Radgeschichten: Das Leben ist manchmal eben doch ein Ponyhof!

Setzt man sich bei diesen Temperaturen auf das Rad, sind die Muskeln direkt betriebsbereit. Langes Einrollen und Schnattern mit den Radfahrbegleitern ist da überflüssig. Im Gänsemarsch geht es die Landstraßen entlang. Manchmal mit einem Tunnelblick, manchmal entspannt auf die Felder hinaus. Hier und da wartet Sehenswertes, Entdeckenswertes!

Als neulich der Wecker um kurz nach sieben klingelte, konnte ich es nicht glauben. Radausfahrten finden meist bei mir etwas später statt. Wenn ich sonst mit den Vögeln aus dem Bett falle, um zum Schwimmen oder Laufen aufzubrechen, faulenze ich an Tagen mit einer geplanten Radausfahrt erst einmal in den Tag hinein. Nach einem ausgiebigen Frühstück, geht es dann am späten Vormittag raus, um die Nase in den Fahrtwind zu stecken. Mitten im Hochsommer allerdings läuft es anders. Muss es anders laufen. Also holt mich der Wecker aus einem Traum. Zum Glück. Irgendetwas von abgeplatztem Lack am Rad. Horror.

Leider hatte ich am Vortag dank Arbeit und Co. nicht die Möglichkeit, meine Sachen und mein Rad für eine Ausfahrt vorzubereiten. Also gab es erst einmal ein Frühstück und dann ging es ans Kramen. Um 8:59 Uhr saß ich endlich auf dem Rad. Echt! Ja, für mich ist das enorm früh. Na jedenfalls hatte ich um Punkt neun Uhr schon wieder das erste Mal Durst. Eine hitzige Ausfahrt stand mir bevor. Noch ahnte ich aber nicht, dass ich mich schon bald wie ein luftgetrockneter Fisch vorkommen würde.

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Kaum eine habe Stunde saß ich auf meinem Flitzer, als aus dem lauen Lüftchen ein handfester Sturm wurde. Aus allen Richtungen schien der Wind zu kommen. Es war wie im wilden Westen. Es rauschte um mich herum, es staubte, die Sonne brannte, die Luft trocknete mich aus. Aber nicht nur mich, auch Bäche sind hier und da komplett ausgedörrt. Stroh wehte über die Straßen und die kahlen Felder. Über die fegt der Sommerwind und treibt hier und da müde gewordene Windmühlen an. Die Felder sind leer geputzt. Hier und da stehen noch Sonnenblumen mit hängenden Köpfen oder vertrockneter Mais. Meist sind sie aber abgemäht. Heuballen säumen nun die Landstraßen. Mittlerweile eingepackt als weiße Zitronenrollen…

Ich wollte unbedingt eine neue Strecke ausprobieren. Wie ich die Passage von wenigen Kilometern komplett im Schatten genossen habe. Die leicht wellige Strecke machte unglaublichen Spaß, obwohl viele Autos unterwegs waren. Nach einer guten Stunde war ich in der selbsternannten Spargelstadt Deutschlands zu Gast. Beelitz war recht verschlafen. Zumindest die Straße, die ich wählen musste. Geradezu verlassen wirkte alles. Aus heiterem Himmel sprießen nämlich seit diesem Jahr Verbotsschilder aus dem Boden. Plötzlich wird die einst so schöne Landstraße zur Autostraße. Ohne irgendwelche Alternativen für die Radfahrer. Da hieß es dann improvisieren. Hier und da abbiegen, quer durch den Ort. Dann irgendwie versuchen wieder auf die richtige Route zu gelangen, die mein Edge beharrlich anzeigt. Leicht erschöpft von der Hitze, hänge ich auf meinem Aerolenker, als es plötzlich ‚Stopp‘ hieß! Ponygucken. Vollbremsung. Umdrehen und nach einigen ‚ahs‘ und ‚Uhs‘ ging es weiter. Na gut, kurz versuchen zu füttern. Mit allem, was der Weg gerade so hergibt. Ponyfohlen sehen irgendwie aus wie Zwerge. Ihnen scheint die Hitze nichts auszumachen. Sie springen auf der Wiese zu zweit herum. Schauen aufmerksam, was man da am Zaun des Ponyhofs treibt und ob es etwas abzustauben gibt. Dann geht es weiter mit der Herumtollerei.

EISWUERFELIMSCHUH - Radausfahrt FUJI 2XU Casco Pferdestop (8)

EISWUERFELIMSCHUH - Radausfahrt FUJI 2XU Casco Pferdestop (9)

Ich schnappe mir ein Gel, das mich bis nach Haus bringen sollte. Ich stehe seit drei langen Ausfahrten in der Schuld meiner Radfahrbegleiter. Während andere Radsportler für Kuchen und Kaffee fahren, fahren sie für Bratwurst. Was soll ich sagen. Sämtliche Dorffeste fingen bis jetzt später an oder fanden am Tag vor oder nach der Ausfahrt statt. Ihr könnt euch das Gegrummele vorstellen, wenn wir wieder zurück waren… Wir müssen natürlich immer noch einen Tankstellenstopp einlegen. Das Wasser würde sonst niemals reichen bei dem Wetter. Aber da möchte die Truppe nichts. Bitte schön. Dann gab es wie immer nur etwas zu trinken. Aber dieses Mal hatten wir es zum Glück pünktlich zum Mittagessen zurück geschafft. Der Kirchturm läutete Schlag 12 und die Klänge waren bis weit hinaus aus dem Ort zu hören. Trotz des Windes, der einfach nicht nachlassen wollte. Kurz danach war die Heimat schon fast in Sichtweite. Eine Ampel und wenige Kilometer, dann waren wieder einmal 90 Kilometer geschafft. Wir trafen auf andere Radsportler und als hätten wir es geahnt, geben die Vollgas. Wir blieben dran, bogen aber zwei Kilometer weiter ab. Logisch. Die Herren lassen rollen und kürzen nur ab! Ich düse mit meinem Grüppchen die Landstraße entlang und hole die anderen kurz vor meiner Haustür wieder ein. Ohne Worte.

Vollkommen verschwitzt, wirklich tropfend stieg ich ab. Ich musste mich wirklich zusammenreißen, mich nicht einfach so triefend auf den Boden zu werfen. Ich war fassungslos darüber, wie wunderbar es während der Ausfahrt lief, aber wie komplett fertig ich war, als ich abstieg. Zum Glück hatte ich ausreichend getrunken und brauchte einfach nur eine Kleinigkeit zu essen. Wie in den vergangenen Tagen, blieb die Küche kalt. Neben Schalen voll geschnipseltem Obst und Gemüse, das ich vor mich her knabbere, halte ich mich mit Avocadozubereitungen und kaltem, geräuchertem Tofu mit Nüssen und frischem Blattspinat oder Salaten über Wasser.

Wie kommt ihr die Tage über die Runden und welches Training absolviert ihr trotz dieser Hitze?

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EISWUERFELIMSCHUH - Radausfahrt FUJI 2XU Casco Pferdestop (6)

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P.S. Auch bei diesem Radausflug haben mich die Currex Radeinlagen begleitet. Es war ein wirklich hitziger Tag jenseits der 30° Marke und ich genoss jede einzelne Pedalumdrehung mit den Sohlen. Der 2XU Tri Suit war ein dunkler, aber luftiger Begleiter. Für die Verfahrerei kann der Edge810 nichts; auch nicht dafür, dass es nach der Hälfte der Strecke ausfiel. Zum Glück war der FR920xt zum Aufzeichnen des Trainings wie immer mit dabei. 

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Alle hier gezeigten Bilder wurden von meinem Fotografen erstellt. Die Rechte an diesen Bildern liegen bei ihm und mir. Eine weitere Nutzung dieser Bilder ist nur in Absprache mit uns möglich.
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..‚Din‘ ist Gründerin von Eiswuerfel Im Schuh

20121111-082354.jpgAls Triathletin & Autorin von Eiswuerfel Im Schuh bin ich zusammen mit meinem Sportfotografen immer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung und neuen Bildmotiven. Als Julimädchen liebe ich die Sonne, das Meer und den Sand zwischen den Zehen, genieße aber auch die Ruhe auf meiner Yogamatte oder auf einem Surfbrett. Ich freue mich, mit dir auf FacebookTwitterPinterestInstagram und Google+ in Kontakt zu bleiben.

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..‚Olli‘ ist Fotograf & Grafiker von Eiswuerfel Im Schuh

20121111-082354.jpgAls Fotograf & Grafiker von Eiswuerfel Im Schuh bin ich zusammen mit der Athletin ‚Din‘ immer auf der Suche nach der nächsten sportlichen Herausforderung und den interessantesten Bildmotiven. Außerdem kümmere ich mich darum, die hier vorgestellten und getesteten Produkte und Sportbekleidung interessant abzulichten. Neben meiner Fotografie bin ich oft selbst sportlich unterwegs. Ich sitze sehr gern im Rennradsattel oder schnüre als Alternativtraining auch schon mal hin und wieder die Laufschuhe. Schaut gern auch auf meiner Facebook-Seite vorbei, auf der ich immer wieder neue Eindrücke mit euch teile.

Als Triathletin & Autorin von Eiswuerfel Im Schuh bin ich zusammen mit meinem Sportfotografen immer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung und neuen Bildmotiven. Als Julimädchen liebe ich die Sonne, das Meer und den Sand zwischen den Zehen, genieße aber auch die Ruhe auf meiner Yogamatte oder auf einem Surfbrett. Ich freue mich, mit dir auf FacebookTwitterPinterestInstagram und Google+ in Kontakt zu bleiben.

11 Gedanken zu “Radgeschichten: Das Leben ist manchmal eben doch ein Ponyhof!

  1. Kann dich da gut verstehen – mir erging es da nicht anders. Manchmal waren nach der Hälfte der Strecke schon 2 Liter weg – und der persönliche Super-Gau war für mich der Bikemarathon bei 40 Grad im Schatten, bei welchem ich alleine schon 6 Liter trinken musste (ohne es richtig zu merken) und im Verlauf bis in die Nacht nochmal 3-4. Dieser Durst war einfach unbeschreiblich. Was anderes als Salat oder Müsli zum Speicher füllen war dann meist auch nicht mehr möglich. Ansonsten trinke ich in solchen Zeiten viel Proteinshakes, die sind auch schön kalt und liefern Energie.
    Meistens ergeht es mir beim bzw. nach dem Laufen so wie dir – sobald ich nach Hause komme bin ich total erschlagen und schwitze nochmal fast zwei Stunden richtig nach. Trainingstechnisch bin ich aufgrund der Temperaturen mehr im Wald unterwegs, sodass ich momentan mehr bike als laufe, aber auch aufgrund von Verletzungen. Das beeinflusst aber kaum die Intensität des Trainings. An besonders heißen Tagen stehe ich dann halt schon vor der Arbeit um 5h auf und verschwinde für 2-2,5h im Wald. Die einzige Zeit des Tages, wo man dann tatsächlich auch mal die Chance hat etwas zu frösteln 😉 Bis 30 Grad bin ich aber auch noch gewillt abends ins Studio zu gehen, alles darüber ist jedoch Mord.

    • Hi Jamie,

      wow, ja, bei einem Radmarathon ist der Verbrauch auch enorm. Das mit den Proteinshakes ist ein super Tipp. Kann man ja auch etwas mehr Flüssigkeit dazu geben und schon hat man wieder einiges getrunken.

      Beim Laufen zieht es mich momentan auch nur immer ans Wasser oder in den Wald. Da geht noch etwas Luft. Die Radstrecke gibt es aber nur bedingt her. Um so mehr freue ich mich, wenn dann mal Schatten auftaucht. Bist ja auch richtig früh dran und das muss man vor der Arbeit auch erst einmal wegradeln. Chapeau! Weiterhin alles Gute für’s Auskurieren der Verletzung.

  2. Hallo Din,
    Du hast die Stimmung und Atmospähre die bei Radausfahrten bei dieser besonderen Hitze herrscht wieder super beschrieben. Ich konnte das 1 zu 1 nachvollziehen.
    Wir sollten die Erinnerungen an diesen Supersommer tief in uns bewahren, um sie an kalten und regnerischen Wintertagen wieder hervorzuholen.
    Liebe Grüße
    Frank

    • Hi Frank,

      na, schon entschieden, wie es im nächsten Jahr weitergehen wird?

      Lieben Dank für dein Kommentar. Das freut mich. Radausfahrten sind so schön. Vor allem, wenn es heiß ist. Fahrtwind geht ja immer.

      Ich werde mir mal eine Notiz machen und dann hole ich den Beitrag wieder hervor, wenn das Jammern im Winter groß ist!

  3. hihi, ich als totaler Radanfänger kann das was du schreibst ja eigentlich gar nicht nachvollziehen, habe ich doch erst an diesem WE das Radfahren gelernt, aber wer weiß. Vielleicht bin ich irgendwann so weit, dass ich mit dir mithalten kann:D
    Liebe Grüße

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