‚Verwurstet‘

Wenn so ein Wort von einem Gesund-Food-Vegetarier kommt, dann kann es sicher nicht viel mit dem tierischen Nahrungsmittel zu tun haben. Vielmehr geht es um das Training, das manchmal irgendwie so ganz ungeschmeidig läuft und durch widrige Umstände permanent gestört wird.

Meist, wenn man ganz hoch motiviert an sein Training heran geht, wahrscheinlich genau am Sonntag, wenn die Sonne an einem traumhaften Herbsttag vor sich hinflimmert und direkt nach dem Aufstehen gute Laune versprüht, ist es soweit, dass man das Training irgendwie nicht Plan durchziehen kann.

Da lässt sich am Stadtrand plötzlich kein GPS mehr auftun, man wartet also und wartet und ist das erste Mal schon richtig ausgekühlt. Nach wenigen Metern als sämtliche Technik mit eingefrorenen Fingern endlich startklar gemacht ist und es nun doch losgehen kann, gehen natürlich die Schnürsenkel trotz doppelter Schleife auf. Aber es bleibt, wie soll es anders sein, nicht das einzige Mal, sondern kurze Zeit später sieht man sich schon wieder am Rand seiner Laufstrecke hocken, um die Senkel wieder fest zu schließen. Aber ich bin ja selbst Schuld, ist ja nicht so, dass nicht ausreichend Yankz Schnürsysteme in der Wohnung herum fliegen, reinste Faulheit!

Obwohl man ein festes Training in einer festen Zeit absolvieren möchte, vergisst man die Stoppuhr an den immer roten Ampeln anzuhalten, die munter weiter runter zählt und man sich nur wundern kann, wie elend langsam die Pace heute wieder ist.

Wenn dann auch noch die Fahrradbegleitung spitzfindig bemerkt, dass man das Training wohl etwas zu ernst nehmen würde, wenn man selbst bei kurzen Schnürsenkelstopps die Zeit anhält, kann man diesen nur fragend anschauen. Wenn er dann aber noch entgegnet, dass das Training wohl heute irgendwie nicht besonders gut läuft, dann kann man nur noch in sich gehen und nach Gelassenheit suchen.

Aber wie soll es anders und überhaupt gar nicht klischeehaft sein – selbst in diesen Momenten, ist es das Laufen selbst (wenn man sich dann endlich mal reingefunden hat), das einem wieder die nötige Ruhe zurück gibt. Es ist die frische, klare Luft, der Anblick des Herbstes im Wald und die rauschenden Gräserwiesen, die einem zeigen, warum man gerade da draußen ist.

Als Triathletin & Autorin von Eiswuerfel Im Schuh bin ich zusammen mit meinem Sportfotografen immer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung und neuen Bildmotiven. Als Julimädchen liebe ich die Sonne, das Meer und den Sand zwischen den Zehen, genieße aber auch die Ruhe auf meiner Yogamatte oder auf einem Surfbrett. Ich freue mich, mit dir auf FacebookTwitterPinterestInstagram und Google+ in Kontakt zu bleiben.

0 Gedanken zu “‚Verwurstet‘

  1. So ähnlich ging es mir heute morgen auch. Raus aus dem Haus, eigentlich wollt ich mit dem Auto zur ner Laufstrecke fahren, aber dann zu faul gewesen mein Auto freizukratzen und deshalb „direkt“ losgelaufen. Naja, musste ausgerechnet heute gefühlte 5min. auf GPS warten und war dann zu Beginn auch nicht mehr wirklich warm. Nachdem das Signal dann endlich da war und ich losgelaufen bin direkt mal wieder nem Hund samt Halter über den Weg gelaufen: „Normal macht er nichts“ – „normal!“. Mein Puls war dann gleich auf „180“. Im Wald einige Rehe gesehen und mich an der Natur erfreut! Hab dann gut in den Lauf reingefunden und als die Sonne dann langsam richtig rauskam war es das alles doch wert und hat einfach Spaß gemacht! Knappe 2h später war der Lauf dann leider schon wieder vorbei, aber der Nächste kommt bestimmt 😉

    • Schön, dass du auch in deinen Lauf gefunden hast. Ja, meist stellt man am Ende fest, dass es wirklich schade ist, dann das Training vorrüber ist. Aber genau dann, hat es sich doch richtig gelohnt.

  2. Solche Läufe geben einem spätestens hinterher die Ruhe und Gelassenheit zurück und selbst dafür lohnt es sich. Außerdem schätzt man die fluffigen Läufe, bei denen alles paßt, nur mehr, wenn man weiß, daß es auch mal anders sein kann. Die Technik würde ich dennoch ungern zuhaus lassen. Mein größtes Eingeständnis, ist mal ohne Pulsuhr zu laufen. Ich versteh` Dich. 😉

    • Was man eben so alles braucht als Frau – das gilt natürlich auch beim Laufen… Da möchte ich viel „Unnützes“ nie mehr missen. Ich erschaudere vor der Erinnerung als meine Pulsuhr noch kein GPS hatte und mein Handy mit passender App den Job mit allerlei Tücken übernehmen musste. Aber das ist ja ein anderes Thema.

      Genau, das habe ich ganz vergessen. Man schätzt die tollen Läufe um so mehr, manchmal bricht innerer Jubel bei mir aus.

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