Nils Schumann: Lebenstempo – In Alltag und Sport den eigenen Rhythmus finden (BUCHVORSTELLUNG)

Unser Alltag bringt einige Hürden mit sich, die es nicht immer einfach machen, einem geregelten Ablauf nachzugehen. Schnell kann es zu Freizeit- oder sogar zu Fitnessstress kommen, obwohl wir doch nach Gesundheit, Ausgleich, Lebensfreude und mehr Energie suchen. Fit zu sein, heißt oft Kompromisse einzugehen und sein eigenes Tempo, sein Lebenstempo zu finden. Wie das gelingen kann, zeigt Nils Schumann in seinem gleichnamigen Buch “Lebenstempo – In Alltag und Sport den eigenen Rhythmus finden“. 

Ich hatte das Glück in den vergangenen Jahren mehrmals auf Nils Schumann zu treffen. Der 800-Meter-Olympiasieger, der heute als Fitness- und Laufcoach arbeitet, ist bodenständig und immer für ein Gespräch zu haben. Kurz vor meiner ersten Triathlon Langdistanz im vergangenen Jahr trafen wir wieder aufeinander. Wir kamen unweigerlich auf intensives Training zu sprechen, Trainingszeiten, harte Momente, Überwindung, Mentaltraining und wie man Gleichgewicht im Leben schaffen kann. Wir schlugen einige thematische Haken – wir streiften das weite Feld von Achtsamkeit, Yoga und Mantren. Wir sprachen darüber wie er sein Leben entschleunigt und dass er selbst regelmäßig Bücher verschlingt, um zur Ruhe zu kommen. Wir kamen aber auch auf sein Buch zurück, das eine Autobiographie mit sportlichem Ratgeber verbindet. Für mich zunächst eine Kombination, die ich so noch nicht kannte, die ich aber sowohl unterhaltsam als auch interessant und gewinnbringend fand.

Die 1. gebundene Ausgabe* mit mehr als 300 Seiten ist vergangenes Jahr im Herder Verlag für 23€ erschienen.

Alle Bilder könnt ihr zur Vergrößerung anklicken. 

Das Video zu seinem Sieg in Sydney könnte ich mir immer wieder auf YouTube anschauen. Ein unglaublicher Moment für Gänsehaut, der da eingefangen ist. Nach diesem sagenhaften Erfolg hat Nils einige Tiefs erlebt, die auch Teil seines Buches “Lebenstempo” sind. Darin zeigt er dem Leser nicht nur viel von seiner privaten Seite. Er tritt wie im Leben in seinem Personal Training Studio als Motivator auf.

 

E I N L E I T U N G

Nils Schumann nimmt uns mit auf seine Lebensreise mit unbeschönigten Höhen und Tiefen, so wie sie zu jedem Leben dazu gehören. Er lässt den Leser an seinen Erfahrungen als Profi teilhaben, lässt uns einen Blick in seine Trainingseinheiten und Wettkämpfe werfen. Es geht zudem darum, wie man eben nicht sklavisch Sport und eine gesunde Ernährung in seinen Alltag integriert sondern wie man eine bewusste Lebensweise für sich entdeckt, die einen glücklich macht. Wie man einen Weg ausmachen kann, um sich im Einklang mit seinem Alltag etwas Gutes zu tut.

Nils sagt nicht, dass du Das machen sollst und Jenem folgen musst. Anhand eigener Erfahrungen zeigt er Vorschläge auf, wie man einen sportlichen Rhythmus finden und damit die Lebensqualität steigern kann. In diesem Sinn erinnerte mich das Buch beim Lesen immer wieder an Tara Stiles, die sich auch keine Regeln auferlegen möchte, aber dennoch ein aktives und gesundes Leben führt. Nils nimmt die alltäglichen Probleme, die mit Sicherheit jeder kennt, unter die Lupe. Es sind seine eigenen, mit denen er zeigt, wie man teilweise ohne viel Zeitaufwand Veränderungen zum Positiven vornehmen kann. Er füllt das manchmal komplett leere Wasserglas vor dem sicher einige schon häufiger standen wieder auf. Es muss nicht ständig halb oder sogar ganz leer sein. Die Frage ist, was ist für unser Leben richtig und wichtig.

 

A U F B A U 

Schon in der Einleitung macht Nils Schumann grundsympathisch klar, dass es den Menschen nicht anders geht als den Leuten. Er als ehemaliger Spitzensportler, als Olympiasieger, hat nun auch ein so ausgefülltes Leben, dass Fitness nicht einfach per Fingerschnips in seinen Alltag integriert werden kann obwohl er es ja vielleicht von früher so gewohnt war. Aber er ist sich seiner Vorbildfunktion als Personal Trainer wohl bewusst. Da gibt es wenig Ausflüchte. Er kennt das Phänomen des Fitnessstresses, hat aber gelernt, damit umzugehen. Wie ihm das gelingt, erfährt der Leser in den folgenden vier Kapiteln:  ‘Sport als Maxime‘, ‘Fitness nach Maß’, ‘Rhythmus als Methode’ und dem daraus entstehenden ‘Gewinn‘.

Neben autobiographischen Momenten lässt Nils immer wieder Statistiken einfließen, die verdeutlichen wie es um unsere Gesundheit in Deutschland steht und wie Sport uns Gutes tun kann. Immer wieder kommt er aber zu einem wesentlichen Punkt zurück: es geht gar nicht so sehr um ihn, als vielmehr um den Leser und um dessen Einheit von Körper und Geist. Maß, Muse, Ausgeglichenheit und Achtsamkeit sind Schlagworte, die in den vier Kapiteln Erwähnung finden. Wie nebenbei erfährt man, warum Barfußlaufen so gesund ist, dass Stehen nicht einfach aber deutlich besser als Sitzen und vielfältige Bewegung ideal ist, dass Lauf-ABC zum Laufen gehört, dass man Atmen lernen kann, warum Yoga das Leben so unglaublich bereichern kann, wieso mentales Training wichtig ist, warum das Körpergewicht nicht zwingend ausschlaggebend für Wohlbefinden ist, wie man sich bewusst ernährt und ausreichend trinkt, was Gewohnheit und Beständigkeit mit Fitness zu tun hat,…

Für mich sehr bereichernd war der Abschnitt über einen genussvollen Morgen. Das muss ich mir immer wieder erinnern, damit ich nicht ständig sofort mit Vollgas in den Tag stürze und den ganzen Tag über irgendwie rastlos bin. Vergangenes Jahr hatte ich das im Sommer und Herbst so gut hinbekommen und ich wünsche mir dieses eingeschliffene aber so angenehme Muster einfach zurück. Die Erinnerung von Nils hat mich ein stückweit wieder in diese Richtung geschupst.

Die kurzen Anekdoten und Geschichten ließen mich geradezu durch das Buch fliegen. Ich hätte mir nur viel mehr Fotos von ihm gewünscht. Manchmal ganz banal zeigt Nils, wie man im Alltag mit ein, zwei kleinen Drehungen und Wendungen, mehr rausholt. Er führt an sich und seinem Leben selbst vor, dass es nicht immer leicht ist, aus den gewohnten Mustern auszubrechen und neue, bessere Wege zu gehen. Aber möglich ist es!

 

F A Z I T

Neben autobiographischen Details, die der Leser von Nils Schumann aus erster Hand erfährt, gibt es in “Lebenstempo – In Alltag und Sport den eigenen Rhythmus finden“* viele wertvolle Tipps zu entdecken. Diese sind zum Teil ganz plakativ dargestellt, aber gerade diesen lockeren Umgang mit dem Leben und den Möglichkeiten, die es bietet, fand ich sehr kurzweilig. Es bietet viele Gedankenstützen und motivierende Abschnitte, in denen Freizeitsportler Denkanstöße finden können, und bringt dem Leser Nils Schumann auch ein Stück weit näher.

Wie integriert ihr Sport besonders in stressigen Zeiten in euren Alltag? Kennt ihr Fitness- oder auch Freizeitstress?

 

Vielen herzlichen Dank an den Herder Verlag, der mir das Leseexemplar zur Verfügung gestellt hat.

HAT EUCH DER BEITRAG GEFALLEN? ICH WÜRDE MICH SEHR FREUEN, WENN IHR IHN AUF DEN SOZIALEN MEDIEN TEILT. HERZLICHEN DANK!

Euch interessieren weitere Buchempfehlungen rund um das Thema Sport, gesunde Ernährung und Rezepte? Dann klickt den Tag Buchempfehlung an, um meine Liste an Buchvorstellungen zu durchstöbern. Viel Spaß dabei!

Ich freue mich auch auf Tipps von euch. Welches Buch liegt gerade bei euch auf dem Nachtisch oder steht aktuell auf eurer Leseliste? Habt ihr eine Empfehlung? Gibt es vielleicht ein Buch, das ich mir für euch anschauen und vorstellen soll?

Alle hier gezeigten Bilder wurden von meinem Fotografen erstellt. Die Rechte an diesen Bildern liegen bei ihm und mir. Eine weitere Nutzung dieser Bilder ist nur in Absprache mit uns möglich.

 

Eiswuerfelimschuh Nadin Triathletin Yogalehrin Autorin

Als Triathletin & Autorin von Eiswuerfel Im Schuh bin ich zusammen mit meinem Sportfotografen immer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung und neuen Bildmotiven. Als Julimädchen liebe ich die Sonne, das Meer und den Sand zwischen den Zehen, genieße aber auch die Ruhe auf meiner Yogamatte oder auf einem Surfbrett.

16 Gedanken zu “Nils Schumann: Lebenstempo – In Alltag und Sport den eigenen Rhythmus finden (BUCHVORSTELLUNG)”

  1. Da Ich viel unterwegs bin kombiniere ich meine Läufe bzw. Training Spät Abends oder Morgens und am Wochenende vor dem Frühstück. Da freut sich die Tochter auf die Brötchen….

  2. Ja auch ich kenne Trainingsstress da ich Vollzeit berufstätig bin und nebenbei noch eine Familie mit zwei pubertären Jungen, ist es für mich nicht immer einfach alles unter einen Hut zu bekommen. Meistens gehe ich unter der Woche an bestimmten Tagen abends laufen. Am Wochenende bin ich etwas fexibel und kann den langen Lauf auch mal so dazwischen schieben.

  3. Hm. Also, wenn es besonders stressig ist (aber auch sonst immer), nutze ich jede Sekunde für irgendwie geartete Übungen. Zähneputzen geht prima zusammen mit lockeren Pliés; und wenn der Kopf blockiert ist, quetsche ich eine halbe Stunde Yoga dazwischen usw. 🙂 Fitness-Stress als solchen habe ich als Nicht-Athletin nicht, aber ich fühle mich sehr gestesst, wenn ich nicht auf mein Bewegungsminimum von 10K Schritten oder entsprechend bisl Auspowern komme.
    P.S. Meine Kommentaraddi unterscheidet sich von meiner Folgeaddi. Das ist leider so in Zeiten von data collecting! 😀

  4. In stressigen Zeiten gelingt es mir ehrlich gesagt nicht gut, den Lauf Sport in den Alltag zu integrieren.Manchmal ist auch ein Marathon Training Stress, vor allem bei langen Läufen.

  5. Das Laufen in den Tag zu intigireren kann manchmal ganz einfach sein. Einfach zur Arbeit laufen und dann wieder nach Hause. Schon habe ich über 30km auf der Uhr und fühle mich wieder fit 🙂

  6. Für mich ist Sport essentiell, weil er die Basis ist für mein Wohlbefinden. Bin ich nicht fit, kann ich mich nicht erholen. Kann ich mich nicht erholen, bin ich nicht leistungsfähig. Die Trainings sind bei mir fix im Kalender und werden wie geschäftliche Termine behandelt. Ich habe gelernt, dass ich in Stresszeiten extrem die Intensität runterfahren muss. In den Wochen vor meiner Messe (ich bin Messeleiter der grössten Publikumsmesse der Schweiz) “vertrage” ich nur noch lockere Dauerläufe.

  7. Ich integriere den Sport als meine Mittagspause. Zu einem Zeitpunkt, an dem die Produktivität sowieso nachlässt, ist der Sport der optimale Break, um Kraft zu schöpfen, Gedanken zu ordnen und die zweite Hälfte des Arbeitstages geistig und körperlich erfrischt anzugehen.
    Unterstützt und erkannt wird das auch von meinem Arbeitgeber. So werden im angeschlossenen Studio viele spezielle Mittagskurse (Pilates, Rückenfit, Zirkeltraining usw.) angeboten.

  8. Ich habe mir feste Termine in den Kalender eingetragen an denen ich laufen gehe. Eigentlich 🙂 sollte es hier keine Überschneidung geben, da ich unter der Woche immer am Abend nach der Arbeit laufe. Am WE dann in Abstimmung mit der Familie. Aber gerade auf Grund des hohen zeitlichen Trainingsaufwandes für meine Ultraläufe, ist für 2017 kein Ultra geplant. Ich brauche einfach mehr Luft für die anderen schönen Dinge im Leben.

  9. Klar, kenne ich Fitness- bzw. Freizeitstress. Ich bin in den letzten 2 Monaten fast jeden Tag ins Fitnessstudio gegangen. Das war schon so eine Art Zwang. Aber so stellt man sich wenigstens nicht die Frage der Lust, sondern es ist einfach Teil des Alltags wie duschen, anziehen und essen. Von daher habe ich keine Probleme, Sport in meinen Alltag zu integrieren.

  10. Oh ja, Freizeit-Sport-Stress kenne ich auch. Ich plane dann das Training als Termin (wie Arbeit etc…) in meinen Alltag ein. Das bedingt, dass in solchen stressigen Phasen mal der Haushalt oder sportfreie Aktivitäten auf der Strecke bleiben. Das geht, solange ich weiß, dass wieder weniger stressige Zeiten kommen, in denen ich mich dann dem Liegengebliebenen widme. Wenn es arbeitstechnisch geht, versuche ich in solchen Zeiten auch mal den ein oder anderen Tag frei zu nehmen. Ich liebe meinen Sport und deshalb kriegt es diesen vorrangigen Platz in meinem Leben.

  11. Hallo Din,
    ich bin mir sicher, das Buch ist spannend und sehr aufschlussreich. Vor allem aber wegen der autobiografischen Komponente.
    Ich finde es allerdings ehrlich gesagt immer schwierig, wenn ein ehemaliger Spitzensportler, der jetzt hauptberuflich Trainer ist und nie einem “normalen” Job nachgegangen ist, einem erzählt, wie er es schafft genug Sport und Bewegung in seinen Alltag zu integrieren. Aussagen wie “ihm geht es da ja wie jedem anderen auch” sind von normalen Personal Trainern schon immer sehr schwer zu glauben.
    Versteh mich nicht falsch, ich glaube, dass es durchaus gute Ansätze in dem Buch geben wird. Er nähert sich der Sache jedoch aus einer ganz anderen Richtung als das die meisten seiner Kunden und Leser (die wahrscheinlich keine hauptberuflichen Sportler waren und/oder sind).
    Viele Grüße
    Jahn

  12. Hallo Din, Dein Artikel ist sehr interessant und das Buch klingt ebenso lesenswert.
    In besonders stressigen Zeiten (also fast immer) plane ich mein Training auf den sehr frühen morgen (4:00 / 4:30 Uhr) oder direkt nach der Arbeit ein. Das belastet die Familienzeit für mich nicht so sehr, da diese eher lange schläft, und man nach der Arbeit “noch nicht richtig zuhause angekommen ist”.
    Gerne beantworte ich auch die zweite Frage, Fitnessstress gab oder gibt es für mich nicht. Ich trainiere nach Plan und für mich gehört das zum Tagesablauf einfach dazu, das stresst mich nicht.
    Lieben Gruss
    Marco

  13. Habe ein “sportliches Pflichtprogramm” im Rahmen meiner Übungsleitertätigkeit. Heißt wenn nicht Gätte oder Gewitter herrschen, geht es 3-4mal die Woche raus und 1mal ins Wasser:-) Je nach Zeit Lust und Laune wird das ganze dann noch “für mich” ergänzt!

  14. Laufen ist für mich stressabbau – auch wenn die Zeit knapp ist versuche ich irgendwie mein Training zu integrieren- manchmal mit Druck und ohne Lust ! Sobald ich losgelaufen bin – werde ich frei !! Das ist wunderbar !

  15. Ich gehe immer gern nach der Arbeit joggen, auch bzw. besonders gern nach stressigen Tagen,da es den Kopf frei macht und mir schon öfters zündene Ideen oder Lösungen für Probleme beim Laufen eingefallen sind.

    LG Anne

  16. Vielen lieben Dank an euch alle für die interessanten Kommentare. Es war mir eine Freude, durch alle durchzustöbern und mehr über euch zu erfahren.

    Das Buch “Lebenstempo” von Nils Schumann hat Rheinhessenläufer gewonnen. Herzlichen Glückwunsch und viel Freude damit.

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