Schwimmgeschichten: Kopfüber zum neuen Schwimmgefühl

Sobald es raus aus dem Freiwasser rein in die Schwimmhalle gehen muss, verlässt mich der Ehrgeiz und mein Schwimmgefühl. Schwimmtraining wird so zu einer mentalen Herausforderung, obwohl es an sich viel Spaß macht. Mit dem Sprung kopfüber in den Persischen Golf im Januar wurde meine Schwimmsaison aber wieder eröffnet! Mit riesiger Freude nutze ich nun mehrmals die Woche die Gelegenheit, um meinem geliebten Run-Swim-Run nachzugehen. Was ich in Doha während meines ersten Freiwassertrainings 2018 erlebt und wie ich dort neue Motivation gesammelt habe, erfährst du in dieser Schwimmgeschichte.

Nicht schwimmen zu gehen, war in den letzten Monaten des vergangenen Jahres eine gut zu ertragende Situation. Ich war nicht zu faul. Ich wäre wirklich gern ins Wasser gesprungen! Jedoch weigerte ich mich innerlich so sehr nicht mehr im Freiwasser ganz allein für mich in Stille und ja, auch in Zufriedenheit vor mich hin zu trainieren, dass mich einfach nichts mehr ins Wasser bekam. Ich wollte mich gleiten lassen.

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Schwimmtraining Triathletin im Wasser mit Sailfish Neoprenanzug mit Garmin Forerunner 935

Ich wollte an der Wasseroberfläche träumend schweben. Ich wollte das leise Plätschern um mich herum genießen, das meine Hände mit jedem Armzug verursachen. Vielleicht sogar irgendwo in der Ferne am Ufer das Rauschen der Bäume zu hören, wäre herrlich gewesen. So wie all die Tiere, die mal mehr oder weniger lautstark auf sich aufmerksam machen. Jedes Training endet damit, dass ich auf dem Rücken liegend einfach in den Himmel starre und meinen Atem wieder beruhige. Ein herrliches Gefühl. Das musst du unbedingt mal ausprobieren.

Seitdem ich wusste, dass mich mein Weg aber bald nach Doha führen würde, kam etwas die Angst, vielleicht gar nicht mehr schwimmen zu können. Also musste ich bereits zeitig im Januar abtauchen. In einer Halle und was soll ich sagen? Ja, es war eine gewisse Freude zu spüren. Ohne Frage. Zum Glück stellte sich auch heraus, dass es mit dem Schwimmen ähnlich ist wie mit dem Radfahren. Irgendwie verlernt man es nie. Das heißt nicht, dass man besonders sicher darin ist, wenn man das erste Mal wieder auf dem Sattel sitzt. Oder wie in meinem Fall, die Badekappe und Schwimmbrille zurecht rückt. Ein Stück Treibgut bewegt sich vielleicht eleganter durch das Wasser.

Was mich vorher davon abhielt, wenn es doch so einfach scheint und ich Spaß am Schwimmen habe?

Um es kurz zu machen und dir nicht die Ohren voll zu weinen: der Gestank, das Theater auf den Bahnen sofern welche zur Verfügung stehen, der seifige Geschmack des Wassers (frage nicht warum,…), einfach der geschlossene Raum und das Nicht-Draußen-Sein-Können. Punkt.

Schwimmtraining Triathletin im Wasser mit Sailfish Neoprenanzug

Ich weiß nicht genau, warum es mich diesen Winter besonders hart getroffen hat. Warum ich mich in meinem Kopf immer wieder bockig auf den Boden geworfen habe und keinen Schritt Richtung Hallenbad machen konnte? Vielleicht weil ich vergangenes Jahr im März bereits auf Fuerteventura draußen schwimmen konnte und nach meiner Rückkehr im April auch direkt draußen weiter meine Bahnen zog. Ich war gefühlt Wochen und Monate im Freien unterwegs. Selbst dann, wenn es sehr kalt war und ich mit dem Neoprenanzug ins Freibad ging. Wie du siehst, geht es mir gar nicht nur darum, in einem Ozean, Meer oder See schwimmen zu können. Ich möchte einfach draußen trainieren und bestenfalls meine Ruhe haben. Das kann zur Not durchaus ein Freibad sein, wenn der Weg zum offenen Gewässer zeitlich nicht in den Tag oder eine Woche passt.

Im Januar habe ich die ersten Kilometer unweit von zu Hause in einem Hallenbad absolviert. Ich schleppte mich förmlich dorthin, aber es war wirklich ganz gut. Ich kann es nicht anders sagen. All das oben erwähnte war irgendwie auszuhalten. Nicht schön, aber für eine Stunde gerade so zu ertragen.

Ich muss es mir etwas einreden, damit es nächstens besser läuft…

In jedem Fall freute ich mich wirklich darüber. Denn Doha wartete auf mich. Das ließ mich das Training mit einem breiten Grinsen beenden. Ein wirklich gutes Schwimmgefühl stellte sich aber dennoch nicht ein. Erst einige Tage danach sollte ich kopfüber zu einem neuen Schwimmgefühl kommen. Ich wusste, dass ich mit riesigen Kulleraugen am Strand stehen und meine Zehen hineingraben würde.

Da war nun das Meer. Da war ich. Da war das Meer. Ich am Meer. Das Meer wartete auf mich!

Ich muss zugeben, dass ich nicht mit dieser Kälte gerechnet hätte! Super kalt. Also ich meine, kalt, kalt, kalt,…  Wer mich kennt weiß, dass mich das nicht abhält. Natürlich habe ich meine Grenzen. Aber 15-17° Wassertemperatur sind absolut im Rahmen. Zwar nicht unbedingt, wenn man es so sommerlich warm hat. Deshalb war auch vermutlich sonst nie irgendjemand im Wasser zu sehen. Der beheizte Pool des Sheraton Grand hingegen war immer gut gefüllt. Der kam aber wirklich nicht in Frage.

Ich war am Persischen Golf! Ich MUSSTE dort hinein!

Schwimmtraining Triathletin im Wasser mit Sailfish Neoprenanzug Arena Cobra Tri

Also zog ich etwas hektisch meinen Neoprenanzug erstmalig mitten im Winter an. Zerrte die Badekappe über. Stopfte meine Haare darunter. Fing an in der Sonne zu schwitzen. Fühlte mich etwas wie ein halb garer Backfisch. Schnappte mir die Schwimmbrille und lief ans Wasser. Ich hielt einen Zeh hinein. So schwitzend aus der Sonne kommend fühlte sich das Meer noch kälter an. Also halt. Erst einmal Neo wässern. Zum Glück bin ich nicht direkt vom Strand hineingerannt. Das kommt bei mir vor Freude schon mal vor. Mein Herz wäre wohl dieses Mal stehen geblieben. Obwohl das langsame Hineinlaufen des gefühlt eisgekühlten Wassers für ordentlich Schnappatmung sorgte. Als ich das aber überwunden hatte, raste ich förmlich durch das Wasser zur Plattform. Ich krabbelte hinauf und zack ging es kopfüber wieder zurück, um das geplante Schwimmtraining zu absolvieren.

Das Training war unglaublich. Absolut so, wie ich es mir ausgemalt hatte. Ein Traum für ein Sommermädchen, das das freie Gewässer so liebt. Unter Wasser war aber vergleichsweise wenig los. Es war auch etwas milchiger, als der Atlantik an ruhigen Tagen. Ich sah keine Fische. Eigentlich sah ich nur den Sand im Meer schweben. Was irgendwie noch mehr Ruhe ausstrahlte. Hin und wieder schienen diese Partikel in der Sonne zu funkeln. Genau so wie die seichten Wellen, die mich zuweilen mit ihrem Geglitzer blendeten.

Gern hätte ich mit meinem sommerlichen Schwimmgefühl und meinem freudigen Übermut ganz Katar umrundet. Da waren aber diese riesigen Bojen im Weg. Außerdem warteten an einem Ende immer Zuschauer. Nämlich genau zwei, wenn man von dem Fotografen mal absieht. Es waren zwei Schwimmgesellen, die sich durch mein Gewirbel, die freudige Aufregung und auch nicht durch das Geplansche abschrecken ließen. Ich schätze, es waren Kormorane. Entweder sie ließen es sich auf den Steinen stehend in der Sonne gut gehen oder aber kamen mir ein Stück weit entgegen. Ich fragte mich nur zwischenzeitlich, was die beiden Gesellen denn dort im und am Wasser machten, wenn es scheinbar doch gar keine Fische gab.

Mit dem hohen Salzgehalt hatte ich übrigens auch nicht gerechnet. Den Atlantik müsste man im Vergleich nachsalzen. Unzählige Kilometer habe ich darin auf den Kanaren schon absolviert. Sowohl schwimmend als auch surfend. Deshalb meine ich mich ziemlich gut daran zu erinnern. Der Persische Golf schmeckte eher wie der Pazifik. Da kann man herrlich dahingleiten. Man schwebt immer schön an der Oberfläche. Wunderbar. Fast noch besser, als die Ruhe beim Schwimmen in so einem Gewässer zu genießen.

Schwimmtraining Triathletin im Wasser mit Sailfish Neoprenanzug

Selbstredend ließ ich es mir nach jeder Einheit natürlich nicht nehmen, auch noch ohne Neoprenanzug das sprichwörtlich kühle Nass so planschend zu genießen! All die Tage waren wunderbar, um das Schwimmgefühl wieder aufleben zu lassen. Um die Liebe zum Wasser erneut wachsen spüren zu können.

Aber nicht nur die Reise nach Doha war ausschlaggebend dafür, dass ich wieder abtauchen musste. Sondern auch die Saisonplanung, die mehr und mehr Form annimmt. Untergehen möchte ich auch dieses Jahr nicht bei dem ein oder anderen geplanten Triathlon. Um Kilometer zu machen ist der Winter leider noch lang. Das wird ein Stück Arbeit – mental und körperlich!

Wann immer ich nun aber ins Wasser springe, um in den heimischen Schwimmbädern meine Bahnen zu ziehen, denke ich an das neu gewonnene Schwimmgefühl von Doha! An den Moment, als ich kopfüber einem neuen Schwimmgefühl entgegen sprang.

Gibt es für dich auch hin und wieder Trainingseinheiten, zu denen du dich einfach nicht überwinden kannst? 

P.S. Werbung: Mit in den Persischen Golf durfte mein Sailfish Neoprenanzug und die Arena Cobra Tri Schwimmbrille. Der Forerunner 935 hat wie immer die Distanz aufgezeichnet.

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Alle hier gezeigten Fotos wurden von meinem Fotografen Olli erstellt. Die Rechte an diesen Aufnahmen liegen bei ihm und mir. Eine weitere Nutzung ist nur in Absprache mit uns möglich.

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Als Triathletin & Autorin von Eiswuerfel Im Schuh bin ich zusammen mit meinem Sportfotografen immer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung und neuen Bildmotiven. Als Julimädchen liebe ich die Sonne, das Meer und den Sand zwischen den Zehen, genieße aber auch die Ruhe auf meiner Yogamatte oder auf einem Surfbrett.

8 Gedanken zu “Schwimmgeschichten: Kopfüber zum neuen Schwimmgefühl

  1. Respekt, dass du bei den Temperaturen ins Meer gegangen bist und auch in heimischen Gefilden so früh ins Freiwasser gehst.
    Für mich ist kaltes Wasser echt ein Greul und bei kalten Außentemperaturen kostet es mich selbst Überwindung in die Halle zu gehen 😉 . Aber nach der Zwangspause freue ich mich direkt darauf wieder ein paar Bahnen drehen zu können.

    • Hallo Frank, du, ich muss dir sagen, wenn es 15° im See hat, findest du mich wieder dort. Da braucht es natürlich zwei Badekappen, einen heißen Tee davor und danach, unendlich warme Gedanken und Ohrstöpsel. Aber es ist es alle Male wert. Ich freue mich. Mein typisches Trainingswetter draußen am See ist irgendwie immer so 17° Luft und Wasser, dazu Regen,… Weiß auch nicht, wie das immer kommt. Aber vermutlich, weil ich bei wärmeren, schöneren Tagen immer lieber die langen Radeinheiten einplane. Wer weiß, wofür es gut ist beziehungsweise weiß ich, wofür es in diesem Jahr gut ist… Aber ich verrate noch nichts. More to come,… sozusagen.

      Wann steigst du wieder ein? Hoffentlich dann vorsichtig.

  2. Was für eine wunderschöne Liebeserklärung an das Schwimmen! Du wirst jetzt vermutlich ungläublig schauen, aber ich war (seit ich etwa 9 war) nie im Freiwasser schwimmen, sondern immer nur in der Halle oder in einem Aussenbad. Jetzt hast Du mir aber gerade Lust darauf gemacht – auch wenn ich bei den Temperaturen wohl noch ein bisschen warten muss 🙂
    Liebe Grüsse
    Ariana

    • Hallo Ariana,

      ich hoffe, dir geht es gut.

      Wow, das ist eine lange Zeit. Um so mehr freut es mich aber, dass meine Schwimmgeschichte dir Lust gemacht hat, auch wieder einmal raus aus den Becken zu gehen. Es dauert sicher noch etwas. Ich hoffe aber, dass ich zu Ostern eventuell das erste Mal in den See kann.

      Habt ihr eigentlich ein beheiztes Außenbecken? Ich sehe ab uns zu einige Athleten draußen in dampfenden Becken von Schnee umrandet schwimmen. Was für ein Traum. Leider gibt es das hier nicht. Also weder den schönen weißen Schnee noch ein beheiztes Außenbecken. Zumindest weiß ich nichts davon.

      • Liebe Din
        Nein – hier öffnen die Schwimmbäder alle erst etwa im Mai, die beheizten Aussenbecken sind nur in den Wellnessoasen vorhanden. Und dort ist Schwimmen dann doch eher schwierig 🙂
        Aber so etwas wäre natürlich grandios und dann könnte ich auch mit dem Schnee sehr gut leben 🙂
        Liebe Grüsse
        Ariana

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