BerlinWoMan-Triathlon 2026 (Teil 2) – Radstrecke, Laufstrecke & Finishline

Wer den ersten Teil dieser BerlinWoMan-Triathlon Serie gelesen hat, weiß, wie es mir nach dem Wechsel von der Schwimm- auf die Radstrecke ging: nass, kalt und mit einem inneren Monolog voller Zweifel auf meinem Fuji, kurz nachdem ich den Wannsee endlich hinter mir gelassen hatte. Genau dort setzt dieser zweite Teil an, und ehrlich gesagt, sollte es auf den nächsten 80 Kilometern nicht ruhiger werden.

Die Radstrecke des BerlinWoMan-Triathlons beginnt an der Wechselzone am Strandbad Wannsee. Zunächst geht es zum Wendepunkt an der Spanischen Allee, dann über den Kronprinzessinnenweg und die Havelchaussee, vorbei am Willi und hinauf zum Postfenn. Eine Wendeschleife am Olympischen Platz leitet den Rückweg zum Wannsee ein. Und wer glaubt, damit sei die Sache erledigt: Es folgt noch eine zweite Runde!

Die Mitteldistanz bringt etwa 700 Höhenmeter mit sich. Sie verteilen sich auf Anstiege, die für Berliner Verhältnisse diesen Namen verdienen, und auf Abfahrten, die auf dem Rad Konzentration verlangen. Das gilt besonders, weil Athletinnen und Athleten in beide Richtungen unterwegs waren. Die Abfahrt am Postfenn mit enger Rechtskurve und Gegenverkehr sowie die Willi-Abfahrt auf dem Rückweg gehören zu den technisch anspruchsvollsten Momenten des Kurses.

Die 20 Kilometer lange Laufstrecke beginnt am Wechselbereich im Strandbad Wannsee. Zunächst führt sie nach Süden bis zum Wendepunkt kurz vor der Feuerwache. Von dort geht es zurück und weiter nach Norden über Schwanenwerder. Anschließend laufen wir auf demselben Kurs zurück ins Ziel. Drei Runden, ein Bändchen pro Runde zur Kontrolle – und jedes Mal wieder Augenrollen: Diese Insel mit ihrem Hügel hat es in sich.

Wie sich die Kombination aus Höhenmetern, Kurven und Wetterlaune für mich tatsächlich angefühlt hat, zeigen Oliver und ich dir in diesem zweiten Teil zum BerlinWoMan-Triathlon 2026.

Nach dem Ausstieg aus dem Wannsee und dem kurzen Kraftakt mit dem Neoprenanzug ging es zügig aufs Rad. Ich war wirklich überrascht, wie unglaublich schnell der Wechsel ging. Alé Cycling TriSuit und die Calves hatte ich bereits unter dem Neoprenanzug an. Es fehlten nur Strümpfe, Radschuhe, die Startnummer und mein Rudy Project Helm, der sich wie von selbst verschloss. Alles lief so entspannt, wie schon lange nicht mehr. Sicher auch, weil ich bereits trotz der kühlen Temperaturen sämtliche Kleidung von TriSuit bis Calves unter dem Neoprenanzug trug.

Kein Drama. Keine Irritation.

Fast eigenartig. Und vor allem jede Menge Platz mit nur wenigen Athleten an ihren Rädern verteilt, weil ich wie im ersten Beitrag zum BerlinWoMan-Triathlon erwähnt, als 13. Athletin auf die Radstrecke ging.

Meine Beine wollten davon zunächst allerdings noch nichts wissen. Die Kälte des Wassers steckte mir in den Fingern, doch die Freude überwog und bildete einen starken mentalen Kontrast dazu. Nach mehreren Jahren Pause endlich wieder an diesem Wettkampf teilnehmen zu können, fühlte sich an diesem Morgen einfach großartig an.

Triathletin auf der BerlinWoMan-Triathlon Radstrecke mit ihrem Zeitfahrrad in Aeroposition

 

DIE BERLINWOMAN RADSTRECKE

Ich befand mich weit vorn im Feld und genoss jeden Meter dieser Rückkehr zu diesem Triathlon. An der Kurve Spanische Allee empfingen uns nur wenige Zuschauer, aber sie applaudierten genauso enthusiastisch wie die Helfer und Polizisten, die die Strecke zu dieser frühen Morgenstunde für uns absperrten.

Die wenigen Athletinnen, die bereits unterwegs waren, fuhren vor mir auf den Kronprinzessinnenweg. Er verläuft parallel zur tosenden Avus und ist ausschließlich für Radfahrende und Fußgänger freigegeben – ein perfektes Trainingsrevier, um ungestört mit hohem Tempo Kilometer zu sammeln. An diesem Samstag war außer uns niemand dort. Nach etwas mehr als einem Kilometer auf der sogenannten Krone kam mir die erste Frau entgegen: uneinholbar weit weg. Bis zum Wendepunkt lagen für mich noch drei Kilometer vor mir. Sie verflogen einfach. Die anfängliche Kälte war vergessen. Jetzt meldete sich die kalte Muskulatur.

Ich hatte genau ein Ziel für die 80 Kilometer lange Radstrecke mit ihren rund 700 Höhenmetern.

Die Beine so kaputtzufahren, dass ich auf keinen Fall auf die Idee komme, schnell laufen zu wollen. 

Meine sporadisch auftretenden Wadenprobleme konnte ich im erschöpften Zustand fast ausschließen. Deshalb wollte ich kein Risiko eingehen und gab auf dem Rad alles, was an diesem Tag möglich war. So wollte ich die überraschend hügelige Laufpassage anschließend noch in ruhigem Tempo bewältigen können.

Ich finde, das ist mir ziemlich gut gelungen.

Schritt für Schritt schloss ich zu weiteren Athletinnen auf und arbeitete mich vom 13. auf den 6. Platz der Gesamtwertung vor. Dass ich diese Position beim Laufen nicht würde halten können, war mir klar. Trotzdem war es ein großartiges Gefühl – ganz ohne an eine Platzierung zu denken.

Ziel für diesen Tag war es von Anfang an, den größtmöglichen Spaß bei dem Wettkampf meines Herzens zu haben. 

Auf der Schwimmstrecke war dieser Spaß wegen der eigenartigen Bedingungen noch fragwürdig. Auf der Laufstrecke würde er sich vermutlich ebenfalls nicht so einstellen wie sonst – dabei liebe ich das Laufen. Ausgerechnet auf dem anstrengendsten Abschnitt breitete sich die Freude dann aber so richtig aus. Das zeigte mir, wie sehr sich die harten Trainingseinheiten der vergangenen Wochen auf dem Rad gelohnt hatten. Meine Muskeln können also nicht nur lange Distanzen durchhalten, sondern auch hart kämpfen.

Auch die erste Runde machte ich mir nicht leicht. Normalerweise beobachte ich bei mehreren Runden zunächst die Situation und vor allem den Kurs.

Doch die BerlinWoMan-Radstrecke kenne ich aus Wettkämpfen und vom Training wie meine Trikottasche. Es gab also nichts abzuwarten. Selbst mit der für mich teilweise neuen Wettkampfstrecke.

Die einzige Frage war: Kann ich meine Kräfte so einteilen, dass ich auch eine zweite Runde überstehe? Denn laufen wollte ich schließlich noch.

Das Kräfte-Einteilen funktionierte zunächst nur mäßig. Direkt nach dem ersten Wendepunkt setzte sich einer der Kampfrichter auf dem Motorrad schräg hinter mich. Es war angenehm, nicht allein unterwegs zu sein. Seine Nähe erzeugte aber mehr Druck, als mir lieb war – besonders beim Überholen der Athletinnen vor mir.

Bis zum bekanntesten Berg im Grunewald lief alles reibungslos. Der Willi war nun viermal Teil des BerlinWoMan-Triathlons: zweimal hin, zweimal zurück. Und wenn du glaubst, dass er sich aus einer Richtung besser fährt, dann probiere dein Glück im Wettkampf oder während eines harten Trainings.

Jede kleine Anhöhe wurde zudem zur Herausforderung. Nicht unbedingt wegen ihrer Länge, sondern weil sie genau die Körner forderte, die ich eigentlich für später aufsparen wollte. Entscheidend war deshalb nicht nur das Tempo bergauf, sondern ob mein Einsatz genug Reserven für den anschließenden Lauf ließ. Gleichzeitig fuhr ich einzelne Abschnitte in Zeiten, die mir zuvor noch nie gelungen waren. Nicht einmal drei Wochen vorher, als ich bei weit über 30 °C versehentlich alles auf dem Kurs gelassen hatte. Weniger war während des Triathlons definitiv nicht das Ziel.

Die schnellen Zwischenzeiten fühlten sich ziemlich gut an. Sie mussten sich aber daran messen lassen, ob ich die Belastung bis zum Ende halten konnte. Der Vergleich mit der Hitzeschlacht drei Wochen zuvor war ohnehin nur bedingt aussagekräftig: Temperatur, Profil und Renndynamik ließen sich kaum eins zu eins vergleichen.

Inzwischen waren wir schätzungsweise bei 17 °C unterwegs. Sehr viel wärmer sollte es nicht werden. Ich hatte vorab überlegt, ob mein Alé Cycling TriSuit mit seinem ultra dünnen Material ausreichen würde. Aber tatsächlich war es die richtige Entscheidung, ihn anzuziehen. Der Anzug sitzt so eng, dass er kaum spürbar ist und nach dem Schwimmen von jetzt auf gleich trocken war.

Meine Herzfrequenz wollte ich währenddessen gar nicht erst sehen. Den Forerunner ignorierte ich von Anfang bis Ende, meinen Edge hatte ich direkt zu Hause gelassen. Beim ersten Versuch den Willi hinauf fühlten sich die Beine noch frisch an. Meine Herzfrequenz und Atmung zeigten aber, dass die Anstrengung mehr als real war. Einerseits genoss ich es, dass die Strecke so leer war. Dass ich einer Athletin nach der anderen folgen konnte. Anderseits waren die Abstände in der ersten Runde so groß, dass es sich geradezu einsam anfühlte für einen Wettkampf. Die rasanten Kurven vom Grunewaldturm brachten aber auch allein den erwarteten Spaß. Ich schaute hin und wieder zurück. Aber die ersten schnellen Männer hatten mich bis dahin passiert und es entstanden lange Pausen. So brauchte ich wenig Rücksicht auf andere Athleten nehmen und konnte es einfach rollen lassen.

Die nächste Hin- und Rückpassage der BerlinWoMan-Triathlon-Radstrecke führte über den Postfenn – eine Anhöhe, die mit einer 90°-Kurve von der Havelchaussee Richtung Heerstraße führte. Ich wusste vorher nicht genau, wie weit man uns dort entlang führen würde. Mir kam es jedenfalls hartnäckig in Aeroposition fahrend ewig vor. Schnaufend hatte ich wenig Blicke für die mir entgegenkommenden Athletinnen und ersten Athleten übrig.

Froh, endlich am Wendepunkt angekommen zu sein, erlaubte ich mir, die Aerohaltung kurz zu verlassen. Ich nahm die Kurve scheinbar zu entspannt für einen Athleten, der mich INNEN, mitten im Überholverbot, überholte. Die Helferinnen hatten aber direkt die passenden Worte für ihn, während wir beide nebeneinander erneut antraten.

Triathletin auf der BerlinWoMan-Triathlon Radstrecke mit ihrem Zeitfahrrad

Ich wusste nicht genau, wie die in der Wettkampfbesprechung erwähnten Überholverbote kenntlich gemacht werden und ob ich sie wirklich immer auf dieser rasanten Strecke sehen würde. Aber die Organisatoren hatten ausreichend und vor allem große Schilder aufgestellt, die diese Abschnitte deutlich machten. Das sorgte sicher für einigen Unmut an manchen Passagen von Athleten, die es nicht abwarten konnten. Aber ich fand die Abschnitte nicht ein einziges Mal übertrieben und durchweg angebracht. Und natürlich gehörte es auch für mich dazu, mich an mehreren Stellen zu gedulden. Vor allem auf der zweiten Runde, als der Großteil der Athletinnen und Athleten auf der BerlinWoMan-Triathlon-Radstrecke unterwegs war.

Wir betreiben zwar einen Solosport, aber das heißt nicht, dass wir uns allein im Wettkampf bewegen und schon mal gar nicht rücksichtslos.

Was mich dazu bringt zu erwähnen, dass ich wirklich ganz genau NULL Verständnis für Athleten habe, die in dritter oder vierter Reihe überholen und dabei ihre Spur verlassen und mir entgegen kommen. Zum Glück war ich nicht selbst im Übholmanöver und hatte ausreichend Platz auf meiner Seite.

Aber zurück zur Strecke. Denn nachdem wir den Postfenn hinter uns gelassen hatten und auf dem Weg zum Olympiastadion waren, hatten BerlinWoMan-Triathlon-Fans für ein echtes Stimmungsnest gesorgt. Von Weitem dachte ich zunächst, dass dort Warnlichter leuchteten, weil etwas passiert war. Als ich näher kam, vernahm ich die Musik und wurde von einem jubelnden Seifenblasen pustenden Fan überrascht. Jedes Mal, wenn ich dort vorbeikam, war es ein echtes Highlight und schenkte mir für einige Momente neue Kraft und Fokus für das, was noch vor mir lag.

Apropos Highlights: Wenige Meter später durchfuhr ich die Stößenseebrücke, die ich seit Jahren nicht mehr gesehen hatte und die mit ihren grünlich-grauen Bögen immer wieder ein wunderbarer Anblick ist. Anstrengend war an dieser Stelle nur der furchtbare Flickenteppich an Straßenausbesserungen, den es zu überwinden galt.

Gut 22 Kilometer der BerlinWoMan-Triathlon-Radstrecke waren vergangen, als ich den Anstieg zum Olympiastadion erklomm. Einerseits überraschte mich das kleine Pariser Pflaster, andererseits auch wieder nicht. In der ersten Runde kostete es einige Nerven. In der zweiten Runde – mit ziemlich müden Beinen – ignorierte ich es einfach. Dort wurden wir Athleten auch erstmals mit dem harschen Wind des Tages konfrontiert, vor dem wir bis dahin auf den Alleen einigermaßen geschützt waren.

Ich liebe Anstiege, an denen man auch direkt gegen Böen ankämpfen darf.

Doch als ich dachte, das sei die Herausforderung des Tages – Kopfsteinpflaster, Unebenheiten, Anstieg, Gegenwind –, hatte ich noch nicht mit dem Seitenwind auf dem Olympischen Platz gerechnet, der es mir kaum möglich machte, in der Aerohaltung zu bleiben. Ich war froh, als ich auf dem Rückweg war!

Vor allem wurde es Zeit, dass ich zur Verpflegungsstation kam, die sich am Anfang jeder Runde befand. Meine Wasserflasche hatte ich nahezu ausgetrunken, als ich den Willi von der Rückseite anfuhr. Meine zweite Flasche mit Kohlenhydraten teilte ich mir für zwei Runden ein. Ich brauchte so keine Gele zwischendrin. Nur zu Beginn der Radrunde hatte ich fix einen Clif Bar gegessen. Den Rest wollte ich mit einem Carbs-Mix auf der Radstrecke und Cola und Wasser auf der Laufstrecke überbrücken. Bis hierher ging der Plan wunderbar auf und ich brauchte nur noch Wasser zusätzlich aufnehmen.

Ein kurzer störender Moment riss mich aus den Gedanken über meine gut verlaufende Verpflegung, als ich erneut unter der Stößenseebrücke hindurchfuhr. Zu diesem Zeitpunkt war ein riesiges Feld Richtung Olympiastadion unterwegs. Dort kamen mir plötzlich mehrere Athleten auf meiner Spur entgegen, die in dritter überholten – einer sogar aus vierter Reihe. Ich war gerade etwas weiter links unterwegs, um den Flickenteppich der Straßenausbesserungen zu umfahren. Ich wich nach rechts aus und beschwerte mich laut zu ihnen zurückschauend.

Vom Willi kommend gab es nur noch eine kleine Anhöhe, die mir aber seit Jahren auch im Training immer wieder den letzten Nerv raub. Ich habe bereits häufiger darüber geschrieben. Es gibt eigentlich keinen Grund dafür, dass mich der kleine Anstieg aus der Fassung bringt. Aber er kommt aus dem Nichts, wenn man die Abfahrt und eine flache Passage nach dem Willi passiert. Wenn man eigentlich denkt, dass man das Schlimmste auf der Havelchaussee hinter sich gelassen hat. Ich versuchte wie immer einfach hinweg zu pedalieren, musste dann aber dennoch kurz aus dem Sattel gehen. Anschließend bog ich nach rechts in die Spanische Allee ab. Von dieser Kurve an reihten sich die Zuschauer nebeneinander auf, während Athleten auf allen Richtungen unterwegs waren.

Der letzte Kilometer bis zur Verpflegungsstation und dem kurz darauf folgenden Wendepunkt flog förmlich an mir vorüber. Ich griff nach einer Flasche. Obwohl es ein kühler Spätsommervormittag war, genoss ich das kalte Wasser als kurze Erfrischung zwischen dem klebrigen Carbs-Drink.

Nach 1:16 Stunden hatte ich die erste Runde über 40 Kilometer hinter mir gelassen. Mit dem Ankommen am Wendepunkt fühle ich mich wie immer extrem beobachtet. Die Zuschauer reihten sich dich an dich und wir Athleten versuchten mitten auf der Straße umzudrehen. Ich versuche an solch Stellen so zügig wie möglich um die Kurven zu kommen, während es sich jedes Mal wieder wie eine Fahrt in Zeitlupe anfühlte, in der ich jede einzelne Person ganz genau beobachte, obwohl ich eigentlich auf mich und mein Fuji achten sollte. Jedes Mal bin ich froh, wenn ich wieder in die Aeroposition zurückkehren kann.

Von da an fühlte sich jeder Abschnitt wie ein Déjà-vu an. Der Polizist und ein Streckenposten applaudierten an der Ausfahrt der Tankstelle, die aussah, als wäre sie geschlossen. Die Helfer, die den Weg zum Kronprinzessinnenweg anzeigten. Die lange Allee neben der Avus, auf der nun deutlich mehr Athleten unterwegs waren. Von dort an begann das schnellere Überholmanöver, wenngleich ich nicht auf eine sehr große Masse von Athleten auffahren sollte. Denn die meisten waren versetzt zu mir unterwegs auf ihrer ersten Runde.

Triathletin auf der BerlinWoMan-Triathlon Radstrecke mit ihrem Zeitfahrrad

Dennoch gab es einige Athleten, an die ich mich herankämpfen konnte, was Kilometer für Kilometer weiter motivierte, obwohl meine Beine die erste Runde deutlich in der Muskulatur spürten. Aber ich wollte natürlich keinesfalls nachlassen. Jede Abfahrt noch schneller nehmen als auf der ersten Runde. Jeden Anstieg noch schneller hinauffahren. Was natürlich einfacher gedacht als umgesetzt war.

Der Willi lag dann auch wie ein Alpenbrocken vor mir, während ich bei der Anfahrt kurz mit den Augen rollte. Ich fuhr so lang es ging mit reichlich mitgebrachter Geschwindigkeit von der sich davor wellig und kurvig dahin schlängelnden Havellchaussee in Aeroposition an den Willi heran. Als es nicht mehr ging, setzte ich mich auf und sah zum Glück zwei Athleten vor mir, die ich nicht davon ziehen lassen wollte. Ich ging mehrmals aus dem Sattel, während andere Athleten das Rauschen der Abfahrten auf der gegenüberliegenden Straßenseite sichtlich genossen. Ich kann gar nicht sagen, wie froh ich war, als ich endlich oben den Kaiser-Wilhelm-Turm sah!

Von dort aus waren die restlichen 26 Kilometer Radstrecke kein Spaziergang, aber das Ziel war quasi in Sichtweite und die Herausforderungen übersichtlich an einer Hand abzuzählen. Ich glaube, wenn man die Strecke in einem Zeitraffer aufnehmen und abfahren würde, könnte man meinen, dass es ein einziges Auf und Ab ist. Eigentlich ist dem auch so. Mit etwas Schwung konnte man die Anhöhen zwischen Grunewaldturm und Postfenn in Aeroposition durchfahren und jede Abfahrt herrlich rollen lassen. Da der große Teil der Athleten versetzt zu mir fuhr, hatte ich eigentlich immer freie Fahrt. Es lohnt sich gerade bei einer Strecke über zwei Runden die Beine förmlich in die Hand zu nehmen.

Das gab mir eine ungewohnte Ruhe im Kopf, die ich selbst sonntags beim Training dort noch nie erlebt habe.

Den Postfenn fuhr ich nicht wie in der ersten Runde in Aeroposition, sondern umfasste beherzt den Lenker und ging mehrmals im Überholmanöver aus dem Sattel. An so vielen Positionen standen Zuschauer, Helfer und Polizisten wie schon in der ersten Runde und wurden nicht müde, uns zu applaudieren. Es war ein schönes Gefühl, so von Kilometer zu Kilometer getragen zu werden. Dort oben am Postfenn wartete die vorletzte Wende auf mich.

Weiter ging es hinab, rüber und hinauf zum olympischen Platz, wo uns der Wind jegliche Illusion auf einen einfachen Tag nahm.

Triathletin auf der BerlinWoMan-Triathlon Radstrecke mit ihrem Zeitfahrrad

Auf dem vorher dicht an dicht verlegten Pariser Pflaster, das über die Jahrzehnte an manchen Stellen tief in die Erde gedrückt war und so ein holprig welliges Profil hinterließ, sammelten sich auf meiner zweiten Runde jede Menge Flaschen, die von Rädern gefallen waren. Ich war froh, dass bei mir alles gut vorbereitet hielt. Auf dem gesamten Streckenabschnitt klapperte und schepperte es aber dennoch an meinem Fuji.

Am Olympiastadion waren mittlerweile Spaziergänger unterwegs und der erste Currywurststand hatte geöffnet. Ich konnte aber keine Gedanken mit dem Thema Essen verbringen, weil mich der Wind ordentlich in Schach hielt. Auch nach diesem Abschnitt war ich froh, dass ich ihn an diesem Tag nicht noch einmal durchfahren musste.

Ich passierte zum letzten Mal die Stößenseebrücke, fuhr vorbei am Zuschauer mit Seifenblasen, die mich einen Moment umhüllten. Die dunklen Wolken, die über dem Grunewald hingen, ignorierte ich. Denn laut Wetterprognose sollte es erst wieder regnen und stürmen, wenn ich im Ziel war.

Also ging es mit wenig Kraftreserven über die letzten Anstiege. Vor dem Willi gab es die Anhöhe mit rund 3%-Steigung, die sich aber gut in Aeroposition aushalten ließ. Manchmal kam ich mir vor, ich würde gleich von den Morgenläufern überholt werden, die auf den Fußwegen unterwegs waren. Aber ich hielt durch. Auch den Willi nach oben. Nur nicht in Aeroposition. Nach 73 Kilometern absolvierte ich die letzte Abfahrt. Alle nahm ich mit über 50 km/h. Kurz vor den Kurven warteten mehrere Helfer, die anzeigten, dass wir die Geschwindigkeit drosseln sollten. Angemessen der Situation fuhr ich um die letzten Kurven unten an den beiden Stränden am Wannsee vorbei.

Triathletin auf der BerlinWoMan-Triathlon Radstrecke mit ihrem Zeitfahrrad in Aeroposition

Ich freute mich wirklich sehr auf das Laufen. Ich wusste, dass ich so ziemlich alle Energie auf der Radstrecke des BerlinWoMan-Triathlons gelassen hatte. Dennoch war ich gespannt, was die 20 Kilometer neue Laufstrecke ausmachen würde. Die letzten 5 Kilometer fuhr ich in acht Minuten, um nach ungefähr 2:30h von meinem Fuji exakt an der weißen Linie vor dem Wechselbereich abzusteigen!

Wie viel Kraft mich die Radstrecke gekostet hatte, spürte ich natürlich in meinen Beinen. Aber meine Forerunner-Auswertung war da etwas präziser. Mein Stamina-Wert fiel nach gerade einmal 25km auf 1%. Meine Herzfrequenz lag über die gesamten 80 Kilometer hinweg durchschnittlich bei 98 %! Das war mir nicht einmal an dem Hitzewochenende im Training so passiert, als ich nach 83km abbrechen musste, weil es einfach nicht mehr vernünftig gewesen wäre, weiterzufahren.

Ich bin mir unsicher, aber wenn ich es richtig verstanden habe, entfallen beide Wechselzeiten auf die Radstrecke. Laut meinem Forerunner müsste die Radzeit wie erwähnt sein und die offizielle Zielzeit des Veranstalters mit 2:37h enthält die recht fixen Wechselzeiten. Wobei natürlich der Übergang vom Rad auf die Laufstrecke rasant schnell ging, denn ich musste lediglich mein Fuji abstellen, mein Visor greifen, an dem Sonnenbrille und Verpflegung hingen, und die Laufschuhe überstreifen.

 

DIE BERLINWOMAN LAUFSTRECKE

Mit zügigen Schritten, die mir sofort zeigten, dass ich zu schnell unterwegs war, verließ ich den Wechselbereich, aus dem wir morgens noch von der Schwimmstrecke gekommen waren.

Die Stimmung prächtig, vermutlich auch, weil ich mich unterwegs gut versorgt hatte. Das übliche Hin und Her mit Sonnenbrille, Cap, Gele und der Startnummer musste erst noch sortiert werden, bevor ich mich wirklich auf meine Schritte konzentrieren konnte.

Triathletin auf der BerlinWoMan-Triathlon Laufstrecke

Etwas irritiert über die vielen Helfer und Hände, die alle möglichen Richtungen anzeigten, musste ich erst einmal zwei Athleten fragen, ob ich auf dem richtigen Weg war. Rund um den Start- und Zielbereich traf sich die Strecke aus drei verschiedenen Richtungen, die wir jeweils hin und zurück ablaufen mussten. Alles war vollends anders als all die Jahre zuvor. Irgendwie sollte ich zur Feuerwache laufen, dachte jedoch, sie läge in der anderen Richtung. Nach rund 500m hörte die Verwirrung zum Glück auf, als ich auf Oliver traf und er mir ebenfalls bestätigte, dass ich mich nicht verlaufen hatte. In den folgenden Runde machte dann auch jede angezeigte Richtung mehr und mehr Sinn.

Der Asphalt unter meinen Füßen war alles andere als das, was sich mein verwöhntes BerlinWoMan-Triathlon-Herz wünschte. All die Jahre zuvor ging es immer so schön gemütlich in den Wald hinein. Nun, es sollte aber besser werden.

Anders als sonst, aber auch schön und vor allem herausfordernder.

Nicht nur meine Einstellung, sondern auch mein rechtes Bein sträubte sich gegen den Asphalt. Was genau es hatte, konnte ich über mehrere Kilometer hinweg nicht definieren. Zuerst dachte ich, ich hätte mich im Wechselbereich vertreten. Dann doch Wade. Dann Achillessehne. Aber eigentlich schmerzte nur der Knöchel. Aber wie war das noch? Ich wollte ja sowieso nicht schnell laufen.

Triathletin auf der BerlinWoMan-Triathlon Laufstrecke

Die Feuerwache erschien erstmals in Sicht, als ich den von Helferinnen gesäumten Wendekegel umrundete. Langsam machte auch die Streckenbeschreibung in meinem Kopf Sinn, die ich aus irgendeinem Grund weder bei der virtuellen Wettkampfbesprechung noch vor Ort am Freitag bei den Erklärungen verstehen wollte. Ich glaube, man muss die Strecke einfach selbst einmal abgelaufen sein, um zu verstehen, dass man drei Runden laufen muss. Dabei passiert man siebenmal das Ziel (glaube ich) und den Abschnitt an der Feuerwache ein viertes Mal.

Die Schleife vom Wendepunkt kurz vor der Feuerwache führte an der ersten Verpflegungsstation vorbei. Übrigens war es großartig, sowohl unterwegs auf der Radstrecke als auch auf der BerlinWoMan-Triathlon Laufstrecke so viele bekannte Gesichter unter den Zuschauern und Helfenden zu sehen! So wie auch an diesem VP-Punkt.

Von dort ging es zurück Richtung Ziel über sich herrlich weich anfühlenden Waldboden. Ein weiterer VP-Punkt wartete direkt nach einem weiteren knappen Kilometer, den ich erst einmal passen konnte. Um die Ecke ertönten unzählige Zuschauer, die sich rund um das Ziel formiert hatten.

Das ist die Stärke der neuen BerlinWoMan-Triathlon Laufstrecke.

So oft wie man auf der 6 Kilometer langen Runde am Ziel vorbei kommt, gab es keinen besseren Ort für Zuschauer, um die Athleten anzufeuern oder sie einfach zu sehen. Umso mehr wunderte es mich, dass es rund um das Ziel keine Erfrischungen und Snacks für die Zuschauer gab. Ich erinnere mich gern an die Jahre, in denen ich am Start war und die Familien, Freude und Fans dort einen Sammel- und Snackpunkt hatten bei Bratwurst und Getränken. Nichts desto trotz ließen sich die Zuschauer nicht davon abhalten zahlreich vorbeizuschauen. Aber auch entlang der restlichen Strecke an einigen Punkten präsent zu sein.

Triathletin auf der BerlinWoMan-Triathlon Laufstrecke

Wir verließen die zwei Kilometer Waldboden, um die Zufahrtsstraße nach Schwanenwerder zu nehmen. Noch nie war ich auf die Idee gekommen, während des Radtrainings dort abzubiegen. Dabei ist es dieser kleine Schlenker eigentlich wert. Ein kleines Idyll mit Blick auf den Wannsee und die Havel, zu der eine herrlich beschattete Allee führt. Und damit komme ich zurück auf „Was ich mich bereits im ersten Beitrag zum BerlinWoMan-Triathlon 2026 gefragt hatte“.

Nach meiner Langdistanz im Juni in Cairns, Australien dachte ich mir nur: Wie schlimm kann es schon werden? Die Antwort kam am Berg der Laufstrecke, keine Frage.

Schwanenwerder – einerseits das bereits erwähnte Idyll von einer Halbinsel. Andererseits der Ort der Laufstrecke, der zu einer echten Hürde wurde. Wer bis dahin seine Beine nicht auf der Radstrecke zerstört hatte, durfte es auf diesem Abschnitt gleich drei Runden lang machen!

Ich konnte es so wenig glauben, wie die wenigen Athleten um mich herum. Das Schlimmste war eigentlich nur, dass niemand von uns wusste, wann der Anstieg endete.

Er war einfach da. Aus dem Nichts.

Ich fragte mich während der gefühlt eine Million kleinen Schritte, ob das Wissen um diese Anhöhe meine Strategie auf dem Rad geändert hätte. Und ich muss sagen – ja – vermutlich wäre ich nicht ganz so an mein Limit gegangen. Rückblickend bin ich aber froh, dass ich es gemacht hatte und nichts von dem Anstieg wusste. Denn am Ende hatte ich den auch unter diesen Umständen über die drei Runden überwunden, ohne zwischendrin nur einen Meter zu gehen. Wenngleich mein Knöchel von all dem überhaupt nicht begeistert war.

Konnte es noch schlimmer kommen?

Triathletin auf der BerlinWoMan-Triathlon Laufstrecke bei Regen

Auch dafür gab es ein klares Ja. Denn mitten in der Anhöhe begann es zu schütten. So wie wir es bereits mitten im Sturm am späten Freitagnachmittag bei der Startnummernausgabe erlebt hatten. Binnen weniger Meter war ich von oben bis unten in den Laufschuhen durchgeweicht. Der Regen kam aus allen Richtungen. Meine Rudy Project Sonnenbrille wurde unverhofft zum Regenschutz, um überhaupt einen halben Meter vor mir etwas zu sehen. Jeder Schritt schmatzte unter mir. Aus meinen dünnen Laufschuhen spritzte seitlich das Wasser. Es gab auch bei mittlerweile 20 °C keinen Grund, sich abkühlen zu müssen. Das übernahm das Wetter für uns. An der Verpflegungsstation nahm ich wieder eine Cola und einen Schluck Wasser, ohne viel Zeit zu verlieren.

Vielen Dank an die Helfer, die unter diesen Bedingungen genauso hartnäckig ausgeharrt hatten wie alle Athleten.

Während des Herablaufens von Schwanenwerder ließ ich es einfach vor mich hinrollen. Die Laufstrecke war noch leer. Ich konnte meinem Laufschritt und meinen Gedanken nachhängen.

Damit kannte ich jeden Abschnitt dieser Laufstrecke und war auf dem Weg Richtung Ziel und damit Abschluss der ersten Laufrunde. Ich lief am Wechselbereich vorbei, der mich auf die zweite Runde schickte. Dort, wo ich vor einer halben Stunde loslief, befanden sich nun zahlreiche Athleten an ihren Rädern und waren auf dem Weg rüber zu uns zur Laufstrecke.

Ich hörte kurz den Kommentator Sven Alex meinen Namen sagen und etwas Applaus von den Zuschauern, schon war ich wieder auf dem Weg zur Feuerwache.

Triathletin auf der BerlinWoMan-Triathlon Laufstrecke

Ich erinnerte mich alle paar hundert Meter daran, dass dieses Tempo mein Knöchel nicht durchhalten würde. Der Schmerz bahnte sich langsam aber sicher einen Weg von der Seite nach oben Richtung Wade. Also zog ich die Handbremse noch etwas mehr an. Jedes Mal, wenn die weinenden Oberschenkel trotz Erschöpfung wieder mehr wollten und ganz sicher wie meine Füße auch gekonnt hätten, riss ich mich zusammen, rollte innerlich mit den Augen und fokussierte mich auf die nächste Verpflegungsstation. Was würde ich dann nehmen? Na wie immer – Cola, Wasser, fertig.

Aufregender wurden die Selbstgespräche an diesem Tag nicht.

Und dann hieß es wieder, Feuerwache hin, Feuerwache zurück. Erste VP. Waldboden. Zweite VP. Ziel. Zuschauer. Wechselbereich. Schwenk runter auf den Wannseebadweg, wo sich nun in beide Richtungen Athleten dicht aneinanderreihten. Es waren sicher noch nicht alle von ihnen auf der Laufstrecke. Aber so viele, dass es ein Hin und Her wurde zwischen Überholen und überholt werden.

Runde für Runde überraschte mich diese Halbinsel Schwanenwerder mit ihrem Anstieg. Jede Runde waren meine Oberschenkel der Meinung, sie hätten ausreichend auf dem Fuji gearbeitet, rissen sich aber im Gegensatz zu Knöchel und Wade zusammen.

Wollte ich gehen?

Ja, auf jeden Fall.

Ging ich?

Nein, auf keinen Fall. 

Ich hatte das Tempo mittlerweile so gewählt, dass ich es ins Ziel schaffen sollte. Der Schmerz strahlte aus, aber blieb auch irgendwie lokal, was mich selbst im Anstieg zuversichtlich stimmte.

Triathletin auf der BerlinWoMan-Triathlon Laufstrecke

Wie immer gab es mehr zur Belohnung als aus der Not heraus einen Schluck Cola und Wasser dazu, als ich Schwanenwerder erklommen hatte. Es kam langsam die Sonne heraus. Vergessen die zwei Kilometer, als wir von oben bis unten durchnässt wurden. Ich fragte mich, wie dieser Moment auf der Radstrecke war. Der Rest des Wettkampfs blieb zumindest für uns alle so lange trocken, dass das Wetter erst wieder Thema zur Siegerehrung wurde. Kurz hinter dem VP auf der Halbinsel folgte der Rest der Kurve, die uns zurück und hinab auf der Inselstraße zur Schwanenwerder Brücke führte. Helfer sortierten uns von dort aus wieder auf den mit Verkehrshütchen schmal abgesperrten Wannseebadweg ein.

Triathletin auf der BerlinWoMan-Triathlon Laufstrecke

Auf dem einseitig zu belaufenden Abschnitt reihten sich mittlerweile die Athleten so dicht aneinander, dass ich Schwierigkeiten hatte einige davon zu überholen, weil ständig auch von hinten andere Athleten vorbeikamen. Der Abschnitt war aber nach einem knappen Kilometer überwunden. Ein großer Schlenker über weitere zwei Kilometer durch den Wald führte uns zum Wechselbereich. Die Stimmung von der um die Ecke gelegenen Finishline war bereits einige hundert Meter vorher wahrzunehmen. Immer links halten. Eine Kurve nach der anderen, bis ich mich auf dem Fußweg befand, wo ich auf der ersten Runde kurz daran zweifelte, ob ich richtig sei.

Die Zuschauer saßen und standen immer noch zwischen Bäumen. Teilweise mit Picknickdecken. Die Stimmung hätte für mich nicht besser sein können. Langsam wurden die Beine so schwer, dass ich das Gefühl hatte, sie würden sich kaum vom Boden heben lassen. Die leicht abschüssige Passage zur Feuerwache genoss ich richtig, bevor ich an der dortigen Verpflegungsstation nur noch einen Schluck Cola nahm. Mit dem Wissen, dass die letzten 7 Kilometer begonnen hatten und ich mich ausreichend versorgt fühlte mit Flüssigkeit.

Damit befand ich mich auf der letzten Runde. Definitiv keine einfache nach dem Verlauf des Wettkampfes. Aber auf jeden Fall eine Erfahrung, solch eine überraschend hügelige Strecke trotz der Wadenprobleme so gut bewältigt zu haben. Für mich gab es an dieser Stelle keinen Zweifel, dass ich das Tempo so ruhig weiter halten konnte und auch diese letzten sieben Kilometer sicher ins Ziel bringen kann. Also ging es wieder Richtung Feuerwache.

Triathletin auf der BerlinWoMan-Triathlon Laufstrecke

Entsprechend wenig passierte dann auch auf dieser letzten Runde. Wobei ein Detail nicht unerwähnt bleiben sollte. Als ich das Ziel passierte, um nach Schwanenwerder zu laufen, war eine Athletin barfuß mit ihren Laufschuhen in der Hand auf dem Weg ins Ziel. Tausend Fragen schossen mir durch den Kopf. Die wichtigste war jedoch, ob das auch für mich eine Lösung wäre, nachdem sich mein Knöchel und meine Wade lautstark meldeten. Zumal es mir mittlerweile schwer fiel zu verorten, woher eigentlich der Schmerz kam. Eigentlich war es einfach der Unterschenkel. Irgendwie dann auch egal. Das Ziel wartete. In all dem Gehadere erfreute mich Runde für Runde Kermit der Frosch! Die Athletin hat definitiv den „Best-Dressed-Award“ verdient. Und meine Hochachtung gilt der Athletin im Rollstuhl. Sie erkämpfte sich mit Sicherheit nicht nur bei mir einen Platz im Herzen mit ihrem Durchhaltevermögen bei diesen Streckenverhältnissen!

Ein letzter Anstieg auf der Halbinsel führte mich zu meinem letzten Rundenbändchen, das wir am gefühlt weit entferntesten Punkt vom Ziel entgegennehmen durften. Damit ging es zurück Richtung Ziel. Bevor aber die Freude zu groß wurde, erinnerte ich mich daran, dass noch ein letzter Schwenk zur Feuerwache zu absolvieren war.

Nach jeder noch so kurzen Passage war ich froh, dass ich sie das letzte Mal passiert hatte.

Immer wenn ich daran dachte, bedankte ich mich an den VP-Stationen bei den Helfenden. Sie hatten wieder einen großartigen Job gemacht, uns mit all den Getränken und Snacks zu versorgen und alles vorzubereiten. Egal bei welchen Bedingungen an diesem Tag – und diese boten wirklich so ziemlich alles für so einen unbeständigen Spätsommertag.

Ich war an einem Punkt angekommen, an dem die mittlerweile schal schmeckende Cola, nicht mehr notwendig war und ich die letzten beiden hoch frequentierten Verpflegungsstationen unbeachtet stehen ließ.

 

DIE FINISHLINE DES BERLINWOMAN-TRIATHLONS

Ein letzter Schwenk nach rechts führte mich nach 1:52h auf der Laufstrecke auf die Finishline, die in einem Halbkreis am Finisherbogen entlangführte.

Nach 5:14h durfte ich als 15. Athletin die Ziellinie überschreiten und wurde wie all die Jahre zuvor von Kommentator Sven Alex, der auch Vizepräsident der DTU ist, mit herzlichen Worten und einer Holzmedaille in einem wirklich schönen Design begrüßt!

Als neues Mitglied im Jubiläumsclub erhielt ich zudem ein Finisher-Handtuch neben meinem Finisher-Shirt und durfte mich zudem über den 2. Platz in meiner Altersklasse freuen.

Und die Freude war tatsächlich wirklich groß. 

Die überraschend anspruchsvolle Strecke, die sich auch aufgrund der für mich neuen Rad- und Laufstrecke deutlich intensiver anfühlte als all die Jahre zuvor, hatte 10 Kilometer weniger auf dem Radabschnitt. Die ich ehrlich gesagt, nicht auch noch hätte fahren wollen. Aber es wäre auf der Radstrecke so oder so eine neue Bestzeit für mich herausgesprungen.

Triathletin Nadin von eiswuerfelimschuh.de im Ziel beim BerlinWoMan Triathlon im Grunewald am Strandbad Wannsee

Mit den Entwicklungen im Training über die vergangenen Wochen – ich weiß nicht, warum das so gut lief – hatte ich aber auch wirklich nichts anderes erwartet. Und klar, der Laufabschnitt war enttäuschend. Ändern hätte ich nichts können. Das Beste habe ich dennoch daraus gemacht. Und das freut mich ungemein, dass sowohl meine Strategie auf der Radstrecke als auch auf der Laufstrecke aufgegangen ist.

Und damit ging es direkt zur Erfrischungsstation, die mit alkoholfreiem BRLO Bier genau richtig kam! Ich hatte unterwegs nicht gemerkt, wie unglaublich durstig ich doch tatsächlich war. Vielleicht auch durch das ganze süße und klebrige Cola-Zeugs. In jedem Fall ist das Finisher-Buffet des BerlinWoMan-Triathlons das beste Finisher-Buffet, das ich neben wenigen Ironman Veranstaltungen wirklich sehr empfehlen kann.

Wenn du nicht wegen der unglaublich schönen Wettkampfstrecke rund um den Berliner Wannsee und durch den Grunewald anreist, dann aber wenigstens wegen des Finisher-Buffets!

Denn das enthält den besten Kuchen, den ich nach einer Finishline bis jetzt gesehen habe! Und wem nicht nach Kuchen ist, der kann sich bei reichlich leckeren Obstsorten, frisch zubereitetem Buchweizenbrei und einer großen Getränkevielfalt stärken! Dazu gab es salzige Snacks und saure Gurken. Nach dieser Strecke – egal ob als Staffel oder über den Aquathlon oder wie wir über die Mitteldistanz absolviert – hatten sich alle Athleten reichlich davon verdient. Genauso wie einfach nur in den BerlinWoMan-Liegestuhl zu fallen und einige der wenigen wärmenden Sonnenstrahlen des Tages zu erhaschen.

Wer Lust hatte, konnte sich bis zur Siegerehrung mit einer Massage verwöhnen lassen oder den anderen Athleten, die sich noch auf der Strecke befanden oder im Ziel eintrafen zujubeln. Solange die Sonne schien, applaudierte ich

Als der nächste Sturmabschnitt mit reichlich Regen über uns herüberzog, nutzte ich die Zeit, um mein Fuji und all meine Sachen auszuchecken. Ich war wirklich froh, endlich aus meinen klebrigen und nassen Strümpfen, Calves und dem Alé Cycling TriSuit heraus zu sein. Ich war genauso erschöpft wie der ein oder andere Hund, der es sich am Zielbereich gemütlich machte und genauso hundemüde war, wie einige von uns Athleten, als wieder einmal der Regen.

Übrigens war es wieder ein großartiger Service, dass wir unsere Rucksäcke mit den Morgensachen zur Aufbewahrung den Helfern übergeben konnten. So waren unsere Sachen trocken und sicher verstaut. Gleichzeitig hatten wir im Wechselbereich deutlich mehr Platz für die wirklich nötigen Ausrüstungsgegenstände für die Lauf- und Radstrecke.

 

DIE SIEGEREHRUNG DES BERLINWOMAN-TRIATHLONS

Die Siegerehrung war ein kleines Highlight des BerlinWoMan-Triathlons – natürlich auch, weil ich es in meiner Altersklasse aufs Podest geschafft hatte. Sie wurde aber auch wirklich reizend von den Organisatoren durchgeführt. Zudem gab es neben den Medaillen jede Menge Geschenke, die man sich natürlich nicht entgehen lassen sollte.

Während die Sieger und Siegerinnen der Mitteldistanz und des Aquathlons – sowohl Einzel- als auch Staffelstarter in allen Altersklassen – sowie die Gesamtsieger und -siegerinnen geehrt wurden, kamen auch die letzten Athleten und Athletinnen ins Ziel.

Damit ging ein langer Tag zu Ende – einer von drei Tagen eines noch längeren Triathlon-Wochenendes. Alle Athleten und Athletinnen können sehr stolz auf sich sein, dass sie den BerlinWoMan-Triathlon 2026 trotz der anspruchsvollen Wetter- und Streckenbedingungen erfolgreich ins Ziel gebracht haben!

Wie für mich der Rennmorgen begann und wie die Schwimmstrecke verlief, kannst du in unserem ersten Teil zum BerlinWoMan-Triathlons  nachlesen:

BerlinWoMan-Triathlon 2026 (Teil 1) – Startnummernausgabe, Rennmorgen & Schwimmstrecke

[Photo Credits: Oliver Eule / eiswuerfelimschuh.de] | Alle hier gezeigten Fotos wurden wie immer von Oliver Eule aufgenommen. Die Rechte an diesen Fotos liegen bei ihm und mir. Eine weitere Nutzung der Fotos ist in Absprache mit uns gerne möglich. Bei Interesse schreibt uns bitte eine E-Mail, um Details der Nutzung auf Social Media, Webseiten oder Printmedien zu klären.

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