Die Geschichte vom 173er Puls

Da machte sie sich am späten Montagnachmittag auf zu einer Laufrunde, eigentlich 15km im mittleren Tempo geplant. Aber schon während des Warmlaufens merkte sie, dass heute vielleicht der Tag sein sollte, an dem sie den schlimmsten  Lauf der Woche hinter sich bringen konnte: 12km mit einem Puls über 170.

Die letzten zwei Wochen immer vor sich hingeschoben, begann sie nach wenigen Minuten das Tempo anzuziehen, um den Puls hochzutreiben. Aber schon nach 3,5km ließ ein stechender Schmerz in der Seite ein Weiterkommen unmöglich werden. Ihr war absolut klar, dass der 170er Puls und sie nicht besonders gute Freunde werden würden. Der Gedanke, die Runde einfach zu ändern und einen etwas längeren aber weniger intensiven Lauf daraus zu machen, war tatsächlich gekommen. Der Lauf dürfte aber nicht zu lang werden, denn sie hatte Brooks Lightweighttrainer an.

Mit einem ungläubigen Blick auf die Pulsuhr, die nur 165 anzeigte, machte sie eine Pause und starte noch einmal. Es war schließlich Montag, die schlimmste Trainingseinheit der Woche war begonnen, also warum abbrechen?

Hochkonzentriert wie beim Yoga achtete sie nur auf Ihre Atmung; auf jeden Schritt, der sie nach vorn brachte und jede Armbewegung, die neuen Schwung gab, während sie die kullernden Tränen vom Gegenwind oder von der Anstrengung und die nach Asthmaspray japsenden Lungen vollkommen vergaß. Langsam ging der Puls auch hoch und nach wenigen Minuten lief sie konstant mit mehr als 170 Schlägen die Strecke ab.

Nach 1:02h ein weiterer Blick auf die Uhr, die 13km und einen Durchschnittspuls von 173 anzeigte!

War es die Yogaeske-Einstellung, die Konzentration auf jeden einzelnen Schritt, die kreischenden Bronchien, die neuen Schuhe? Sie wusste es nicht, aber glücklich war sie trotzdem.

Als Triathletin & Autorin von Eiswuerfel Im Schuh bin ich zusammen mit meinem Sportfotografen immer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung und neuen Bildmotiven. Als Julimädchen liebe ich die Sonne, das Meer und den Sand zwischen den Zehen, genieße aber auch die Ruhe auf meiner Yogamatte oder auf einem Surfbrett. Ich freue mich, mit dir auf FacebookTwitterPinterestInstagram und Google+ in Kontakt zu bleiben.

5 Gedanken zu “Die Geschichte vom 173er Puls

  1. Nett geschrieben…
    ich versuche mich heute mal an der Geschichte vom 146er Puls (GA1), das wird mindestens genauso anstrengend, nicht wie üblich übers Ziel hinaus zu schießen.

    Grüße -timekiller-

  2. Pingback: Wochenzusammenfassung – Marathonvorbereitung | Eiswuerfelimschuh's Blog

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