Laufgeschichten: Hast du Angst oder was?

Geht man mal von einem optimalen Lauf aus, nach dem man mit seiner Leistung wirklich zufrieden ist, kommt trotzdem irgendwann bei mir unweigerlich die Frage auf: War nicht noch mehr drin? Fragt dann auch noch jemand, ob man noch Luft hatte oder alles gegeben hat, werden die Zweifel an der eignen Leistung vielleicht noch größer. Aber es kann noch viel schlimmer werden, denn was ist los, wenn man sich nach kürzeren Läufen unter der Halbmarathondistanz nicht kaputt fühlt, sich im Ziel innerhalb weniger Minuten erholt hat, keinen Muskelkater bekommt und munter weiter trainieren kann?

Es ist nicht so, dass ich nicht fast stolpernd über die Ziellinie rase und zwischendurch nicht das Gefühl vollkommener Übelkeit kennen würde, aber mich wundert es schon ab und zu, dass ich mich danach nicht wirklich erschöpft fühle. Ich weiß tief in mir, dass da noch mehr ist, was ich schaffen könnte. Meine Fahrradbegleitung sagte mir neulich, dass wir das bald etwas professioneller aufziehen müssen. Was er damit meinte, wird wohl immer sein Geheimnis bleiben, aber ich weiß worauf er hinaus wollte.

Ein Lauf ist für mich immer ein guter Lauf, wenn ich mein Ziel erreicht habe und es gab schon einige Läufe, die ganz und gar nicht nach meinen Vorstellungen und Zielsetzungen verliefen. Ich kenne also das Gefühl, mit sich unzufrieden zu sein und Ziele zu verfehlen, aber überwinde die Situation sehr schnell mit einem guten Training. Es gibt also eigentlich nichts, wovor ich Angst haben müsste; ich habe meist gut trainiert; den limitierenden Faktor Asthma habe ich mit langen Läufen und einer guten Medikamenteneinstellung im Griff; ich weiß, dass ich an der Verpflegung bei sehr langen Distanzen arbeiten muss und ich setze mir Ziele, von denen ich aus dem Training weiß, dass sie erreichbar sind. Dennoch frage ich mich oft ‚Hast du Angst oder was ist los‘? Mir fehlt irgendwie die Härte, der Biss, vielleicht auch die Erfahrung… um tatsächlich aus mir herauszukommen, um einfach mal loszulassen und Gas zu geben. Kann auch sein, dass ich zu viel gelesen habe – sei nicht zu schnell am Anfang, laufe genau so, wie du es dir vorgenommen hast, keine Tests, kein Wagnis.

Es ist vielleicht so, wie bei Kevin Costner als abgewrackter Golfer, der einfach ein mentales Training braucht, um wieder auf Touren zu kommen. Man kennt es ja auch von Triathleten oder anderen Leistungssportlern, die neben den körperlichen Trainingsplänen auch ihren Geist stärken müssen. Die Gelassenheit und Geduld bekomme ich durch meine Yogaklassen und die Wettkampfhärte vielleicht durch noch mehr Wettkämpfe, aber den Mut zu laufen, so schnell wie es nur geht…?

Als Triathletin & Autorin von Eiswuerfel Im Schuh bin ich zusammen mit meinem Sportfotografen immer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung und neuen Bildmotiven. Als Julimädchen liebe ich die Sonne, das Meer und den Sand zwischen den Zehen, genieße aber auch die Ruhe auf meiner Yogamatte oder auf einem Surfbrett. Ich freue mich, mit dir auf FacebookTwitterPinterestInstagram und Google+ in Kontakt zu bleiben.

32 Gedanken zu “Laufgeschichten: Hast du Angst oder was?

  1. Setz‘ Dich nicht zu sehr selbst unter Druck! Du kommst schnell in eine Spirale, wo es nur noch um das Erreichen von noch besseren Leistungen geht. Gib Dir selbst etwas Zeit! Wenn Du etwas erzwingst, geht das mit Sicherheit nach hinten los. Den Biss kriegst Du mit mehr Erfahrung, aber auch dass sollte man locker angehen. Du bist jetzt schon ziemlich schnell unterwegs. Vielleich bist Du gerade an einer Schwelle, wo der Leistungszuwachs nicht so steil ist, wie vorher. Die Zuwachskurve verläuft ganz sicher nicht linear. Wo kämen wir da auch hin? 😉 Und denk dran: RUN HAPPY! (Hinter diesen zwei Wörtern steckt mehr, als man denkt!) [S]

    • Ich werde versuchen mit viel Ruhe und Gelassenheit durch die Wintersaison zu laufen, um dann auch wieder erfrischt in die neue Saison zu starten. Ich bin am Planen und für meine Ziele im kommenden Jahr, bin ich vielleicht schon nicht so schlecht aufgestellt.
      Wahrscheinlich fehlt mir auch noch etwas die Erfahrung, was hartes und effektives Training angeht.

  2. Wir haben hier mit dem Lauftreff einige Zeit lang hauptsächlich für eine Anfängertruppe Bahntraining gemacht. Die konnten während des Tempoabschnitts noch reden – aber schneller laufen? Nein.

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass bei vielen die Bereitschaft sich so richtig zu quälen, nur sehr anfänglich ausgeprägt ist. Mein „Einstieg“ ins Laufen fand in den Sommerferien mit zwei Medizinbällen unter dem Arm vor einer langen Treppe an. Da wurde uns gezeigt, was es heißt, zu leiden.

    Meine Empfehlung: Sich von jemandem wirklich quälen lassen. Wenn du jemanden kennst, der dich bei einem Training richtig anschreien könnte: Such ihn dir und lass es ihn machen. Treppentraining wäre dafür optimal – da ist man an einer Stelle und kommt schnell an seine Grenze.

    • Hi Hannes, guter Tipp mit den Treppen, die findet man ja häufig öfter als offene Sportplätze. Die Medizinbälle lasse ich vielleicht erst einmal an der unteren Seite der Treppe liegen, aber ja, du hast vermutlcih recht. Man traut sich häufig zu wenig zu und hat keine Lust hart auf dem Boden aufzuschlagen. Lange laufen kann ich und nun ist es vermutlich wirklich an der Zeit, mal intensiv an der Laufhärte zu arbeiten, vor allem, was die kurzen Distanzen angeht.

  3. Wer gut trainiert ist, bricht nicht nach der Ziellinie zusammen. Nun bin ich kein ausgewiesener Spitzensportler und dümpele so im MIttelfeld vor mich hin, aber ich versuche doch immer irgendwie bis Anschlag zu laufen und habe in diesem Jahr meine Bestzeiten auf allen Strecken kontinuierlich verbessert. Ich verliere ich bei Kilometer 5 auch mal die Lust, weil ich denke, dass ich nicht mehr kann, und laufe trotzdem weiter. Manchmal ist der Schlußspurt über die letzten 500m auch nur heiße Luft, weil nix mehr geht. Aber ich musste insgesamtt nur zweimal dem zu warmen Wetter Tribut zollen, habe mich aber ansonsten immer eine Minute nach Zieleinlauf gefragt, wo es denn hier zum nächsten Lauf geht.

    Ich finde, dass es auch so sein sollte. Ich bin absolut kein Freund von „wer nicht kotzt, der hat sich nicht angestrengt“. Der Spaß muss unbedingt dabei sein und was will ich mehr, als meine Zeiten verbessern und mich danach trotzdem super fühlen. Klar frage ich mich danach auch immer ein wenig, ob ich nicht noch die eine oder andere Sekunde hätte draufsatteln können. Aber etwas Luft nach oben ist immer gut und beim nächsten Mal bin ich dann halt noch ein wenig besser.

    Nun habe ich ja gut reden, weil ich im Mittelfeld rumrenne und soetwas wie ein Treppchenplatz unendlich weit entfernt ist. Es geht also praktisch um nix für mich. Plätze sind in diesem Leistungsbereich doch – wenn man ehrlich ist – nur Schall und Rauch. Ob ich nun 620. oder 543. bin spielt keine Rolle. Deshalb muss die Motivation für mich auch der Spaß sein. Ich würde das alles einfach nicht so verbissen sehen. Wenn man mit Lust und Leidenschaft trainiert, stellt sich die Verbesserung sowieso automatisch ein.

    Viele Grüße
    Uwe

    • Hallo Uwe, schön, dass du wieder vorbeigeschaut hast.
      Spaß muss natürlich an erster Stelle stehen, auch wenn ich mich ab und an richtig aufraffen muss, um meine Laufschuhe zu schnüren. Aber eigentlich gelingt es mir immer. Ich möchte auch auf keinen Fall ohnmächtig ins Ziel fallen oder nach einem Lauf an einem Zaun lehnen… Die Platzierung ist auch nebensächlich, wenn man für sich sein Ziel erreicht. Nur eins möchte ich zudem auch, wissen, dass wirklich absolut nicht mehr drin war und das nicht nur ausschließlich bei eine WK sondern auch mal im Training. So ein Gefühl hatte ich vor einigen Tagen bei einem Fitnesskurs so komisch es klingt. Nach zehn Minuten ging fast nichts mehr; meine Bauchmuskeln war nahe am zerspringen und so hätte ich auch gern mal ein Training. Es soll natürlich alle heile bleiben, aber mal richtig alles geben, muss mal sein.

  4. Das Gefühle das man das rennen doch etwas schneller sein konnte, das kann ich allzu gut. Aber ich glaube das unserer regenerativ Fähigkeit tauschen uns. Den als ich die letzten Meter ein rennen lauf gib ich alles was ich zu geben hab. Dem noch im nur kurzen zeit bin ich wieder fit, und diesen Gedanken schliefen sie rein.

    Ich denke an das ende von dem Berlin Marathon Dieses Jahr als Makau seinen unglaublichen zeit gelaufen ist. Weniger Sekunden danach war er wieder fit genug Richtung Brandenburger Tor zu Joggen. Nicht weil er nicht alles gegeben hat, sondern weil er so schnell regenerieren kann…

    …ob er auch glaubt das er das Dinge schneller laufen hatte?

    • Hallo Paul, danke für dein Kommentar und mal den anderen Blickwinkel mit dem du absolut recht hast. Während des Lauf ist man vielleicht wirklich der Meinung bzw. es ist tatsächlich so, dass man nicht mehr geben kann. Aber ich bin immer so vorsichtig und das muss sich etwas ändern.

  5. Das mit dem an die Grenzen gehen und den Zweifeln darüber … kenne ich ganz gut. Ich finde aber da sollte man recht vorsichtig sein.
    1. Dass man sich schnell wieder gut fühlt ist ein Zeichen guten Trainings und einer guten Verfassung. Stichwort Kenianer, nach nem Marathon WR. WIe schnell die wieder rumhüpfen.. Und denen glaube ich, dass sie alles rausgeholt haben.
    2. Aber was heisst das eigentlich ob noch mehr drin gewesen wäre? ich denke wenn ein Tiger oder ein Mann mit einer scharfen Waffe hinter einem hergelaufen wäre, dann hätte man noch einen ordentlichen zacken mehr rausgeholt. Dann würde man erst _wirklich_ an seine Reserven gehen.
    Also ja, da ist meistens noch was drin.

    Aber das ist ja auch gut so, denn dieser Bereich ist für mich die „Lebensreserve“. Und die lass ich da wo sie ist. ich bin ja kein Kenianer der WR brechen muss um seine 50köpfige Familie zu ernähren.
    Ich bin nur Milosz, der irgendwann mal Marek auf der HM Distanz schlagen will 😉 Und Dich beim Triathlon 😀
    Ich mach einmal im jahr meine Leistungsdiagnostik, und daher weiß ich was ich kann und wo die Lebensreserve anfängt. Bei den ernsten Läufen wird die Uhr auf den Bereich zur Warnung eingestellt.
    Hat auch was mit meiner schlagartig abfallenden Laktattoleranz zu tun, ab Puls X.
    Und wenn es zum Ziel geht auf dem letzten KM ignoriere ich dann die Warnung. So hole ich das meiste für mich raus. Und solange ich am nächsten Tag meinen REG Lauf machen kann, wars auch nicht zu schnell.
    Meine Devise: Lieber langsamer, dafür öfter! 🙂
    LG
    der parkläufer

    • Hi Milosz, ich halte dir die Daumen für HM gegen Marek und wir sehen uns beim Triathlon!

      Die Kenianer… ein ganz eigenes Volk, das eine unglaubliche Härte besitzt! Ich bin ja immer noch vom Berlin Marathon beeindruckt, wie gelöst die Athleten vor und nach dem Lauf sind und wie sie alles beim Lauf geben. Genau, vielleicht bin ich einfach gut trainiert, für die Leistung, die ich dabei abrufe 😉

      Interessant, dass du jedes Jahr eine Leistungsdiagnostik machst; mittlerweile glaub ich ja, dass es sehr verbreitet ist bei Freizeitsportlern. Meine ist ja nun schon mehrere Jahre her und nun wird es wohl wieder Zeit!

  6. Vielleicht fehlt einem auch die Unbekümmertheit früherer Tage, als man noch nirgendwo gelesen hat: Lauf bloß nicht zu schnell los… Von solchen und ähnlichen Tipps ist das ganze Internet voll. Früher sind wir im Wettkampf losgelaufen, als gäbe es kein morgen, häufig genug haben wir nach der halben Strecke schon tot im Graben gelegen aber wenn man denn mal durchkam, wurde es eine neue Fabelbestzeit.

    Heute wird der Wettkampf vom ersten Meter an verwaltet, selbst wenn das Ziel schon in Sicht ist, traut man sich kaum, richtig Gas zu geben. Anschließend holt man zweimal tief Luft, klopft sich innerlich ob der superkurzen Regenerationszeit (wie wir alle wissen, das Zeichen eines sehr guten Trainingszustandes) auf die Schulter und nimmt sich die neue Bestzeit für das nächste Mal vor.

    Aber klar, je länger die Strecke ist, umso schmaler wird der Grad auf dem man sich bewegt. Wenn man bei einem Marathon nach 10 km feststellt, dass man sich verzockt hat, und zwar so richtig, sind die letzen 32 km ein ganz außerordentliches Missvergnügen (wie ich aus eigener Erfahrung weiß).

    • Hallo Ralf, schön, dass du Vorbeigeschaut hast!

      Man darf nicht vergessen, dass man ja auch nicht wie ein Verrückter nur die letzten Meter Gas geben möchte, damit alle sehen, wie viel zeit man sich beim eigentlich Lauf gelassen hat. Würde ja auch irgendwie komiscch aussehen… Aber auch das habe ich wieder nur gelesen.
      Im Training sollte ich mal wie ein Tier loslaufen und wenn ich dann unterwegs wirklich halb ohnmächtig nicht mehr kann, dann muss ich eben nach Haus schleichen. Den Marathon zu verhauen wird auch sicher mir mal bevorstehen, aber nun gut, so ist das. Muss man sicher auch mal durchgemacht haben, schließlich lernt man auch daraus.

  7. Ich glaube, was wirklich hart ist oder nicht muss man relativieren. Ich staune auch immer Bauklötze, wenn ich sehen, wie sich manche Athleten so unglaublich quälen können. Wie sich stöhnend und ächzend an mir vorbei stürmen, den Blick nach vor fokussiert. Ist, denke ich mal, auch eine Frage der Persönlichkeit.
    Bisher habe ich das nicht geschafft, also nicht in dieser Intensität. Es ist aber auch nicht so, dass ich erholt ins Ziel komme. Erschöpft bin ich schon. Manche schaffen es aber bis ins Sanizelt. Da würde ich zugeben: Ja, die haben sich verausgabt. Aber komplett. Ich bezweifle aber, ob das so gesund ist.

    Lese ich deine Zeilen, sehe ich da noch Quäl-Potential. Sich zu quälen, Qualen erleiden und eine gewissen Resistenz schaffen, kann man trainieren. Meine Favoriten sind ja Intervallläufe oder Tempodauerläufe, bei denen man komplett schrottig nach Hause kommt. Damit wirst du sicher auch die nötige Wettkampfhärte antrainiert können. Aber neben dem physischen Aspekt spielt aber auch der Kopf eine große Rolle. Versuch doch mal in einem Zwiegespräch, deine Stärken und Schwächen herauszufinden. Werde dir deiner Stärken bewusst uns spiele sie im Wettkampf aus. Das ist immer leichter gesagt als getan – weiß ich. Aber so etwas kann man auch trainieren. Ich stelle mir immer schöne Dinge vor. Das beflügelt – Stichwort: Runner’s High. Den kann man in der Tat beeinflussen und so noch mal einen kleinen Boost erwirken. Genauso, wenn man sich beim Laufen selbst anfeuert…innerlich. Auch das klappt; natürlich nur bis zu einem gewissen Grad. Naja, das sind so meine Rezepte. Vielleicht hilft es ein wenig.

    • HI! Lieben Dank für deien Ideen und Ratschläge!
      Der Laufstil variiert doch tatsächlich erheblich und die Läufer, die mich überholen mit riesigen Schritten und wehenden Armen, mit schwerer Atmung und stampfendem Schritt, scheinen wirklich zu wissen, was sie wollen. Ich bin zwar auch fokussiert und kann auch meist alles um mich herum sehr gut ausblenden, aber irgendwie finde ich den Knopf nicht, der meine Gedanken ausstellt. Der mir den Mut gibt, die Beine los und laufen zulassen.

      Bis letztes Jahr habe ich einen großen Bogen um Intervalle gemacht. Tempoeinheiten ja, aber Intervalle ok irgendwie mal ab und an, aber meist im Plan gesehen und nicht umgesetzt. In diesem Jahr habe ich sie lieben gelernt und sie haben mir gezeigt, in welcher Geschwindigkeit ich laufen kann. Aber ich weiß, dass mehr geht und das muss ich einfach mal abrufen. Diese Resistenz muss ich jetzt anfangen zu trainieren; sehe ich genauso wie du.

      Die Sache mit den Stärken bewusst werden, versteh ich, aber welche Stärken und wie umsetzen? Da muss ich mal drüber nachdenken!

  8. Hallo Din,

    interessanter Artikel! Ich weiß, was Du damit sagen möchtest. Geht bzw. ging mir in diesem Jahr genauso.

    Ich habe in meiner diesjährigen Laufsaison, welche gleichermaßen wieder meine erste richtige Laufsaison seit Ewigkeiten war, meine Zeiten über 10km und die Halbmarathondistanz mehrmals deutlich verbessert. Und jedesmal war ich hinterher zwar erschöpft und glücklich, aber habe sofort bereut, nicht mehr „riskiert“ zu haben, zu Gunsten einer noch besseren Zeit. Also wieder warten bis zum nächsten Lauf und dann mit etwas mehr Selbstvertrauen heran.

    Und ich denke, das ist genau der Punkt – das Selbstvertrauen – das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Natürlich will ein Wettkampflauf auch taktisch gelaufen werden. Da kann ich nicht einfach wild drauf los rennen. Schon klar! ABER – je mehr ich an mich und meine Fähigkeiten selbst glaube, um so sicherer spule ich mein Rennen ab.

    Doch hierfür braucht es Erfahrung. Erfahrung im Umgang mit den eigenen Fähigkeiten. Erfahrung über das eigene Verhalten in Grenzbereichen. Und das bekomme ich nur, wenn ich mich dieser Herausforderung auch immer wieder stelle – also im Wettkampf.

    Im Training kann ich zwar auch viel probieren, aber da laufe ich i.d.R. nur für mich. Allein schon der Start in ein Rennen läßt sich im Training nur schwer „nachspielen“. Oder aber auch das gezielte Auflaufen zu einer vorauseilenden Laufgruppe. Das sind Dinge, die erfahre ich nur im Wettkampf. Im Training ist vieles plan- und berechenbar. Ein Wettkampf dagegen wird mich immer wieder vor eine Menge neuer und spontaner Situationen setzen, die es erfolgreich zu bewältigen gilt.

    Also – lieber den einen oder anderen Tempolauf im Trainingsplan durch eine Teilnahme an einem Volks-/Straßenlauf ersetzen. Das ist meine Meinung. Und das werde ich im nächsten Jahr versuchen umzusetzen.

    Grüße aus Köln!
    Mario

    • Hallo Mario! Danke für deinen ausführlichen Kommentar und deine Sicht auf die Dinge.
      WK-Erfahrung mag ich vielleicht etwas haben, ist aber ausbaufähig und deshalb habe ich vielleicht auch noch nicht sonderlich viel Vertrauen in meine Fähigkeiten bzw. habe noch nicht endgültig gute WK-Strategien ausgearbeitet. Das muss auch nachgeholt werden!
      Da die Planung für die kommende Saison noch nicht abgeschlossen ist, werde ich sicher die vorgeschlagen WK´s im Trainingsplan während der Halbmarathon-, Marathon- und Tritahlonvorbereitung wahrnehmen.

  9. Erholst Du dich vielleicht einfach nur sehr gut oder holst Du wirklich nicht alles aus dir raus? Wovor könntest Du Angst haben? Schmerzen? Vielleicht musst Du das auch mal trainieren. Einfach mal den Pulsgurt abnehmen und so schnell Laufen bis es weh tut. An der Atmung merkt man doch wie sehr man am Limit ist. Viellciht gehört auch ein bisschen Sado-Maso dazu, halt sich quälen zu können. Ich hatte früher öfter dieses Gefühl beim Cooper Test. Das ist wohl eine Distanz, die sich dafür gut eignet. Dann hast Du eben auch eine unangenehme Schnappatmung und fällst eben um weil Du völlig kapputt bist. Aber man lernt zumindest mit Schmerzen umzugehen und dass es alles halb so wild ist.

    Gruss,

    Laksman

  10. Liebe Din,

    ich kann dich sehr gut verstehen, vielleicht ist dein Verhalten auch frauenspezifisch, weil ich Ähnliches von mir aus meiner Anfangszeit auch kenne, als ich noch nicht wusste, wohin.

    Irgendwann habe ich dann für mich herausgefunden, was ich möchte, und nachdem ich bei meiner 10 Kilometer-Bestzeit mit Übelkeit und voll ausgepowert im Ziel eintraf, wusste ich, dass es das nicht ist, was ich wollte. Von da an war meine Entscheidung gefallen, und ich wurde zur Ultraläuferin.

    Aber dass man es lernen kann, beweisen uns täglich andere.

    Bin gespannt, wie es bei dir weitergehen wird – wie auch immer, ich wünsche dir viel Glück ! 8)

    • Hi, ja, mag sein, dass Frauen eher dazu neigen auf Nummer sicher zu gehen. Ich bin immer wieder beeindruckt, welche Strecken du wegrennst und ich weiß, dass alles über Marathon für mich doch irgendwie eine Qual wäre. Ich habe es natürlich noch nicht probiert und weiß auch nicht, ob es vielleicht doch etwas wäre, aber so ein schneller kurzer WK hat auch schon etwas für sich und macht Spaß.

  11. Ich bin mir sicher, dass das Thema ganz viele ambitionierte Läufer beschäftigt. Und sicherlich hat es etwas mit Mut und Wagnis zu tun. Gerade wenn man den Wettkampf „im Plan“ läuft, und damit praktisch das eigene gesetzte Ziel erreichen wird.
    Wahrscheinlich muss an diesem Tag alles passen: Trainingsvorbereitung, Wetter, Stimmung beim Lauf, und individuell für jeden einige Faktoren mehr. Und zusätzlich noch der Mut, und das ist schon sehr viel, was passen muss. Die Angst, die in mir immer aufkeimt ist natürlich die Frage: „Was ist, wenn ich nach xx Kilometern total einbreche?“ Aber das ist sicherlich auch Dein Punkt. Und eigentlich ist das total Quatsch, so lange es nicht der Wettkampf des Jahres ist, auf den man sich viele Monate vorbereitet hat.
    Ich hatte so ein Erlebnis beim Kölner Halbmarathon im Oktober, bei dem ich einfach unbewusst „zu schnell“ losgelaufen bin, und nicht nur den ersten Kilometer. Nach vier km dachte ich mir, dass es zwei Möglichkeiten gibt: entweder ist wird eine grandiose neue PB, oder ich breche eben bei Kilometer 15 ein. Am Ende hat alles gepasst und ich hab meine Zeit um mehr als zwei Minuten verbessert.
    Von daher wäre es vielleicht eine Möglichkeit, es bei einem für Dich eher unwichtigen Lauf auszuprobieren. Am Ende gibt’s nix zu verlieren.
    Oder Du musst Deine Fahrradbegleitung bitten, seine Aussage etwas zu spezifizieren 🙂

    • Hallo Katrin,

      ich glaube, genau das wird der Plan im Trainingsplan nächstes Jahr. Testwettkämpfe zur Leistungsüberprüfung, die man auch mal total verhauen kann oder die dann einfach richtig gut laufen. Klar besteht die Gefahr, dass man sein restliches Training wenig motiviert angeht, nachdem etwas schief gegangen ist, aber vielleicht lernt man so einfach wirklich am besten.

  12. Hallo Nadin,

    ein Fitnesskurs oder Krafttraining lässt sich aber schwer mit Laufen vergleichen. Beim Fitness trainierst Du häufig bis zum muskulären Versagen, um einen Muskelaufbau zu initiieren. Das geht beim Laufen ja kaum. Hier kommst Du ja eher ein eine konditionelle Grenze.

    Die Idee von Hannes finde ich aber nicht schlecht. Mal auf einer Treppe (ich kann das Stadion Wilmersdorf wärmstens empfehlen) richtig auspowern? Probiere ich im Frühjahr gleich mal aus.

    Viel Spaß weiterhin
    Uwe

    • Stadion Wilmersdorf? Trainierst du da oft? Ist das öffentlich zugänglich bzw. kennst du da die Öffnungszeiten?
      Die Treppe kommt in meinen Trainingsplan, den ich sicher vom Steffny ausprobieren werde. Werde das ein oder andere Intervalltraining mal damit ersetzen.
      Klar, die Kraftgeschichte war jetzt nur mal ein Beispiel für das Gefühl, das ich auch beim Laufen erleben möchte. Habe mir auch gerade überlegt, dass meine Marienfelder Minialpen sich sicher gut für ein Ich-quäl-mich-mal-Training eignen. So ein wenig hoch und runter während der Intervalle ist bestimmt nicht schlecht. Außerdem werde ich mal wieder am Wannsee trainieren und den Grunewaldturm mehrmals erklimmen. Da hat mir dieses Jahr wirklich viel Spaß gemacht.

  13. Wir sind im Stadion Wilmersdorf dieses Jahr praktisch unsere gesamten Intervalleinheiten gelaufen. Im Winter/Frühjahr war es abends im Dunkeln schön leer. Da macht es richtig Spaß im Licht des nebenan liegenden Eisstadions im Halbdunkeln zu trainieren. Sollte man aber vielleicht eher nicht alleine tun. Im Sommer triffst Du halt auf ein paar mehr Läufer.

    Laut Berliner Sportstättenverordnung (oder so ähnlich) müssen die Vereine die Plätze, die sie vom Land Berlin zur Verfügung gestellt bekommen haben, der Öffentlichkeit außerhalb von Veranstaltungen zugänglich machen. Insofern solltest Du in jede landeseigene Stadionanlage kommen. Neben dem Stadion Wilmersdorf waren wir auch auf den Sportplätzen am Vorarlberger Damm und wir sind nie von den Platzwarten angesprochen worden.

    In das Stadion Wilmersdorf kommst Du eigentlich fast immer über die Gegentribüne rein. Dort sind die Türen fast immer offen und dann gehst Du nur die Treppe ins Stadion runter. Auf den Nebenplätzen trainieren ganz viele Fußballmannschaften, die ihre Umkleiden im Hauptstadion haben, weswegen wohl auch die Tore immer geöffnet sind, damit die Spieler über den Platz gehen können. Hin und wieder muss man mal ein paar umnachtete, obercoole Fussballteenies von der Bahn brüllen, aber wenn Du einmal an Ihnen vorbeigerauscht bist, hat sich das meistens erledigt.

    Öffnungszeiten gibt es aber – meine ich – schon, auch wenn sich diese meiner Kenntnis entziehen. Das Stadion Wilmersdorf habe ich noch nie (bis 21.00 Uhr) verschlossen erlebt. Am Vorarlberger Damm stand ich schon mal am Wochenende um 09.30 Uhr vor verschlossenen Türen.

    Ich kann nur eins sagen: der Gedanken an Bahnenziehen hat mich immer abgeschreckt. Zu zweit kann das aber viel Spaß machen und mittlerweile finde ich das äußerst entspannend. Dort laufen sich Intervalle einfach viel besser als in freier Natur.

    Nochwas zum Treppentraining: das mag sicher mal ganz gut sein, um sich mal auszupowern. Aber gerade Treppen gehen hübsch auf die Gelenke. Dann lieber zu zweit oder notfalls auch alleine Intervalle.

    Wannsee und Grunewaldturm sind klasse. Ich ersetze gerne mal das Fahrtspiel, was mir wenig liegt, durch einen Auf-und-Ab-Lauf am Havelhöhenweg. Das macht auch Laune und kann so richtig auspowern. Wenn Du die letzten Anstiege dann nur noch hochkriechst, weil nix mehr geht, dann war wohl auch die Power zu Ende.

    • Danke schön für die vielen Details – grundsätzlich soll natürlich so ein Platz offen sein, aber die Umsetzung gelingt nicht immer optimal (wie eben auch hier in Marienfelde – sage nur Schlüsselwart).
      Bahntraining kann ganz schön zermürben, wenn man allein ist, hast du recht und hab ich auch schon erlebt, aber so eine Bahn bietet eben auch immer einige Vorteile wie eben auch für besagte Intervalle.

      Ok, wegen der Treppen, da muss man natürlich drauf achten und darf es nicht übertreiben.

  14. Wenn du dich nach einem Wettkampf schnell wieder erholt fühlst muss das nicht gleich bedeuten das du dich nicht genügend angestrengt hast. Vielleicht ist einfach deine Fitness so weit fortgeschritten um einen Lauf an der Pulsobergrenze „locker“ weg zu stecken. Sie dir mal die Eliteläufer an die unmittelbar nach einem Marathon locker flockig herum hüpfen und danach ein Interview geben.

  15. Liebe Din,
    ich habe die Erfahrung gemacht, dass es nur wenige Wettkämpfe gibt in denen ich vom Kopf so locker bin, dass ich wirklich bis auf’s Blut kämpfen kann. Einerseits hat dies ganz viel mit der körperlichen Fitness zu tun – wenn man gut drauf, ist das Laufen ja eh leichter. Und dann ist es für mich hilfreich, wenn ich vorher gar nicht groß nachdenke & mir nichts vornehme. Meist laufe ich dann die ersten 80% des Rennens so, dass ich mich nicht groß konzentriere, sonders mich nach meinem Gefühl und nicht der Zeit oder dem Puls richte. Die letzten 20% überrede ich mich zum Durchhalten, Überholen oder sogar zum Beschleunigen – da heißt es dann wirklich kämpfen. Beim Training mit anderen Läufern kann man das auch ein bisschen üben. Denk dir beim Wettkampf, dass du nun aber wirklich mal schneller laufen musst, damit du dir hinterher nichts vorwerfen kannst.

    • „Sich selbst überreden“ – das klingt super (!) und passt sicher auch für die letzten 20% des Rennens. Danke, Grit, für dein Kommentar! Ich glaube auch, jetzt habe ich hier so viele tolle Tipps bekommen, da muss ich einfach mal durchziehen! Sonst Grummel ich wieder vor mich hin.

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