Laufgeschichten: Was quäle ich mich so?!

Diese Frage stelle ich mir wirklich gern, wenn es mal wieder im Training nicht so läuft, wie ich es mir vorgestellt habe. Falsche Klamottenwahl ist in jeder Sportart etwas, was mich aus dem Takt bringt. Ärgerlich, wenn etwas zwickt und zwackt und man nur am Hin- und Herschieben oder Zerren ist. Noch ärgerlicher ist es aber, wenn man sich zu warm angezogen hat. Zu kalt ist immer irgendwie ok. Gerade beim Laufen. Aber zu warm. Das kostet Nerven!

Klar, am liebsten laufe ich natürlich am Strand. Dort im Hochsommer auch liebend gern in super kurz kurz. Aber zu Haus? Eigentlich eher selten. Ich habe immer ein Shirt an. Dumm nur, wenn man den gesamten Tag vor sich hin fröstelt und ich deshalb wie immer mal gern wieder, loslaufe, als hätten wir Spätherbst und ganz frühes Frühjahr, statt nun mittlerweile eben schon Sommer. Den einen Tag wollte ich mir wirklich die Hose vom Leib reißen. Was hat mich dazu getrieben, eine lange zu tragen. Ja, ok. Es waren erst zwölf Grad. Es war Morgen. Ich ungemein müde. Dunkel kann ich jetzt wohl kaum sagen. Gefühlt war Nacht, aber die Sonne war bereits aufgegangen. Was nun wirklich nicht in Frage kommt, ist laufen in Unterhose. Bin ja nicht beim 100m Sprint auf der Bahn und selbst da würde ich mir das noch einmal überlegen.

Mein Abendlauf die Tage lief nicht besser. Statt nun aber einfach kurze Shorts und kurzes Top anzuziehen, mache ich was?! Ich trage mein Lieblingslaufshirt. Langarm. Klar. Ich wollte ja schließlich nach Sonnenuntergang auch bei meinem 14km Lauf nicht anfangen zu frieren. Dafür war mir den gesamten schon viel zu kalt gewesen. Da ich nun aber nicht gerade schlürfend, sondern eher forsch unterwegs war, um meinen durchweg wenig spaßigen Tag zu vergessen, stand die Sonne selbst nach einigen Kilometern noch schön hoch. Die Wolken, die mich den gesamten Tag über frösteln ließen, waren natürlich plötzlich komplett von diesem gleißenden Etwas am Himmel verdrängt.

Wie beneidete ich einen russischen Laufbekannten, der mir wie immer rasend entgegen kam. Er ist aus Sibirien und ja, er läuft auch im Winter kurz kurz. Jetzt im Sommer natürlich nur im Sprinterhöschen. So wie übrigens auch manch anderer Läufer. Vor allem die Männer trauen sich alles. Na gut, ich habe auch schon mal eine Walkerin und gelegentlich mal Läuferinnen in Laufshorts und Top – eher Töpchen – gesehen. Ich überlegte von Anfang an, ob ich zurück laufen sollte. Aber da es sich nicht um einen Notfall handelte, vertrieb ich den Gedanken. Ich zerrte die Ärmel hoch. Ich lüftete kurz durch. Ich war mit Sicherheit so knallrot wie der Horizont am späten Abend. Sämtliche Fluchereien rasten durch meinen Kopf. Jedes noch so winzige Stückchen Schatten, nutze ich genussvoll aus. Auch wenn nur die Füße, die kochten – wo sind die Eiswürfel, wenn man sie mal braucht -, ein wenig Schatten erhaschen konnten, bin ich dort entlang gelaufen. Jeder Umweg war eine Freude.

EISWUERFELIMSCHUH - Laufgeschichten Einfach mal frei machen NIKE TomTom Julbo

Während die anderen Läufer den Abend genossen, lief mir das Wasser quer über das Gesicht. Alles krabbelte. Ich war nur am Wischen und das Schlimmste, dafür zog ich die langen Ärmel über meine Hände, um all das Zeug aus dem Gesicht zu schaffen.

Ich musste kurz das Tempo rausnehmen, als ich eine Brücke mit einigen Stufen passieren wollte. Da stand die Wärme wie eine Wand. Das brachte das Fass – das schwitzende Fass – wirklich zum Überlaufen! Geht’s noch?! Wieso sollten nur die Herren so herumlaufen können? Wieso sollten sie nur ihr Shirt zum Schweißabwischen in den Händen statt am Körper tragen? Ich riss mir mein versifftes Lieblingsdings aus und lief. Ich lief einfach. Ich wischte mir den Schweiß mit meinem neuen Handtuch ab. Das sich übrigens auch hervorragend zum Grüßen der anderen Läufer eignet. Die Männer machen das ja auch so. Der sibirische Läufer als absoluter Profi natürlich am besten. Von da an rannte ich vor mich hin. Locker, befreit, erfrischt und noch etwas zügiger.

Laufen oben ohne? Ja oder nein? Ich finde absolut. Nicht nur in der Not, am Strand, beim Wettkampf oder für Männer… 

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P.S. Am Strand begleitete mich meine Nike Pro Capri, der leichte Free 5.0 und super feste Pro Classic Lauf-BH, der auch als Top durchgeht. Sonnenschutz Dank Eiswuerfel Im Schuh Visor und Rudy Project Brille dürfen natürlich auch nicht fehlen. Der Puls wird ohne Brustgurt mit der Tom Tom Cardio Runner am Handgelenk gemessen.

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..‚Din‘ ist Gründerin von Eiswuerfel Im Schuh

20121111-082354.jpgAls Triathletin & Autorin von Eiswuerfel Im Schuh bin ich zusammen mit meinem Sportfotografen immer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung und neuen Bildmotiven. Als Julimädchen liebe ich die Sonne, das Meer und den Sand zwischen den Zehen, genieße aber auch die Ruhe auf meiner Yogamatte oder auf einem Surfbrett. Ich freue mich, mit dir auf FacebookTwitter, Pinterest, Instagram und Google+ in Kontakt zu bleiben.

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Als Triathletin & Autorin von Eiswuerfel Im Schuh bin ich zusammen mit meinem Sportfotografen immer auf der Suche nach der nächsten Herausforderung und neuen Bildmotiven. Als Julimädchen liebe ich die Sonne, das Meer und den Sand zwischen den Zehen, genieße aber auch die Ruhe auf meiner Yogamatte oder auf einem Surfbrett. Ich freue mich, mit dir auf FacebookTwitterPinterestInstagram und Google+ in Kontakt zu bleiben.

19 Gedanken zu “Laufgeschichten: Was quäle ich mich so?!

  1. Ich finde, jeder sollte so laufen, wie er sich am wohlsten fühlt – wenn das mal oben ohne ist – warum nicht 🙂 Gerade bei diesen Temperaturen gibt es ja kaum etwas besseres 🙂
    Liebe Grüsse
    Ariana

  2. ..das geht auf jeden Fall, habe ich jetzt auch schon ganze zwei Mal gemacht. (Und zudem: wenn man es sich leisten kann dann sollte man davor auch nicht zurückschrecken 😉 ) Vor allem wird man dann auch mal an anderen Stellen braun. Ich muss langsam nämlich mal von meinen Tanlines bzw. den weißen Händen und braunen Armen ablenken 😀

  3. Bei mir hat sich das Laufkleidungsverhalten in den letzten Jahren sehr verändert. Vor 10 Jahren bin ich, bis 0 Grad, immer noch in kurz gelaufen. Heute laufe ich oft bei 10-15 Grad noch mit Handschuh, auch wenn der Rest kurz ist, aber unter 10 grad immer lang. Bin da wirklich ne kleine Frostbeule geworden. Oben ohne laufe ich nie und im knappen Sprinterhöschen schon gar nicht. Da fühle ich mich nicht wohl bzw. glaube ich, dass mein Körper nicht mehr ästhetisch genug aussieht. Das wäre schon eine ganz schöne Überwindung für mich! Bei Anderen habe ich überhaupt kein Problem damit! Glaube wohl immer, dass es bei allen Anderen gut aussieht, nur nicht bei mir. Vielleicht sollte ich es mal ausprobiert, heimlich Nachts im dunkeln am einsamen Strand.

    LG
    Und Happy Weekend

    • Na da bin ich aber froh, dass ich nicht die einzige Läuferin bin, die gern warm angezogen ist.

      Ich glaube, wir müssen uns frei machen von ästhetisch oder nicht. Du glaubst nicht, was ich schon alles gesehen habe.

      Heimlich nachts im dunkeln, ist ja eine Möglichkeit. Ich fühle mich aber auch sehr oft extrem unwohl in gewissen Sachen. Der Funktion halber habe ich mich aber wirklich schon an einiges gewöhnt. Es gab eine Zeit, da habe ich Shorts gehasst. Mittlerweile bin ich eher mit 3/4 Tights und Kompressionenssocken unzufrieden und traue mich damit nicht auf die Straße. Oder in den Wald. Da sehe ich immer aus wie ein Fußballer mit monströsen Waden.

      Sport frei in kurzen Sachen! Beste Grüße.

  4. Bisher hab ich’s noch nicht gebracht, aber mir auch bewusst 2 Bra-Tops gekauft, die ich auch shirtlos tragen könnte. Ich denke da v.a. ans Tempotraining im Stadion, wenn man das Shirt dann auch bequem ablegen kann. Allerdings sind da im Moment zu viele Schüler unterwegs und mein Sixpack ist noch zu gut verhüllt… 😉

  5. Ich muss ja sagen, je nach Textil finde ich Klamotten beim Sport mehr oder weniger erträglich. Ich habe ein paar Shirts von Odlo und Arcteryx, die sich wie fast gar nix anfühlen, und dann wieder weitere, wo man denken würde „gleicher/ähnlicher Stoff“, in denen es sich saunieren ließe… Was ich noch unbedingt ausprobieren will, ist Merino für den Sommer. Angeblich soll es noch besser sein als Kunstfasern!

    • Das mit der Merino hatte ich auch gehört. Leider blieb mein Test erfolglos, da mich selbst 1% Wolle in meiner Kleidung zum Wahnsinn treibt… Selbst eine Lage darunter hilft nicht.

      Das mit den unterschiedlichen Fasern ist schon verwirrt. Für mich haben sich Mesh-Tops als die ideale Alternative zum Halbnackt-Laufen herausgestellt.

  6. Du bist eine von denen, die auch bei 25°C noch mit 3/4 Hose laufen gehen, oder? Das kann ich gar nicht haben: Ich finde alles ab 20°C sehr warm und trage so lange wie möglich kurz. ‚Kurz‘ heißt für mich knielange Lauftights oder Shorts, die bis zur Hälfte meiner Oberschenkel reichen. Meine Oberschenkel sind sicher nicht in Topmodel-Form, aber das ist mir egal: Ich bin zum Sport machen unterwegs und nicht zum toll aussehen 😉

    Oben kurz kurz laufen hab ich noch nicht probiert. Ich hab vor ein paar Wochen mit early bird Runden angefangen und mich von den frischen Temperaturen morgens um 6 Uhr zum Jäckchen verleiten lassen – FEHLER! Also lauf ich im Sommer immer im kurzärmeligen Laufshirt. Scheinbar hab ich alles Selbstbewusstsein für die kurzen Hosen aufgebraucht, denn meinen Bauch im Sport-BH oder kurzen Top zu präsentieren trau ich mich dann doch nicht.

    Einen schönen Lauf-Sommer!

    • Ja, also ich bin gern eingepackt. Was gegen Kälte hilft, sollte doch auch gegen Wärme helfen… Irgendwie stimmt diese Theorie leider nicht beim Sport. Ich stelle kurz nach Start fest, was ich alles falsch aus dem Kleiderschrank gegriffen habe. Zurücklaufen kommt aber nie in Frage. Super anstrengend ist so eine Situation im Wettkampf.

      Ob dich jemand so früh sieht? Vielleicht wäre es einen Test wert. Aber nein, ich verstehe ich. Jedes Frühjahr ist es für mich auch erst einmal eine Überwindung, wieder die Shorts anzuziehen.

  7. „Oben ohne“ heißt in deinem Fall ja dann „oben mit Sport BH“. Da sehe ich eigentlich überhaupt nichts anstößiges bei, schließlich sind die Teile ja doch wesentlich zurückhaltender als so manches Bikini Oberteil und halten alles an Ort und Stelle 🙂

    • Absolut richtig! Also immer noch mit etwas… Ich habe nur die Erfahrung gemacht, dass man in der Stadt am Tage mit normaler Kleidung und bauchfrei wesentlich unaufgeregter wahrgenommen wird, als mit einem Lauf-BH auf der Laufstrecke schwitzend und japsend. Aber ja, zum Glück wird da alles an Ort und Stelle gehalten und eigentlich sieht das meist auch eher wie ein Top aus. Zum Glück!

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