bademeister – äh, pardon – Schwimmmeister mal anzusprechen und die Nicht-Sportler mal von der Bahn runterwerfen zu lassen. Klingt zwar auf den ersten Blick unsozial, allerdings nehmen die meisten Nicht-Sportler auch wirklich wenig Rücksicht auf die Bahnenzieher.

    Die Schimmmeister in Wilmersdorf achten sowieso penibel darauf, dass man ansonsten die Otto-Normal-Schwimmer nicht belästigt. Als Sportschwimmer ist man ja eher ein unruhestiftendes und die quatschenden Pseudoschwimmer störendes Element. Genau aus diesem Grund kann man auch mal darauf bestehen, dass die Sportbahn zu den angegebenen Zeiten auch für Sportschwimmer zur Verfügung steht.

    Viel Spaß beim Bahnenziehen weiterhin
    Uwe

    • Ich hatte neulich einen ganz kurzen Moment genießen können und genau dann, wenn ich eigentlich schon umgezogen sein sollte. Nach 8:00 Uhr scheint wirklich DIE Zeit zu sein! Die Bademeister laufen auch immer so schön streife, dass man sich mal einen vorknöpfen muss. Zum Glück konnte ich mich mittlerweile einigermaßen in die Gruppe einpassen und Mittwochen sowieso Freitag sind einen Tick leerer. Hoffentlich liest das jetzt hier keiner 😉

      Spricht für mich auch alles dafür, endlich das Training ins freie Wasser umzulegen.

      Lieben Dank für deinen Kommentar und dir auch weiterhin viel Spaß!

  2. Ich fühle mit Dir. Am besten gefallen mir die Sprüche à la “Wir sind doch alle Sportschwimmer hier”. Bevorzugter Weise geäußert von rückwärts paddelnden Rentnern in den abgesperrten Bahnen. 🙂

    • …die nicht mal eine Schwimmbrille tragen und dann irritiert sind, wenn sie Wasser in die Augen bekommen 😉

      Scheint ja tatsächlich überall das gleiche zu sein.
      Dann mal noch viel Spaß beim Schwimmen.

  3. Irgendwie ist es wie überall 🙁
    Wo bei ich sagen muss das bei uns die Rentner uns im abgestecken Bereich respektieren.
    Da für verwechseln Kinder und Jugendlichen den Bereich gerne als Spiel- und Ausruhplatz 😉

  4. Warum kommt mir das nur so bekannt vor?
    Warum kollidiere ich auch immer mit solchen Leuten, vorzugsweise dienstags, so dass ich schon darauf vorbereitet bin, mein ganz persönliches “Dienstagsarschloch” oder auf die “Moderlieschen” zu treffen?
    Ich wäre sehr dafür, wenn Menschen wie wir ihr Privatbecken bekommen könnten, oder zumindest eine Hallensperrung, wenn wir trainieren…
    Gut Nass

    • Super Idee! Mich graust es schon vor dem Freibad, dort gibt es nämlich gar keine Absperrung. So lange versuche ich die etwas größeren Lücken am Mittwoch zu nutzen. Dann auch mal weiterhin gutes Gelingen!

  5. UND? Wie ist die Geschichte dann ausgegangen? Hast Du sie so richtig zur Minna gemacht!? Oder haben Höflichkeit, Anstand und Respekt vor dem Halbwissen der älteren Dame gesiegt? 😉

    Grüße aus Köln!
    Mario

    • Wir haben uns irgendwo dazwischen angenähert. Nachdem ich mir dann beharrlich gleich mehrere Tage nacheinander den Weg freigeschaufelt hatte, sah sie ein, dass sie mich nun nicht mehr los wird. Wir akzeptieren unsere Anwesenheit, schwimmen uns aber aus dem Weg 😉

      Ich bleibe dran, will ja beim nächsten WK nicht untergehen.

      Ich grüße zurück!

  6. Hallo,
    ja mit “Treibholz” auf der Sportschwimmerbahn ( steht bei uns ganz groß dran, incl. Regeln ) haben wir es auch immer wieder zu tun. Toll ist auch das Altdeutsche Rückenschwimmen.
    Der einzige Trost: Du kannst quasi den Massenstart üben, hihi.
    Viele Grüße
    Karina, die über Claudis Blog hierein “gestolpert” ist.

    • Hallo, ich begrüße dich auf meiner Seite. Schön, dass du hergefunden hast und auch gleich ein Kommentar hinterlässt.

      Ja, das sage ich mir auch immer – das ist das beste Training für reale Bedingungen. Hier und da ein Sprint, um zu überholen, hin und her… wie im echten WK-Leben!

  7. Hi Din,
    das kenne ich nur zu gut! Bei uns im Schwimmbad zu den offenen Schwimmzeiten versammeln sich auch meistens kleine Klübchen um Small Talk zu halten. Ein sauberes Schwimmtraining ist dann meistens zwecklos. Wenn man dann um etwas Platz bittet, wird man mit kopfschütteln und seltsamen Bemerkungen abserviert. Ganz schlimm finde ich jenigen die einfach dann so ins Wasser gehen ohne zu duschen.
    Gruss Jörg

    • Hallo Jörg, danke für dein Kommentar.

      Ja, nein, bloß nicht. Niemals nach Platz oder Rücksicht bitten. Dann ist man ganz raus.

      Das mit dem Duschen geht bei uns zum Glück, da sind sie dann wieder ganz korrekt.

  8. Ist das ein Ding, ich schmeiss’ mich weg!
    Als Rauswurf hätte ich die Ansprache wohl nicht aufgefasst, mehr als Mitgefühl (“ach Sie Ärmste, müssen um die vor sich hindümpelnden Mittelspurschleicher herumschwimmen….”) 😉

    Viele Grüße,
    Harald

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